Liebe C-C-L,
es ist nun mal so. Unser Leben ist wie eine Welle. Und wir sitzen drauf, mal ganz oben, was ein Gefühl!!! GUUUT! In diesen Momenten spüren wir nichts als Energie, ein Gefühl von Ewigkeit ... Hey, was kostet die Welt. Ist da etwa jemand traurig??? Wie denn das? Ja. gut. So gut. Kein Gedanke an die **andere Seite** ... wir haben mal gezweifelt, wir waren mal verzweifelt ... ??? Da oben haben wir kaum einen Blick dafür. Und dabei ist doch schon ganz klar, dass es auch mal wieder abwärts geht. Es ist schon klar, dass der Zeitpunkt kommt, wo der Strudel uns mal wieder unter Wasser zieht und wir kämpfen müssen, um wieder hoch zu kommen an die Luft und ans Licht.
Wenn ich mal mich anschaue, dann sehe ich einige solcher grossen Wellen in meinem Leben. Die letzte war meine bisher extremste. Und ich stelle fest, dass mir – wenn ich mal wieder nach ganz oben gelange – dieses Mal eine Ahnung vom **unten** bleiben wird, egal wie weit hoch sie mich hinaustragen wird, die Welle... das ist wohl irgendwann einmal einfach Erfahrungssache.
Du bist geflogen, das hat Dir Energie gegeben. Du hast eine wichtige Entscheidung getroffen. Das hat Dir sehr viel Kraft gegeben. Und – auch wenn es Dir gerade jetzt vielleicht gar nicht so scheint, Du hast sie immer noch diese Kraft. Vielleicht ist jetzt einfach wieder die Zeit, mal auszuruhen, innezuhalten .... Ich glaube es ist normal, das solch eine Phase folgt, immer nur fliegen geht halt nicht. Du bekommst wahrscheinlich gerade nur das Signal, dass es an der Zeit ist, mal wieder ne Pause einzulegen – nur für Dich allein – mal wieder ein Resume ziehen. Abtauchen und dann die beste Position suchen um wieder aufzusteigen ...
Du denkst vermehrt an ihn? Ruhepol? Trugbild?
Oh ja, das kenne ich sehr gut. Es ist so, weil Deine schöne Erinnerung an ihn so ist. Und diese Erinnerung berücksichtigt nun mal nicht das, was inzwischen passiert ist. Sie will es ja auch gar nicht. Dieser Ruhepol, danach sehnst Du Dich jetzt, Du hattest ihn, aber es gibt ihn gar nicht mehr. Wie gut ich das kenne. Das ist wohl so, weil DAS im Moment Dir noch kein Anderer Dir wieder geben konnte. Du hast (noch) kein Äquivalent. Deshalb die Gedanken in dieser Form an ihn.
Und – ich hatte es Dir auch schon geschrieben – Konsolidierung! Ja. Eine gute Beschreibung. Hab es gleich für mich übernommen. Nach dem ganzen Schmerz, nach dem Wirr-warr und Chaos, nach dem Power-Flash, der uns zwischendurch mal wieder wenigstens auf Wolke 6 katapultiert hat (7 kommt noch ... bald ... 2003 ... you know? ... unser Jahr

) machen wir mal Kassensturz und schaffen Ordnung. Erst mal klar sehen, was war, was ist, was möchten wir. Und welche Wege gibt es denn überhaupt?
Und – auch das muss ich hier noch mal sagen – Hut ab – C-C-L, Du fühlst Dich nicht als **Opfer** ... bist immer noch nicht versucht, ihn doch wieder anzurufen ... trotz der vermehrten Gedanken. Sauber! Zeigt für mich soviel positive Grundeinstellung zu Dir selbst und zum Leben, dass ich mir wirklich um Dich überhaupt keine Sorgen mache

Sage gerade in Gedanken zu mir: „Gia, schneid Dir da mal ne Scheibe ab!“ Ja, das merk ich mir, liebe C-C-L, und wenn die Gedanken wieder kommen, ich mich wieder mal wie **vom Leben verprügelt** fühle, dann weiss ich an wen und an was ich denke

Und noch ein **Bravo** an Dich muss ich aussprechen, wenn ich Deinen nächsten Absatz lese. Der Typ mit Frau und Kindern ... hättest Du nicht erfahren was Du erfahren hast, hättest Du ihn nicht so erkennen können. Kann man nur hoffen, dass er nach Euerem Treffen mal ein bisschen in sich gegangen ist.
Hier kommt mir der Gedanke dieses Abends. Er ist in mir, seit ich eben mit einer Freundin telefoniert habe... sie hat mir erzählt, dass sich Jemand umgebracht hat... ich kannte diesen Jemand nicht, nur aus Erzählungen .. und doch. Ich sass auch da und war nur noch schockiert... Wie unerträglich muss diese Welt für jemanden werden um so einen Schritt zu tun? Und was ich dann dachte, was auch jetzt so präsent in mir ist: Da leben wir nun, Millionen von Menschen zusammen in dieser Welt. Und es gelingt uns doch tatsächlich immer wieder, uns gegenseitig so oft das Leben zur Hölle zu machen. Nur ein Beispiel: Da ist jemand, der liebt uns, aber dessen Liebe können wir weder sehen, geschweige denn annehmen während unsere Sehnsüchte und Leidenschaften sich regelmässig auf das richten, was irgendwie letztlich für uns unerreichbar ist, oder von vornherein zum Scheitern verurteilt. Oder: Jemand bittet uns um Verzeihung, hat sich wirklich geändert, hart an sich gearbeitet. Warum können wir ihm keine Chance mehr geben? Warum sind wir so hart geworden? Und schaffen damit weitere Härte ... indem wir diesen Menschen dann eben mal brechen ... merken es höchstwahrscheinlich nicht mal so genau in diesem Augenblick... Ist das das Leben – unser Leben? Was wollen die Menschen? Die Träume gleichen sich sehr. Warum ist es dann eigentlich doch wieder so schwierig? Natürlich meinen wir oft, es erfasst zu haben und drüber zu stehen ... und dann ? **peng** gefangen .... kann ja wohl nicht wahr sein ... und Du bist mittendrin. Machst es doch wieder mit das Spiel. Und – auch komisch – plötzlich ist da jemand – liebt Dich genauso wie Du es Dir immer erträumt hast. Warum eigentlich passiert es so oft, dass wir nicht sehen noch annehmen können. Schon mit der Ahnung, dass es so ist, wie wir es wünschen, erscheint es dann nicht mehr so erstrebenswert wie in dem Zustand der **Ungewissheit** ??? Wie vermessen wir doch auch oft sein können. Ist das alles menschlich? Normal? Der Gang der Dinge? Der Gang des Lebens. Ich hadere gerade ein bisschen. Möchte es einfacher machen, einfacher haben... weiss wie und weiss es doch wieder nicht.
Ok, C-C-L, bin abgeschweift. Gut, dass Du dem Kerl eine **gewatscht** hast.... vielleicht war es ja wirklich mal ein Impuls für ihn ... ein Impuls, es sich nicht so leicht zu machen. Nicht einfach abzuhauen. Mal dranzubleiben, mal nachzudenken ... mal zu sehen, was er eigentlich verlieren würde ... mal zu erkennen, was er hat und was er – immer noch und immer wieder – draus machen könnte ... und dass es mit dieser Einstellung gar nicht nötig wäre, dafür erst in die Fremde zu ziehen – für ein – mit Sicherheit – vorübergehendes Prickeln.
So, jetzt bin ich am Ende, muss ins Bett und schlafen.
Wünsche Dir liebe C-C-L eine äusserst erfolgreiche Konsolidierung... während ich mich derweil um das Gleiche bemühe. Und allen hier eine gute Nacht.
Gia