Nerd
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auch mich hat ein Beziehungsende erwischt. Allerdings war ich diejenige, die den finalen Schlussstrich gesetzt hat. Dennoch geht es mir überhaupt nicht gut und ich würde mir gerne einiges von der Seele schreiben. Denn ich weiß nicht, ob ich das richtige getan habe. Herz und Verstand rebellieren in meinem Körper und sorgen dafür, dass ich einfach nur ausgelaugt bin und nicht mehr klar denken kann.
Vorab: Ich (w, Mitte 30) komme aus einer emotional missbräuchlichen Beziehung mit meinem ExEx. Ein Bilderbuch-Narzisst. Selbstbewusstsein, Lebensfreude, alles war weg. Ich existierte nicht mehr. Ich konnte mich nicht mehr anfassen lassen, weil er auch sexuell übergriffig war. Manipulationen und Depressionen ohne Ende.
Die Beziehung mit meinem ExEx war dann ein halbes Jahr her und ich war an einem Punkt, wo ich mich langsam wieder für Männer interessieren konnte. Ich war sogar tatsächlich in jemanden verknallt und habe auf eine Nachricht von demjenigen gewartet (er wollte sich melden - hat er bis heute nicht). Um mich abzulenken war ich Zelten und da habe ich tatsächlich meinen Ex (Anfang 30) kennengelernt. Gentleman. Hat beim Zeltaufbau geholfen, weil er mein Platznachbar war. Wollte mich nicht flachlegen, obwohl er mich betrunken zu meinem Zelt gebracht hat. Wir hatten keine Kontaktdaten ausgetauscht.
Als ich wieder daheim war, hat er mich tatsächlich auf fb gesucht und angeschrieben. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir haben uns gedatet. Trotz über 600km Entfernung. Ich bin von Anfang an sehr offen mit meinen Problemen aus der vorherigen Beziehung umgegangen. Er hat mich so akzeptiert, wie ich war. Es hat einige Wochen gedauert, aber ich konnte mich immer mehr öffnen und tatsächlich habe ich dank ihm zu meinem alten Selbstbewusstein zurückgefunden und körperliche Nähe war für mich auch kein Problem mehr.
Die Beziehung war sehr schön. Er ist aufmerksam. Habe ich beispielsweise komische SMS geschrieben, hat er mich direkt angerufen. Er hat mir Postkarten geschrieben. Mir Kleinigkeiten via Post geschickt. Mir durch kleinere depressive Episoden geholfen. Mir geholfen, wenn ich Probleme mit meinem Vater hatte (eigenes Thema). WIr sind beide extreme Nerds. Es hat wie Ar. auf Eimer gepasst. Auch mit seiner Familie verstehe ich mich super.
Irgendwann gab es den ersten Knacks. Ich wollte das berühmte ILD sagen, habe es angedeutet, weil ich sehr vorsichtig mit sowas bin. Da sagte er, dass er noch Zeit braucht. Das war für mich kein Problem, da er auch mir die Zeit gegeben hatte. Nach circa einem Jahr Beziehung sind wir mit seinen Freunden nach Asien und haben dort einen RoadTrip gemacht. Mir ging es psychischer zunehmend schlechter. Ich bin ein hochsensibler Mensch und habe gemerkt, dass irgendetwas nicht bei uns stimmte. Am Abflugtag fragte er mich im Hotelzimmer, ob alles iO sei. Ich kann nicht verstecken, wenn es mir schlecht geht. Ich entgegnete, dass seine Freunde ihm teilweise wichtiger waren als ich und ich nicht weiß, wie er für mich empfindet. Er war wie vom Auto überfahren (einen Tag vorher kaufte er mir sogar noch ein Geschenk) und sagte plötzlich, er empfinde für mich nur wie eine beste Freundin. Boom, er hat die Trennung ausgesprochen. Es hat daran gelegen, dass ich zu viel übers Kinderkriegen und Heiraten gesprochen hätte. Dem war mir nicht bewusst, da ich mitten in einem Studium steckte und es die nächsten 2-3 Jahre eh nicht in Frage käme. Ich war wütend, weil er mit mir darüber hätte reden müssen. Wir haben immer über alles geredet. Stattdessen hatte er sich da wohl so extrem drauf fokussiert und seine Gefühle für mich buchstäblich geschreddert.
13 Stunden Rückflug. Es war die Hölle. Noch während des Rückflugs hat er einen Rückzieher gemacht. Ich sei es wert, dass man um mich kämpft, weil ich eine tolle Frau sei, aber er weiß nicht, was mit seinen Gefühlen los sei. Er könnte nichts versprechen. Er sei überfordert, er habe bei seiner Reaktion nicht nachgedacht, etc. Ich habe um Bedenkzeit geben und nach 2 Tagen sagte ich, dass wir es nochmal versuchen können.
Das haben wir dann auch. Die Beziehung ging weiter. Erst holprig, dann wurde es aber wie früher. Dennoch habe ich immer mehr investiert als er. Ich bin die meiste Zeit zu ihm. Er war selten bei mir, auch bedingt durch den Job. Wir hatten vereinbart, dass wir im April ein 4-wöchiges Probewohnen bei ihm machen wollten (passte zeitlich durch Ferien bei mir). Gesagt, getan.
Samstag beim Frühstück fragte er, ob alles in Ordnung sei. Ich war seit einer Woche bei ihm. Da sagte ich dass ich unglücklich bin. Wieder kam auf das Thema, dass ich nicht weiß, was er für mich empfindet. Jetzt mittlerweile nach 1,5 Jahren Beziehung. Asien war über 7 Monate her. Er hatte 7 Monate Zeit für die zweite Chance. Wieder das gleiche Drama mit seinem Gefühlschaos - es war mir zu viel. Ich habe angefangen meinen Koffer zu packen, habe ihm dennoch immer wieder kleine Chancen eingeräumt mich aufzuhalten. Er hat nur wortlos zugesehen, hatte Tränen in den Augen, war sichtlich überfordert. Hat mir irgendwann geholfen. 8 Stunden Rückfahrt mit 2 Katzen: Wieder die purste Hölle für mich.
Einen Tag später rief er mich an. Es täte ihm Leid, er weiß, dass er sich wie ein Ar. verhält. Aber er wüsste nun, dass er mich liebe. Endlich kam was, was ich die ganze Zeit hören wollte, wenn auch indirekt! Ich habe wieder um Bedenkzeit gegeben, sagte aber direkt, dass seine Stadt für mich gestorben ist und er sich Gedanken machen muss.
Gestern telefonierten wir. Er war von Anfang an negativ eingestellt, sagte direkt, dass er sich damit schwer tut seine Stadt zu verlassen. Er hat so negativ gesprochen, dass es mir schwerfiel, da noch was positives zu sehen. Ich wollte trotzdem irgendetwas aus ihm rauskitzeln. Etwas, womit man arbeiten könnte. Auf meine finale Frage, ob er mich wirklich liebt, kam nur ein zögerndes „Ja, ich glaube schon“. Das hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen. Warum dann dieser vorherige Anruf?
Er war nicht bereit für die Beziehung zu kämpfen, das hat man die ganze Zeit gemerkt. Er stand sich total selbst im Weg. Ich fragte, wie er sich das denn überhaupt vorgestellt hätte. Dann sagte er Dinge, wie, er wollte, dass ich wieder zu ihm in seine Stadt komme. Er wollte mir bei sich zeigen, wie sehr er sich bemühen könnte. Er wäre bereit, seine Stadt zu verlassen (das war tatsächlich dann ein neuer Fortschritt), aber nicht sein Bundesland. Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich ja auch später nicht in meiner Ecke wohnen bleiben wollen würde. Aber dass ich jetzt mein Studium nun gerne bei mir beenden würde und auch die Fortbildung danach zumindest hier anfangen möchte. Aktuell brauche ich Sicherheit, die er mir nicht geben kann. Dieses Thema stand immer zwischen uns, da ich da auf die Willkür der Uni angewiesen bin. Wenn es einen Platz gibt, kann ich einen Teil meines Studiums bei ihm fortsetzen (ursprünglicher Plan). Das hätte ich aber erst nach April gewusst und wenn ich mich da einmal beworben habe, gibts quasi auch kein zurück mehr. Und ob ich jobtechnisch was bei ihm finden würde, ist leider fraglich, wenn auch nicht unmöglich.
Ich kann keine 600km zu einem Mann ziehen, der sich seiner Gefühle nicht bewusst ist und meine berufliche Zukunft riskieren. Ich kann meinen Katzen auch diesen Streß in so kurzer Zeit nicht nochmal antung (vor allem, weil er auch eine Katze hat…). Ich wollte nur von ihm hören, dass er mich liebt. Dann hätte ich ihm wirklich noch eine dritte Chance gegeben. Weil ich nicht vergessen habe, aus was für einem Loch er mich damals geholt hat.
Ein ziemliches Hin und Her. Nur leider verstehe ich, warum er so ist, wie er ist. Seine Hintergrundgeschichte: Er war vor mir 7-8 Jahre mit seiner Jugendliebe zusammen. WIe ich von seiner Schwester weiß, hat diese Frau extrem viel sch. mit ihm veranstaltet. Push and Pull ohne Ende. On-Off-Beziehung. Manipulation ohne Ende. Sie wohnten zusammen, sie ist in eine andere Stadt gezogen, er ihr hinterher, aber in eine eigene Wohnung, sie dann zu ihm in die Wohnung und hat alles nach ihren Vorstellungen eingerichtet. Er wollte beispielsweise nicht heiraten. Sie hat ihn dazu bekommen, er mach ihr den Antrag und nach einem dreiviertel Jahr trennt sie sich trotzdem. Kurzum: Sie hat ihn ziemlich kaputt gemacht. Genau wie mein ExEx mich kaputt gemacht hat.
Er sagte zu mir, dass er es nicht gewohnt sei, eine so gute und ehrliche Beziehung zu führen. Er weiß, dass er das in den Sand gesetzt hat. Und er wusste nicht, dass er solche Probleme hat, was Liebe und das Verlassen seines Wohnortes angeht. Er hat die ganze Zeit Angst, dass ich durch meinen späteren Beruf sonst wo landen könnten und er sein Zuhause aufgeben müsste (Was ich nie verlangt habe). Ich habe auch viel mit seiner Schwester gesprochen. Die ganze Familie sieht, wie gut ich ihm täte. Das Problem ist wohl, dass er schonmal für seine Ex umgezogen ist und er dadurch solche Probleme mit dem Thema hat.
Ich liebe diesen Mann. Er ist ein wirklich guter, guter Mensch, der mir damals so unglaublich geholfen hat. Aber es ändert nichts daran, dass er mit zwei Mal sehr weh getan hat, auch wenn ich weiß, dass er das nicht mit Absicht getan hat. Ich hasse ihn nicht dafür. Er hat offenbar Probleme durch seine Ex. Ich will ihm helfen, gleichzeitig weiß ich aber auch, dass ich mich schützen muss. Vor allem, weil ich dieses Jahr mein Staatsexamen schreibe.
Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll. Und es ist schwierig, auch für mich als Schlussmacherin, das auszuhalten.