Amando
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Wir waren gut zweieinhalb Jahre zusammen. Am Anfang war die Beziehung sehr intensiv, nah und verbindlich. Wir haben viel miteinander unternommen, sind gereist, hatten eine sehr gute körperliche Nähe und relativ schnell gemeinsame Zukunftspläne. Später haben wir zusammen ein Haus gekauft und ausgebaut. Es gab konkrete Vorstellungen von Familie, gemeinsamer Zukunft und einem langfristigen Leben miteinander.
Rückblickend gab es aber auch Themen, die wir nicht gut genug gelöst haben. Bei mir waren das unter anderem Direktheit und teilweise zu starke Reaktionen in Konflikten. Bei ihr spielt offenbar eine starke Überanpassung eine Rolle. Sie sagt heute selbst, dass sie oft ihre eigenen Grenzen und Bedürfnisse nicht ausreichend wahrgenommen oder ausgesprochen hat.
Das macht es im Rückblick schwer, weil ich mich frage, welche Dinge wirklich gemeinsame Wünsche waren und wo sie vielleicht zu oft mitgegangen ist, ohne sich selbst ausreichend zu spüren.
Was mich besonders beschäftigt, ist die Geschwindigkeit am Ende.
Ihr Stiefvater starb und ab der Beerdigung war es seltsam. Das war Mitte August.
Noch wenige Monate vor der Trennung wurde über ein gemeinsames Kind gesprochen. Einige Wochen vor dem Auszug hat sie noch ein Dachzelt für gemeinsame Reisen gekauft und Urlaube geplant. Es gab weiterhin gemeinsame Projekte und Zukunftsbilder.
Dann kam innerhalb relativ kurzer Zeit der komplette Bruch.
Sie sagte, sie fühle aktuell nichts mehr, sehe keinen Weg für die Beziehung und müsse zuerst herausfinden, wer sie selbst eigentlich ist und was sie möchte. Sie ist wegen Depressionen in Behandlung und beschäftigt sich stark mit dem Thema Grenzen, Überanpassung und Selbstfindung.
Kurz danach suchte sie eine Wohnung. Inzwischen ist der Mietvertrag unterschrieben, der Umzug steht unmittelbar bevor.
Sie sagt sehr klar, dass ich nicht auf sie warten und mir keine Hoffnung machen soll. Ich soll mein Leben nicht darauf ausrichten, dass es irgendwann wieder etwas zwischen uns geben könnte. Auf meine Idee, dass man sich vielleicht irgendwann einmal neu kennenlernen könnte, kam von ihr nur sinngemäß: Man wird sehen, aber ich soll daraus keine Hoffnung machen.
Gleichzeitig ist der Umgang zwischen uns weiterhin erstaunlich warm.
Wir können miteinander lachen, normal reden und haben teilweise sehr vertraute Momente. Sie fragt nach mir, kümmert sich, bietet Essen an, interessiert sich dafür, wie es mir geht. Bei einem Gespräch über den bevorstehenden Auszug sagte sie, dass sie ebenfalls wollte, dass unser gemeinsamer Plan funktioniert und dass sie sich im Haus sehr wohlgefühlt hat.
Bei der Abwicklung von Möbeln, Haus und Finanzen wurde sie sehr emotional und hat geweint. Sie sagte, sie habe gedacht, dass wir uns vertrauen. In dem Gespräch wurde auch deutlich, dass die gemeinsame Zukunft für sie nicht einfach bedeutungslos war.
Sie sagte außerdem, dass gemeinsame Orte und Reisen für sie stark mit Erinnerungen verbunden sind und dass sie teilweise gar nicht weiß, ob sie manche Orte noch einmal besuchen möchte.
Trotzdem zieht sie ihre Entscheidung konsequent durch.
Genau diese Gleichzeitigkeit macht es für mich schwer: Auf der einen Seite sehr klare Handlungen in Richtung Trennung und Auszug. Auf der anderen Seite Wärme, Trauer, Erinnerungen und Aussagen, dass sie wollte, dass es funktioniert.
Ich selbst schwanke zwischen Trauer, Wut und erstaunlich viel Klarheit.
Ein Teil von mir denkt natürlich darüber nach, ob es irgendwann noch einmal eine Annäherung geben könnte. Gleichzeitig merke ich inzwischen auch, dass ich selbst gar nicht weiß, ob ich die Beziehung in der alten Form überhaupt zurückwollen würde.
Auch ich habe in der Beziehung Bedürfnisse zurückgestellt. Besonders das Thema Sexualität und körperliche Nähe war über längere Zeit schwierig für mich. Ich habe vieles lange ausgehalten, weil ich an die Beziehung und unseren gemeinsamen Lebensplan geglaubt habe.
Inzwischen denke ich, dass die räumliche Trennung wahrscheinlich tatsächlich notwendig ist.
Sie muss für sich herausfinden, wer sie ist, was sie braucht und welche Grenzen sie hat. Und ich muss ebenfalls wieder stärker herausfinden, was ich eigentlich selbst brauche und wo meine eigenen Grenzen liegen.
Trotzdem bleibt natürlich die Frage:
Wie realistisch ist es überhaupt, dass zwei Menschen nach so einem Bruch irgendwann noch einmal zueinanderfinden?
Ist ein Auszug eher ein endgültiges Ende oder kann gerade eine echte räumliche Trennung manchmal notwendig sein, damit beide sich entwickeln?
Und wie schafft man es, die Möglichkeit einer späteren Annäherung nicht komplett auszuschließen, ohne gleichzeitig darauf zu warten und das eigene Leben anzuhalten?
Im Moment versuche ich, genau das zu lernen: Die Beziehung als beendet zu akzeptieren, nicht auf sie zu warten und trotzdem nicht so zu tun, als wäre mir alles egal.
Vielleicht kennt jemand eine ähnliche Situation – gerade diese Mischung aus sehr abrupter Trennung, psychischer Belastung, gemeinsamer Zukunftsplanung und trotzdem noch vorhandener emotionaler Nähe.
Mich würde interessieren, wie ihr damit umgegangen seid und ob Abstand euch irgendwann Klarheit gebracht hat.