Es liegt eine unruhige Nacht hinter mir. Ich fühlte mich aufgewühlt. Es folgten unaufhörlich Erinnerungen...
Ja, der Urlaub war fantastisch, dennoch sehr anstrengend. Wir sind drei Wochen quer durch die USA gereist. Mein Partner ging darin vollends auf. Zuhause ist er am Wochenende frühestens 09:30 Uhr aufgestanden, im Urlaub bereits schon gegen 06:00 Uhr aus dem Bett gehüpft. So konnten wir immer den ganzen Tag nutzen, was ich als sehr angenehm empfand. Zuhause angekommen, kämpfte ich mit Jetlag und den verdrängten Emotionen der Trauer, mein Partner drängte, ich soll zu ihm kommen. Ich sagte ihm, dass ich erstmal Zeit für mich brauche, er akzeptierte liebevoll, zustimmend. Ich fühlte mich verstanden.
Im Jahr 2013 fühlte ich Veränderungen, er sagte oft ab, wenn ich zu ihm kommen wollte. Er verreiste hin und wieder allein. Wenn ich bei ihm war, zeigte er sich jedoch nach wie vor stets liebevoll, drückte und küsste mich. Den Jahresurlaub planten und verbrachten wir auch gemeinsam im September. Es war wieder schön.
Zum ersten Weihnachtstag lud uns mein Vater wieder ein, gemeinsam Essen zu gehen. Mein Partner sagte ab, er möchte die Zeit mit seiner Oma und seiner Eltern verbringen, fand ich schade. Am zweiten Weihnachtstag kam er dann aber zu mir (so verlief jedes Weihnachten), ich machte wie immer meine berühmte Ente, davon war er immer hin und weg, was mich natürlich freute. Ich liebe es, Menschen zu verwöhnen. Silvester verbrachten wir, wie jedes Jahr mit Freunden, in einem wechselnd entfernten Ort. Zur Jahreswende das Übliche, ILD, Küsschen, drücken, große Freude auf das Neue Jahr. Er sagte mir, dass er sich auf das neue Jahr und die nächste Reise mit mir freut, die wir wieder machen werden.
Im Januar 2014 rief ich ihn sonnabends an, dass ich vorbeikomme, er sagte nein. Ich sagte ihm, wir können doch mal wieder in die Sauna gehen. Dann überlegte er und sagte "Ich komme mit, hab eh nichts anderes vor." Dann holte ich ihn ab und wir fuhren in die Sauna. Er verhielt sich anders, distanziert, kühl. Zum ersten Mal nach über 4 Jahren lag Spannung in der Luft. Ich brachte ihn nach Hause. Er verabschiedete sich und ging Richtung Hauseingang. Ich stieg aus dem Auto und lief ihm nach.
Er sagte, er hat keine Lust mehr, keine Lust mehr auf Beziehung. Er möchte Freundschaft zu mir, ich bin ihm wichtig und er will mich nicht verlieren. Ich war geschockt, aber nahm es erstmal so hin. Dann fuhr ich 20 km wieder zurück nach Haus.
Wir verabredeten uns noch für den nähsten Samstag, etwas gemeinsam zu unternehmen. Er war liebevoll wie immer, verhielt sich aber zurückhaltend. Es tat mir weh. Als ich dann wieder allein zuhause war, schrieb ich ihm, dass ich es nicht kann, diese Freundschaft, es gab immer nur ihn für mich. Er antwortete: "Ich habe niemanden und bin auch nicht auf der Suche! Überlege aber mal, lieber eine gute Freundschaft, als ne schlechte Beziehung. Mit einem vollständigen Abschied geht alles weg! Und gute Sachen und Erlebnisse auszuschließen, dafür ist das Leben zu kurz!"
Freundschaft lehnte ich ab, er reagierte mit Traurigkeit. Wir verabredeten dann einen Tag, an dem ich meine Sachen hole. Ich brachte ihm noch einen Glücksbringer mit, den stellte ich ihm ins Regal mit den Wünschen, dass er den richtigen Weg findet.
Im Juni 2014 trafen wir uns. Er nannte mir einen Trennungsgrund, er lag darin begründet, dass er Probleme hat alleine zu sein. Immer wenn ich gegangen bin, ist er in ein tiefes Loch gefallen. Und da er nicht allein sein kann, ist er auf der Suche (Ich habs dann gesehen, er ist auf der gleichen Plattform, auf der wir uns kennenlernten, mit gleichem Nicknamen). Ich fühlte Verrat. Wie lange war er dort schon wieder unterwegs?
Er sagte, er hat nicht vergessen, was er Silvester versprochen hat. Unsere gemeinsame Reise und die will er mit mir machen, wir waren immer so ein klasse Team. Ich soll dies aber nicht als Auffrischung unserer Beziehung sehen, egal, ob er dann eine Neue hat, wir machen die Reise. Ich empfand dieses Angebot als herzlos mir und der möglichen Neuen gegenüber. Es fiel mir trotzdem schwer, lehnte aber ab.
Dazu fiel mir dann später seine Urlaubsgeschichte ein, ca. 6 Wochen nachdem wir uns kennenlernten (s. erster Teil des Threads). Ich konnte mir, seinen mir gegenüber geäußerten Aussagen - "Egal, ob er dann eine Neue hat, er macht die Reise mit mir." - gut vorstellen, dass er noch einen Urlaub mit seiner Ex zusammen machte. Und das sollte mich mit mir wiederholen. Ja nie alleine verreisen und nie alleine sein, nur das Beste für ihn, Harmonie, keine Verpflichtungen, immer Sonnenschein.
Dann wollte er mit mir den Jahreswechsel 2014/2015 begehen. Ich hatte immer die Singlebörse im Hinterkopf, auf der er war, und ließ es platzen.
In diesem Jahr im Mai machte er mir wieder dieses Angebot (Scheinbar hatte er bisher noch nicht den Erfolg gehabt, den er sich von der Singleplattform versprochen hatte.). Sein Angebot riess mich wieder tief nach unten. Was tun? Warum tut er das? Was will er erreichen? Hat er es sich anders überlegt, und weiß nicht, wie er es vermitteln soll? Ich hab ihm alle Wege geebnet, um es mir zu vermitteln. Da kam aber nichts. Er schickte mir lediglich Nachrichten und Bilder von seinen tollen Unternehmungen und ob ich hier- und dorthin mitkomme?
Ich hab so lange um den scheinbar liebevollen und verständnisvollen Menschen getrauert, dass ich ihm nicht geben konnte, was er sich gewünscht hat und nun gehen mir nach und nach immer mehr Lichter auf, wie dumm und gutgläubig ich doch war. Das er nicht immer ehrlich war, hatte ich in unserer Beziehung schon gespürt.
Ich hatte nie wirklich die Trauer um den Verlust meiner lieben Mama zulassen können, hab mich immer um ihn und sein Wohlergehen gesorgt und mir Vorwürfe gemacht, für ihn nicht genug getan zu haben. Dr Schmerz war so groß, dass ich daran zerbrochen bin.
Seit Mai war ich nicht mehr auf dem Friedhof. Am letztn Sonnabend hatte ich vor, dort mal wieder hinzugehen - darüber hatte ich ja schon in einem anderen Thread geschrieben - aber, die Vorstellung vor dem Grab zu stehen und mich mit der Realität zu konfrontieren, tat schon allein weh. Jetzt kommt der Schmerz erst richtig bei mir an. Vorher hab ich nur funktioniert... Zum Glück weiß sie nichts davon, was abgelaufen ist und wie es mir geht. Sie hätte sich wieder so gesorgt.
Ich nehme Abschied von meiner Mama, dem wichtigsten Menschen meines Lebens!
... und Abschied von meinem alten Leben und dem Menschen, der mich so getäuscht und enttäuscht hat. Wenn ich ihn wirklich brauchte, war er nie da für mich...
In meinem neuen Leben gibt es einen neuen Mann, von dem schrieb ich anfangs schon. Der süße kleine Hund. Er stammt aus Griechenland. Meine Tochter verbrachte dort 3 Monate im Rahmen ihres Studiums. Der Hund war von Anfang an an ihrer Seite, es war unmöglich, ihn dort seinem unausweichlichen Schicksal ausgeliefert zurückzulassen, sodass wir alles Notwendige in Bewegung gesetzt haben, um ihn zu uns nach Deutschland zu holen. Er ist ein Flughund

So dankbar und glücklich ist er, ausserdem ehrlicher und lieber als es je ein Mensch sein kann.
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Vielen Dank für`s Lesen.
Vielleicht möchte der Eine oder Andere etwas hinterlassen. Bitte, gern.