Julan
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ich habe mich heute angemeldet, nachdem ich schon stundenlang das Internet nach Antworten auf meine tausend Fragen durchforstet habe - aber nirgendwo finde ich etwas ähnliches wie das, was ich gerade erlebe.
Ich muss etwas ausholen, damit die ganze Geschichte nachvollziehbarer wird:
Mein Mann und ich sind seit 9 Jahren zusammen, im Dezember sind wir 8 Jahre verheiratet.
Ich habe in die Beziehung eine Tochter mitgebracht, die er aber wie sein eigenes Kind sieht und vor 4,5 Jahren kam unser gemeinsamer Sohn zur Welt.
Wir haben gemeinsam schon sehr viele Höhen und Tiefen mitgemacht, vom Terror meines Exmannes bis hin zu finanziell sehr schweren Zeiten war alles dabei - nicht zu vergessen die Spielsucht meines Mannes, gegen die wir seit Jahren gemeinsam zu kämpfen versuchen und die uns vieles noch schwerer gemacht hat.
Nichts desto trotz haben wir immer zusammen gehalten, waren - und sind - ein Herz und eine Seele, führten eigentlich eine glückliche Ehe und Beziehung.
Vor knapp einem Jahr erkrankte ich an einer schweren Depression, unter der natürlich auch unsere Beziehung gelitten hat. Aus diesem Zustand wieder herauszukommen kostete sehr viel Kraft - mich selbst und auch meinen Mann, der phasenweise eine ganz andere Frau an seiner Seite hatte, als die, die er kannte.
Dennoch überstanden wir auch diese Zeit, doch wir haben seitdem den Blick für uns verloren. Im letzten halben Jahr waren wir beide Einzelkämpfer, jeder zog sein Ding durch und achtete nur noch wenig auf den anderen.
Wir waren beide mit der Beziehung unzufrieden, konnten dies aber nicht kommunizieren. Sowohl ich wie auch mein Mann dachten in dieser Zeit desöfteren an Trennung, haben aber leider nie wirklich darüber gesprochen.
Vor zwei Wochen suchte mein Mann das Gespräch. Es fing ganz "normal" an, er fragte mich, ob ich glücklich in unserem momentanen Zustand sei usw. usf.. Wir redeten lange und schließlich rückte er mit dem Grund seines Gesprächsbedarfs heraus: Er habe "erschrocken" festgestellt, dass er für eine Arbeitskollegin "Gefühle" entwickelt habe und dadurch sei er zu dem Schluß gekommen, dass bei uns ja irgendwas nicht mehr stimmen könne.
Ab diesem Abend redeten wir quasi ununterbrochen, über uns, über unsere Gefühle und über unsere Zukunft. Er bat sich Bedenkzeit aus, er müsse sich seiner Gefühle klar werden. Ich gab ihm diese Zeit.
Nach ein paar Tagen sagte er mir, dass er unsere Bezeihung nicht aufgeben wolle, dass er mich nach wie vor über alles liebe und für unsere Ehe kämpfen möchte. Allerdings stellt er als großes Manko fest, dass wir nur aufeinander hängen würden und überhaupt keine Kontakte ausßerhalb unserer Ehe haben (stimmt auch, durch häufige Umzüge sind unsere Freunde in ganz D verstreut, einen richtigen Freundeskreis haben werder wir, noch er, noch ich). Deswegen sei ein wichtiger Punkt, dass wir auch mal hin und wieder unabhängig voneinander etwas unternehmen sollten.
Soweit, sogut, dem stimme ich ja zu. Er meinte allerdings weiter, dass diese Kollegin für ihn eine gute Freundin wäre, die er nicht missen möchte. Er möchte sich weiterhin mit ihr treffen, nicht ausgeschlossen, dass auch intimere Dinge geschehen könnten.
Gleiches würde er auch mir zugestehen, er habe damit kein Problem, solange ich wie er wisse, wo ich hingehöre und immer wieder zu ihm zurück kehren würde.
Ich fragte ihn, wie er sich das vorstellt, wie ich das aushalten solle. Seine Antwort: Ich will dir nicht weh tun. Wenn du das nicht kannst, müssen wir uns trennen.
Ich ließ mich auf diesen Kuhhandel ein, ich habe es wirklich versucht. Ich habe ihn zu dieser Frau gehen lassen, aber jedes mal könnte ich schreien vor Schmerzen.
Ich glaube ihm, dass er mich liebt, ich glaube ihm, dass er mich nicht verlieren will, aber ich kann so nicht weitermachen.
Andererseits will ich ihn nicht verlieren, ich liebe ihn, so dumm wie es sich anhört.
Ich rede mir die ganze Zeit ein, dass es mit der Zeit leichter wird oder dass es nur eine Phase ist, aber was, wenn nicht?
Ich habe auch schon versucht, mich mit einem anderen Mann zu verabreden, einfach nur, damit mein Mann mal merkt, wie es sich anfühlt... Aber ich kann es nicht, mir fehlt jegliche Motivation und Lust dazu.
Das Verhalten meines Mannes mir gegenüber hat sich nur zum positiven verändert - er ist wieder genauso aufmerksam und liebevoll wie vor unserer Krise. Wir unternehmen Dinge gemeinsam, mit den Kindern, auch unser etwas eingeschlafenes Sexleben ist wieder erwacht und toll...
Trotzdem weiß ich, wenn ich ihn vor die Wahl stelle, wir er mich verlassen - nicht, um mit der anderen zusammen zu kommen (eine Beziehung mit ihr sei für ihn ausgeschlossen, und das glaube ich ihm auch), sondern weil er sein Leben momentan toll findet und er nun weiß, was uns angeblich die ganze Zeit fehlte.
Und ja, unsere Beziehung ist schöner geworden, wir sind harmonisch wie schon lange nicht mehr. Aber ich zahle den Preis dafür.
Es gibt für mich nur zwei Alternativen: Weiter aushalten mit der Hoffnung, dass Männer halt mal so Phasen haben können (ich muss ihm zu Gute halten: er hat mich nie belogen, mich von Anfang an eingeweiht, was in ihm und mit der anderen abläuft) oder das ganze beenden.
Aber nicht nur ich würde unter einer Trennung leiden, sondern auch unsere Kinder: Die Große, die schon durch die Horrortrennung von ihrem Vater (der jeglichen Kontakt zu ihr abgebrochen hat) schwer gezeichnet ist und der Kleine natürlich auch, der unheimlich an seinem Papa hängt.
Vielleicht war von euch schon mal jemand in einer ähnlichen Situation...? Oder kann mir einfach mal durch eine objektivere Sicht der Dinge auf die Sprünge helfen - ich selbst weiß nicht mehr weiter.
Vielen Dank fürs lesen des doch etwas längeren Textes und viele Grüße
Julan
