Zitat von Lumba:Du bist die Summe Deiner Entscheidungen. Du bist da, wo Du heute bist, weil Du so gehandelt und so entschieden hast, wie Du es getan hast.
Na klar, sie ist die Summe ihrer Entscheidungen und ich bin die Summe meiner Entscheidungen.
Ich hatte mich nach 9 Monaten BEWUSST, also nach längerer Überlegung, für sie entschieden gehabt. Und sie hatte eine 'Teile-und-herrsche'-Entscheidung getroffen, welche es ihr ermöglichte einerseits einen Teil zu bekämpfen (= auf Abstand-Halten des eigenen Ehemannes [mit der für sie richtigen Distanz]), andererseits auch einen anderen Teil zu nutzen (= die Intensität sexuellen Erlebens gab ihr das Gefühl, endlich doch noch lieben zu können und eine richtige Frau zu sein, auch einem Mann gegenüber), nämlich die Nähe zu mir.
Und ich verkörperte für sie dabei das, was in ihrer Ehe verloren gegangen ist: Frische, Lebendigkeit, Liebes- und Hingabe-Bereitschaft.
Summa summarum bleiben wir - natürlich - nichts weiter als die Summe unserer getroffenen Lebensentscheidungen.
Und mich hat jene Summe eben auf den Boden geworfen. Und - na klar - "Entscheidungen" machen uns stets zu dem, was und wer wir sind, denn wir haben ja stets die Möglichkeit, uns für das Richtige zu entscheiden.
Und dies war ja auch regelmäßiger Bestandteil unserer Gespräche gewesen, wo sie dann letztens sagte, sie bräuchte drei Tage Zeit, um für sich herauszufinden, WAS FÜR EINE ENTSCHEIDUNG sie treffen müsse. Ich war über diese Formulierung total erbost gewesen und hatte sie verbal scharf zurecht gewiesen, da ich im 6. Jahr eigentlich davon ausgegangen war, dass eine WAS-Entscheidung längst getroffen wäre, sodass es lediglich noch um ein WIE-Prozedere ginge.
Aber ich habe in diesem Contest nun verloren: Meine Liebe, meine Perspektive, meine Hoffnung, meinen Glauben und auch meine Würde. Und all dies gilt es nun für mich wieder neu à peu zurück zu holen.
Und dabei kann ich mich dann auch nicht des Gedankens verschließen, wie denn alles überhaupt so weit kommen konnte: Ja, ich weiß, Menschen tun sich schwer Entscheidungen zu treffen, ob es nun am Nicht-Können oder auch am Nicht-Wollen liegt. Sie haben alle Angst vor den Konsequenzen. Dass unsere Affäre nun unwichtiger war als deren Ehe liegt dabei wohl im Wesentlichen an geteilten, jahrelang etablierten, partnerschaftlichen Ehewerten auf existenzieller und wohl auch immer noch emotionaler Ebene. Die Ehe ist zudem sozial anerkannt, wohingegen unser Doppelleben zwar 'normal' erschien, aber nur wenig statusbehaftet war.
Und so begreife ich rückblickend auch immer mehr, wieso bei ihr regelmäßig Widerstände aufkamen, wenn ich sie in meinen Freundeskreis weiter einführen wollte oder warum sie sich versperrte, wenn es darum ging, mich in ihrem Wirkungskreis vorzustellen. Es gab stets Ausreden, warum dies oder jenes gerade nicht passe bzw. ungünstig sei und wenn ich sie dabei in eigene Widersprüche verwickelte, begann sie streitlustig zu werden. Dies hatte ich ihr auch gesagt bzw. ich hatte sie darauf aufmerksam gemacht. Auch darauf, dass "Streit" bei Bindungsphobikern gezielt eingesetzt wird, wenn emotionale und körperliche Nähe zum Partner zu viel wird.
Oft konnte sie es sich selbst nicht erklären, warum sie wegen Lapalien einen Streit vom Zaun brach. Aber seitdem auch sie selbst sich als Bindungsängstlerin betrachtet, kommen ihr viele ihrer und auch meiner Verhaltensweisen gar nicht mehr so fremd vor.
Ich trage relativ lange Haare übrigens. Und dann hatte vor kurzem einmal ein Friseur echt Sch... bei mir gemacht. Sie - und auch ich - waren echt mega-unzufrieden. Ihre beste Freundin ist mobile Friseur-Meisterin. Und so sagte ich einfach zu ihr, dass sie ihre Freundin einmal 'anspitzen' sollte. Und dann wurden 1000 Ausflüchte unter passiver Aggression ausgekramt, warum das gerade nicht möglich ist.
Ich hatte mich darüber dann total aufgeregt und ihr vorgeworfen, dass sie überhaupt nicht für 'unsere eigentlich gute Sache' einsteht. Erst sagte sie, ich bräuchte dringend eine neue Frisur, dann war sie aber nicht bereit, mich in ihr kausales Leben zu lassen.
Und wenn ihre Freunde sie anriefen, während wir zusammen waren, lügte sie grundsätzlich und gab vor auf der Arbeit zu sein. Angeblich, weil die ja auch alle ihren Mann kennen würden. Na und!
Na und, ich habe sie dann ausgelacht und ihr mal gesagt, wie ich die Sache sehe, nämlich so, dass sie Schiss hat sich öffentlich zu outen, weil sie dann wie eine "Ehebrecherin", eine "*beep*" und "jemand, der nicht weiß, was er wirklich will" 'rüberkommen würde. Daraufhin knickte sie ein, aber nur kurz, und gab zu, dass dem tatsächlich so sei.
Und so entstand eine Atmosphäre, wo ich immer mehr erwartet habe, dass sie sich auch öffentlich zu unserer Liebe bekennt und endlich einmal 'Nägel mit Köpfen' macht.
Ihre Reaktion war dann stets die gleiche gewesen: Ja, sie wisse das und sie werde an sich arbeiten.
Und dieses Jahr Ostern - unser zweiter OFF-Cut - sagte ich ihr dann, dass sich ihre Bemühungen lediglich auf wohldosierte Lippenbekenntnisse beschränken würden (ich kann bei so etwas ziemlich direkt werden). Ihre Reaktion: "Ich halte es nicht mehr aus dauernd Deine und XY (Ehemann) 'Erwartungen' erfüllen zu müssen!" Daraufhin gab ich ihr zu verstehen, dass sie sich durch ihre mangelnde Entscheidungsbereitschaft doch erst selbst in diese Sackgassensituation hineinmanövriert habe.
Ja, das wisse sie auch alles selbst und dann, da ihr mittlerweile alles die Luft abschnürte und sie angeblich keinen Zugang zu ihrer Gefühlsebene mehr habe, beendete sie unsere Beziehung fernmündlich, was ich - nebenbei bemerkt - extrem feige fand und auch immer noch finde.
Und so ist es jetzt, wie es ist: manchmal triffst du in deinem Leben Entscheidungen und manchmal treffen die Entscheidungen dich. Aber manchmal muss man offensichtlich auch Entscheidungen treffen, die im Herzen schmerzen, doch die Seele irgendwann - hoffentlich - wieder beruhigen werden.