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Bindungsangst

pepitta

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@ ALL,

lese schon länger mit und dachte ich schreibe nun mal was in der Hoffnung vielleicht doch einige Antworten zu bekommen.

Bindungsangst war für mich früher nie ein Thema, dieses nähe und distanz Spiel auch nicht. Wer immer das Buch " Nah und doch so fern" von Carter gelesen hat, weiß wie es mir jetzt geht. Von der Wolke 7 direkt in die Hölle.

Trotzdem ich mich jetzt seit einigen Wochen mit dem Thema befasse schaffe ich es nicht es zu akzeptieren, dass ein Mensch der liebt aus Angst davonrennt. Aussagen wie " habe Angst" " zu intensiv"" ich kann nicht das geben was du mir gibst" ecc.....  

Wie auch immer...er liebt ( das weiß ich) und er leidet ( weiß ich auch) findet aber keinen Weg zurück. Ich finde keinen Weg loszulassen. Warum muss man losslassen wenn man überzeugt ist, das wir zusammenpassen und das wir uns lieben?? Ich will das wir beide glücklich sind, nicht das wir uns quälen.

Gibt es eigentlich keinen Weg ( habe noch nichts positives gelesen) zu ihm zurück??? Ich habe mich in der Zwischenzeit mit mir selber auseinander gesetzt. Ich weiß jetzt welche Fehler ich gemacht habe und vorallem warum. Ich bin überzeugt mein Verhalten ändern zu können ( nicht verbiegen) denn sein Verhalten ( Distanzsuche) hat mein Verhalten verursacht ( klammern).

Wie kann ich ihn überzeugen das es funktionieren kann, wie komme ich wieder an ihn heran. Der Kontakt ist telefonisch noch da. Ich bin einfach nur tief unglücklich. Ich liebe ihn sehr, sehr sogar.

Vielleicht gibt es hier jemanden der Beziehungsangst hat und mir was dazu sagen kann. Oder jemanden der so was ähnliches schon mitgemacht hat ....ein paar Tipps, das wäre schon schön.

Danke euch........Papitta

31.10.2004 08:59 • #1


Dark_Age


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Hallo pepitta,

ich könnte dir viel zu Eifersucht bzw. extremer Wahrheitssuche bzw. Hinterfragen der Beweggründe, warum jemand mit mir zusammen sein will am Anfang einer Beziehung erzählen, vielleicht auch eine Form von Bindungsangst, weiss ich nicht, aber zu Bindungsängsten in dieser Form (Flucht) leider nicht.

Bei mir ist es eher das fehlende Vertrauen zu Menschen. Vielleicht ist es das bei ihm auch, ich weiss es aber nicht.

Wollte dir nur wenigstens antworten )

Soul

31.10.2004 12:36 • #2



Bindungsangst

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SirMicha


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Morgen Pepitta

Ich will diesbezüglich nur wenige Zeilen schreiben. Aber wahrscheinlich nicht das, was du hören willst. Sorry!!

Ich habe dieses Buch auch gelesen und im Gegensatz zu dir hat es den berühmten "Klick" ausgelöst. Mein Tipp an dich, lies das Buch nochmals und wenn es sein muss gleich hinterher

Die Krux an der Sache ist ...

Vergiss es! Du hast keine Chance!! Du! kannst nicht gewinnen. Nur er kann es für sich, für dich und für euch.
Aber er wird es nicht wollen, weil das wegrennen einfacher ist als das verharren und annehmen.

Es ist leichter, Ängste zu übertünchen als sich ihnen zu stellen.

Zuerst werden es Kleinigkeiten sein, mit denen er seine Distanz herzustellen versuchen wird. Aber es wird heftiger werden bis es an deiner Person selbst hängenbleibt. Und im Endeffekt wird er sein Weltbild derart umkrempeln, bis es seinen Ängsten angepasst ist bzw die Ängste schmälert. Ironischeerweise wird genau diese Weltsicht keinen Platz für dich lassen bzw wirst du der Stein sein, der im Wege liegt um diese Weltsicht auch zu leben. Und dann werden plötzlich so viele Dinge attraktiver erscheinen als das bestehende. Und die Angst wird das immer weiter multiplizieren.

Oh ja. Du hast wunderschöne Zeiten erlebt und glaubst wirklich, dass du diese Zeiten zurückgewinnen kannst.

Nee kannst du nicht!

Er wird es nicht zulassen. Auch wenn er zu dir zurückkommt, wird er zuerst wieder die kleinen Distanzmechanismen einbauen, die dich wiederum sofort auf den Plan rufen werden.
Der Teufelskreis beginnt von neuem und mit jedem Mal werden die Verletzungen massiver, wenn er geht. Und das wird er wieder tun!!!!

Mein Tipp an dich. Geh! Lösche seine Nummern aus allen Telefonen und auch aus deinem Gedächtnis. Das geht übrigens ganz einfach. Eine bewusst falsche Telefonnummer antrainieren.

Verbiete dir darüber nachzudenken, was er tut oder tun könnte. Und verbiete evtl. gemeinsamen Bekannten, dir auch nur die unbedeutendste Kleinigkeit zu erzählen.


Doch jetzt kommen wir zu dir!

So! Du willst dein Verhalten und Denken ändern? Warum? Um dich ihm anzupassen, damit er mit dieser neuen Art von Beziehung umgehen kann?
Du!!!! willst an dir arbeiten, obwohl er!!!! ein Problem mit Nähe hat?

Ich verrate dir ein kleines Geheimnis. Er kocht auch nur mit Wasser. Genau wie du.

Und wenn er dir noch so toll erscheint, er ist es nicht!!!
Eure Beziehung war vollkommen? War sie nicht!!!
Er war so toll, wie du ihn sehen wolltest und eure Beziehung war so vollkommen, wie er es gestattete.

Und wenn du gegangen bist wirst du dich wieder selbst sehen und erkennen, dass du es bist, der toll war. Daß du es bist, der die wirkliche Kraft hatte.

Und du wirst erkennen, dass es Menschen gibt, die das Geschenk, welches du zu geben bereit gewesen warst auch als solches erkennen und dankbar annehmen werden.
Und bedenke, was für ein Geschenk du geben wolltest. Ich denke, es ist so ziemlich das kostbarste welches es überhaupt gibt.
Lass es nicht in irgendeiner Ecke im Leben eines anderen Menschen verroten und vor sich hingammeln.

Ach und nochwas, was ich aus deinen Zeilen herauslas... Es ist sein Problem. Mach es nicht zu deinem. Du kannst noch gewinnen, aber nicht mit ihm!!!!

So. das war schon mehr, als ich überhaupt schreiben wollte. Wenn ich dir noch auf irgendeine Art und Weise helfen kann, lass es mich wissen.

Aber am besten über KN, da ich hier ehrlich gesagt nicht mehr allzuoft bin. Dein Beitrag sprang mir eher zufällig ins Auge. Ergo kann es mitunter auch einige Tage dauern, bis du eine Antwort erhälst.

In diesem Sinne wünsche ich dir die notwendige Kraft um loszulassen.

LG Micha

31.10.2004 12:40 • x 4 #3


pepitta


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@ Soul,

danke für die Antwort. Ja es ist so wie Micha schreibt, es ist das was ich immer lese und es einfach nicht wahrhaben will oder kann. Ich kann überhaupt damit nicht fertig werden das es nie wieder so sein wird. Meine ganze Logik setzt da aus. Es ist alles so unwirklich, glaube noch immer das es nur ein böser Traum war.

Das ist der Grund warum ich denke es muss irgendeine Art geben mit so einem Menschen umzugehen, ihn in eine andere Richtung zu steuern wo er merkt das er keine Angst haben muss.

Aber ich bin nicht die Einzige die weint und beim lieben Gott protestiert. Es ist das Schlimmste was ich erleben konnte, es hat irgendwie meine Psyche angegriffen. Es ist so abnormal Schlusszumachen da wo es am schönstem ist, ohne Grund, einfach so.....das ging so schnell, mir ist noch immer schlecht wenn ich an das denke.

Ja, ich habe versucht loszulassen. Hmmm...ich schaffe es gerade 2 Wochen dann bin ich so verrückt...dann rufe ich an....dann schreibe ich....fühle mich krank....bin sauer auf mich...versuche wieder loszulassen....und alles geht von Vorne wieder los.

Danke Micha, danke Soul......alles Liebe, Pepitta

31.10.2004 12:59 • #4


Dark_Age


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Vielleicht hilft dir das, zu verstehen:

Wenn man Angst vor dem Zahnarzt hat, können einem die liebsten Menschen der Welt erzählen, wie wenig Angst man haben muss.

Und trotzdem geht man nur hin, wenn man es SELBER will.
Und das kann Jahre dauern unter Umständen.
ERST DANN nimmt man Hilfe gerne an.

Keiner kann einen zwingen, und all das Gerede, all die guten Ratschläge oder Tipps kommen einem wie DRUCK vor, NIE so, wie sie gemeint sind.

Und solange ER SELBST nicht ganz von selbst erkennt, dass etwas in IHM falsch läuft, kann keiner was machen.

Nicht der tollste, nicht der beste Ratgeber oder Unterstützung.

Es hört auch keiner mit dem Rauchen auf, weil andere es sagen, man weiss es alles selbst.

ER braucht den Kick von sich selber, verstehst du ????


Du musst wohl mit dem gedanken leben, vielleicht hilft er dir ja auch, er ist noch nicht so weit zu erkennen, dass ER etwas tun/erkennen muss, nicht andere.

Such dir doch lieber jemanden, der schon so weit ist im Kopf.

Das hilft dir jetzt nicht, aber rede ihn dir nicht intelligenter, als er ist. Den Fehler habe ich am Anfang auch gemacht, ich hielt ihn für mindestens so emotional intelligent wie mich, wurde aber eines besseren belehrt.

Man kann viel in Menschen reininterpretieren und vieles als ganz toll bewerten, was eigentlich jeder tun würde für einen. Aber was bleibt unter dem Strich?

Was tat er tatsächlich FÜR DIE BEZIEHUNG und was hast du GEDACHT das er dafür tut?

Erkenne wo die wirklichkeit aufhörte und der traum anfing .

Das dauert, aber hilft wirklich ganz enorm...

Viel Kraft wünscht Soul

31.10.2004 13:10 • x 1 #5


pepitta


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Hmmm...ja aber sehen wir die Menschen die wir lieben nicht immer anders als sie wirklich sind. ??

Naja, ich dachte nur nachdem diese Beziehung so spiegelverkehrt ( fällt mir kein anderer Ausdruck ein) läuft, war für mich die frage ob man eben nach der Trennung auch anders reagieren sollte als man es sonst tut. Er erwartet ja das ich loslasse , mich verletzt zurückziehe und ihn vergesse. Wenn ich mich aber immer wieder melde muss er sich damit auseinander setzten, oder??? Er hat ja auch noch nicht innerlich losgelassen. Frage mich wirklich wie er das macht. Seine Gefühle mir gegenüber waren ja so intensiv , es hat mich überrascht dabei bin ich eine Frau die so tief lieben kann ( was sicher nicht immer gut ist). Mist, was spielt sich bei ihm ab? Das würde mich interessieren. Wie können diese Menschen diese starken Gefühle aktivieren und dann einfach aufhören?? Angst?? kann die Angst dieses Gefühl der Liebe einfach so stark zudecken???

Ja, ich muss das Buch nochmal lesen obwohl es mir nachher sehr schlecht ging.

Liebe Grüße......Papitta

31.10.2004 13:31 • #6


Ehemaliger User


Hi Pepitta,

Zitat:
Wie auch immer...er liebt ( das weiß ich) und er leidet ( weiß ich auch) findet aber keinen Weg zurück.


nein, Du kannst nix tun. Wenn er vorgibt, Dich nicht mehr zu lieben, dann ist es für ihn momentan die Wahrheit, egal wie es tatsächlich um ihn bestellt ist. Wenn er leidet wird er es Dir nicht sagen. Er wird es nicht zugeben. Ich sehe bei Deinem Mann gewisse parallelen zu meiner Frau, die auch behauptet mich nicht mehr zu lieben und mir deutlich machen will, es gehe ihr gut. Tut es eben nicht! Aber ich bin der wirklich allerletzte Mensch, dem gegenüber sie dies zugeben würde. Sie gibt es gegenüber niemandem zu, aber das ist ihr Problem. Es darf nicht mehr meins sein, egal, wie ich zu ihr stehe. Es darf auch nicht mehr Dein Problem sein, wie es ihm geht, zumindest im Moment nicht.

Ich habe in dieser Woche meine erste Sitzung bei einer psychologischen Beratungsstelle gehabt und auch wenn wir noch nicht sehr weit in die Tiefe gegangen sind, habe ich einiges auch über mich und mein Verhalten erfahren. Warum will ich ihr helfen etc. Das hat mich wirklich zum Grübeln gebracht, wie auch die Frage, ob ich wirklich sie zurück will oder einfach nur das bequeme Leben, in dem ein Partner da ist der sich um einen kümmert.

Zitat:
Ich finde keinen Weg loszulassen. Warum muss man losslassen wenn man überzeugt ist, das wir zusammenpassen und das wir uns lieben?? Ich will das wir beide glücklich sind, nicht das wir uns quälen.


Diese Fragen hab ich mir in den letzten acht Wochen auch regelmäßig gestellt. Soll ich Dir was sagen? Du wirst keine befriedigende Antwort darauf erhalten. Wenn Du willst, dass ihr beide glücklich seid, dann gib ihm Zeit. Vielleicht fällt ihm ja auch auf, dass etwas fehlt. Ich bin sogar sicher, dass Du ihm schon jetzt fehlst (wie ich meiner Frau), allerdings merkt er nix davon, weil er es nicht will! Das bringt nur die Zeit in Ordnung. Lass ihn für den Moment los und konzentriere Dich auf Dich! Vielleicht kommt dann auch der Tag an dem Du Dir über eure Beziehung auch nicht mehr sicher bist bzw. Du merkst, dass auch Du ohne ihn glücklich sein kannst. Allerdings mußt Du es ernsthaft probieren, denn mit dem Kopf im Sand kannst Du gar nix tun!

Möge die Kraft mit Dir sein!

Gruß Lone.Rider

P.S.: Ach ja, ich habe dieses Buch nicht gelesen. Ist es gut?

31.10.2004 14:01 • #7


Mirjam


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Liebe Pepitta,

Du bist überzeugt davon, dass ihr zusammenpasst nur ER leider nicht im Moment, und da liegt das Problem, ein Paar existiert nur mal im Zweierpack, und wenn der eine partout was anderes will und denkt, dann trennen sich die Wege.
Ergo. Man passt eben nicht zusammen.
Klar Du siehst es natürlich ganz anders, weil Du emotional drin steckst, ich sehe es anders, weil ich es aus der Vogelperspektive betrachten kann, glaube mir, ich hatte mal dieselben Gedanken wie Du. Nur habe ich dann festgestellt, dass es nur die Angst davor war ihn loszulassen, und zugeben zu müssen, dass ich eben falsch lag.

An Bindungsangst glaube ich nicht.....davon kenne ich sehr viele Menschen, die meinen der Partner hätte Bindungsängste und würde deshalb laufend vor dem Partner fliehen...
Wenn man liebt, sind Ängste weg, und man lässt sich fallen, zumindest nach ein paar Wochen, am Anfang einer Bindung kann es noch vorkommen, dass sich diese Angst vor einer Bindung vielleicht breit macht, aber nach einiger Zeit sollte dies weg sein.

Ich habe einen Thread geschrieben, "Ex unbedingt zurückhaben wollen" lies Dir das vielleicht mal durch.....
und glaube mir es steckt sehr viel Wahres dahinter.

Ich kann Dir leider nur sagen, dass ich nicht sehe, dass DU irgendwas tun kannst, dass er zu Dir kommt. DAS KANN NUR ER SELBER, und zwar nicht halbherzig sondern GANZ. Ohne Wenn und Aber.
Du hast leider garnichts in der Hand.

Ich hoffe Du findest einen Weg...
Liebe Grüße
Mirjam

31.10.2004 14:30 • #8


pepitta


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@ Lone Rider  

ja das Buch ist gut, leider zu gut . Es war alles so genau beschrieben, es war meine Geschichte. Das hat mir schon Angst gemacht. Vorallem da es auch drinen steht, dass man oft mit der Trennung nicht alleine  fertig wird.
So wie es aussieht werde ich das erste mal eine Therapie brauchen  >:(...nicht zu glauben.

Hätte ich das Buch früher gelesen, hätte ich gesagt so ein Blödsinn was soll das?. Es ist aber so und es ist ganz schlimm. Und ich mitten in dem Gatsch. Wieviel ich weiß, hatte  Carter auch Bindungsangst .

Meiner hat sicher eine, es ist auch genauso beschrieben. Von Anfang an in diesem Buch festgehalten. Es ist keine Einbildung, es ist so. Unser  Problem war, das ich mich verliebt habe wie noch nie. Dadurch habe ich viele kleine Bemerkungen nicht wahrgenommen. Er sprach immer schon von es ist zu intensiv, er hat Angst....naja, ich wollte es anscheinend nicht hören. Er suchte desshalb bisschen mehr Distanz und ich war verzweifelt.

@ Mirjam

ja , ich habe es gelesen. Ich kenne es aus dem Internet....trotzdem ich bin mir nicht sicher ob ich es schaffe. Komisch ich komme kurz zur Ruhe, bin überzeugt das es nur so geht...dann eben wie wenn mich was zwicken würde und ich rufe an. Oder er läßt nicht los und denkt an mich.

Es ist genau das was man nicht verstehen kann und was unlogisch aber wahr ist. Die Beziehung war einfach perfekt, genau da ist der Hacken. Wäre sie nicht so gut gewesen, wären wir noch immer zusammen, dann hätte er auch keine Angst !!!!!

Ich weiß es hört sich blöd an, was soll`s ,es ist nun mal so.

Es ist nicht meine erste Trennung und auch nicht meine erste Beziehung. Ich denke ich sehe es schon so wie es war. Das Buch war nur eine Bestätigung für mich. Ich will nur das Ende nicht akzeptieren. Ich will ihn wieder haben !!!!

Liebe Grüße...............Pepitta.


31.10.2004 15:01 • #9


Jazz


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Liebe pepitta,

ich möchte Dir auch noch ein paar Zeilen dazuschreiben. Soul und Micha haben schon vieles geschrieben, was ich ähnlich sehe (auch wenn ich es vielleicht nicht so deutlich wie Micha formuliert hätte)  :).

Ich kenne die Erfahrung, mit jemandem in einer Beziehung zu sein, der extreme Nähe-Ängste hat, der nur ganz wenig an Nähe zulassen kann - oder dies nur über einen sehr begrenzten Zeitraum - und bei dem dann die o.g. Mechanismen einsetzen, sich Freiräume zu schaffen, sich quasi freistrampeln zu müssen aus einer vielleicht noch nicht einmal bewussten Angst heraus.

Ich kenne dieses bohrende, nagende Gefühl, es einfach nicht zu verstehen, wie zwei Menschen, die sich beide lieben, aus diesem Grund einfach nicht zueinander finden können. Mit dem Verstand ist das ja auch kaum zu be-greifen.

Leider habe auch ich keine "Erfolgs"-Story, kein Happy End zu berichten. Bei uns lief das so, dass wir immer eine sehr kurze, glückliche Zeit miteinander hatten bis er sich dann ganz plötzlich zurückzog. Am Anfang konnte ich noch eigene Anteile meines Verhaltens an den Situationen erkennen. Wie Du auch habe ich angefangen, an mir zu arbeiten. Ich habe gelernt, ihn so zu akzeptieren und zu nehmen, wie er ist, nichts zu erwarten oder gar zu verlangen, sondern das anzunehmen, was möglich ist, das zu genießen und darüber hinaus mein eigenes "Ding" zu machen, mich mit meinen Sachen zu beschäftigen. Natürlich blieben dabei viele Wünsche unerfüllt.

Aber egal, wie souverän ich mit der Situation umging, derselbe Kreislauf ging immer wieder von vorne los - genauso, wie Micha es beschreibt. Er hat sich diverse Male von mir getrennt, mal ein Vierteljahr, mal ein halbes Jahr. Zuletzt setzte dieses Rückzugs-Verhalten ohne jeden ersichtlichen äußeren Grund ein (kein Streit, kein Dissens, keine Meinungsverschiedenheit ... einfach so) ... und das, was an Gemeinsamkeit möglich war, schien immer weniger zu werden (schon EIN Telefonat pro Woche war manchmal zuviel!).

Da ist mir dann ganz deutlich geworden, dass dieser FILM, der da ablief, nichts mit mir zu tun hat, sondern ganz allein sein eigener - den er zu dem Zeitpunkt nichtmal selber erkannt hat - ist. Da ich auch nicht gesehen habe, dass er irgendetwas tut, um sein Problem anzugehen, daran zu arbeiten, habe ich mich irgendwann von ihm getrennt.

Ich habe nur noch ein paar Anregungen dazu:

Ich denke, dass es auch immer etwas mit einem selbst zu tun hat, warum man/frau sich gerade die Partner/innen sucht, mit denen man zusammen ist.

Für mich selbst kann ich nur sagen, dass es auch etwas mit meinen eigenen Ängsten vor Nähe zu tun hat, dass ich mir gerade DIESEN Partner ausgesucht habe. Man/frau könnte sich auch mal fragen:

Warum suche ich mir gerade eine/n Partner/in, bei dem so viele Wünsche unerfüllt bleiben? Micha drückt das etwas drastisch aus: "Lass es (Dein Liebesgeschenk) nicht in irgendeiner Ecke im Leben eines anderen Menschen verroten und vor sich hingammeln." Es gäbe bestimmt viele Menschen, mit denen wir in Hülle und Fülle unsere Liebe teilen könnten, die geben und nehmen können. Warum wählen wir gerade DIESEN Menschen? Woher kennen wir das Gefühl, nicht das zu bekommen, was wir brauchen, dass unsere Liebe "abgewiesen" wird?

Es ist wahrscheinlich das schwerste zu akzeptieren, dass wir eben nur uns selbst ändern können, unseren Teil erfüllen können, aber dass wir keinen Einfluss darauf haben, dass auch der andere an sich arbeitet. Wir können nur gut auf uns selbst aufpassen und für uns selbst entscheiden. Das sehe ich genauso wie Soul und Micha.

Ich würde ihn nie für sein Verhalten verurteilen. Wie Du selber schreibst leidet auch Dein (Ex-)Freund an dem Käfig seiner eigenen Verhaltens-Strukturen, aus dem er scheinbar nicht ausbrechen kann.

Meines Erachtens gehen diese Mechanismen auf weit zurückliegende, möglicherweise in der Kindheit liegende Erfahrungen zurück (vielleicht hat er aber auch schlechte Erfahrungen in früheren Beziehungen gemacht). Deswegen lassen sie sich eben auch nicht so einfach durchbrechen - Voraussetzung dafür wäre, die Ursachen erst mal auf die Ebene des Bewusstseins zu heben, um zu lernen, zwischen früher und heute zu differenzieren und auf die heutige Situation angemessen zu reagieren. Vielleicht reagiert er mit seinen Nähe-Ängsten gar nicht auf Dich, sondern auf seine Mutter (um es mal platt auszudrücken). Was weißt Du über Deinen Ex? Wie ist er aufgewachsen? Wie war sein Verhältnis zu seiner Mutter? Hatte er Geschwister? Wie waren die Konstellationen? Wo war der Vater? etc. etc.. Als ich die Mutter meines Ex persönlich kennen gelernt habe und gesehen habe, wie die Familienmitglieder z.B. auf Familienfeiern miteinander umgehen und je mehr ich aus seiner Lebens-/ Familien-/ Kindheitsgeschichte erfahren habe, desto mehr hat sich das Puzzle zusammengesetzt und desto besser konnte ich verstehen, warum er heute so ist, wie er ist, woher diese extremen Nähe-Ängste kommen. Das erleichtert das Verstehen, aber es ändert noch nichts!

Wenn ich ihm auch nur mal zaghaft meine Gefühle mitgeteilt habe, wie ich diese Familienzusammenkünfte erlebe, was ich wahrnehme und wie ich das einschätze, hat er mit totaler Abwehr reagiert. Er hat es überhaupt nicht ertragen, da etwas gespiegelt zu bekommen. D.h. er war noch nicht bereit, da auch nur mal HINzugucken. Zu angstbesetzt??? Auch das kann man nicht verurteilen. Haben wir nicht alle unsere blinden Flecken, wo wir nicht so gerne hingucken? *Nasefass*

Ich glaube, ich will damit nur sagen, dass es keine einfache Lösung gibt ... auch wenn Liebe da ist. Wenn sich etwas ändern sollte, müsste er eine Menge lernen. Bei meinem Exfreund habe ich z.B. mit der Zeit beobachtet, dass es ihm nie gelang, sich mal "zwischenzeitlich" abzugrenzen, in kleinen Alltags-Situationen zu sagen: "Das wird mir jetzt zuviel" oder "darauf habe ich keine Lust", einfach die Nuancen wahrzunehmen und auch auszudrücken, auch seine Wünsche zu äußern oder zu sagen, wenn er was richtig schei. findet. Anscheinend hat er immer eine ganze Zeit lang stillgehalten und als einziges Verhaltensmuster schien ihm dann der Total-Rückzug auf unbestimmte Zeit zur Verfügung zu stehen. Dabei kamen dann diese Extrem-Zyklen zustande. Diese Dinge zu lernen kann aber harte Arbeit sein und Zeit brauchen, wenn man das nie gelernt hat. Ob er das überhaupt lernen WILL kann nur er entscheiden.

Oh weh, das is´ ja ein halber Roman geworden. Das sollte es gar nicht  :)

Es tut mir Leid, dass ich nichts "Erfreulicheres" zu berichten habe. Es tut mir heute manchmal noch weh, wenn ich mir bewusst mache, dass festsitzende, behindernde "Altlasten" eine Beziehung verhindern können, auch wenn Liebe da ist. Aber wenn so viel einfach nicht möglich ist ... kann ich mich irgendwann nur fragen: "Was bin ich bereit mitzutragen?" und "Wo sind meine Grenzen erreicht?" vielleicht sogar "Wo ist die Grenze meiner Belastbarkeit erreicht?"

Es stehen vereinzelt hier immer mal wieder Geschichten von Menschen, die nach einer Weile eine/n neue/n Partner/in gefunden haben und heute glücklicher sind als früher ... z.T. sogar dankbar für die Erfahrung der früheren Trennung sind, weil sie ungeahnte Möglichkeiten neuer Erfahrungen mit sich gebracht hat. Auch ich bewerte heute viele Verhaltensweisen meines Ex-Partners anders als früher, als ich noch in der Beziehung "drinsteckte", z.T. auch weil ich inzwischen andere Vergleichsmöglichkeiten habe. Ich finde es ist auch ein Zeichen von Unreife und ein Zeichen dafür, dass jemand nicht die Verantwortung für sein eigenes Handeln übernimmt, wenn er sich nicht mit den Strukturen auseinandersetzt, die hinter solch offensichtlich "schrägem" Verhalten sitzen, sondern wenn er diese Muster einfach "blind" ausagiert. Auch das soll keine Wertung/Be-Urteilung sein. Es ist schwer genug, sich dem zu stellen. Die Frage ist nur: Möchte ich so jemanden als Partner? Oder möchte ich einen erwachsenen Partner, der auch in der Lage ist, sein eigenes Verhalten mal selbstkritisch zu hinterfragen, mit dem ich mich austauschen kann, ohne dass er gleich an die Decke geht oder wegläuft wenn er etwas hört, das ihm nicht "gefällt" ... der mir umgekehrt auch sagt, was ihm nicht passt, was er an mir nicht so gut findet, der in der Lage ist, über seine Gefühle zu sprechen, der versucht, sich auch in die andere Seite hineinzufühlen und sie zu verstehen ... so wie ich das auch versuche - der andere Möglichkeiten in seinem Verhaltensrepertoire hat als "einfach" wegzulaufen.

Puh ... wenn ich schon mal anfange zu schreiben ...  :)

Bitte wundere Dich nicht, wenn Du nichts mehr von mir hörst. Ich bin im Moment nicht mehr viel im Forum.

Ich wünsche Dir alles Gute auf Deinem Weg und viel Kraft.

Jazz

31.10.2004 15:13 • x 2 #10


pepitta


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ach ja, noch was.

Ich suche einfach für eine abnormale Situation einen abnormalen Vorschlag, eine abnormale Idee.

Ich habe es hier und da (selten aber doch) geschafft, aus dem gewohntem Verhaltensmuster auszubrechen und hatte Erfolg damit. Es ist nicht leicht da unser Verhalten angelernt ist...wenn du passiert , dann musst du das machen. Wir vergessen aber , das auch wenn das Grundgerüst ( das Problem) oft gleich ist, diese 08/15 Lösungen nicht immer passen müssen. Oft muss man sich anders benehmen um Erfolg zu haben.

Nur gerade jetzt, vielleicht weil es mir so wichtig ist, setzt mein Hirn aus und ich komme nicht drauf welche Möglichkeiten es noch geben könnte. Es gibt immer mehrere, es kann nicht sein das es nur eine gibt. Desshalb ist für mich der Vorschlag loslassen und vergessen eben nur  eine der Möglichkeiten. Innerlich denke ich aber das es nicht richtig ist. Wir lieben uns, seine Angst steht zwischen uns. Er muss es alleine schaffen, das ist mir schon klar. Wenn er aber immer nur davonrennt wenn es zu eng wird und sich selber nicht erkennt sehe ich es schon problematisch. Heute weine ich, morgen vielleicht eine andere Frau. Denn eines weiß ich, wenn ich loslasse glaubt er ich habe es geschafft, wird wieder ruhig sein und offen für eine neue Beziehung. Das kann es aber auch nicht sein, oder ???

Liebe Grüße........Papitta

31.10.2004 15:26 • #11


pepitta


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Hallo Jazz,

danke dir.....muss dein Schreiben erst ruhig verdauen ).....puuhhhh...Liebe Grüße, Papitta

31.10.2004 15:33 • #12


Ehemaliger User


Hi Pepitta,

Zitat:
So wie es aussieht werde ich das erste mal eine Therapie brauchen  ...nicht zu glauben.


was ist daran schlimm? Durch die Gespräche mit einem Therapeuten werden Dir sicherlich manche Dinge ins Gesicht klatschen, die Dir nicht gefallen werden. Aber genauso wirst Du sehr viele Erkenntnisse über Dich und vielleicht auch über ihn erlangen. Das ist das gute daran. Ich war leider erst einmal dort, habe aber auch da schon einiges für mich mitnehmen können. Auf jeden Fall aber wird es Dir gut tun, mit jemandem zu sprechen, der Dich in diesem Moment verstehen muß. Ich drück Dir die Daumen!

Möge die Kraft mit Dir sein.

Liebe Grüße Lone.Rider

01.11.2004 16:24 • #13


Ehemaliger User


Ach so, noch was...

Zitat:
Ich will nur das Ende nicht akzeptieren. Ich will ihn wieder haben !!!!


Das habe ich am Anfang auch immer gedacht. Im Moment bin ich mir da nicht mehr so sicher. Alles was sie gerade tut ärgert mich, da sie unsere Beziehung quasi ungeschehen machen will. Klar, sie will die guten Zeiten in Erinnerung behalten (sagt sie), handeln tut sie aber, als ob es nur die schlechten gegeben hätte.

Mein Tipp daher: Leb Du jetzt erstmal Dein Leben und überleg Dir in zwei bis drei Wochen nochmal, ob er das ist, was Dir fehlt.

Möge die Kraft mit Dir sein!

Lone.Rider

01.11.2004 16:28 • #14


pepitta


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@ lone rider,

jetzt habe ich sowieso alles kaputtgemacht. Gestern war ein komischer Tag, ich war so verdammt unruhig und ungeduldig. Ich habe ihn angerufen. Er hatte wie immer eine liebe Stimme , war aber so abweisend und wollte nicht wirklich reden. Ich war so angerührt...habe ihm eine Mail geschrieben, einiges bin ich losgeworden was ich ihm sagen wollte und habe gemeint, ich melde mich nicht mehr. Meine Schmerzgrenze ist erreicht und ich will nicht mehr als Trottel dastehen.

Na super.....jetzt brauche ich nicht mehr kämpfen. Kampf vorbei....und ich muss jetzt da durch sonst verliere ich mein Gesicht (.....bin so sauer auf mich. Ich weiß nicht wie ich es schaffen soll. Habe es bis jetzt immer nur 2 Wochen ausgehalten dann kam der psyhischer Absturz und ich rief an. Jetzt muss ich aber seine Entscheidung endlich respektieren, ich muss es einfach.

Das Leben könnte so leicht sein, wozu das notwendig war. Wenn er mich nicht lieben würde könnte ich es verstehen, aber so ist es *beep*.

Danke dir........Alles Liebe, eine unglückliche Papitta

01.11.2004 16:44 • #15



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