Hey @Katharina1 ,
deine Geschichte berührt mich, weil sie echt tragisch und voller Missverständnisse ist...
Also, erst mal ist da das Thema mit der aufgelösten Verlobung.
Zitat von Katharina1: Ich dachte damals, dass ich ihm Druck nehme, da er auf einmal finanziell für seinen kleinen Bruder sorgen musste. Ich wollte zum Beispiel nicht, dass er denkt, sein Bruder muss schnell ausziehen und fertig ausgebildet sein, wegen unserer Verlobung. Und noch weitere Gründe. Ich habe es wirklich nicht böse gemeint. Heute weiß ich, dass es der absolut falsche Schritt war und es tut mir sehr leid.
Sorry, dass ich da weiter so drauf rumreite, ich weiß, war schon die ganze Zeit Thema, trotzdem möchte ich noch eine Facette genauer beleuchten:
In diesem Schritt steckt ja eine ganz große Ambivalenz.
Eine Verlobung ist ja quasi eine offizielle Absichtserklärung, die Zukunft miteinander verbringen zu wollen.
Jetzt sagst du ihm auch der Tonspur: "Ich will mit dir die Zukunft verbringen, wir schaffen das zusammen" aber auf der Sachebene nimmst du genau dieses Versprechen zurück. Das ist ein Problem und eine krasse doppelte Botschaft.
Anmerkung für die Zukunft: Fragen. "Wie kann ich dir helfen?" "Kann ich etwas tun, um den Druck rauszunehmen?" "Macht dir die Verlobung aktuell zusätzlichen Druck?"
Ich denke, ganz viele Missverständnisse und Konflikte entstehen, wenn ein Partner an den Bedürfnissen und Wünschen des anderen vorbei "hilft".
Mit dem Zitat unten zusammen glaube ich auch, dass du da evtl. noch genauer hinschauen könntest: Wäre es möglich, dass die Aktion ein Hilfeschrei von dir war?
Zitat von Katharina1: Ich habe zu der Zeit versucht für ihn da zu sein. Ich habe ihm gesagt, dass wir auch das schaffen werden. Das ich für ihn da bin und ihm keinen Vorwurf mache. Dass ich weiß, dass er nichts dafür kann. Obwohl mir die Situation Angst gemacht hat. Sein Vater stand im Auto häufig vor meiner Haustür. Einfach so. Ich habe Panikattacken entwickelt. Mein Freund hat mir zu der Zeit keinen Halt gegeben, weil er gesagt hat, dass er nicht weiter weiß. Er hat sich verschlossen und war nicht mehr erreichbar für mich. Ich konnte tun und sagen was ich wollte, er war komplett distanziert. Und gleichzeitig war ich selbst mit allem überfordert, konnte das alles nicht einschätzen. Ich habe mir Halt von ihm gewünscht.
Weiter glaube ich, dass es wichtig wäre, dass er wirklich sieht und anerkennt, wie sehr du dich reingehängt hast, wieviel Kraft dich das gekostet hat. Ist das geschehen?
Du schreibst das hier so oft, ich glaube wirklich, das es wichtig ist, dass das gesehen wird.
Auch evtl. Lehre für die Zukunft: Selbst wenn ihr seit 10 Jahren verheiratet wäret, wäre das sein Problem, das er lösen muss. Du kannst nur beistehen und unterstützen. In der Postition ist es ganz wichtig, dass du auf deine eigenen Gesundheit und Unversehrtheit achtest, sonst kannst du nicht mehr beistehen und unterstützen, und niemandem ist geholfen, wenn du auch nch vor die Hunde gehst. Abgrenzung ist hier das Schlagwort. War vielleicht das lösen der Verlobung auf einer anderen Ebene ein Versuch der Abgrenzung?
Ok, dann die Affaire...
Zitat von Katharina1: Ich weiß nicht, ob zu viel passiert ist und wir das schaffen können. Ich wollte nie eine Affäre verzeihen. Verstehe aber, wie es dazu gekommen ist. Ich würde mir wünschen, dass wir es können und schaffen. Aber ist das realistisch und sinnvoll?
Du verstehst also, wie es dazu gekommen ist.
Wenn man sich die gelöste Verlobung anschaut, die wie oben geschrieben ganz gegensätzlich zu deinen Worten war, dann könnte man schon sagen, dass die Botschaft war: ich möchte meine Zukunft nicht mit dir verbringen. Also hilft es dir vielleicht, dass es in der Hinsicht nur eine halbe Affaire war, weil ihr ja halb getrennt wart?
Wichtig kommt mir vor, dass du ihn möglichst schnell aus der Büßerposition entlässt, und dass ihr gemeinsam schaut, wie ihr schwierige Situationen in Zukunft besser gemeinsam meistern könnt, Missverständnisse vermeiden könnt, Erwartungen von Außen abblocken könnt usw. Ich denke, hier gäbe es ganz viel für euch zusammen zu lernen.
Zitat von Katharina1: Ich glaube ihm, dass es ihm leid tut und er unsere Beziehung möchte. Ich glaube ihm, dass er das nicht mehr machen würde. Obwohl man sich nie sicher sein kann. Ich glaube, dass wir zukünftig noch glücklicher wären. Wir waren ja auf einem sehr guten Weg. Ich würde ihm verzeihen. Aber ist das naiv, sehe ich das falsch? Vor allem macht mir der Weg dahin Angst.
Blöde Frage, aber was willst du denn mehr?
Ob der nächste Typ dir eines Tages fremd geht, weißt du doch auch nicht. Zu denken, mit jemand anderem wird alles besser, das wäre naiv, denke ich.
Was genau macht dir denn an dem Weg Angst? Beziehungen können schließlich auch enorm an Herausforderungen wachsen, nicht wahr?