Ein älterer Arbeitskollege von mir (mittlerweile in Rente), führt seit über einem Jahrzehnt ein eher ungewöhnliches Beziehungsmodell. Beide Partner leben in ihrer eigenen Wohnung. Das soll auch so bleiben, den jeder möchte seinen eigenen Lebensraum. Im Grunde treffen sich die beiden nur für gelegentliche Dates und Urlaube. Ansonsten geht jeder seinem eigenen Leben nach und so kommt es das sich die beiden auch mal 1-2 Wochen gar nicht sehen und nur telefonisch Kontakt haben. Weitere Partner haben die beiden nicht. Sie kenne ich nicht, aber er ist sehr zufrieden mit diesem gesetzen Beziehungsrahmen, weil für ihn dieses "verbindlich Unverbindliche" einfach super passt. Laut seiner Aussage, hätten beide in vorherigen Beziehungen schlechte Erfahrungen gemacht und wollten sich deswegen in der nächsten Beziehung ihre Freiheit und Selbstbestimmung erhalten. Das Vorhaben ist ihnen geglückt.
Du schreibst du würdest in deiner letzten Beziehung sehr eingeengt. Jetzt hast du deine Lebensumstände verändert und bist mit deinem Leben und wie es läuft sehr zufrieden.
Was ich bei dir lese ist, daß du eine richtige Beziehung gleichsetzt mit Einengung/zu wenig Luft zum Atmen oder kein Raum für dich zur Selbstentfaltung.
Hat das aber nicht eher etwas mit dem Fakt zu tun, dass du letztendlich mit dem falschen Mann in einer Beziehung warst und an der Fähigkeit arbeiten solltest gesunde Grenzen innerhalb einer Beziehung zu ziehen?
Das liegt ja nicht an dem Modell "verbindliche Beziehung".
Jedes Paar setzt da seinen Rahmen selbst fest.
Soll jetzt nicht so rüber kommen als ist eine verbindliche Beziehung das einzig wahre. Wenn du keine verbindliche Beziehung möchtest, weil du dich den möglich dazugehörigen Erwartungen nicht stellen willst ist das okay.
Ich möchte nur auf folgende Dinge aufmerksam machen. Das hat weniger etwas mit Moral, sondern mit Fakten zu tun.
Zitat von CleoK: Was am Markt verfügbar ist, sind vergebene Männer.
Was am Markt verfügbar ist, sind unter anderem AUCH vergebene Männer.
Wenn du dir den Gedanken, den du geschrieben hast immer wieder durch den Kopf gehen lässt, manifestiert der Eindruck, dass du gar keine andere Möglichkeit hättest als einen vergebenen Mann zu wählen. Du erschaffst dir deine eigene falsche Realität.
Wobei ich nicht abstreiten möchte das auch viele vergebene Männer auf der Suche nach Abenteuer sind. Die müssen aber nicht dein Beuteschema sein.
Zitat von CleoK: Da hat sich bei mir in der Realität jedoch immer wieder der Wunsch nach mehr eingeschlichen.
Bei Single-Männern hat sich der Wunsch nach mehr eingeschlichen.
Warum ist das falsch? - weil du keine Beziehung willst. Wenn du keine Beziehung willst, warum entwickelt sich dann der Wunsch "nach mehr"? Was ist dieses "mehr" überhaupt?
Willst du keine Beziehung oder willst du nur die Beziehungsrahmen die du in der Vergangenheit gelebt hast nicht mehr haben?
Du denkst jetzt es wäre eine gute Idee eine Affäre mit einem gebundenen Mann einzugehen. Deine Begründung ist, dass der Rahmen für dich klar ist und es nur um ein paar gute Stunden gehen soll. Jetzt brauchst du aber trotzdem ein Mindestmaß an Gefühlen, denn sonst kannst du dich nicht auf Intimitäten einlassen. Irgendwo auch ein Widerspruch in sich.
Emotionen lassen sich bedingt bis gar nicht steuern. Die Annahme dein Wissen darum das er gebunden ist und bei seiner Frau bleiben möchte, könnte dich davon abhalten mit der Zeit "mehr" zu wollen, finde ich - sei mir nicht böse- ein wenig naiv.
Der Rahmen deiner Freundschaft+ versuche war ebenfalls bekannt, hier hättest du auch alles was du wolltest mit unter anderem sehr spannenden Männern (Spaß, Zärtlichkeiten, ein wenig Emotion), es hat dich trotzdem nicht davon abgehalten "mehr" zu wollen und das liegt sicherlich nicht einzig und allein daran, dass du wusstest das diese Männer frei und verfügbar für eine Beziehung sind. Vermute ich zumindest.
Zitat von CleoK: Und wenn ich da nicht mitmache, die nächste tut es.
Zitat von CleoK: Und glaube mir, wenn Männer Affären suchen, dann finden sie sie auch. Und wenn ich es nicht bin, dann ist es die Nächste.
Auch keine Keule, auch wenn es vermutlich so rüber kommt.
Du versuchst dir dein Vorhaben schön zu reden.
Es ist unbestritten, das Menschen die bewusst und gezielt eine Affäre suchen, früher oder später fündig werden. Ganz ohne Zweifel.
Statt sein eigenes Verhalten mit dem Verhalten anderer Menschen zu rechtfertigen, sollte man sich erstmal selbst an die Nase fassen. Die Entscheidung sich wissentlich an einem Betrug zu beteiligen obliegt am Ende bei jedem selbst. Nur weil andere sich blöd verhalten, muss ich das nicht auch tun. Solche Gedanken sind immer nur der Versuch die Verantwortung für sein eigenes Verhalten abzugeben. Ebenfalls wichtig, nur weil auf mich keiner Rücksicht genommen hat, bedeutet das nicht, daß es in Ordnung ist anderen Menschen selbiges Unrecht zu zufügen.
Zitat von CleoK: Ich habe auch Einiges hinter mir und mich hat auch keiner um meine Gefühle gefragt. Ich bin nun soweit, mein Leben in den Vordergrund zu stellen.
Du darfst dich in den Vordergrund stellen.
Allerdings glaube ich nicht das eine Affäre zu einem gebundenen Mann dir bei deinem Vorhaben dienlich sein wird.
Letztendlich bringt ein gebundener Mann, ähnliche Voraussetzungen wie eine Freundschaft+ mit sich. So aus deiner Sicht, aus moralischer Sicht liegen da selbstverständlich Welten. Bei beiden Varianten ist folgendes klar: Es gibt X, es besteht eine gewisse Vertrautheit, jeder lebt sein Leben und ist technisch gesehen "frei", der Kontakt ist zeitlich begrenzt.
Ich glaube das du dich mit dem Affären Vorhaben früher oder später nur in den nächsten emotionalen Tiefpunkt katapultierst. Aber diese Entscheidung liegt selbstverständlich bei dir.
Die bereits vorgeschlagenen Ideen mit der Polyamore Beziehung, der offenen Ehe/Beziehung oder sich bei Partnerwechsler einzubringen, fand ich ganz gut. Da hattest du recht wenig dazu geschrieben. Hier könntest du ebenfalls finden wonach du suchst und bist emotional gesehen evtl. sicherer.