@CleoK
Ich denke, als erstes solltest du dir über ein paar Sachen klar werden.
Du scheust nicht die Gefühle, du scheust einengende Beziehungen.
Und in deinem Kopf ist die Überzeugung, dass Gefühle automatisch und zwangsweise in einengende Beziehungen führen. Das halte ich aber für einen Irrtum. Inzwischen wird so viel und verschiedenes an unkonventioneller Beziehung gelebt, da lässt sich schon was finden. Ich selber lebe seit vielen Jahren den Jackpot. (Auch wenn ich es mir manchmal wünschen würde, etwas mehr eingeengt zu werden... 😅 )
Ich denke, es ist schon ziemlich schwierig, an die eigenen Glaubenssätze und Muster bezüglich Beziehungen heranzukommen, Gefühle abstellen halte ich für ziemlich unmöglich. Und, wie du ja selber sagst, eigentlich nicht wünschenswert.
Also, was würde ich dir raten: Wenn es dir wirklich primär um Sex geht, dann such doch deine Partner auf den ensprechenden Seiten und an den entrprechenden Stellen, z.B. Club, der mit J oder offline. Hier findest du erst mal Menschen, die die gleichen Prioritäten bezüglich Beziehung haben. Oder in den entsprechenden Communities, z.B. bei Polyamoren Leuten. Da brauchst du nicht bei null anzufangen, wenn du sagst, dass du Gefühle zulassen willst, aber deshalb noch lange in keine einengende Beziehung schlittern willst.
Les dich schlau über alternative Beziehungsformen. Vielleicht ist was für dich dabei, und vielleicht lernst du auf diesem Wege deinen Jackpot kennen.
Mir hat das Bild des "Relationship escalators" sehr gefallen. Wir sind es gewohnt, Beziehungen als eine Art Aufzug oder Leiter zu denken: erstes Stockwerk: verlieben. Zweites Stockwerk: zusammenkommen, mit allen dazugehörigen ausgesprochenen und unausgesprochenen Regeln. Drittes Stockwerk: zusammenziehen usw. Wir neigen dazu, Beziehungen, die auf einer Stufe stehen bleiben, oder die bestimmte Merkmale nicht aufweisen, als gescheitert oder nicht vollwertig zu sehen. Aus diesem Mindset muss man raus. Nur als Beispiel: bei Polybeziehungen gibt es den Begriff "Single Poly Person" für eine Person, die nicht bereit ist, zusammenzuziehen, Kinder zu bekommen o.ä. Wo von außen die Menschen oft den Eindruck haben, er hätte gar keine "richtigen" Beziehungen, oder könne seine PartnerInnen gar nicht lieben. Weil, wenn man sich liebt, dann steigt man doch gemeinsam in den Aufzug, oder? Nein. Stimmt so nicht.
Dann würde ich an einem Mindset arbeiten, dass man zwar keine Gefühle abstellen kann, aber man kann sehr wohl steuern, wie man aufgrund der Gefühle handelt. Frau muss keinem Mann ein Nest bieten, nur weil sich beide gern haben.
Sex ohne Gefühle haben wollen ist für mich wie in ein Gourmetrestaurant gehen, und sich absichtlich den ganzen Abend eine Klammer auf die Nase setzten, dass es einem auch ja nicht zu gut schmeckt.
Weiter würde ich mir Gedanken über Gefühle und Schmerz machen. Bei mir kommt schon auch an, dass Schmerzvermeidung eine Rolle spielt, kann das sein?
Last but not least würde mich interessieren, wie das dann immer mit dir und den sehr tollen Männern läuft. Also: du triffst den Mann wie oft? dann kommen beiderseitig Gefühle auf, und dann? würgst du es unmittelbar ab? oder dann Fragen die Männer unmittelbar, ob sie nicht bei dir einziehen können? oder lotest du dann jeweils aus, ob mit diesem speziellen Mann nicht doch der Jackpot möglich wäre?
Soweit meine Gedanken zum Thema.
P.S. um noch meinen Senf zur leidigen Affairendebatte dazuzugeben: Ich halte mich hier an den kategorischen Imperativ: Handle so, dass dein Handeln Maxime allgemeinen Handelns sein könnte (auch wenn ich nicht behaupten möchte, Kant verstanden zu haben).
Wenn ich Affairen moralisch verwerflich finde, sollte ich mich an keiner Stelle zu einem Teil davon machen. Nicht so sehr aus Rücksicht auf Ehefrauen (schon auch, weil ich würde ja im Fall der Fälle auch nicht betrogen werden wollen), sondern weil es mich korrumpiert, weil ich in einer kognitiven Dissonanz leben muss. Ich weiß, dass es sch... ist, aber da ich mich selber ja schlecht sch... finden kann, muss ich gedankliche Verrenkungen machen, um es doch ok zu finden. Das mit: wenn ichs nicht tu, dann tuts eine andere ist nichts als eine Verrenkung. Die wir eigentlich an vielen anderen Stellen nicht gelten lassen, und dann doch viel zu oft danach leben...