Allein in einer neuen, fremden Wohnung

Muriel

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Hallo, liebe Leidensgenossen,

wem geht es, wie mir? Wer sitzt auch in einer neuen Wohnung und fühlt sich nicht nur verlassen, sondern auch noch fremd?

Ich wohne jetzt fast 14 Tage hier; aus der alten Wohnung sind wir beide ausgezogen - er in eine andere Stadt, ich in einen anderen Stadtteil. Wahrscheinlich stehe ich mir nur selbst im Weg, aber ich kann mich hier einfach nicht heimisch fühlen. Die Wohnung ist zwar ein Traum, aber schon alleine die Umgebung ist so was von vollkommen anders... Ganz abgesehen davon, dass ich mir zum "eingewöhnen" 14 Tage Urlaub genommen habe, und jetzt jeden Morgen am Küchentisch sitze, wie bestellt und nicht abgeholt. Mir fehlt das Gequatsche, das ich mit ihm hatte. Mir fehlen die gemeinsamen Unternehmungen. Wir haben bis zuletzt alles gemeinsam gemacht. Er hat mich nicht so Ar. verlassen, sondern noch alles für mich geregelt und bis zum Schluss ausgehalten (Ihr merkt, bei mir ist es noch wahre Liebe...).

Irgendwie hat alles seinen Bezug verloren. Die Dinge, die ich aus dem "alten" Leben mitgebracht habe, weil sie mich an Begebenheiten erinnerten, sagen mir auf einmal gar nix mehr. Alles ist nur noch sächlich und die Erinnerungen, die an den Sachen hingen, scheinen irgendwie abgefallen zu sein.

Ich habe eine riesige Dachterrasse, die ich eigentlich ganz toll bepflanzen wollte. Das habe ich in unserer alten Wohnung wie besessen den ganzen Sommer über getan. Aber die Pflanzen, die ich letzte Woche gekauft habe, dämmern immer noch in ihren Plastiktöpfen vor sich hin, und SIND auch bald hin, wenn ich sie nicht demnächst umtopfe.

Also: wem geht es genauso? Wer wurde auch aus seinem alten Leben in eine fremde Umgebung katapultiert? Ich habe in meinem Leben schon viele Jahre alleine gelebt, da ich meist Fernbeziehungen hatte. Ich habe mich niemals einsam gefühlt, sondern die Ruhe unter der Woche genossen und mich Wochenends ins Beziehungsleben gestürzt. Aber nach 8 Jahren gemeinsamem Leben fühle ich mich jetzt erstmals nicht nur verlassen und fremd, sondern auch einsam. Und das finde ich, ist das aller- allerschlimmste, was es nur geben kann. Ich habe schon Freunde, die sich auch gerne kümmern, aber das will ich im Moment irgendwie auch nicht. Ich komm aus dem Einsamkeitsloch einfach nicht raus.

Meldet Euch, Mitstreiter! Ich brauche Feedback, Tipps oder ähnliche Schicksale.

Liebe Grüße
Muriel

08.06.2006 14:15 • #1


buzzer

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Hallo Muriel,

deine Geschichte stimmt mich wieder mal traurig, weil ich meine Einsamkeit in deiner wiedererkenne. Wochenlang habe ich nach dem Ende einer 8-jährigen Beziehung zuhause gehockt und nicht gewusst, was ich mit meinem Leben noch anfangen soll. Zumal ich in der Stadt, in der ich berufstechnisch jetzt lebe, noch keinen Anschluss gefunden habe. Es war mir peinlich, allein in ein Cafe zu gehen, weil ich dachte, das machen nur einsame, ältere Damen. Aber das ist der falsche Weg. Man muss tatsächlich raus und unter Menschen, egal, ob man allein oder mit Freunden und Bekannten unterwegs ist. Ablenken ist die Devise. Dabei sollte das Verarbeiten des Geschehenen allerdings nicht völlig verdrängt werden, denn es holt einen schnell wieder ein. Aber Unternehmungen sind ganz wichtig, habe ich zumindest so empfunden. Auch bei fremden Leuten kann man sich wohl fühlen, und wenn es nur für ein paar Stunden ist. Pflanze deine Blümchen ein. Sie können für diese sch... Situation nun wirklich gar nichts. Es ist schwer, den Lebensmut nicht zu verlieren, aber du musst auch selbst etwas für dein Glück tun. Das klingt zwar alles total schön und märchenhaft, aber ich spreche aus eigener Erfahrung. Freunde können dir zuhören, aber sie können nicht dein Leben für dich leben oder dir das Leben sorgenfrei machen. Für sein Glück muss man durchaus selbst etwas tun. Und damit meine ich nicht unbedingt einen Häkel- oder Kochkurs...  ;)

Wünsche dir alles Gute, und dass du deine Lebensfreude wiederfinden wirst.

Lieben Gruß, buzzer

12.06.2006 21:19 • #2


Esau

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Hallo Muriel,
das steht mir jetzt bevor. Ich muss mir eine neue Wohnung suchen, da meine Ex in unserer bleiben will. Ich muß mit meinem bißchen Kram und dem Hund eine neue Bleibe finden. Ich habe Angst davor. Es kommt mir auch alles so sinnlos vor. Und für das einsame Rumgesitze muß ich auch noch eine Menge Aufwand betreiben, die Ummeldungen, die finanziellen Belastungen usw. Es macht mich mürbe...Sie wohnt zur Zeit im Haus ihres Vaters, bis ich ausgezogen bin. Wir arbeiten in der gleichen Firma. Ich würde am liebsten ganz weit weg gehen. Und muß endlich einen Weg finden, um mich selbst aus dem Loch zu ziehen.
Esau  

19.07.2006 09:51 • #3


sklobet

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tia mir gehts genauso,
wurde nach sechs jahren verlassen. zuerst dachte ich es geht irgendwie nochmal weiter, habe aber feststellen müßen sie hat inerhalb 3 tagen nen neuen. ist doch der hammer. bin dan weggefahren und versuche abstand zu gewinnen.
geh raus lege alles beiseite was dich an ihn erinnert. zwing dich ein bischen fröhlich zu sein und vor allem lerne neue menschen kennen. viel glück und kopf hoch.

01.09.2006 16:58 • #4


Muriel


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Hallo zusammen,

erst mal: danke für Eure Antworten. Ich hatte mich ein bisschen aus diesem Forum verdünnisiert, weil ich dachte, das zieht mich evtl. noch tiefer runter. Und eine Weile lief's eigentlich auch ganz gut. Erst ja die Hitzewelle, wo selbst der Liebeskummer vertrocknet ist, dann die wochenlange Regenfront, in der der Liebeskummer zwar nicht grade unterging, aber man sich schon als nicht Liebeskummergeschädigter motivieren musste, um nicht in Depressionen zu verfallen...

Aber jetzt ist Herbst und ich bin wieder da! Ich leide nämlich - schon seit Jahren, also auch in glücklichen Zeiten - an Herbstdepressionen. Und das zieht mich grade wieder senkrecht runter. Mit so einer Depression ist man eh schon sehr empfindlich, aber wenn das dann noch mit Kummer einhergeht... grauenhaft!  :(

Da nützen auch die vielen Blumen (die ich letztendlich doch noch eingetopft habe und die immer noch fröhlich vor sich hinblühen) nichts mehr.

Was meint Ihr? Wie kommen wir als Verlassene am besten über den Winter (der hoffentlich nicht so lange dauert, wie der vergangene!)?

07.09.2006 17:33 • #5




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