Ehemaliger User
Gast
ich habe eigentlich einen guten Umgang mit meinem Ex, wir waren 22 Jahre zusammen, da kennt man den anderen ... selbst in den Momenten wo er mir jetzt total fremd scheint in seinen Reaktionen weiß ich doch, dass es diese getrennten Lebenskreise sind in denen wir uns nicht mehr erkennen ... er ist in einer neuen Beziehung, das war er schon in den letzten beiden Jahren unserer Ehe ...
bis auf kleinere 'Aussetzer', eher meinerseits
bei mir stelle ich aber fest, dass ich immer mehr in Wut und Verzweiflung gerate über die Situation die sich jetzt nach der Trennung ergeben hat und vor allem über die Rolle in der ich mich wiederfinde ...
die Sache mit dem Unterhalt haben wir gemeinsam geregelt, ich bekomme das was mir zusteht, finanzielle Probleme habe ich nicht wirklich ... seit ich aber realisiert habe, dass ich für mich und meine Tochter nur rund 200 Euro mehr im Monat habe als mein Ex für sich alleine, bin ich total sauer ... auch wenn der Staat das so vorsieht ... es ist einfach ungerecht ... ich könnte mir das Leben was mein Ex lebt finanziell nie leisten ...
und wenn ich überlege, dass er die Verantwortung für seine Tochter an 4 Tagen im Monat wahrnimmt, während mir 26 bleiben ... dass er an diesen 4 Tagen trotzdem nicht auf seine Freiheiten verzichtet und ausgeht, während die Tochter gerne! alleine daheimbleibt ... dass ich im Gegensatz dazu aber ein schlechtes Gewissen habe wegzugehen wenn sie bei mir ist, weil ich sie berufsbedingt schon oft genug sich selbst überlassen muss und weil ich im täglichen Umgang mit ihr erlebe wie sie immer mehr versucht sich jeglichem Einfluß zu entziehen um ihr eigenes Ding zu machen (sie ist 13), dann bin ich einfach nur total sauer! ... sie ist nicht bereit sich an (gemeinsam erarbeitete!) Regeln zu halten die uns das Zusammenleben erleichtern und mir fehlt immer mehr die Energie immer und immer wieder dasselbe zu erklären, zu strafen, Konsequenzen durchzuziehen ... ich bin müde!
Warum darf er sie abholen und zwei Tagen später einfach wieder abliefern und alles was in den zwölf Tagen danach geschieht geht ihn nichts mehr an ... warum darf er frei sein ... warum MUSS ich es sein die sich kümmert??? ...
Wie konnte sich das Leben plötzlich so drehen ... wie konnte er sich plötzlich so frei machen von allem ... einfach gehen, sein Leben leben und mir überlassen was übrig blieb ... Kind und Verantwortung???
Wie kann er mir sagen er liebt seine Tochter und vermisst sie wenn er sie nicht sehen kann, aber nichts dafür tut sie öfter zu sehen???
Ich habe ihn mehrmals darauf angesprochen, er wirkt einsichtig, ändern tut sich nichts, kann sich auch nicht wirklich, weil er in einen Ort gezogen ist der dem seiner neuen Beziehung näher ist ... außerdem ist die neue Beziehung (eine jüngere Frau) natürlich froh über jeden Tag an dem sie sich nicht mit einem kampfbereiten Teenager rumägern muss ... ich übrigens auch!
Wie sich eine neue Beziehung für mich gestalten würde, daran mag ich gar nicht denken!
Ich fühle mich oft einfach nur überfordert, suche nach Auszeiten und würde auch gerne mal am Abend in eine Wohnung kommen in der alles noch so aussieht wie ich das am Morgen verlassen habe, das was ich essen oder trinken will sich noch im Kühlschrank befindet und mich damit aufs Sofa fallen lassen, ohne dieses erst freischaufeln zu müssen ... ich würde es IHM auch mal gönnen morgens von einem fehlgestellten Wecker eine Stunde vor der Zeit aus dem Schlaf gerissen zu werden ... und die 0,3l O-Saft die vorhin zu Boden gingen, weil die allgemeinüblichen Regeln über Füllhöhe und Standplatz solcher ‚Zeitbomben’ mal wieder völlig ignoriert wurden, die gehören auch zu einem Alltag der für ihn mittlerweile vergessen ist ... wann hatte er das letzte Mal das Erlebnis in mit O-Saft getränkten Socken rumzustehen? ... er lebt mir ihr das Besondere mit viel Programm, ich lebe den Alltag mit viel Ärger ...
Die Leidtragende an all dem ist die Tochter ... der Vater lebt seine neu gewonnene Freiheit aus ... die Mutter ist unzufrieden und überfordert mit der Rolle in die sie gedrängt wurde ... der Vater hätte ein geregeltes Leben, Partner, seine Familie, neue Freundschaften (und die Zeit dafür!) und die notwendige innere Ruhe sich auf das Kind einzulassen ... die Mutter ist immer noch beschäftigt das Leben nach der Trennung zu begreifen, sich selbst neu zu finden, neue Kontakte aufzubauen und zu verarbeiten was die neuen Kontakte hinterlassen ... das alles neben dem Alltag der schon fast wieder Gewohnheit, deswegen aber nicht weniger nervenaufreibend ist ...
Keine Zeigefinger jetzt, weder auf mich noch nach oben!
Ich weiß dass das Kind nichts dafür kann, dass ich auffangen muss wenn der Vater nicht auffängt, dass ich eben die Mutter bin und Mütter und Kinder zusammengehören, dass Männer eben so sind und so sein dürfen?, ich weiß dass ich nicht klagen darf weil andere noch viel mieser dran sind, weil sich Väter komplett zurückgezogen haben, menschlich und finanziell, weil mehr Kinder da sind als nur eins ...
Aber muss es mir persönlich jetzt durch dieses Wissen besser gehen??? MEIN Leben ändert dieses Wissen nicht ... meine Unzufriedenheit auch nicht ... es geht mir nicht besser weil es anderen schlechter geht!
Es geht auch anders ... in einigen Fällen fühlen sich Vater und Mutter nach einer Trennung wirklich gemeinsam für die Kinder verantwortlich, sind bereit im selben Ort zu leben und die Kinder wechseln wochen- oder 3-4tageweise von einem zum anderen Elternteil ... Termine nehmen auch beide im Wechsel wahr ... das wäre in ‚unserem’ Fall möglich gewesen ... aber es wurde ‚mein’ Fall alleine!
Da hat man sich einmal für ein gemeinsames Leben mit gemeinsamen Kindern entschieden, das gemeinsame Leben trennt sich und der der geht verabschiedet sich so einfach aus dem Leben des Kindes und wird zum Besuchsvater ... ich will das nicht verstehen!
Ja, ich weiß auch das es Mütter gibt die den Kontakt zum Vater unterbinden und auch das kann ich nur in wenigen Einzelfällen nachvollziehen!
Und falls sich jetzt jemand die Frage stellt ob es hier um meinen Egoismus oder um das Wohl des Kindes geht, es geht um beides, meine Verfassung muss das Kind nämlich mit (er)tragen!
Gruß von lilac