darkzimt
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ich bin eigentlich schon fast ein alter Hase im Trennungsthema. Zumindest in meinem Empfinden, aber wahrscheinlich bin ich einfach zu ungeduldig.
Ich beginne mal ganz vorne.
Vor 16 Jahren lernte ich meinen Mann kennen. Ein Jahr später zogen wir zusammen und bekamen ein Kind. Er war meine erste richtige Beziehungen und ich auch sehr unerfahren und mit einem sehr kleinen Selbstwert. Ich tat alles für ihn. Ordnete mich unter, versuchte ihm alles recht zu machen. Er war sehr dominant. So geschah es, dass ich all meine Freunde nach einem Jahr bereits verloren hatte. In meiner Welt gab es nichts mehr außer ihm und dann irgendwann unseren Sohn. Ich war eigentlich schon schnell nicht mehr glücklich, traute mich einfach aber nicht gegen ihn anzugehen und irgendwie funktioniertes es ja und dann mit kleinem Kind wollte ich noch weniger alleine gehen. Zumal seine Familie mir bereits sehr schnell drohte, ich solle mich bloß nicht wagen, ihn zu verlassen oder sowas. Tatsächlich war es auch seine Familie und erselbst die mich dermaßen unter Druck setzten, dass ich ihn mit zwanzig heiratete. Ich erinnere mich, dass ich todunglücklich war.
Sieben Jahre später erfuhr ich von seiner Affäre. Mein Sohn war im Kindergarten und ich in Teilzeit beschäftigt. Monatelang redete mein Mann mir ein, ich würde mir etwas einbilden. Ich sei „Krank im Kopf“ und solle mit psychologische Hilfe suchen. Er beschwerte sich bei seiner Familie über mich, die mich anrief und mich beschuldigte ihren Sohn zu „stalken“, dabei wäre er absolute ehrlich und würde sowas nicht machen. Diese Zeit hat mich psychich sehr zerstört, daran kaue ich noch immer. Denn irgendwann begann ich ihm zu glauben und stellte meine geistige Gesundheit in Frage.
Doch Die Beweise fand ich nach einem halben Jahr. er zog aus, wollte zu seiner neuen Frau. Ließ meinen Sohn und mich ohne Geld, Essen und Heizung zurück. (Wir hatten ein altes Haus mit Ölofen und leider kein Öl mehr.) Bei Minus Sieben grad saßen mein Sohn und ich im Haus. Alleine. Wir hielten uns war. Leider kommt die Hilfe von AA nicht, wenn man sie dringend braucht. Ich wartete drei Monate. Hielt mich mit Geld meiner Eltern über Wasser. Machte Pizzateig, Mehl war damals günstig, hielt sich lange im Kühlschrank und ich konnte alle Reste draufwerfen, die ich fand. Manchmal war es auch nur Tomatenmark.
Die große Liebe nicht lange. Nach ein paar Monaten kam er zurück. Ich sei die Liebe seines Lebens, er war geblendet, wüsste nicht, was in ihn gefahren war.
Ich nahm ihn zurück. Natürlich. Denn ich war vollkommen vereinsamt, hatte schwere Angstzustände und war froh, wieder eine Stütze zubekommen. Nicht mehr überlegen, wie man am nächsten Tag was zu Essen findet.
Es hielt bis letztes Jahr, war aber schlimmer als je zuvor. Er vermutete, ich würde mich rächen wollen. Er untersagte mir rauszugehen, hatte ein Alk. und hielt mich streng verwahrt. Ich kämpfte darum eine Ausbildung machen zu dürfen, die er mir gestattete, wenn ich nach dem Abschluss sofort wieder kündigte. Ich versprach es, kündigte jedoch nicht. Durch die Ausbildung bekam ich Selbstbewusstsein. Ich bekam eine Führungsposition, verdiente mehr Geld als er (was er mir jedoch durch die Steuerklasse 5 weiterhin nahm, damit es nach außen eben nicht so viel war). Ich kämpfte für mich selbst. Arbeitete weiter an meinem Selbstbewusstsein. In den letzten drei Jahren habe ich mich gewandelt. Ein völlig neues Ich bekommen. Ich bin stark geworden, habe zwanzig Kilo abgenommen und bin beruflich sehr erfolgreich.
Vor 1,5 Jahren erklärte ich ihm, ich will die Trennung.
Er sagte Nein. Ich könnte das nicht einfach beschließen. Ziemlich viele Machtkämpfe, Beschimpfungen. Noch mehr Alk. als je zuvor. Es war nicht mehr zu ertragen. Ich bin schlussendlich vor einem Jahr ausgezogen. Und er zog sehr schnell zu seiner alten Affäre, wo er auch heute noch wohnt.
Vor einem halben Jahr lernte ich meinen neuen Partner kennen. Das absolute Gegenteil. Vom Charakter her eher wie ich. Liebevoll, empathisch, ruhig. Leider selbst auch frisch getrennt nach 17 Jahren Beziehung.
Für mich fand vor zehn Tagen nun der Scheidungstermin vor Gericht statt. Als wir hinausgingen brach ich in Tränen aus und mein Ex-Mann nahm mich in den Arm und tröstete mich. Wir haben keinen Streit. Wir praktizieren mit unserem Sohn das Wechselmodell und haben einen guten Kontakt, indem es immer nur um unseren Sohn geht. Als er mich tröstete fühlte ich mich …. Zuhause.
Versteht mich nicht falsch. Ich will das alte Leben nicht zurück, aber ich vermisse mich. Ich will mich zurück. Denn seit der Trennung ist alles wieder aus den Fugen geraten. Ähnlich wie beim ersten Mal schlafe ich kaum noch, ich kann nicht mehr schreiben (was immer mein Lebensinhalt war) ich habe neue Hobbys versucht. In den ersten Phasen der Trennung viel Sport gemacht, viel gearbeitet und alles versucht, um gegen meine Angst anzukämpfen.
Ich mache meine neue Partnerschaft kaputt, weil ich solche Verlustängste habe. Wir wohnen nicht zusammen, aber ich könnte heulen, wenn er wieder nach Hause fährt. Ich wünsche mir mehr Nähe, obwohl er mir schon so viel gibt und selbst noch um sein altes Leben trauert. Um seine Kinder, die bei der Mutter leben. Wenn ich ihm sage, „Ich hab dich so lieb“, dann nimmt er mich in den Arm und küsst mich. Aber ich bekomme Panik weil er nicht sagt „Ich dich auch“.
Wenn er da ist und wir fernsehen, breitet er seinen Arm aus damit ich mich an ihn kuschle und wenn ich da liege, fühle ich mich ungeliebt, weil er seinen Arm nicht komplett um mich legt.
Wir sind nun ein Jahr zusammen und ich sehne mich danach mit ihm zusammen zu wohnen und fühle mich nicht richtig geliebt, weil er keine Anstalten in diese Richtung macht.
Meine Trennung ist nun 1,5 Jahre her und ich habe so viel gelernt, aber ich fühle mich immer noch klein und voller Angst. Habe Angst, weil ich finanziell alleine dastehe, kaum noch Motivation habe aufzustehen und seit dem Scheidungstermine weine ich jeden Tag und fühle mich so verzweifelt. So Einsam. Mein Heilpraktiker fragte mich vor einer Woche "Und nun, ganz ehrlich: Was fühlst du jetzt gerade?"
Ich fühle mich alleingelassen.
Ich weiß das ist unsinn, denn ich bin gegangen. Aber genau das fühle ich. Ich fühle mich als alleiniger Kämpfer. Alleine weil mein Ex-Mann seine Sicherheit natürlich seiner neuen Partnerin gibt. Alleingelassen, weil mein neuer Partner mir das nicht abnehmen kann. Das soll er auch gar nicht, aber unbewusst, bin ich vielleicht einfach gewohnt, dass jemand da ist, der mir hilft meine Päckchen zu tragen .
Ich war in dem Jahr beim Psychologen, bei der Lebenshilfe, beim Heilpraktiker, aber noch immer kann ich nicht schreiben. Noch immer ist die Angst da. Noch immer versuche ich Freunde zu finden. Und immer noch nicht bekomme ich die Verlustangst weg. Noch dazu habe ich solche Schuldgefühle, weil ich ihm den sicheren Teil unsere Beziehung genommen habe. Ich habe die Trennung entschieden. Ich habe ihm den Schmerz angetan und das tut mir unendlich leid. Ich wollte nie einen solchen Schmerz in ihm auslösen. Und natürlich gab es bei uns auch gute Zeiten. Er war schon immer gut darin mich zu trösten. Mich sicher fühlen zu lassen. Diese Sicherheit fehlt mir.
Hat jemand Tipps für mich? Ähnliche Verläufe? Versteht mich jemand