whynot60
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Zitat von Libra82:Ich weiß nach jeder Beziehung immer sehr genau was ich NICHT will, aber scheinbar hab ich bislang noch nicht klar genug definiert, was ich will und brauche.
Ich glaube, man sollte sich über diese Dinge nicht gar zu sicher sein.
Du magst ja bewusst wissen, was Du nicht willst, aber vielmehr kommt es ja darauf an, wie Du unbewusst ausgerichtet bist (von einem Willen möchte ich hier nicht sprechen, sondern mehr von einem Segelwind). Zudem ist dieser bewusste "Widerwille" zumeist mit negativen Emotionen aufgeladen (über die Enttäuschung, die Verletzungen oder auch dem Scheitern der eigenen Willensdurchsetzung), also nicht wirklich aussagekräftig und als Kompass oder Feinwaage tauglich.
Jedenfalls nehme ich an, dass es bei allen Deinen Beziehungen irgend etwas gegeben haben wird, das Dich angezogen hat, das Dich die Beziehung hat eingehen lassen, das sozusagen diesen untergründigen Wechselfluss zwischen den tieferen Wesen in Gang gebracht hat. Zwar kommt auch eine (unbewusste) Negativauswahl vor, die sich in eigenen Mängeln oder Verkrümmungen begründet, aber da das eher selten der Fall ist, möchte ich auf etwas anderes hinweisen (als Möglichkeit).
Es kann auch Muster geben, die es von Anfang an auf das Scheitern anlegen, weil man sich selber dieses und jenes verwehrt. Also etwa Liebesglück, zweisame Erfüllung, vertrauten Einklang usw. Und dann ist schon die Auswahl eine entsprechende, also eine solche, die das Scheitern mehr oder weniger garantiert.
Oder es gibt auch Muster, die darauf hinauslaufen, gewissermaßen Rache zu üben für früh erlittene Kränkungen. Dann macht man sich, nach einer gewissen Dauer der Beziehung, selber daran, die Beziehung oder vielmehr eigentlich den Partner zu zerstören.
Oder ein recht häufiges Muster: Ich bin nicht liebenswert / werde nicht geliebt. Ein besonders fatales Muster. Denn dann kann der Partner lieben, wie er will - zuletzt wirst Du Dir "beweisen", dass er Dich nicht liebt / nicht geliebt hat.
Jedenfalls sollte der erste Schritt sein, um Muster ans Tageslicht zu bringen, die Verhältnisse und Zustände in der Kindheit zu ergründen, und zwar schonungslos. Das kann Dir so einige Einsichten bringen hinsichtlich der Hintergründe und Triebkräfte, die für das Scheitern oder schon die falsche Wahl entscheidend sind.
Erkenntnisse, die sich nicht mit Leben füllen, bringen allerdings auch noch nicht viel. Daher kann es, je nachdem, auch nötig sein, vielleicht eine Beziehung einmal standhafter durchzuhalten und einfach zu sehen, was passiert. Denn an sich ist die beste "Therapie" aller dieser lebenshinderlichen verquirlten Kindheitslandschaften ja das Leben selbst (auch und besonders, was Beziehungen betrifft). Dazu scheint es mir, was das Seelische betrifft, überhaupt dazusein.
Muster zu erkennen ist das eine - Muster zu durchbrechen das andere. Während bei dem einen genügt, die Augen aufzumachen, verlangt das andere, Mauern niederzureißen oder sich mal selber in Flammen aufgehen zu lassen, damit aller unpassende Müll verbrennt und nur noch man selber, quasi endlich in Reinkultur, übrigbleibt. Dann läuft es auch mit der Liebe ganz anders.
