Zitat von Wasabix: Als ich noch in Abhängigkeit (en)von einem Mann / Männern war, lenkte mich das von der sinnvollen und achtsamen Gestaltung meines eigenen Lebens ab!
Das habe ich herausgefunden.
Ich hatte Ziele und Träume die ich nicht wagte umzusetzen.
Und ich lebte noch in der Überzeugung, einen Mann bzw das Gefühl der Aufwertung durch ihn, zu benötigen.
Lange gelebte Muster.
Ich musste tatsächlich 57 Jahre alt werden, um zu fühlen dass es höchst unbefriedigend für mich ist bzw war, meinen Lebensfokus auf einen !Menschen zu konzentrieren.
Dabei kann ich viel mehr als das.
Und das tue ich jetzt.
Selbstmitleid und Opfergefühle hatten mich auch im Griff. Und dadurch bekam ich Aufmerksamkeit.
Die ich mir jetzt Selbst schenke
Liebe Wasabix,
die Empfindungen, die Verstrickungen und Mechanismen, die Du hier schilderst, könnten von mir sein.
Haargenau so war es bei mir früher auch.
Den Mann auf ein Podest stellen, wodurch man sich selbst die untergeordnete Rolle zuweistl Vernachlässigung der Selbstpflege, weil man ja ständig alles tat, damit er, der Gottgleiche, alles hat was er braucht. Wer verlernt oder nie gelernt hat, dass man ohne eine große Portion
Achtsamkeit gegenüber der eigenen Person, der eigenen Wünsche und Vorstellungen schlecht durchs Leben kommt, weil man ja um den Partner kreist, vernachlässigt sich selbst und untergräbt die eigenen Wünsche und Bedürfnisse.
Und am meisten unterschreibe ich den Satz mit der Aufwertung der eigenen Person durch den Partner. Auch ich fühlte mich zeitweise großartig an seiner Seite. Seine Intelligenz, seine liebenswerten Seiten, seine vielseitigen Interessen machten auch mich zu einer Person, die sich interessant findet. Egopush für diejenigen, die sich selbst nicht helfen können. Und die zweifelhaften Eigenschaften des Partners werden dann nicht nüchtern betrachtet, sondern eher nach als liebenswerte Schwächen betrachtet.
Es ist beschämend, wenn man den Spiegel vorgehalten bekommt und dann feststellt, dass man genau diese Dinge selbstverständlich bewirkt und eingeleitet hat. Und später wundert man sich dann, wenn die Achtung des Mannes immer mehr schwindet, weil Frau ja kein eigenes Leben hat, sondern zu einem willfährigen Anhängsel wird.
Die Sache mit der Selbstaufwertung durch ihn ist ja auch bei Silence ganz klar erkennbar.
Es sind Muster, die man sich abgeschaut hat z.B. von der Mutter und die meist schon in der Kindheit angelegt sind und im Erwachsenenleben weiter abgespult werden, als müsste es so sein.
Und dann begibt man sich logischerweise immer wieder in solch destruktive Beziehungen mit emotionaler Abhängigkeit, weil man endlich lernen muss, dass der Dampfer der falsche ist.
Im Scheitern liegt eine große Kraft, wenn man genau hinsieht. Nur im Scheitern lernen wir und sind irgendwann bereit, das eigene Verhalten zu hinterfragen und vor allem auf seltsame Wiederholungen zu achten. Und daraus kann dann Erkenntnis erwachsen, dass man Jahre über Jahre mit der Verleugnung der eigenen Person gelebt hat und permanent Futter fürs Ego von außen brauchte. Aber dazu muss man gehörig auf die Schnauze fallen, womöglich nicht nur einmal, sondern mehrfach.
Ich brauchte auch Jahre, ja Jahrzehnte, bis ich endlich bereit war, mich mit meiner eklatanten Schwachheit überhaupt anzusehen. Stattdessen der Blick nach außen, der so schön von sich selbst ablenkt.
Aber besser spät als nie. Daher sind die Lektionen, die das Leben einem erteilt, meist sehr lehrreich.
Mein Therapeut erklärte mir damals die Sache mit den leidvollen Wiederholungen. Das sind klar Hinweise der eigenen Seele, dass da etwas untergraben wird und konsequent übersehen wird.
Die Seele leidet unter dem, was wir tun und als selbstverständlich ansehen. Wir erfahren statt der wundervollen Zuneigung und Bestätigung durch den Partner irgendwann das Gegenteil. Abwertung, Gleichgültigkeit, Zurückweisung, Desinteresse und fragen uns, warum. Schließlich haben wir doch alles getan! Ja, vor allem alles, was uns und unserem Selbstgefühl nicht gut tut.
Die Seele hat keine Sprache und sagt, hey, schau da mal genau hin, das tut mir weh! Sie kommt von hinten und schickt uns oft im Abstand von Jahren in wiederkehrende Situationen, weil wir nicht bereit sind zu hinterfragen und uns anzuschauen. Die Wiederholung ist die Sprache der Seele. Und erst wenn man genug der schädigenden Wiederholungen absolviert hat, sagt man sich, hoppla, das ist doch kein Zufall mehr, was mir passiert. Und erst dann ist der Weg frei, sich endlich mal um den Menschen zu kümmern, der einem am wichtigsten sein sollte, sich selbst. Dann kann man auch Ursachen erkennen, z.B. Prägungen durch die Eltern, nie geheilte Verletzungen , die auch oft in der Kindheit erfahren wurden.
Manchmal frage ich mich, wie vollständig wir eigentlich uns selbst leben können und erleben können. Vermutlich ist es damit nicht weit her, mit der Selbstbestimmtheit, der Selbsterkenntnis, aber auch kleine Fortschritte kann man dann als eine Wohltat empfinden. Aber die sind meist auch hart erkämpft.