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Begonie
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Zitat von Augenblick:Irgendwann habe ich diese permanente Trauer über mein verlorenes Ich und alle sonstigen Gefühle, die mit dieser narzisstischen Beziehung in Verbindung standen, einfach zugelassen - sie durften einfach da sein, wie ein Hund, den man überall mitnimmt. Ich konnte dann gleichzeitig traurig über das Vergangene und zufrieden mit dem Augenblick sein.
Das ist ein Mechanismus, der mir damals auch half. Nach der Trennung, wenn die erste Heul- und Wutphase schon abgeebbt war, verspürte ich auch eine permanente Traurigkeit, die zwar mal stärker und auch mal schwächer wurde, aber ständig präsent war.
Und dann sah ich die Traurigkeit als einen Mann, der mich jetzt begleitete. Ich sah ihn nur schemenhaft, er hatte kein richtiges Gesicht, aber er war groß, schlank, schwarz gekleidet und hatte dunkle Haare.
Und dann "lebte" ich mit ihm sozusagen. Er saß neben mir im Auto, wenn ich in die Arbeit fuhr. Er saß in meinem Büro an dem runden Besuchertischchen und war ganz ruhig.
Manchmal vergaß ich ihn, aber auf einmal überrollte mich die Traurigkeit wieder. Ich dachte an den Ex., verspürte trotz allem wieder Sehnsucht, hätte gerne gewusst, was er tat und wie es ihm ging, aber ich trat dann nicht mehr in Kontakt. Wozu auch? Es hätte meine Trauer nicht weggenommen, im Gegenteil wieder verstärkt.
Und dann sprach ich manchmal mit dem Trauermann im Stillen. Ach, bist du auch wieder da, für zwei Stunden warst Du jetzt weg. Was willst Du denn dauernd bei mir? Geh doch weg, ich möchte Dich so gerne los haben.
Und dann sagte der Trauermann immer so hintersinnig lächelnd: Es ist jetzt meine Zeit und ich bleibe bei Dir, so lange es notwendig ist. Erst wenn meine Zeit um ist, gehe ich wieder.
Und irgendwann war seine Zeit um. Es half mir damals, mich auch nicht dagegen zu stemmen, sondern den Trauermann in mein Leben zu lassen.