Angst vor der Zukunft

Ehemaliger User

Ich habe mich nach 6 Jahren Ehe von meinem Mann getrennt. Wir haben 4-jährige Zwillinge. Nun sind wir über 10 Monate getrennt und es tut so weh. Wir leben noch in einem Haus aber in getrennten Wohnungen. Ich wage den Schritt und ziehe bald 50 km weiter weg. Unsere Ehe war gebranntmarkt von großen Aufgaben: Hausbau, Selbständigkeit, und nierenkrankem Sohn, der kürzlich transplantiert worden ist. Ich mag meinen Mann, habe mich aber in der Ehe nicht wohl gefühlt. Er ist Egoist und sah nur die Seite Hausfrau, Mutter, Bürohilfe in mir. Ehe mit Zärtlichkeit gab es nicht. Eigentlich waren wir nur eine Familie. Er hatte nie Zeit für mich,  ich war immer  allein. Nun habe ich einen neuen Freund, er gibt mir die  Geborgenheit, Liebe, Zärtlichkeit, akzeptiert, meine Gefühlsschwankungen, unterstützt mich und liebt meine Kinder. Ich weiß das ich meinen Mann nicht ändern kann, und weiß das ich bei meinem Freund in den besten Händen bin und ihn auch liebe. Aber es kommen immer wieder Tage und Nächte wo ich nur noch heule zurück will. Vielleicht die Gewohnheit, die Zukunftsangst. Ich bin kein Mensch der viel an sich denkt, so schmerzt es mich meinen Mann manchmal so reden und auch leiden zu sehen. Sicherlich kann man von heute auf morgen nicht einfach einen nicht mehr lieben das Braucht Zeit oder?  Ist das normal? Ich habe Angst aufzuwachen und zu merken ich liebe nur ihn. Obwohl ich weiß das ich dann meine Ziele und Bedürfnisse beim Zurückgehen zu ihm in den Schrank stecke. Die neue Wohnung, ob ich das schaffe, mein krankes Kind und meine kleine Tochter. Ich habe Angst das alles nicht zu schaffen.

Liebe Grüße

20.05.2002 07:59 • #1


Ehemaliger User


Hallo Nicole,

Als allererstes tut es mir leid, daß Dir die Trennung stets so weh tut, daß Du noch einen solchen Schmerz empfindest. Mir ist ein Satz in Deinem Posting aufgefallen und ich möchte Deinen Beitrag aus diese Sicht betrachten. Ich hoffe Es kommen bei Dir Fragen auf die Dich weiter bringen unabhängig davon welche Richtung das Weiterkommen hat.

"Ich bin kein Mensch der viel an sich denkt"

Am Anfang euerer Partnerschaft hat Dein Mann Dich da aufgefordert "Baue mit mir ein Haus und hilf mir bei meiner Selbständigkeit", oder gab es eine Basis der Zärtlichkeit und Freundschaft und gegenseitige Achtung als Mensch?
Wenn ich lese was ihr in 6 Jahren zusammen aufgebaut habt, dann muß ich sagen alle Achtung. Das liest sich nicht wie eine Peinigung als vielmehr ein Hand in Hand aufbauen. Aber hast Du Dich denn dabei aufgegeben? Hast zu wenig an Dich gedacht? Hast Du Deine Bedürfnisse verständnisvoll zurückgestellt? Warum hast Du sie nicht eingefordert?
Weißt Du: sich verlassen und allein fühlen wenn man in einen Bezieheung ist (meine Erfahrung), ist ein Gefühl das durch eigene Gedanken und daraus resultierendes Handeln entsteht.
"Ich gehe in eine passive Rolle! Teile meine Bedürfnisse nicht mit! Ich bin ein Märtyrer, weil ich dieses oder jenes Bedürfnis aufgegeben habe! Du tust voller innbrunst etwas worum Dich keiner gebeten hat und keiner merkt es! Du bekommst kein Feedback! Du fühlst Dich allein!". Hast Du Dich in Deinem seelischen Alleinsein auch körperlich zurückgezogen? Etwa durch Aussagen wie "ich brauche Zeit für mich selbst!", um dann da zu sitzen evtl. zu weinen und Dich auch wirklich einsam fühlen?
Aber keines dieser Gefühle und "Taten" werden in Worte gepackt und mit dem Partner diskutiert und ihm präsentiert, denn "sie sind ja nicht wichtig", oder "ich werde dann eh belächelt" oder "er versteht es sowieso nicht"!
Was dabei passiert, ist daß Du Dich in eine Welt zurück ziehst in der Du investierst und weiter investiert aber keiner merkt es. Du redest vielleicht mit Freundinen darüber und sie bestätigen wieviel Du doch für die Partnerschaft aufgibst, aber was ist mit Deinem Partner?
Vielleicht hat es ein stückweit mit Selbstwertgefühl zutun! Du bist ein einzigartiger Mensch so wie Du bist mit Deinen Wünschen und Bedüfnissen und mit Deinen Qualitäten und Kräfte. Du bist es Wert geliebt zu werden und Deine Wünsche einzufordern. Es liegt an Deinem Partner, ob er meint Dich in der Erfüllung Deiner Bedürfnisse unterstützen zu können und zu wollen. Aber wenn Du nicht selber an Dich denkst und Dich nicht formulierst, kann Dein Partner nichts wissen. Deine Bedürfnisse sind wichtig, weil sie ein Teil von Dir sind und DU bist es wert, daß man sich mit DIR auseinandersetzt.  "Wünsche von den Lippen ablesen" ist ein Irrglaube. Du hast kein Schild um den Hals hängen "ich möchte jetzt Zärtlichkeit und zwar so und so" (als Beispiel). Ferner finde ich, daß es in der Partnerschaft nicht ums "aufzugeben" geht, sondern ums "erfüllen helfen", so daß man als Individuen an der Partnerschaft wächst.
Auch ohne eine Partnerschaft musst DU an DEINEN Qualitäten glauben. Schau kurz zurück! Wieviel hast Du in den 6 Jahren geschafft hast. Du hast ein Haus mit aufgebaut, Du hast Deinen Mann in die Selbständigkeit geholfen (ohne Dich wäre das nicht gegenagen) und Du hast dazu noch zwei Kinder versorgt! Du hast mit Dich rührend um Deinen kranken Sohn gekümmert! ALLE ACHTUNG! Ich ziehe meinen Hut vor Dir!
Glaube an das was Du kannst (jetzt sag nicht "was kann ich schon? nichts!")!

"Ich bin ein Mensch der an sich denkt, sich ernst nimmt und in sich ruht"

Wenn Du diese Einstellung hast, dann wirst Du selber glücklich sein, in eine Partnerschaft Zufriedenheit finden und Dein Leben besonnen meistern.

Zur Wohnung: Das gleiche Haus und unterschiedliche Wohnungen ist vielleicht bisschen nah! Aber durch räumlichen Distanz alleine schafft man kein inneres Loslassen. Du kannst Nach Himmalya ziehen und wenn Du mit Deinen Gedanken immerwieder bei Deinem Mann landest, dann wirst Du nicht loslassen können.

ganz liebe Grüße

juice

20.05.2002 17:00 • #2



Angst vor der Zukunft

x 3


Ehemaliger User


Hallo

kann es sein, das Du Dir ein schlechtes Gewissen machst?
Ich glaube, daran solltest Du arbeiten. So lange offen und ehrlich mit Deinem "Egoisten" reden, wie ihr euch beide
einig seid.
Und bitte NEIN sagen üben, hab Selbstvertrauen!

Deine Einstellung, Angst zu haben nur ihn zu lieben, halte ich für sehr sehr sehr riskant. Kann das sein, das wenn Dich dann
die Vergangenheit einholt Du aus "Angst" denkst, wieder anzufangen oder nicht aufzuhören, nur ihn zu lieben?

Meiner Meinung nach bist Du gut daran, erstmal räumliche
Distanz zu haben.
Aber wie wird Dein neuer Partner das empfinden, wie wird Dein Mann denken, sich falsche Hoffnungen machen, sich von Dir hingehalten fühlen, wird es ihn anregen sich zu ändern, zu verstellen, in der Hoffnung Du kommst "aus Angst" wieder zurück, und alles wird gut? Hmmm....

Ich glaube, irgend etwas fehlt Dir noch an Selbsterkenntnis,
durchzuatmen, das alles richtig ist was Du tust, zu Dir stehst,
und durchstarten kannst in die Zukunft.

Alles verändert sich, auch die Liebe geht und das Leben geht
weiter!

Lieben Gruß
wilde Flocke

22.05.2002 13:10 • #3


Ehemaliger User


Liebe wilde Flocke!

Danke für Deine Antwort.  

Ich habe mit meinem Mann offen geredet.  Ja Du hast recht, die Liebe geht. Was ich unter Liebe und Partnerschaft dachte war für ihn nicht im geringsten ein Teil davon.

Er hat mich und mein Selbstwertgefühl übelst angegriffen. Vielleicht mußte das so kommen, daß ich endlich begreife (was meine Freunde mir Tag täglich predigen) er war der Falsche.  

Und meine Gedanken meine Liebe gehören meinem  neuen Freund, der mir nach so vielen bitteren Tränen und schweren Situationen, in meinem Leben endlich mal  die  Liebe gibt, die ich  schon längst hätte gebraucht. Manchmal kommt noch ein Ungewißheit auf eine Angst, aber ich sehe wieder in  die Zukunft.  

Vielen Dank.

Liebe Grüße

Nicole

27.05.2002 18:32 • #4




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag