@Mann1989 "intakt" - das denkt mein Mann nicht, da bin ich mir sicher. Ich weiß aber, dass sein Leidensdruck (noch) nicht stark genug ist, um mich jetzt vor die Tür zu setzen. Er hat bisher (2x) immer warm gewechselt. Beide Male nach etwa 10 Jahren. Ich kann jetzt auch noch warten, bis es wieder soweit ist. Dann habe ich gemessen an der letzten Trennung ca 24 Stunden Zeit, mir etwas Neues zu suchen....
Für ihn bin ich einfach immer noch praktisch, weshalb er jetzt, kurz vor seinem Urlaub, nochmal gaaaaanz nett ist und Selbstverständlichkeiten hervorhebt, z.B. dass er seine Zahnbürste ins Gäste-WC legt, damit ich nach der Nachtschicht nicht gestört werde. Toll, danke.
Ich bin praktisch, weil ich 80 % in Haus und Hof erledige (2x für 2,5 Stunden kommt eine Reinigungskraft ins Haus, die mir einen Teil der Hausarbeiten abnimmt) und in seiner Firma mitarbeite.
Meinen eigenen Anteil "Schuld" am Scheitern der Beziehung versuche ich permanent einzuordnen und denke, dass es mindestens 45 % sind.
Anfangs habe ich mir unfassbare Ausfälle gefallen lassen, statt sofort die einzig richtige klare Grenze zu ziehen. Verlustangst.
Aber, nein, ich wollte unbedingt geheiratet werden, dachte das alles sei das Leben im goldenen Käfig wert. Habe geschuftet, gearbeitet auf dem Bau, geputzt, gewienert, gebraten, gebacken, die Töchter nebst Freunden bekocht an Feiertagen, weil die Ex es auch so gemacht hatte.... Wollte beweisen, dass ich es wert bin. Damals schon merkte ich, dass ich niemals von den Töchtern akzeptiert werden würde. Liebevoll gekochtes Essen wurde zur Seite geschoben mit den Worten "schmeckt nicht". Statt direkt zu sagen, in Zukunft gehen wir Essen, dann kann jeder aussuchen, was er/sie will, habe ich es wieder und wieder versucht und mich über die Unverschämtheiten geärgert.
Immer noch erlauben die Töchter sich im Betrieb Verhaltensweisen, die man keinem anderen Mitarbeiter durchgehen lassen würde. Täglich grüßt das Murmeltier. Ich versuche seit Anfang des Jahres meine Tätigkeiten dort herunterzuschrauben, weil mir alles zu viel wird (ich habe noch eine Selbständigkeit aufgebaut nebenbei, die mittlerweile recht gut läuft).
Alle meine Versuche, mich dem zu entziehen, laufen ins Leere und werden von meiner Schwiegermutter komplett abgebügelt. Deshalb hatte ich mit ihr vor ca. 7 Wochen einen schlimmen Streit, seitdem habe ich sie nicht mehr gesehen, man kann sich aus dem Weg gehen. Glaubt nicht, dass mein Mann sich da vor mich gestellt hätte und gesagt hätte, sie hat Recht, das wird jetzt so und so gemacht. No way.
Wobei wir bei meinem schlimmsten Charakterzug sind: ich bin ich stark vermeidend, das heißt, ich habe es nicht gelernt, konstruktiv zu streiten, stattdessen schlucke ich oft und gehe weg. Ich durfte früher zu Hause gar keine Meinung haben. Das bearbeite ich seitdem und versuche es zu ändern.
Das hat sich halt hier verändert, seitdem kracht es mehrmals die Woche, weil ich meine Meinung sage, statt sie herunterzuschlucken. Je sachlicher ich werde, desto mehr schreit mein Mann herum, genau wie seine Mutter. Alles, was er an ihr nicht ausstehen kann, hat er von ihr aber übernommen, reflektiert es aber gar nicht.
Mein Therapeut arbeitet systemisch. Es ist sicher kein Zufall, dass ich hier gelandet bin, das System ähnelt dem, das ich kenne.
Daher habe ich wirklich lange versucht, an mir zu arbeiten, damit ich nicht wieder in so ein Muster gelange und hier nur weglaufe. Aber ich arbeite mich an diesem Konstrukt kaputt... diese Menschen ändern sich nicht und man kann nicht glücklich leben, wenn nicht beide Seiten einige Schritte bereit sind zu tun.