1

Arbeitsplatz: Muss ich Rücksicht auf Sie nehmen?

Ulgip

6
2
Hallihallo.

meine Freundin, leider auch Kollegin, hat sich von mir verabschiedet, nach recht kurzer Zeit wie ich finde, war sie der Ansicht, unsere Interessen gehen zu weit auseinander. Sie ist begnadete Reiterin, nur unterwegs, ich bin eher häuslich. Das passte ihr alles nicht mehr nach einem halben Jahr.

Wir haben dummerweise viele Rituale auf der Arbeit, Frühstück, Mittag, Kaffee. Anfangs war das ok, ich war weiterhin "lustig, fröhlich" und habe mir nichts anmerken lassen. Zu hause bin ich dann in tiefe Depressionen verfallen. Nach wenigen Wochen konnte ich sie nicht mehr in meiner Nähe haben, ohne dass die Sehnsucht unerträglich wurde. Mittlerweile habe ich alle Rituale verlassen, bin also nirgends mehr anwesend, als einziger. Meine Ex tut abgebrüht, ist sie aber nicht, sie leidet genauso, weil wir uns eigentlich noch total gern haben. Ich spüre das, sie schaut mich nicht mehr an, weil sie vermutlich dann Gefahr läuft, dass die Gefühle wieder mehr werden.

Viele Kollegen kamen auf mich zu und fragten, was los sei, von denen wusste niemand von unserer Beziehung und Trennung. Ich schob es auf die Arbeit, hab viel zu tun etc. Stimmt natürlich nicht.

Mittlerweile habe ich mich emotional etwas gefangen, fühle mich zwar stellen/phasenweise immernoch hundsmieserabel, aber es "geht" halbwegs. Ich habe an den ersten Ritualen wieder teilgenommen, meine Ex kam damit überhaupt nicht mehr klar, mich mit anderen Kolleginen shakern zu sehen und auch teils aus meinem Privatleben (wir reden manchmal darüber) zu hören, dass ich viel (auch mit Frauen) unterwegs bin.

Nun frage ich mich, ob ich auf sie Rücksicht nehmen muss? Andernfalls isoliere ich mich in der Firma ziemlich, wenn ich ihr nur noch aus dem Weg gehe. Ich habe mich auch gefragt, ob sie Rücksicht nehmen würde, ganz klar nein, aber ich bin nicht so egozentrisch veranlagt wie sie....frage mich gerade, ob ich mir einen Gefallen tue, wenn ich ihr aus dem Weg gehe oder wie ich verfahren soll.

11.01.2014 19:21 • #1


chamäleon


66
2
25
hallo ulgip!

Befinde mich in einer sehr ähnliche situation. 1 jahr zusammen, dann sehr plötzlich verlassen und jetzt seit knappen 8 monaten getrennt. ich habe dann recht schnell sehr viel im aussendienst gemacht, damit ich abstand gewinne. das hat sehr gut getan. nach 6 monaten hatte ich dann aber immer mehr das gefühl, mich zu isolieren. arbeite jetzt wieder täglich mit ihm zusammen. war nicht einfach, aber für mich wichtig. hab ihn höflich aber sehr distanziert behandelt. es hat ihm nicht so ganz gepasst hat, dass ich wieder da bin und mein leben ohne ihn lebe. habe mich auch gefragt, wie ich darauf reagieren soll.

mein fazit: ich kann nciht mit ihm befreundet sein, weil es mir nicht gut tut. ich brauche die distanz als schutzwall, um abschliessen und weitergehen zu können. es tut mir leid, dass es ihm schlecht geht, aber das ist nciht mehr mein problem. als es mir schlecht ging, hat er auch einfach sein ding gemacht.


lieber ulgip, ich denke nicht, dass du auf sie rücksicht nehmen musst. hat sie das denn getan ? sie hat sich entschieden, ohne dich zu leben. das hat wahrscheinlich ziemlich weh getan, aber damit musstest du dich abfinden und dein leben neu ausrichten. und das scheinst du auch prima hingekriegt zu haben. hör auf, dich zu fragen, wie es ihr dabei geht. versuch stattdessen, zu erspüren, was dir guttut. wie muss der arbeitsalltag für dich aussehen, damit du klarkommst. im idealfall findet ihr eine umgangsform, die für euch beide ok ist. aber zuallererst kommst du!

ob du ihr also lieber aus dem weg gehen solltest oder die rituale dir doch guttun, das musst du für dich selbst entscheiden. ich für mich hab festgestellt, dass ich diese zeit im aussendienst gebraucht habe, um mich wieder zu fangen, mein leben neu zu sortieren und mich zu festigen. nach einer weile hab ich dann gemerkt, dass ich diese konfrontation brauche, und mich nicht länger verstecken will. einfach, um der realität ins auge zu sehen und einen alltag ohne ihn leben zu können, auch wenn ich ihm jeden tag begegene. ich glaube, dass diese konfrontation wichtig ist, um abschliessen zu können. aber, man muss ihr auch gewachsen sein. wenn einen begegnungen immer noch sehr aufwühlen oder man wieder grosse sehnsucht bekommt, ist es vll. noch ein bisschen zu früh.

ich hoffe, meine erfahrungen helfen ein bisschen.

alles liebe, chamäleon

11.01.2014 22:13 • x 1 #2



Arbeitsplatz: Muss ich Rücksicht auf Sie nehmen?

x 3


Ulgip


6
2
Zitat von chamäleon:

mein fazit: ich kann nciht mit ihm befreundet sein, weil es mir nicht gut tut. ich brauche die distanz als schutzwall, um abschliessen und weitergehen zu können. es tut mir leid, dass es ihm schlecht geht, aber das ist nciht mehr mein problem. als es mir schlecht ging, hat er auch einfach sein ding gemacht.


Danke für diesen Absatz. Das klingt exakt nach dem, was bei mir derzeit auch passiert. Ich benötige diesen Schutzwall nämlich auch. Anfangs hatte ich den Eindruck, sie möchte gern noch an meinem Privatleben teil haben, hören, was ich so am Wochenende gemacht habe, anfangs kamen auch regelmäßig Whatsapp Nachrichten "Wie war dein Wochenende", von ihr kam wohlbemerkt nichts, also kein Austausch, sondern eher ein Aushorchen. Sie wollte noch an meinem Leben Teil haben, aber nichts mehr teilen.
Ich hatte das anfangs gedeutet als "Vielleicht haben wir eine zweite Chance", aber die hätte sie mir nie gegeben, ihr war nur wichtig, dass sie weiterhin Anteil an meinem Leben hat, mehr aber auch nicht, dieses Spielchen hab ich zum Glück dann irgendwann mal unterbrochen, indem ich exakt vorgegangen bin wie du schreibst: Ich kann kein Freund von ihr sein. Und ja du hast völlig recht, ich hätte gern eine zweite Chance gehabt, nicht jetzt, sondern direkt im Anschluss, wo alles frisch war, gerade weil es bei uns keinen echten Trennungsgrund gab - das sah ich damals so - mittlerweile sehe ich das nüchtern und ja, es gab Gründe, sonst wären wir ja noch zusammen.

Zustimmung auch was die Rücksichtnahme betrifft, ich reflektiere gerade, ob sie je Rücksicht genommen hat, klare Antwort: Nein.

Zitat:
lieber ulgip, ich denke nicht, dass du auf sie rücksicht nehmen musst. hat sie das denn getan ? sie hat sich entschieden, ohne dich zu leben. das hat wahrscheinlich ziemlich weh getan, aber damit musstest du dich abfinden und dein leben neu ausrichten. und das scheinst du auch prima hingekriegt zu haben. hör auf, dich zu fragen, wie es ihr dabei geht. versuch stattdessen, zu erspüren, was dir guttut. wie muss der arbeitsalltag für dich aussehen, damit du klarkommst. im idealfall findet ihr eine umgangsform, die für euch beide ok ist. aber zuallererst kommst du!


Danke auch hierfür, ja, Du hast absolut Recht, ich lebe mein Leben und nicht ihr Leben. Wir sind nicht mehr zusammen, auch hier wenn ich mich erinnere, kam von ihr nicht einmal eine Frage "Wie geht es Dir", derjenige, der ständig nach dem "Genehsungszustand" gefragt hat, das war ich. Ich muss hier wirklich egozentrischer vorgehen, oder eher selbstschützender, so wie sie auch.

Zitat:
ob du ihr also lieber aus dem weg gehen solltest oder die rituale dir doch guttun, das musst du für dich selbst entscheiden. ich für mich hab festgestellt, dass ich diese zeit im aussendienst gebraucht habe, um mich wieder zu fangen, mein leben neu zu sortieren und mich zu festigen. nach einer weile hab ich dann gemerkt, dass ich diese konfrontation brauche, und mich nicht länger verstecken will. einfach, um der realität ins auge zu sehen und einen alltag ohne ihn leben zu können, auch wenn ich ihm jeden tag begegene. ich glaube, dass diese konfrontation wichtig ist, um abschliessen zu können. aber, man muss ihr auch gewachsen sein. wenn einen begegnungen immer noch sehr aufwühlen oder man wieder grosse sehnsucht bekommt, ist es vll. noch ein bisschen zu früh.


Ich hatte das mal mit einer Frau, die ich für die vermeintlich große Liebe gehalten habe. Ich bin sechs Monate später absichtlich in ihre Nähe gefahren, habe sie "zufällig" am Arbeitsplatz getroffen, damals hatte ich dort längst gekündigt, meine alten Kollegen besucht. Diese Konfrontation war für mich auch der emotionale Abschluss dem Motto nach "Ok, sie ist mir nicht mehr wichtig", danach war erstmal alles merkwürdig, da man ja dachte, sie muss einem als große Liebe wichtig sein. Ich denke ich werde noch ein wenig Abstand halten und dann wieder die "Nähe" suchen im Sinne von Konfrontation. Andernfalls fürchte ich einen innerlichen Spießrutenlauf. Dann bin ich derjenige, der sich im Büro auf der Flucht fühlt, grundlos.
ich hoffe, meine erfahrungen helfen ein bisschen.

Danke Dir vielmals! Sehr schöne Hilfestellungen.

12.01.2014 09:12 • #3


chamäleon


66
2
25
gerne! Ich halt dir die daumen! und vll. sagst du uns bescheid, wie es dir so ergeht. ich glaube, so ein thema interessiert viele.

alles liebe, chamäleon

12.01.2014 12:09 • #4




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag