Zitat von Caecilia: Das habe ich auch nicht gemacht. Ich habe das sofort ohne Wenn und Aber akzeptiert. Der Grund war vor allem, dass ich mir vor dem Hintergrund dieser Demütigung das letzte Bisschen an Stolz bewahren wollte. Ein zweiter Grund war, dass ich sofort und ganz klar gespürt habe, dass es nichts mehr bringt. Mein Ex wollte dieses neue Leben und das alte ganz klar nicht mehr.
Ich frage mich halt manchmal, ob es nicht doch noch etwas geändert hätte. Bei mir gab es ja zu dem Zeitpunkt kein neues Leben. Ja, ich wusste, dass ich das alte nicht mehr wollte. Und ich wusste auch: ich liebe meinen Mann nicht mehr. Aber mir gibt immer wieder zu denken, was ich hier im Forum lese: Viele Paare arbeiten aktiv an der Rettung ihrer Beziehung, versuchen bewusst, sich wieder einander anzunähern, Gefühle wieder hervorzukramen. Ich kann mir für mich zwar so überhaupt nicht vorstellen, wie das hätte funktionieren sollen - aber eigentlich wollte ich ja das Leben mit meinem Mann 25 Jahre lang. Ich wollte unbedingt, dass es klappt und hält, ein Leben lang. Nur SO wollte ich es am Ende eben nicht mehr. Ich fühlte mich einfach nicht mehr geliebt und akzeptiert. Wenn mein Mann mir doch die Ahnung dieser Liebe und Akzeptanz hätte zeigen können - vielleicht hätte es doch auch in mir wieder etwas geweckt. Ich weiß es nicht. Letztlich ist es Blödsinn, dieses hätte hätte Fahradkette. Er konnte es offensichtlich nicht, und das hat mich in meiner Entscheidung nur bestärkt.
Zitat von Caecilia: Das war bei uns nicht so. Mein Ex blockt bis heute alle Gespräche zu den Hintergründen der Trennung etc. ab - übrigens nicht nur mit mir, sondern, soweit ich das weiß, auch mit Dritten (gut - mit Next wird er schon darüber reden, nehme ich an). Wir hatten ein halbherziges Gespräch ein paar Tage nach der Trennung, das war es. Zwei- oder dreimal habe ich ihm noch geschrieben - da kamen auch keine vernünftigen Antworten. Hier geht es mir also eher wie Dir und ich kann mich in Deinen Mann nicht einfühlen.
Ich frage mich immer mal wieder, ob ich da nicht doch noch mal auf ihn zugehen sollte. Ihm nochmal ein Gespräch anbieten sollte, vielleicht kann er es ja mittlerweile, mit etwas Abstand. Andererseits will ich ihn ja auch nicht bedrängen, sondern seinen Wunsch respektieren. Aber da ist noch so viel unausgesprochenes. Mir ist es ein Bedürfnis, dass er versteht. Aber ich bin mir auch bewusst, dass ich das nicht von ihm verlangen kann.
Zitat von Caecilia: Das mit dem anderen Mann sagt er, um sein Selbstwertgefühl zu wahren (hat auch etwas mit Stolz zu tun, s.o.). Wobei ich ehrlich zugebe, dass dieses "nur Auslöser, nicht Ursache"-Gelaber auch immer ein bisschen nervt: Sicher ist der/die neue Partner/in in den allermeisten Fällen nicht der (alleinige) Trennungsgrund, aber er macht den Absprung einfach so viel leichter, dieser erfordert durch dieses "Aufgefangenwerden" einfach so viel weniger Mut, man geht in ein Leben voller Verliebtheit, während die verlassene Person, die zudem völlig überrumpelt ist und sich auf den Schmerz der Trennung nicht vorbereiten konnte, zusätzlich mit Kontrollverlust und Demütigung zu kämpfen hat, den Alltag weiter wuppen muss ... völlig alleine dasteht.
Ja, natürlich muss das demütigend für ihn gewesen sein. Aber anders als bei deinem NM gab es bei mir zum Zeitpunkt der Trennung keinen neuen Partner. Nur einen AM, von dem es zu diesem Zeitpunkt undenkbar war dass er ein neuer Partner werden könnte. Er hat mir gegenüber immer wieder betont, dass er seine Frau nicht verlassen würde. Zudem wusste ich, dass aus Affären selten richtige Beziehungen werden. Ich hatte zwar angefangen, Gefühle für ihn zu entwickeln, und das war natürlich schon ein Schlag für meine Ehe. Aber ich habe mir da keine Hoffnungen gemacht, im Gegenteil, ich wusste, dass ich das irgendwann würde beenden müssen, wenn es mir nicht mehr guttun würde. Ich wurde also mitnichten aufgefangen, da hat kein Leben voller Verliebtheit auf mich gewartet. Ich war mir bewusst, dass ich zunächst mal allein leben würde, und ich habe mich auch als Single gefühlt (dass sich das einige Wochen später doch nochmal kurzzeitig ändern würde, habe ich da noch nicht wissen können). Ich habe mein altes Leben aufgegeben, bin aus dem Haus ausgezogen, ohne Kinder zunächst, habe unsere sämtlichen gemeinsamen Freunde verloren, habe so vieles zurückgelassen, wusste nicht, ob ich das finanziell und auch kräftemäßig alles schaffe. Dieser Schritt hat mich unfassbar viel Mut gekostet.
Zitat von Caecilia: Insofern finde ich es zwar schade für Dich, dass das mit dem AM nicht geklappt hat - andererseits glaube ich, dass Du hier eine gigantische Chance für Deine persönliche Weiterentwicklung hast.
Da hast du so verdammt recht. Ich bin mittlerweile sogar froh, dass seine Frau ihn wieder zurückgenommen hat. Er war so unselbständig und lebensunfähig. Ich hätte mir ein viertes Kind ans Bein gebunden. Er hätte mich in allem sehr gebremst und die Beziehung zu meinen Kindern gefährdet. Ich genieße meine Freiheit sehr, ich weiß gar nicht mehr, wo ich eigentlich die Zeit und die Kraft für ihn hergenommen habe.
Zitat von Caecilia: Ich wünsche ihm vor allem, dass er sich selbst findet.
Ich wäre mir nicht mal sicher, dass Du wirklich nicht zu ihm gepasst hast. Ihr habt eine schlechte Kommunikationskultur entwickelt und es aus verschiedenen Gründen nicht geschafft, diese aufzulösen. Aus Deiner Sicht liegt das eher an ihm. Wenn das wirklich so war, wird er damit auch in einer neuen Partnerschaft auf die Schnauze fallen. Wenn er es lernt, könnte in Zukunft auch eine Partnerschaft mit einem Philinea-Klon (also einer Person, die ähnlich gestrickt ist wie Du) klappen, denke ich.
Nein, ich sage nicht, dass es in erster Linie an ihm liegt. Wir haben uns auseinanderentwickelt, in unterschiedliche Richtungen. Ich für mich sehe es so, dass ich mehr ich selbst geworden bin. Ich habe aufgehört, mich zu verstellen und anzupassen. Und dieses Ich passt nicht zu ihm und tat ihm am Ende auch nicht mehr gut.
Zitat von Caecilia: Könntest Du dazu noch was schreiben (nur wenn Du magst, natürlich)? Die Herkunftsfamilien meines Ex und meine sind vergleichbar mit der Situation bei Euch (seine sehr "altmodisch" - er ist das jüngste Kind "alter" Eltern und zudem noch ein paar Jahre älter als ich - meine Familie war schon deutlich "moderner"), allerdings würde ich das "Probleme wurden unter den Teppich gekehrt, es wurde sich bei Konflikten eher angeschwiegen." eher bei mir verorten (also anders als bei Euch).
Meine Glaubenssätze:
Ich bin nicht genug.
Ich bin es nicht wert, geliebt zu werden.
Ich muss gefallen und wie mein Gegenüber sein, damit ich geliebt werde.
Ich schaffe es nicht allein durchs Leben, ohne starken Mann an meiner Seite.
Ich hatte einen sehr dominanten, sehr kontrollierenden Vater, der mich und meine Schwester immer sehr klein und in Abhängigkeit gehalten hat. Das ist der Knackpunkt, da muss ich ran. Darin sind meine Anteile für das Scheitern meiner Ehe begründet.