Zitat von brokenforever: Angst ist der allerschlechteste Begleiter. Größter Treiber von Miskommunikation. Hättest du wirklich gedacht, dein Mann trennt sich von dir, wenn du dich ihm öffnest? Hattest du gar kein Vertrauen mehr in eure Liebe?
Mit Angst kenne ich mich aus, das kannst du mir glauben. Angst ist nicht unbedingt ein schlechter Begleiter - man kann viele Dinge trotz oder mit Angst tun. Man kann dadurch die Angst überwinden, und man fühlt sich dann sehr mutig. Aber ja, wenn man sich ihr hingibt, ist man wie gelähmt.
Ich hatte nicht Angst davor, dass er sich trennt, weil ich mich öffne. Sondern ich hatte Angst, dass dann etwas angestoßen wird. Dass ich es aus ihm herauskriegen müssen würde, wenn ich einmal angefangen hätte, wenn ich das Fass einmal aufgemacht hätte. Dass er mir dann sagen würde müssen, dass er mich eigentlich nicht mehr wirklich liebt. Dass er ausspricht, was ich vermutete.
Zitat von brokenforever: Das ist sehr traurig.
Wie sah es denn in seinem Innersten aus? Fehlende Gefühle? Psychische Gesundheit? Oder war er eben einer von der Sorte, die niemalsnie über seine emotionalen Befindlichkeiten gesprochen hat?
Er ist was sein Innenleben betrifft ein sehr introvertierter Typ. Jedenfalls was seine negativen Gefühle angeht - darüber spricht er nie. Er ist extrem harmoniebedürftig. Er hasst offene Konflikte, geht ihnen aus dem Weg. Wenn ihm etwas missfällt, wenn er genervt ist, gestresst, enttäuscht, verletzt, verärgert - dann schweigt er. Er wird dann ganz still. Manchmal wusste ich den Grund, manchmal nicht, und letzteres hat mich dann ganz wahnsinnig gemacht. Ich hab dann immer versucht, es aus ihm rauszukriegen (in der Regel war ich dann der Grund, hatte ich einen Fehler gemacht, und ich wollte wissen, welchen).
Ich glaube eigentlich, er hätte sich sogar nie getrennt. Das kommt daher, wie er aufgewachsen ist. Seine Eltern haben ihn relativ spät bekommen, sie sind noch aus einer anderen Zeit. Seine Mutter aus einer pietistischen Familie, Hausfrau, nur für Kind und Haushalt da. Hat sich ihrem Mann in jeder Hinsicht angepasst und untergeordnet, jegliche eigenen Wünsche unterdrückt. Das ist bis heute so. Sie hat selber mal gesagt, dass es nicht die große Liebe zwischen ihnen beiden gewesen sei. Dass sie aber ein gutes Team seien. Eine Zweckgemeinschaft (diese Einordnung kommt von mir). Ich weiß auch, dass es bei ihm zu Hause nie offene Konflikte gab. Meine Schwiegermutter hat mir mal erzählt, dass sie sich tagelang angeschwiegen hätten, wenn es irgendein Ärgernis gab. Mein Mann fand es normal, dass eine Beziehung irgendwann abflaut und man mehr oder weniger zum Team wird. Dass der S. in den Hintergrund tritt.
Also eigentlich hatte ich vor allem Angst davor, dass er aussprechen würde, was ich befürchtete - dass er mich nicht mehr liebt. Sich nicht mehr hingezogen fühlt zu mir. Oder noch schlimmer: dazu schweigen würde. Dass meine Angst zur Wahrheit werden würde. Denn dann stünde ich da, vor den Trümmern. Wie hätte ich dann weitermachen sollen?
Insofern - nein, ich hatte kein Vertrauen mehr. Ich versuchte, nicht daran zu rühren und mich im Alltag möglichst anzustrengen, damit ich zumindest als Teammitglied wertvoll für ihn bleibe.
Zitat von brokenforever: Es muss seltsam sein, gar nicht zu wissen, ob dieser Mann dich überhaupt jemals geliebt hat. Wie kommt er denn zurecht, denkst du, er hat Liebeskummer empfunden - oder bloß die Not plötzlich alleine dazustehen? Leidet er noch sehr? Oder sieht er die Trennung mittlerweile auch als Chance, sich neu zu verwirklichen?
Ich denke schon, dass er mich mal geliebt hat. Zu Beginn unserer Beziehung waren wir sehr verliebt. Aber zuletzt? Nein, da war nichts mehr. Es gab ein Gespräch, einige Wochen vor der Trennung - da hab ich mich getraut, alles auszusprechen. Da hab ich ihm auf den Kopf zugesagt, dass ich nicht mehr wüsste, ob er mich noch liebt. Dass er es nie sagen würde. Mich nie von sich aus in den Arm nehmen würde. Und da hat er es nicht abgestritten. Er hat überhaupt in diesen Gesprächen vor und bei der Trennung kein einziges Mal gesagt: "bleib! geh nicht! ich will dich! ich will uns!" Ich kann es wirklich nicht sagen, ob das nochmal was geändert hätte, aber ich will es nicht ausschließen. Es hat mich jedenfalls verstört, dass da so gar nichts kam. Er war ganz kalt, ganz hart.
Insofern weiß ich auch nicht, ob er wirklich Liebeskummer empfunden hat. Nach den 2 oder 3 Trennungsgesprächen wollte er nie wieder reden. Ich will es nicht ausschließen, es kann ja sein, dass er seine ganzen Gefühle ganz tief in sich vergraben hat. Aber ich denke eigentlich, dass für ihn vor allem der Zusammenbruch unseres Lebenskonstruktes sehr schlimm war. Das Auseinanderreißen unserer Familie. Der Schmerz unserer Kinder - und natürlich auch die Tatsache, dass er sie jetzt nur noch die Hälfte der Zeit sieht. Und auch der Schock für seine alten Eltern, das war auch schlimm.
Ich habe nicht das Gefühl, dass er aktuell noch sehr leidet, aber das ist ja alles relativ. Er kommt zurecht, aber sicherlich ist er weiterhin unglücklich mit der Situation. Unser Umgang miteinander wird aber zunehmend entspannter, wir ziehen als Eltern an einem Strang. Wir sind weiterhin ein gutes Team, was das betrifft...
Ich hoffe sehr für ihn, dass er sich persönlich weiterentwickeln kann. Dass er reflektieren kann. Ich bin nicht ganz sicher - gemeinsamen Freunden hat er gesagt, dass ich mich für und wegen des anderen Mannes getrennt hätte. Wenn er weiterhin dieser Meinung ist, dann wird er fürchte ich nicht wirklich weiterkommen. Aber ich weiß es letztlich nicht. Er trifft sich häufig mit Freunden, da wird es mit Sicherheit Gelegenheit für Gespräche geben.
Ich wünsche ihm auch von Herzen, dass irgendwann eine neue Partnerin in sein Leben tritt, die besser zu ihm passt als ich. Ich bin nicht die richtige Frau für ihn.