Zitat von thegirlnextdoor: Vielleicht, weil du deine ursprünglichen Gefühle/Bedürfnisse/Empfindungen immer deiner Frau unterordnest, aus Angst, es könnte irgendwann doch in die anfangs (trotz ihrer Drohung) für unwahrscheinlich befundene Richtung gehen, dass sie der Beziehung überdrüssig wird..?
Das mag vielleicht unterbewusst so sein. Meine eigentliche Sorge ist aber (sofern ich mich richtig "spüre") die, dass meine Frau wieder in ihre depressive Verstimmung abrutscht und diese Lebensfreude verliert, die sie gerade ausstrahlt und mir und unseren Kindern vermittelt und vor allem weitergibt. Das ist für mich der Kern meiner "Unterordnung" unter ihre Gefühle/Bedürfnisse/Empfindungen
Zitat von thegirlnextdoor: Und B) - so absolut unwahrscheinlich es sein mag, wie immer wieder betont wird, dass deine Ehefrau sich umorientiert... so unwahrscheinlich wäre es nicht, würdest du ihr nicht absolut alles ermöglichen, was sie glücklich macht. Wärst du nicht der wunderbare, "perfekte" Ehemann, der ihr Wohl immer an erste Stelle stellt (ganz gleich ob es sich in diesem Augenblick mit deinen Bedürfnissen wirklich deckt oder nicht) könnte sich an eurer Dynamik und Innigkeit einiges ändern.
So, wie es läuft, nennst du sie nicht nur Prinzessin sondern behandelst sie auch so. Und wie jedem halbwegs intelligenten Mann ist dir bewusst, dass eine Frau so etwas nicht freiwillig aufgeben würde.
Da müsste der andere Mann sich schon mächtig ins Zeug legen, mit auf Händen tragen... was sehr viele aber nicht tun. Und, wie ich mir vorstellen könnte, dem Schreiner in exakt dieser Form auch nicht liegt.
Deshalb ist dir deine Position, solange du weiterhin der liebevolle, alle Bedürfnisse erfüllende Ehemann bist, doch wirklich relativ sicher.
Das sehe ich ich durchaus ähnlich. Würde ich sie einschränken, wäre die Gefahr gegeben, dass sie diese dann für sie suboptimale Beziehung nicht mehr führen will. Aber ist es nicht immer so? Ich glaube ich habe hier vor kurzem einen Thread gesehen, in dem eine Frau sich gegen einen möglichen Ehepartner entschiede hat, weil sie sich eingeengt in ihre Naturverbundenheit gefühlt hätte. Für mich ist das hier durchaus vergleichbar: Den Partner einzuschränken bedarf gewichtiger Gründe (womit wir wieder bei force compliance wären). Die Gründe sind mir nicht wichtig genug, als dass ich unsere Beziehungen durch willkürliche Einschränkungen gefährden würde. Ja, es ist nicht alles gold was glänzt, aber innerhabl der gegebenen Randbedingungen profitieren wir beide sehr.
Zitat von Charly38: Ging da bei euch mit dem öffnen der Ehe nicht etwas dermaßen Kostbares verloren, dass sich nicht wieder finden lässt oder wie siehst du das?
Nein, ich wüsste nicht was das wäre und was genau vor der Öffnung bei uns besser gewesen wäre.
Zitat von Charly38: Für wen würde sich deine Ehefrau deiner Meinung nach entscheiden, wenn sie eine Entscheidung treffen müsste oder kennst du deinen Stellenwert in ihrem Leben bereits?
Das ist eine Frage, die hypothetischer natur ist und nicht beantwortet werden kann. Wenn ich sie heute zwingen würde, sich zu entscheiden, würde sie sich zweifelsohne für den Schreiner entscheiden. Aber nicht aus dem Grund, dass sie den Schreiner mehr lieben würde, sondern aus dem Grund, dass ich nicht der Carlos wäre, der ich in Wirklichkeit bin. Grundlos von heute auf morgen meiner Frau eine Lebensänderung vorschreiben zu wollen, ist keine Beziehungsgrundlage. Das wäre ja vergleichbar, als wenn meine frau heute abend zu mir kommt und sagt: Du musst dich jetzt entscheiden: Dein Job oder ich. Hallo? Wäre da meine Frau oder jemand, der komplett neben der spur läuft.
Gäbe es einen triftigen Grund, nämlich dass ich begänne unter dem Konstrukt zu leiden, steht für mich außer Frage, dass sie dem Schreiner beibringen würde, dass deren gemeinsame Zeit hiermit beendet ist.
Zitat von Charly38: Würdest du diese Beziehungsform deinen Kindern auch ans Herz legen oder für sie doch die klassische Monogamie wünschen?
Ich würde meinen Kindern ans Herz legen, in sich hineinzuhören und die für sie stimmigste Beziehungs- und Lebensform zu wählen. Nicht Moral und Tradition sollten eins Lebensform bestimmen, sondern Herz, Bauch und Kopf sollen gemeinsam die best passendste Lebensform suchen und finden. Das wäre mein wichtigster väterlicher Rat.
Zitat von thegirlnextdoor: Das verstehe ich auch nicht.
Kann ich mir nur dadurch erklären, dass dieses Konstrukt sehr viel öfter von außen angegriffen wird (wie hier auch unschwer nachzulesen ist), da es in den Köpfen einiger eben doch noch nicht als so selbstverständlich betrachtet wird wie es die Toleranz gebieten würde - und man deswegen versucht, sich über die kleinen "Spießbürger" (in ihren monogamen Beziehungen) zu erheben, weil man nicht schlechter dastehen möchte (?)
Nur so eine Vermutung.
Ich glaube da ist sehr viel dran. Ich habe das erste mal im Leben hier das Gefühl bekommen, einer Randgruppe anzugehören und festgestellt, dass das kein schönes Gefühl ist. Man fühlt sich unverstanden und vor allem nicht wirklich ernst genommen. Ganz konkret wird einem die eigene Wahrnehmungs- und Urteilsfähigkeit abgesprochen, nur weil man anders lebt. Meine Reaktion? Ihr nennt es Arroganz, ich nenne es Selbstschutz. Und tatsächlich fängt man (in diesem Fall ich) an, auf den ein oder anderen herabzuschauen (Spießbürger, Moralist, etc). Ich glaube das kann tatsächlich nur der nachfühlen, der mal Teil einer Randgruppe war. Es schweißt zusammen.
Zitat von thegirlnextdoor: Warum so despektierlich alles über einen Kamm scheren, wenn man sich über einige wenige geärgert hat..?
Das wollte ich mit meiner Bemerkung zu Forced Compliance in monogamen Beziehungen nicht tun. Ich finde alle Beziehungsformen habe ihre gleiche Daseinsberechtigung, etwas das hier häufig der meinigen abgesprochen wurde. Sollte ich daher über mein Gleichheits-Ziel hinausgeschossen sein, dann tut mir das leid.