Hey @carlos7 ,
da hast du ja ein Thema angestoßen...
Als selber offen (aber polyamor) lebender Mensch, möchte ich dir gerne ein paar Gedanken dalassen. Du kannst gerne mein Thema nachlesen, möglicherweise findest du ja einige Gedanken hilfreich.
Ich sehe hier auf deiner Seite 2 Denkfehler/Argumentationsmuster, die ich mehr als fragwürdig finde.
1. Wenn ich meiner Frau die Auswärtsspiele erlaube, dann soll sie mir auch meine sexuellen Bedürfnisse erfüllen.
2. Die Vereinbarung muss angepasst werden, weil im Augenblick nur Sie davon profitiert
Zu 1.: es ist äußerst fragwürdig, weil es davon ausgeht, dass sie a) für deine sexuellen Bedürfnisse zuständig ist, die ehelichen Pflichten lasssen grüßen dass sie b) irgendwie die Kontrolle darüber hat, ob sie mit dir schlafen will oder nicht und c) dass Auswärtsspiele irgendwie dazu führen, dass sie mehr Lust auf dich hat, dass irgendwie, wenn sie Lust hat, austauschbar wäre, wer gerade vor ihr steht. Bzw. dass ihre Lust auf Auswärtsspiele sie irgendwie überführt, dass sie ja doch Lust hat, diese Lust nur dir vorenthält.
Jeder dieser Punkte ist falsch. Sex ist etwas, was zwischen zwei Menschen entsteht, was sich weder herbeifordern, noch herbeiwünschen, noch herbeiverhandeln lässt. Der Sex den sie mit anderen Kerlen hat, ist völlig losgelöst davon, wieviel Lust sie auf dich hat. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, folglich kannst du auch nicht das eine gegen das andere verhandeln.
Ihr habt also unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse. In meinen Augen ist es extrem wichtig, das zu akzeptieren, und zu schauen, wie ihr damit umgehen könnt, ohne den anderen ändern oder verbiegen zu wollen. Genauso ist es mit sexuellen Vorlieben. Ob und wie sehr jemand experimentierfreudig ist, ist die ureigene, wunderschöne, unverwechelbare Sexualität des einzelnen. Niemand soll sich an jemand anderen anpassen müssen. Meiner Meinung nach findet ihr nur von dieser Basis aus Wege. Ich würde ebenfalls vorschlagen, dass ihr dazu Beratung in Anspruch nehmt. Diese saublöde Spirale aus Druck bekommen, sich in der Folge "mangelhaft" finden, und noch weniger Lust haben, die kenne ich nur zu gut. Ich kann dir aber von einigen Jahren später sagen, dass ich über mich selber gelernt habe, was ich brauch, um dauerhalft ein zumindest mittleres Libidoniveau aufrecht zu erhalten. Allerdings ist und bleibt Druck der absolute Lustkiller. Vielleicht findet sich ja mit einem Profi zusammen ein Kompromiss. Und zwar nicht zwischen Auswärtsspielen-Heimsex, das ist nicht möglich. Sondern im Umgang mit euren unterschiedlichen sexuellen Befürfnissen.
Zu 2.: Die Grundlage dazu, zu sagen, ich verbiete jemandem etwas, was ihm gut tut, nur weil ich gerade nicht zum Zuge komme, ist... Hm... Dass sich das nicht gut anfühlt, und dass du sehr gerne wieder mehr sexuelle Aufregung in deinem Leben hättest, ist soweit verständlich. Aber dein Sexleben wird ja nicht aufregender, indem du ihres langweiliger machst. Und dass es ein beinahe gewaltsamer Akt ist, sie dafür zu "gebrauchen" dein Sexleben aufregender zu machen (Ich formuliere bewußt krass), habe ich oben diskutiert. Deine Frau hat dir sehr klar gesagt, was sie dazu beitragen kann, dein Sexleben aufregender zu machen, jetzt musst du schauen, wie du es SELBER aufregender machen kannst. In deinem engen Zeitplan Platz schaffen für aufregende Begegnungen, das is schon deine Aufgabe. Ich hätte auch als Vorschlag an Clubbesuche gedacht. Zusammen oder alleine. Immerhin hast du doch schon mal eine viel, viel bessere Ausgangsposition, dein Sexleben trotz stabiler Ehe aufzupimpen, wie die meisten Eheleute, die mit unterschiedlichen sexuellen Befürfnissen hier aufschlagen. Eben weil ihr eine offene Ehe habt.
In Anbetracht dieser 2 Punkte wundere ich mich auch nicht, dass deine Frau sich wehrt.
Vielleicht noch das: auch wenn ihr das vielleicht in der Anfangseuphorie nicht bedacht habt, war es doch zu erwarten, dass ihr an Punkte kommen würdet, wo es sich nicht mehr gut anfühlt. Wo eure gewohnten Denkmuster herausgefordert werden. Wo ihr wirklich über eure Schatten springen müsst. Ich scheint gut in Kontakt, scheint gut miteinander reden zu können, das ist eine gute Ressource. Du sagst ja selber, dass eure Beziehung so viel mehr ausmacht, als der Sex.
Mein letzter Rat: lest so viel ihr könnt Erfahrungsberichte über alternative Beziehungsformen usw. Ich denke, dass die Gefühle, mit denen du gerade kämpfst, hatten schon viele Menschen in eurer Situation. Die Frage ist immer, bleibt man da stehen, oder ist man bereit, über sich hinauszuwachsen? Einerseits aus Liebe zum Partner, andererseits um selber besser für seine eigenen Bedürfnisse sorgen zu können.
Ich wünsch euch ganz viel Erfolg!