carlos7
Mitglied
- Beiträge:
- 6613
- Danke erhalten:
- 10504
- Mitglied seit:
Ich sagte ja bereits, die Situation und damit der Beziehungsstatus ist kompliziert. Das Gespräch war auch irgendwie viel komplizierter als ich mir das so vorgestellt hatte. Mein naiver Gedankengang war: Ich sage was ich mir für die Zukunft wünsche, sie sagt was sie sich wünscht, wir diskutieren ein wenig drüber, einigen uns auf einen Kompromiss, stoßen darauf an und haben danach tollen 6. Kleiner Spoiler vorab: Ganz so lief es nicht... Aus der obigen Liste haben wir eigentlich nur einen Punkte wirklich adressiert, nämlich zum Abschluss darauf angestoßen dass wir uns unverändet lieben, selbst wenn wir und manchmal gegenseitig den Anderen umschnitzen wollen. Letzendlich haben wir uns (noch) nicht auf die Beziehungsform geeinigt, aber wir haben uns auf die Beziehung selbst als zentrales Element unserer Leben geeinigt. Ich habe meine Fau explizit auf ihre Trennungsdrohung angesprochen und sie wies komplett überrascht zurück, dass sie das jemals erwähnt haben könnte. Im Gegenteil warf sie mir vor, Trennungsabsichten geäußert zu haben, falls sie nicht regelmäßig für meinen hormonellen Druckabbau sorgen wolle. Naja... vielleicht haben wir in der Emotion auch zu viel zwischn den Zeilen gelesen.
Zurück auf Los: Ich hatte Samstag extra für unser Lieblingsgericht (Ossobucco) eingkauft und gekocht und eine Flasche von ihrem Libelingswein dekantiert. Während sie die Kinder ins Bett brachte, habe ich draußen die Feuerschale in Betrieb genommen, 2 Lounge Sessel mit Flauschdecken, den Rotwein und Snacks vorbereitet. Das Wetter war Samstag ja herrlich und ich wollte ihr zeigen, dass mir das Thema maximal wichtig war. Meine Frau hat sich total gefreut und sich erst mal auf einem der Sessel an mich gekuschelt und ihren Kopf auf meine Schulter gelegt. Das war aber dann auch der einzige Kuschelanfall an diesem Abend. Keine 10 Minuten später saß sie mit ihrem Eiskönigin-Gesichtsausdruck auf ihrem eigenen Sessel. Von da an wechselte sie beständig zwischen verschiedenen Emotionen hin und her. Zwischen Eiskönigin - Feuerstarrerin - liebevoller Handergreiferin - Tränenverdrückerin - Strahlefrau ging es munter hin und her. Wie man so viele Emotionen in so kurzer Zeit haben kann, ist mir schleierhaft. Vor allem aber verunsichert mich das aber, denn ich weiß dann nie woran ich wirklich bin. Ich kenne sie eigentlich auch nicht so... bisher war sie immer eher der sehr kontrollierte Typ Mensch. Das Thema geht ihr folglich wohl sehr, sehr nahe.
Im Endeffekt denke ich die drei folgenden Grundprobematiken bei ihr herausgehört zu haben:
1. Sie ist unzufrieden mit dem, was sie bisher aus ihrem Leben gemacht hat. Bei dem Thema schossen ihr die Tränen in die Augen, aber meinen Versuch sie in den Arm zu nehmen und zu trösten, ließ sie nicht zu. Anscheinend hat ihr vor 2 Jahren das Buch "Der Fremde" von Camus die Augen göffnet. Existenzialismus halt bzw die Frage nach dem "Warum bin ich eigentlich hier". Angeblich hätte sie nichts aus ihrem Leben gemacht. Die nizigen Spuren, die sie mal hinterlassen würde, wären die beiden Kinder und selbst da würden die beiden Jungs wahrscheinlich später mehr von ihrem Super-Papa reden als von der Mama. Sie hätte nix erreicht und würde der Welt nix hinterlassen, wie in Licht, das mal aufflackert und dann wieder ausgeht. Ihr Intellekt und akademische Bildung: sinnlos vergeudet. Ihre sportlichen Begabung: sinnlos vergeudet. Ihre körperliche Attraktivität: sinnlos vergeudet. Usw usf. Den Rest hatte ihr vor ein paar Monaten die Nachricht gegeben, dass eine der Doktorandinnen, die wir aus unserer Uni-Zeit kannten, gerade habilitiert. Meine Frau steckte sie damals zehnmal in die Tasche, aber während die Kollegin Vollzeit ohne Unterbrechung als Post-Doc am Institut schuftete, erzog meine Frau 2 Kinder und arbeitet teilzeit an irgendwelchen Tier-2 Projekten als unterbezahlter Post-Doc am Institut. Unser damaliger Doktovater sagte ihr eine strahlende akademische Karriere voraus aber sie arbeitet als bessere Sachbearbeiterin.
2. Sie fühlt sich von Monat zu Monat kleiner neben mir. Bei Abschluss unserer Promotionen war sie der strahlende Star, der übers Wasser gehen konnte und ich der zielorientierte Arbeiter, zusammen unschlagbar. Inzwischen bin ich leitender Angestellter und sie ein Nichts. Ich bin der Super-Papa, sie die Durchschnitts-Mama. Ich der reiche Erbe, sie die verkorkste Tochter verkorkster Eltern. Ich der 6-Protz (bin ich weit weg von, nur um Kommentaren hier vorzubeugen), sie das verklemmte Mauerblümchen. Ich der energiegeladene Strahlemann, sie das arrogante Nichts. Das (subjektiv von ihr empfundene) Machtgefälle macht ihr enorm zu schaffen.
3. Sie muss funktionieren: Egal ob bei den Kindern oder mir. Sobald es mit den Kindern Problemen gibt, kommt der Super-Papa als Retter daher. Sobald sie im Bett nicht so funktioniert, wie ich es will, wird sie innerlich wieder zur schlechteren Gummipuppe. Wenn sie 6uell funktioniert, dann reicht mir das (in ihren Augen) gerade mal so nach dem Motto: Nicht durchgefallen.
Die Stimmung drohte kurzfristig total zu kippen, als sie mich plötzlich fragte, was sie in meinen Augen in den letzten 12 Monaten außergewöhnliches erreicht hatte. Tatsächlich konnte ich nix sinnvolles drauf antworten.
Ich kam überhaupt nicht richtig dazu, meine Ideen zum Beziehungsmodell darzulegen. Die Eiskönigin hat bei der ersten Erwähnung unmissverständlich klar gestellt, dass sie sich weder ihre Dates mit anderen Männern, noch die damit verbundene 6uelle Selbstfindung(?) /-verwirklichung(?) nehmen lassen wird. Beides ist genauso Teil ihres Lebens geworden, wie die Kinder und ich. Und beides wird Teil ihres Leben bleiben. Punkt. Keine weitere Diskussion. Sie liebt mich dafür, dass ich ihr diese Auszeiten und diese selbstbestimmte Freiheit gebe. Sie versteht dass kaum ein andere Mann dafür je bereit wäre, sie genießt (angeblich) das damit verbundene Spiel aus Macht und Kontrolle (ersteres sieht sie eher auf ihrer Seite, letzteres eher bei mir) und ist willens, das auch nach meinen Regeln zu spielen. Sie bringt die gewonnene 6uelle Erfahrung in unsere Intimität ein um die Gummipuppe für immer zu verbannen. Sie gewährt mir die absoluten gleichen Rechte, die sie sich auch nimmt. Sie wird niemals ihre Familie hinter einen der anderen Männer stellen. Aber sie wird diese Freiheit auch nie unfreiwillig aufgeben. Ausrufezeichen. Keine weitere Diskussion.
Ich warf irgendwann die 3 hier vorgeschlagenen Alternativen ein (wobei mein Redeanteil irgendwie deutlich geringer als ihrer war):
Gemeinsame Besuche in einem Partnerwechsler oder ähnlichem lehnte sie rundheraus ab. Weder wollte sie sich bei Intimitäten begaffen lassen, noch würde sie je mit irgendjemand intim werden, den sie gerade einmal zehn Minuten kennt. Und am allerwenigsten werde sie sich von Männern als mögliches 6-Objekt anstarren lassen.
Die Idee einer häufig verfügbaren, professionellen Stamm-Gespielin brachte die Eiskönigin hervor. Ob ich wirklich so tief sinken wolle, dass ich Frauen ausnutze nur um einmal mehr pro Woche zum Schuss zu kommen. Wo mein Gerechtigkeitssinn geblieben wäre. Ob es mir darum ginge, sie zu provozieren. Also ein ziemlich eisiges Nein.
Auch den dritten Vorschlag einer Paartherapie fand sie "seltsam". Sie hätte kein Problem mit unserer Paarbeziehung, außer dass ich sie 6uell unter Druck setzen würde. Bis vor einem Jahr hätte ich auch kein Problem gehabt, ganz im Gegenteil. Sie würde nicht einmal verstehen, was eigentlich mein Problem wäre, außer dass sie jetzt einmal etwas aus ihren Möglichkeiten als Frau machen würde, was mir als Mann gegenwärtig anscheinend nicht gelingen würde. Und schwupps hätten wir ein angebliches Paarproblem, das therapeutische Hilfe benötigen würde. Dabei wäre wahrscheinlich nur mein übergroßes Ego angekratzt. Sie würde mir dabei so weit entgegenkommen, wie überhaupt nur möglich... absolute Offenheit, auschließlich mit mir abgesprochene Termine, immer das Einverständnis abholen, stets darauf achten, dass ich auch einen Kick draus ziehen könnte, usw usf. Sie redete sich ziemlich in Rage.
Das Ende vom Lied war... Eigentlich hat sie zu all meinen Ideen Nein gesagt und auf ihren Freiheiten beharrt. Wir sind in der Lösungsfindung zur Beziehungsform und zur Behebung meiner Untervögelung keinen Schritt weiter gekommen. ABER: ich glaube ich verstehe viel besser, warum das Daten ihr so wichtig ist. Das hilft mir schon mal. UND: Unser eigentliches Problem liegt vielleicht ganz wo anders (Camus lässt grüßen). Was ich jetzt draus mache? Ich hab im Augenblick keine Ahnung. Erst mal noch ein paar Tage sacken lassen, denke ich. Und eure Einschätzugnen in meine Überlegungen einfließen lassen, falls ihr Erkenntnisse aus meiner (subjektiv geprägten) Gesprächswiedergabe ziehen könnt.
P.S. Falls ich in den vergangenen Tagen hier jemand auf den Schlips getreten bin (ich glaube bei @Minusdioptrie muss ich mich entschuldigen), dann bitte ich um Verzeihung. Familiärer Stress in Verbindung mit Zeitknappheit lässt mich manchmal unbedacht reagiern.
P.P.S. Meine morgendliche Laune hängt doch erheblich davon ab, ob wir den Abend vorher 6 hatten. Heute könnte ich Bäume ausreißen und dazu ist noch herrliches Frühlingswetter.