Zitat von Sunflower79:Im ersten Jahr bekam ich tatsächlich mal Blumen mit einer Entschuldigungskarte.
Gab es ein Gespräch dazu, in dem er aufrichtige Reue zeigte? Oder ausschließlich das?
Zitat:Ich erinner mich auch noch, als er mal so ausgetickt ist, dass er heulte und meinte, er weiß nicht, was mit ihm los sei, warum er so ist.
Aber zu erkennen, daß er ein Problem hat, dem er ohne fremde Hilfe nicht beikommen wird und sich diese konsequenterweise selbst zu suchen, war
nicht drin, gell?
Zitat:Kürzlich hat er nach einem dramatischen Abgang auch eine Nachricht geschrieben, dass es ihm leid tut und das es nicht meine Schuld sei.
Und welche Konsequenz wollte er ziehen daraus? (siehe oben)
Zitat:Aber oft hat er sich nicht entschuldigt. Nicht mal als er mein Handy zerstörte. Da kam nur ich hätte ja meine Entscheidungsgrundlage.. er zahlt nicht, kann mich ja trennen.
Allein das ist schon NoGo. Zumal er offenbar keine finanziellen Probleme hat, wie Du selbst weiter unten schreibst.
Zitat:Aber in all der Zeit hat er mir immer Geschenke gemacht.
Klar, weil er wußte, daß Dich das beeindruckt. So sicherte er
sich Deine Anerkennung.
Im Grunde waren diese Geschenke also für ihn selbst gedacht.
Was seinen familiären Hintergrund betrifft, so paßt Deine Schilderung recht gut zu dem, was man über den Werdegang von Narzissten auf einschlägigen Seiten liest:
- Erfolgs- und leistungsorientiertes Elternhaus
..(vermutlich hat der Vater entsprechende Erwartungen auch an ihn);
- Abwertung der Mutter, die ihn zugleich abgöttisch liebt;
- Fehlende Grenzsetzung und Aufmerksamkeit (sonst müßte er dafür nicht rumschreien);
- Erlerntes Verhalten: "Er musste nie Liebe geben, um welche zu empfangen."
Wären er und seine Familie offen dafür, könnte hier eine ganzheitliche Therapie (an der alle teilnehmen) vielleicht noch etwas bringen. Dürfte aber ein frommer Wunsch bleiben, denn so wie sich das liest, sind diese Strukturen ziemlich tradiert. Das gilt vor allem für den Vater, der sehr festgefahren in seinem Chauvinismus scheint und sich durch den materiellen Erfolg, den er nun schon zweimal hatte im Leben, darin vermutlich noch bestärkt fühlt.
Ich muß gerade an meinen früheren (platonischen) Freund denken: Seine Eltern führten ebenfalls ein großbürgerliches Haus; starker, fordernder Vater, dem er nie was recht machen konnte; schwache, nachgiebige Mutter; Defizite wurden mit Geld ausgeglichen, allerdings immer verbunden mit Erwartungsdruck; zudem war er Einzelkind, so daß es auch geschwisterlicherseits kein Korrektiv gab.
Zwei weitere ehemalige (platonische) Freunde von mir würde ich zwar nicht als narzisstisch bezeichnen, doch sie hatten im Ansatz ähnliche Züge. Beide stammten aus sogenanntem großbürgerlichem Haus, mit vergleichbaren Strukturen. Ihre Egos waren aufgeblasen und sie mußten ständig im Mittelpunkt stehen. Allein waren die nie, vermutlich kämen sie damit auch gar nicht zurecht.
Alle drei hatten übrigens infantile Züge und ein feines Gespür für Theatralik. Zudem waren sie hochempfindlich und extrem leicht kränkbar, hatten aber umgekehrt überhaupt kein Problem damit, durch gezielte Derbheit und ständige Provokationen auf den Gefühlen anderer rumzutreten.
In allen drei Fällen führte das auf Dauer dazu, daß mein Interesse an ihnen erst erlosch und im Fall des Narzissten darüber hinaus einer tiefen Abscheu Platz machte. Denn bei ihm war es wirklich so, wie Souldiver Dir bereits sehr treffend schrieb: Man blickte dem personifizierten Bösen ins Gesicht und vor allem in den Augen spiegelte sich das wieder. Die verraten nämlich alles, wenn man sie genau beobachtet.
Eines muß ich nachträglich sagen: Alle drei Begegnungen verliefen sehr lebendig. Es ist diese Intensität, die man danach in der Tat vermißt: Andere Menschen kommen einem dann nämlich "nur" noch "normal" und damit "langweilig" vor. Sie setzen sich halt nicht so in Szene.
Allerdings war es auch so, daß der Narz und die beiden "leichteren Fälle" auf Dauer arg stressten und mir die künstliche Theatralik, das ständige Produzieren immer neuer Dramen wegen Problemen, die ich selbst nie hatte, nicht habe und auch niemals zu haben gedenke, irgendwann einfach nur noch auf den Senkel gingen.
Ich hatte sehr bodenständige Eltern, die auf Dritte vielleicht spröde wirken würden, aber das Herz am rechten Fleck hatten und deren Liebe sich in Fürsorglichkeit und Zuverlässigkeit ausdrückte. Daher neige ich dazu, irgendwann Bilanz zu ziehen und Hochtöner wie diese drei an dem zu messen, was sie konkret tun. Zudem fällt es mir schwer, Luxusprobleme als solche ernstzunehmen, dafür war mein eigener Aufstieg ein wenig zu hart.
Letztlich zeigt sich das auch in Deinem Thread hier: Das erste, was mir einfällt, wenn ich lese, daß Dein Narz rumgeheult hat ist, daß er selbst in Deiner Arbeitslosigkeit zunächst mal nichts anders erblickte, als eine willkommene Gelegenheit, Dich nun noch mehr demütigen zu können als zuvor und daß er eben dies dann auch mit einem Sadismus tat, der mich als Außenstehende einfach nur angewidert hat.
Das Wort "Insekt" habe ich übrigens nur mit großen Hemmungen in den Mund genommen; es ist aber leider so, daß Typen wie Dein Narz so frei von Empathie und positiven Gefühlen sind, daß ihnen jede Menschlichkeit abgeht. Nochmal: Man blickt da dem "Bösen" mitten ins Gesicht und das ist schauderhaft, im wahrsten Sinne des Wortes.
Auch *beep* war letztlich ein Mensch, irgendwie. Dennoch wird er in der Literatur häufig als Monster bezeichnet. Ich bitte, das mit dem "Insekt" ebenso zu verstehen und mir abzunehmen, daß mir das Wort nicht leichtfertig über die Lippen gekommen ist. Eigentlich widerstrebt es mir auch jetzt noch - nicht aus Mitleid mit einem psychisch behinderten Menschen, der offenbar gar nicht anders kann, als sich so mies zu verhalten, sondern weil ich wie Souldiver der Meinung bin, daß man einen Unterschied wahren sollte zwischen "denen" und "uns".
Man betont die eigene Würde, wenn man es schafft, auch solche Typen zumindest noch in ihrem Menschsein anzunehmen, obwohl sie emotional gesehen tatsächlich nur Perverse und entsprechend ungesund für ihre soziale Umgebung sind.
In Deinem Fall ist es so, daß Du den ganzen Abnabelungsprozess noch unmittelbar vor Dir hast, deshalb habe ich mich durchgerungen, eine Ausnahme von diesem Prinzip zu machen. Alles, was ich damit bezwecke ist, Dir klarzumachen, daß dieser Typ aus Deinem Leben verschwinden muß und nichts ist, was Du auf Dauer darin vermissen wirst. Im Gegenteil: Mit der Zeit wird es Dir ohne ihn deutlich besser gehen und ich hoffe, daß eines Tages auch Deine Lebensfreude zurückkehren wird, denn Du scheinst noch jung zu sein und damit viel Zukunft vor Dir zu haben.
In diesem Sinne wünsche ich Dir für die kommende Zeit alles Gute und viel Kraft.