kokosmilch
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ich lese jetzt schon seit einiger Zeit im ein oder anderen Thread mit und habe mich jetzt entschieden, meine Geschichte in Worte zu fassen. Vielleicht hat ja jemand von euch eine ähnliche Situation durchgemacht.
Mein Freund und ich sind seit 1 1/2 Jahren zusammen. Unsere Beziehung war immer harmonisch und so wie ich mir schon immer eine Beziehung gewünscht habe - nicht toxisch - absolutes Vertrauen und Rücksichtnahme von beiden Seiten.
Seit Anfang der Beziehung wusste ich, dass er unter einer Panik-/ Angststörung leidet, wegen der er schnell in Depressionen abrutscht. Er war auch bereits vor Jahren schon einmal in Behandlung deswegen.
Vor ungefähr 3 Monaten beichtete er mir, dass er merkt, dass er langsam wieder in ein Tief fällt und seine Panikattacken langsam wieder zunehmen. Er machte gerade einen neuen Schritt im Leben. Hat seinen Job gekündigt um sich seinen Traum vom Studieren verwirklichen zu können. Anfangs war er der Auffassung, dass es von allein wieder besser wird. Leider wurde es immer schlimmer. er wurde immer abwesender und distanzierte sich immer mehr von der Beziehung.
Da ich wusste, dass er krank ist und sein Verhalten nichts mit mir zu tun hat, kam ich mit der Situation erstaunlich gut klar und unterstütze ihn bei der Entscheidung, wieder in Therapie zu gehen.
Und dann kam ein Abend. Er war bei mir, wir schauten einen Film und alles war harmonisch. Den Tag davor hat er sogar noch bei mir geschlafen und mir gesagt, dass er mich sehr liebt. An diesem Abend unterhielten wir uns über die Zukunft. Ich erwähnte, dass ich gern mit ihm viel verreisen möchte und auch mittelfristig zusammenziehen möchte. Das war vielleicht an dem Tag keine gute Idee.
Er reagierte mit einer schlimmen Panikattacke. Zitterte. Weinte. Hyperventilierte und zuckte. Konnte kein Wort mehr mit mir sprechen. So schlimm hab ich das noch nie erlebt bei ihm. Er stammelte vor sich hin, dass ich etwas besseres verdient habe und dass er mir nicht das geben kann, was ich brauche. Darauf habe ich nicht reagiert, sondern versucht ihn zu beruhigen und dann nach Hause ins Bett gebracht.
Am nächsten Tag kam keine Meldung von ihm. Ich habe mir dann ein Herz gefasst und ihm einen langen Text geschrieben, mit der Quintessenz, dass ich keine Erwartungshaltung habe und dass ich selber entscheide, was mir gut tut und was nicht. Und dass ich ihn dabei unterstützen möchte, wieder zu sich zu finden.
Er reagierte mit dem Einberufen einer Beziehungspause. Durch den Abend hat er gemerkt, dass er erst gesund werden muss um eine weitere Beziehung zu führen. Dass ich ihn bitte in Ruhe lassen und Zeit geben soll. Er wüsste jedoch nicht, ob wir danach wieder zusammen kommen.
Er hat sich einen Online Therapeuten gesucht, bis er einen Platz bei einem ansässigen Therapeuten besetzen kann.
Schweren Herzens hab ich die Entscheidung akzeptiert und ihm nur das Beste gewünscht. Und dass er sich um mich keinen Kopf machen soll.
2 Wochen später hat er dann unseren gemeinsamen Urlaub abgesagt mit der Begründung , dass er nicht gesund genug dafür sei. Ich konnte glücklicherweise Freunde finden, die einspringen und habe ihm das mitgeteilt.
Die nächsten 2 Wochen wieder kein Kontakt.
Mir ging es sehr schlecht. Ich habe ihn immer mehr vermisst. Jeden Tag geweint. Ich bin immer verzweifelter geworden, da ich ihm nicht helfen konnte. Ich habe mit Sorgen gemacht, wie er wohl klarkommt.
Nur eines Abends hab ich einen Social Media Post eines seiner Kumpels gesehen. Da saß er zusammen mit Freunden und spielte Partyspiele. Sah aus wie eine Geburtstagsfeier. Und er sah glücklich und gut gelaunt aus. Eigentlich hätte ich mich für ihn freue müssen aber ich war egoistisch.
Verweifelt, wie ich war, nach sorgenzerfressenen 4 Wochen ohne normalen Kontakt, traf mich das
sehr stark. Ich konnte nicht glauben, dass er mental nicht in der Lage ist, mir mal ein Statusupdate zu
geben aber auf eine Feier gehen kann.
Aus meinem Gefühlschaos heraus habe ich aus dem Bauch raus reagiert und ohne Nachzudenken
eine Nachricht geschrieben, dass ich mich verarscht fühle und die Beziehung endgültig beende und
ihm seine Sachen vor die Tür legen werde.
Daraufhin erhielt ich das erste Mal seit einem Monat ein richtiges Update. Er sei sehr verletzt, dass
ich ihm unterstelle ein falsches Spiel zu spielen. Er habe sich an diesem Tag das erste Mal nach
wieder auf seine Freunde eingelassen und sich von der Depression ablenken können. Seine
Onlinetherapie dreht sich wohl nur darum, wieder ein Gespräch mit mir führen zu können, ohne in
eine Panikattacke zu verfallen und dass er es unfair findet, dass ich ihm nun diese Gelegenheit
entziehe.
Ich habe mich daraufhin sehr schlecht gefühlt. Mir tat meine impulsive Reaktion leid und ich schrieb
ihm einen Brief und entschuldigte mich. Außerdem bat ich ihn um regelmäßige Updates, was seinen
Zustand angeht. Er war wohl davon sehr beeindruckt und hat mir versprochen, sich in Zukunft wieder
mehr bei mir zu melden. Ich habe gestern sogar eine Sprachnachricht von ihm erhalten. Er meinte,
dass er sich gern nach meinem Urlaub aussprechen will und dass er mich danach nicht aus seinem
Leben verlieren will. Außerdem meinte er, dass ich ein sehr wichtiger Mensch für ihn sei.
In der ganzen Zeit, habe ich ihm bei jeder Gelegenheit gesagt, dass er mir fehlt, dass ich ihn vermisse
oder liebe. Das wurde nie erwidert.
Er hat auch mittlerweile einen Therapieplatz und beginnt nächste Woche mit der Gesprächstherapie.
Ich liebe ihn sehr und vermisse ihn so stark. Ich habe mich viel zum Thema Mental Health belesen
und weiß, dass ich ihn nicht unter Druck setzen kann.
Für mich klingt es leider so, dass er nach der Beziehungspause , nur" eine Freundschaft fortführen
will und keine Beziehung. Ich glaube, dafür bin ich nicht in der Lage und würde wahrscheinlich daran
auf lange Sicht kaputt gehen.
Was meint ihr, macht es Sinn zu hoffen, dass sich unsere Beziehung wieder langsam entwickeln kann
oder renne ich nur einer Illusion hinterher?