jerry_fletscher
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da ich im Moment etwas ratlos bin, habe ich mich im Netz umgeschaut, dieses Forum gefunden und mich angemeldet.
Kurz zur aktuellen Situation:
Meine Partnerin und ich, beide 48, hatten Ende letzter Woche eine heftige Auseinandersetzung am Telefon, in deren Folge es dann noch zu weiteren schriftlichen Vorwürfen ihrerseits über einen Messenger kam. Da dies für mich der traurige Höhepunkt einer bereits länger dauernden Entwicklung gewesen (es kriselt irgendwie seit ca. einem Jahr immer mal wieder), habe ich die Notbremse gezogen und um eine Beziehungspause gebeten, mit der sie auch einverstanden war.
Die Auseinandersetzung hatte eigentlich einen ziemlich trivialen Grund, aber die Umstände waren etwas ungünstig: Früher Morgen, sie hatte anscheinend noch gar nicht geschlafen, ich war gerade aufgestanden. Sie hatte gesehen, dass ich ihre Nachrichten aus der Nacht gelesen hatte, daraus geschlossen, dass ich wach war und dann angerufen.
Ein paar zusätzliche Infos:
Wir sind seit ziemlich genau 3 Jahren zusammen. Ich habe sie kennen gelernt, kurz nachdem meine Ehe in die Brüche gegangen ist. Wir führten die ganze Zeit eine Fernbeziehung über eine Distanz von 35 km. Jeder hat seine eigene Wohnung, ist beruflich mittlerweile selbstständig, es gibt keinerlei wirtschaftliche Abhängigkeiten - das war mir nach meiner Ehe wichtig. Meistens haben wir uns am Wochenende gesehen. Meistens bin ich zu ihr gefahren (sie hat kein Auto), zu gegebenen Anlässen, z.B. über Feiertage war sie auch über längere Zeiträume (1 bis 2 Wochen) bei mir zu Hause. Unter der Woche wurde regelmäßig, teilweise täglich telefoniert und geschrieben.
Erschwerend kommt dazu, dass jeder von uns beiden sein Päckchen zu tragen hat: Wir kommen beide aus nicht gerade einfachen familiären Verhältnissen (war bei mir noch etwas krasser als bei ihr). Sie hat dazu seit mind. 25 Jahren mit einer körperlichen Erkrankung zu kämpfen, was sie in der Mobilität einschränkt. Ich habe nach der Trennung von meiner Exfrau angefangen, mit meinem Seelenmüll aufzuräumen. Das ist allerdings ein ziemlich umfangreiches Projekt. 2018 war ich in Therapie, dabei hat sich noch ein weiterer schwieriger Aspekt meiner Biografie ergeben, dessen ich mir bis dahin nicht bewusst war. Das hat mich ein ganzes Stück runterzogen. Ich war 2019 fast komplett krankgeschrieben, habe dann im Herbst 2019 eine Reha gemacht.
Meine Partnerin hat 2019 endlich eine Zusatzausbildung, die sich wegen ihrer Erkrankung länger hingezogen hat, abschließen können. Das war eine ziemliche Belastung, weil sie zwei Prüfungen machte musste und im Vorfeld noch schriftliche Arbeiten einreichen musste. Ich habe versucht, sie trotz meiner eigenen Problematik dabei so gut wie möglich zu unterstützen, so gut ich konnte. Eine der Prüfungen ist leider nicht so gut gelaufen - das hat sie ganz schön runtergezogen. Dann hat sich Ende 2019 relativ schnell die Möglichkeit ergeben, sich selbstständig zu machen. Sie diese Möglichkeit ergriffen und dann musste alles ziemlich flott gehen. Ich will hier nicht zu sehr in die Details gehen, würde aber sagen, dass sie damit ein gutes Stück überfordert gewesen ist, was sie meiner Ansicht nach jedoch bis heute nicht wirklich sehen kann oder will. Diese Tätigkeit ist das, worauf sie die letzten 20 Jahre hingearbeitet hat und entsprechend wichtig für sie. Ich gönne ihr das wirklich und habe auch hier versucht, sie so gut wie möglich zu unterstützen.
Seit dieser kritischen Zeit ab Frühjahr/Sommer 2019 haben aber die Auseinandersetzungen zugenommen. Ich habe zum Teil offensiv reagiert und mich auf diese - nennen wir es mal so - Mikrokämpfe eingelassen (sie will und muss dann unter allen Umständen Recht haben bzw. behalten), zum anderen Teil zurückgezogen und wollte sie dann auch eine Zeitlang nicht mehr sehen. Diese Rückzugsphasen habe ich zunehmend als erleichternd und entlastend erlebt - was mich schon beunruhigt hat. Zusätzlich übt sie auf mich einen unbewussten Druck aus, dass sich bezüglich meiner eigenen Problematik jetzt bald was größeres ändern muss. Das belastet mich ebenfalls stark, weil man eben nicht in 3 Jahren das geradebiegen kann, was in 40 Jahren versaubeutelt worden ist. Kurz und gut: Ich tue das, was ich kann - komme mir dabei irgendwie immer mehr hilflos vor, weil alles, was ich mache anscheinend nicht genug ist.
Jetzt nach ein paar Tagen Pause geht es mir offensichtlich besser. Ich habe das Gefühl, wieder Luft zu bekommen und kann mich besser auf die Dinge konzentrieren, die ich im Rahmen der weiteren Aufarbeitung meiner eigenen Thematik gerade voranbringe.
Die Frage, die mich allerdings umtreibt, ist die, ob und wenn ja wie es nach dieser Pause (die zeitlich und vom Ergebnis her offen angedacht ist) weitergehen soll. Sie ist eine tolle Frau, sehr hübsch und blitzgescheit dazu. Wir haben eine Menge gemeinsamer Interessen, die wir auch zusammen gepflegt haben. Aufgrund des gemeinsamen Erfahrungshintergrunds können wir uns eigentlich gegenseitig ziemlich gut verstehen - das macht eine unheimliche emotionale Verbundenheit. Aber auf der anderen Seite kann und will ich nicht mehr in schöner Regelmäßigkeit diese Auseinandersetzungen austragen müssen.
Wenn ihr noch mehr Infos braucht, fragt einfach. Das ist jetzt erstmal die Kurzfassung im Überblick.
Danke schon mal für Anmerkungen, Kommentare und auch Fragen.