BL ist eine sehr ernst zu nehmende Persönlichkeitsstörung, die grundsätzlich, wenn irgendwie möglich, durch Fachpersonal (und nicht durch Laien) zu diagnostizieren ist.
Ich finde die Tendenz den Ex nach der Trennung zu pathologisieren, sprich, diese/r muß ja eine Krankheit haben, wenn er/sie sich so verhält, sehr bedenklich und es sagt mehr über den/die aus, die eine solche behauptete Diagnose in den Raum stellen als über den/die Ex.
Zitat von sadMonkey: Gibt es Hoffnung, dass die Person irgendwann auch zur Einsicht gelangt, dass sie an der Stelle sich selbst und andere belogen hat (die sie dann im Trennungsgedanken natürlich unterstützten)?
Wie sind eure Erfahrungen damit?
Meiner Erfahrung nach, nein.
Selbst wenn die Person, welche an BL erkrankt ist, irgendwann einmal (nicht heute und auch nicht morgen) zu der Einschätzung gelangen sollte, daß die ursprüngliche Bewertung, die Beziehung habe sie durchweg unglücklich gemacht, nicht stimmt, bleibt das ja trotzdem nur eine Momentaufnahme, die sich jederzeit wieder ändern könnte.
Der Punkt ist der, daß es nie darum geht, was eventuell tatsächlich war, sondern aufgrund des instabilen Selbst eines BLs, sind die Gefühle die zu dem jeweiligen Zeitpunkt wahrgenommen werden, dessen Wahrheit.
Erlebt der BL also Schmerz und Unglück, dann stellt es sich für diesen meistens so dar, daß dies die ganze Zeit so war. es wird also real so empfunden. Das hat etwas damit zu tun, daß jedenfalls meiner Erfahrung nach, ein an BL erkrankter Mensch, keinen Zugang zu allen seinen Anteilen hat, sondern immer nur zu Splittern der eigenen Persönlichkeit.
Ein gesunder Mensch kann mal besser mal schlechter die eigene Gefühlswelt in Kontext setzen, also ein in dem Moment empfundenes Unglück, kann er genauso einordnen, als in dem Moment empfunden. Ein gesunder Mensch "weiß"/spürt, daß es Momente der Freude, des Glücks, der Trauer, des Unglücks etc gibt. Spürt ein gesunder Mensch ein bestimmtes Gefühl sehr stark, hat der gesunde Mensch trotzdem aber aus sich selbst heraus das Wissen und die Sicherheit, daß auch all die anderen Gefühle in ihm selbst existieren.
Das ist mE bei an BL erkrankten Menschen anders. Dort gibt es diesen Zugang nicht. Wird Wut oder Trauer in sich selbst gespürt, kann dieser Spannung, die solche Gefühle zwangsläufig in einem auslösen, nicht wirklich begegnet werden und wird dann völlig ungefiltert im Außen abgebaut.
Und sie werden als einzige wahr genommen. (instabiles Selbst).
Was mich immer so ein bißchen betroffen macht, bei den BL-Diskussionen ist, wie sehr diese Menschen verteufelt werden. An BL zu erkranken sucht sich keiner aus und ja, alle, die damit in Berührung kommen leiden unter der Erkrankung, aber eben auch der BL selbst (komplett anders als bei Narzissmus). BL galt sehr lange als überhaupt nicht therapierter, das hat sich zum Glück inzwischen geändert, aber wie bei allen ernstzunehmenden Persönlichkeitsstörungen gibt es zum einen viele verschiedene Abstufungen und es bleibt ein lander Weg.
Nichtsdestotrotz finde ich es schwierig, einen anderen Menschen auf eine Krankheit, egal welche, reduzieren zu wollen. Menschen mit Persönlichkeitsstörungen sind in erster Linie Menschen. Sie haben Stärken und Schwächen, können nette oder weniger nette Menschen sein und bringen eben auch einen sehr eigenen Standpunkt mit.
Es gibt auch eine ganze Reihe von Menschen, die an BL erkrankt ist und trotzdem eine dauerhafte Beziehung führen können. Dazu braucht es aber einen besonders stabilen Partner. Ein Partner, der ein sehr stabiles Selbstbild hat und das eigene Heil nicht in einer symbiotischen Liebesbeziehung sucht.
Fazit: aller Wahrscheinlichkeit nach, wird sie weder ihre Bewertung der Beziehung grundsätzlich ändern noch solltest Du Dich darauf konzentrieren, was mit ihr ist, sondern an Dir und deinen Wunden arbeiten.