Völlig menschlich. Völlig!
Wenn es mal nüchtern verhaltensphysiologisch betrachtet, dann ist es ein typischer Fall von klassischer Konditionierung. Ein bestimmter Stimulus löst einen bestimmten Reiz aus, (der sabbernde Hund vor dem Fressen bei Pawlow), erfolgt ein anderer Reiz ständig dazu, zum Beispiel eine Klingel, dann muss das nur ein paar Mal wiederholt werden, dann sabbert der Hund auch nur bei der Klingel ohne leckeres Futter....
Klingt unromantisch, ich weiß. Aber das spielt bei vielen menschlichen Erinnerungen und Erlebnissen eine Rolle. Übrigens ist einer der besten, schönsten - und dicksten - Romane der Weltliteratur daraus entstanden, Marcel Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" - in dem der Ich-Erzähler in ein Madeleine - ein Gebäckstück - beißt und prompt durch den vertrauten Geschmack alle möglichen Erinnerungen hochkommen, die ihn erzählen lassen - tausende von Seiten lang.
Und einen Lieblingssong, den viele Paare haben, ist ja mit besonders intensiven schönen Emotionen belegt, ein Stück, dass man in guten Zeiten in guter Stimmung oft zusammen gehört hat.
Und es wird wohl ganz lange - vielleicht Dein leben lang - so bleiben, dass Dich das in diese Zeit zurückkatapultiert. Vielleicht bist Du ja eines Tages mal soweit, dass Du den Song hören kannst und die schönen Erinnerungen vor Dir stehen und Emotionen auslösen, ohne dass es allzu sehr schmerzt. Schöne Erinnerungen sind ja nicht per se schlecht, nur weil etwas ungut zu Ende ausgegangen sind - im Gegenteil.
Bei mir selbst ist es allerdings auch so: Ich bin gut zwei Jahre von meiner Frau getrennt - und "unsere" CD, die wir in unserer Anfangszeit sehr oft gehört haben, die kann ich mir immer noch nicht anhören, eben wegen dieses starken emotionalen Effektes - beinahe hätte ich Defekt geschrieben:
Aber irgendwann einmal..... in 20 Jahren oder so.....
