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Das gesunde Mittelmaß in Beziehungen

Anker17

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Hallo Leute,

Bin zurzeit sehr viel am Lesen über Beziehungen. Vom Buch "Wenn der Partner geht" über "Ich lieb dich nicht, wenn du mich liebst" und verschiedene Artikel im Internet, natürlich auch hier.

Man liest zum einen, und das finde ich sehr beruhigend, dass es wichtig ist in Beziehungen zu investieren. Bindung wächst wenn beide investieren und aufeinander zugehen. (Dazu zum Beispiel das Beziehungskonto von Thomas Gordon sowie zahlreiche Beziehungsratgeber aus Klatsch-Zeitschriften)
Andererseits ließt man wiederum, dass zu viel investieren in den Partner, und ihm damit die Liebe zeigen, beim anderen oft dazu führt, dass der Partner einem zu sicher erscheint und die Leidenschaft dadurch verloren geht. (Dazu zum Beispiel "Ich lieb dich nicht, wenn du mich liebst" - von Dean C. Delis und Cassandra Phillips)
Abgesehen davon würde ein über-investieren dazu führen den anderen zu bedrängen und investieren würde sowieso nur den Binden, der gibt. (Dazu zum Beispiel ein Artikel aus der Welt: "Warum netten Männern die Frauen weglaufen".)

Zwischen all diesen Impulsen suche ich zurzeit die Gründe, warum meine Beziehung gescheitert ist und meine Partnerin ihre Gefühle verloren hat. Aber ich finde einfach keine zufriedenstellende Lösung außer: Es hat eventuell einfach dann nicht mehr richtig gepasst. Unsere Lebenswelten, und wir selbst auch, haben uns verändert. Unser Bedürfnis nach Nähe und Distanz war nicht mehr konform zueinander.
Ich klammere mich an die Hoffnung, dass es mit einer anderen Partnerin besser harmonisieren wird.

Für zukünftige Partnerschaften frage ich mich jetzt natürlich, was ich besser machen kann. Was ich sagen kann ist, dass ich meine Ex-Partnerin wohl erdrückt habe und mich wahrscheinlich zu sehr auf sie fixiert habe und andere Dinge im Leben nicht mehr wahrgenommen habe. Das könnte ich versuchen zu ändern, aber, dass ich gerne eine sehr innige Beziehung führen möchte, wird sich auch in zukünftigen Partnerschaften nicht ändern. Ich werde immer viel Zeit miteinander brauchen und mehr Sicherheit als Leidenschaft.
Gilt es einfach einen Mittelweg zu finden, beziehungsweise einen Partner mit denselben Vorstellungen?
Einen Mittelweg aus Geben und Nehmen sowie Zeit verbringen und Abstand halten?
Und wo ist der Mittelweg wenn es darum geht, dass eine Partnerschaft Liebesbeweise braucht, zu viele Liebesbeweise jedoch erdrücken können und die Leidenschaft nehmen, da man sich emotional des Partners zu sicher ist?
Wo ist der Grad zwischen Liebe und Abhängigkeit?

Wie ist da eure Einstellung zu?

Danke euch für eure Einschätzung!

23.09.2018 16:56 • x 1 #1


Paulinchen2

Hallo Anker!

Du scheinst dich ja immernoch sehr mit den Gründen für das Scheitern deiner Beziehung zu beschäftigen. Das finde ich einerseits gut, denn es zeigt deine Reife und deinen Willen zu lernen. Andererseits habe ich Sorge, dass du dich da zu sehr verrennst.

Du bist ein junger Mann, dessen erste(?) Beziehung nun leider gescheitert ist. Dummerweise hat deine Freundin das wohl recht ungeschickt begründet, indem sie dir die alleinige Schuld gab. Das ist natürlich völliger Blödsinn. Gerade in eurem noch recht jungen Alter ist die Liebe leider nicht berechenbar. Sie kommt und sie geht manchmal auch wieder, ohne dass einer von beiden irgendetwas wirklich schlimm verbockt haben muss. In deinem anderen Thread schreibst du, deine Freundin sei beruflich und privat sehr belastet gewesen und fühlte sich durch dein Bedürfnis an Nähe erdrückt. Jetzt hinterfragst du dein Nähebedürfnis und suchst nach Theorien und Psychologiewissen, um das in Zukunft "besser" machen zu können. Du weißt aber doch noch gar nicht, wie deine nächste Freundin ticken wird. Vielleicht hat sie ein ebenso großes oder sogar größeres Bedürfnis nach Nähe wie du. Da jetzt schon Straterien zu erarbeiten halte ich für völlig verkehrt.

Wenn du die Beschäftigung mit diesem Thema für deine Verarbeitung brauchst, ok! Wäre ich aber deine Mutter, würde ich dich einfach in den Arm nehmen und dir das Lied Que sera sera vorsingen. Das ist ein alter Schlager, den du sicher nicht kennst. Der Text aber ist gar nicht so dumm. Was sein wird wird sein! Versuche nicht immer alles zu hinterfragen und versuche nicht, die Zukunft voraus zu planen. Du gehörst zu einer jungen Generation, die beziehungstechnisch und säxuell die größte Freiheit aller Zeiten genießt. Gerade das scheint euch aber total zu überfordern. Schade!

Schütz dich doch vor dieser Überforderung! Gehe raus mit deinen Freunden, geh Fußball spielen oder mach, was immer du willst! Eine neue Liebe wird kommen, wenn die Zeit dafür reif ist. Sie wird dein Leben lang halten oder auch nicht. Das alles kann man nie wissen und schon gar nicht beeinflussen. Du musst das Leben und die Liebe nehmen wie sie ist und immer einmal mehr aufstehen, als du fällst.

Ich wünsche dir alles gute!

Liebe Grüße
Pauline

24.09.2018 06:44 • x 2 #2


Anker17


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@paulinchen 2

kann mich nur noch und nochmal für deine Beiträge bedanken! Du zeigst mir immer wieder so schön auf, dass ich nicht verkehrt bin. Mir ist durchaus bewusst, dass ich zurzeit schon fast krankhaft versuche das ganze psychologisch zu verstehen. Woher das kommt weiß ich nicht, ich weiß nur, dass ich seit einem Monat deswegen nicht richtig schlafen kann und sich mein gesamter Alltag an diesem Thema lang hangelt.
Ich hoffe es wird bald besser. Du hast auf jedenfall eine Menge dazu beigetragen!

Ich danke dir!

24.09.2018 12:55 • #3


Paulinchen2

Das freut mich, lieber Anker! Und du bist wirklich nicht verkehrt. Jeder reagiert anders auf Liebeskummer. Du bist halt der wissenschaftliche Typ, der rationale Erklärungen sucht. Übertreib es nur nicht!

LG

24.09.2018 18:32 • #4