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Depressiv verlässt mich wegen zuviel Fürsorge fürs Kind

Mingo79

Hallo zusammen,
Ich 45 bin völlig am Boden zerstört nachdem ich mich im letzten Jahr nach langer Beziehung getrennt habe, habe ich Anfang diesen Jahres jemanden kennengelernt-mit dem es auf Anhieb gut lief. tolle Gespräche, schnell Vertrauen, gleiche Ansichten. Also alles gut - er eine Tochter, ich eine Tochter nur 2 Jahre Altersunterschied. Alles klappte reibungslos. bis zu dem Tag als er plötzlich kein Lächeln mehr über die Lippen bekam sehr einsilbig und trübsinnig wurde. Nach einigen Tagen fand ich dann eher zufällig Psychopharmaka und sprach ihn direkt darauf an. er gab zu seit 1 Jahr unter Depressionen zu leiden und hätte die Tabletten, da er sich ja wunderbar gefühlt hätte, im Januar direkt kalt abgesetzt.
Nun war zumindest geklärt was los war. ich war natürlich erstmal schockiert wir sprachen viel und offen miteinander wir weinten zusammen und ich beschloss nicht zu gehen, sondern ihn zu unterstützen und das obwohl ich selber ein chronisch krankes Kind habe.
Alle rieten mir ab. meine Eltern, meine Freundin, selbst die, die selbst von dieser Krankheit betroffen ist. Ich wollte davon nichts hören. ich wollte ihn, egal wie, schliesslich liebe ich ihn und da kam abhauen wegen einer Krankheit für mich nicht in Frage. Er ging zum Arzt nahm brav seine Tabletten und es ging wieder langsam aufwärts. Die letzten Wochenende waren total schön.
Nun machte er gestern Schluss mit der Begründung. er kann nicht mit überführsorglichen Müttern zusammen sein und meine Tochter wäre einfach noch zu jung, damit könnte er nichts anfangen.
Ich bin zutiefst getroffen. hab mehrfach gefragt, ob das sein Ernst sei und warum er noch nie mit mir darüber gesprochen hat. aber wr blieb dabei!
Was sagt ihr dazu?

02.06.2019 01:33 • #1


Gwenwhyfar

Gwenwhyfar

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Zitat von Mingo79:
Alle rieten mir ab.

Da ist die Antwort schon.


Zitat von Mingo79:
Schluss mit der Begründung. er kann nicht mit überführsorglichen Müttern zusammen sein

Mag sein, dass Du ihm vielleicht als Mutti erklärt hast, was er tun und lassen soll. Mag man als Erwachsener natürlich nicht. Machen Frauen gern mal.
Dein chronisch krankes Kind mag ihn auch verschrecken. Daran ist sowieso nichts zu ändern. Vor allem, wenn man das Gespräch nicht sucht.

2 massive Einbrüche in der kurzen Zeit. Lass die Finger davon, auch zum Wohle Deiner Tochter. Aber auch Dir zu Liebe.

Meist wird es leider nicht besser, sondern schlimmer.

Akzeptieren und weiter machen. Das ist nicht der letzte Mann, der Dir in diesem Leben über den Weg läuft.

02.06.2019 04:45 • #2


Mingo79

Hi
Danke für Deine Antwort- kann sein ich hab in der Tat die Art...immer für alles Lösungen zu haben. Ja vermutlich hat er sich das ein oder andere mal bevormundet gefühlt. Aber was sollte ich tun...er war ja teilweise entscheidungsunfähig.
Mir tut es so weh...weil er mir so nah ist, wie noch keiner zuvor, vielleicht auch weil ich seit langer Zeit mal wieder erfahren habe, was körperliche Nähe bedeutet und auslöst. In meiner Ehe war jahrelang Funkstille und es gab auch keine lieben Gesten mehr. Auch dieser Mann, also der
Vater meiner Tochter hatte Probleme mit der Krankheit. Es ist EPi eine für Aussenstehende meist unsichtbare
Krankheit, daraus resultiert eine
Lernbehinderung...so dass sie auch dort
mehr Zuwendung benötigt.
Ich habe mein Kind versorgt,
ich habe keine Ahnung in wie fern er
davon negativ betroffen war. Sie ist ein
liebes, lebhaftes und ganz herzliches Kind
mit viel Emphatie anderen Menschen
gegenüber. In der Schule benimmt sie
sich vorbildlich trotz ihrer
Schwierigkeiten.
Er meint ich würde sie nicht zu Selbstständigkeit erziehen und würde ihr zuviele Extrawürste machen.
Mein (Ex)Freund bemängelt also meinen Erziehungstil...bei dem ich viel Liebe und Geduld an den Tag lege. Schreien und laut werden gab es in meiner Ehe genug, dass will ich einfach nicht mehr.
Ich wurde auch sehr verwöhnt von meinen Eltern (nicht materiell) und bin heute selbstständiger als viele andere.
Ich bin einfach deprimiert, dass ich alles gebe und nichts zurück bekomme.

02.06.2019 08:57 • #3


Gwenwhyfar

Gwenwhyfar

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Verabschiede Dich von der Idee, dass man investieren muss, um etwas zu bekommen.

Wer Dich liebt, liebt, auch ohne dass Du Leistung bringen musst. Das ist vermutlich ein Beziehungsmuster bei Dir.

Auf der anderen Seite kannst Du über einen Erwachsenen nicht befinden, dass er entscheidungsunfähig ist und Du das ja regeln musst.

Versuche mal auf beiden Schienen zu ergründen, warum Du da handelst und Dich zurück zu nehmen.

In Deine Erziehung hat er Dir nicht rein zu reden, kein anderer Mann. Von Schreiereien habe ich auch die Nase voll, ich verstehe, was Du meinst.

Such Dir einen Mann genau aus, ob ER bereit ist zu investieren.

02.06.2019 09:26 • x 5 #4


Körperklaus

Körperklaus

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Zitat von Gwenwhyfar:
Wer Dich liebt, liebt, auch ohne dass Du Leistung bringen musst. Das ist vermutlich ein Beziehungsmuster bei Dir.


Wort drauf!

02.06.2019 09:27 • x 1 #5


Mingo79

Vielen Dank, das wildfremde Menschen sich mit meinem Problem befassen tut gut. Das mit der Erziehung sehe ich ähnlich, noch dazu wo ich keine negativen Einflüsse für ihn erkennen kann.

Investieren in Liebe ... ja ihr habt vermutlich recht, ich hätte vor Wochen schon erkennen müssen, dass ich da auf dem Holzweg bin, aber ich dachte er nimmt sich auf Grund der Depression so zurück...und ich hatte die ersten Monate im Kopf, wo er sehr viel für mich da war, das wollte ich ihm zurückgeben.
Er sagt, das er momentan keinen guten Kontakt zu sich selbst hat und mich sicher auch vermissen wird...
Es ist einfach nur sch. schon wieder vor dem Nichts zu stehen...wen man sich mal gerade wieder aufgerappelt hatte.
Meine vorherigen Beziehungen waren immer länger 2-4 Jahre, meine Ehe hielt mit (Ach und Krach) 15 Jahre. Ich bin finanziell unabhängig und hab immer versucht selbstständig durchs Leben zu kommen. Aber in kurzer Zeit zweimal verlassen zu werden, ohne Kampf...zeigt mir doch dass irgendwas mit mir nicht stimmt.

02.06.2019 10:30 • #6


AmirHH

AmirHH

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Aus eigener Erfahrung kann Ich dir sagen, dass Menschen mit Depressionen nicht immer das meinen was sagen bzw. nicht das tun was Sie tun wollen. Depressionen haben immerhin einen Grund und dieser ist zum großen Teil in der Vergangenheit zu finden. Was die Depressionen auslöst ist die Vergangenheit und der Kopf suggeriert einem Gefühle, die vielleicht unnötigerweise vorhanden sind. Es ist schwierig zu beschreiben wie einem Mensch mit Depressionen geht.

Du hast es bereits gehört, Wer liebt nimmt den Menschen so wie er ist. Jedoch können Depressionen einem ein falsches Bild mitgeben, sodass man unglücklicher erscheint, obwohl kein Grund dazu besteht.

Leider braucht das Zeit und Hilfe, um seine Gedanken neu und gesund zu sortieren. Die Erkenntnis im Nachhinein kommt meistens einfach zu spät, sodass die Beziehung keine Chance mehr hat.

Um einen Menschen zu kämpfen ist schwer, dieser hat sich in dem Moment (Gegenwart) so entschieden und wird seine Meinung und Entscheidung beibehalten. Es bedarf Zeit runterzufahren und seine Gedanken zu sortieren.

Der Grund muss nicht zwingend das Kind sein. In den meisten Fällen sagt dir dein Partner nicht die komplette Wahrheit, weil er dich (seiner Meinung nach) nicht verletzen will oder weil er es einfach nicht weiß.

03.06.2019 12:56 • x 1 #7


Mingo79

Mingo79

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Hallo Amir,
Ich danke Dir für diese Worte. Mir kommt das auch alles seltsam vor.
Und so wie Du es sagst, kann es tatsächlich sein. Ich hab ihm vor ca. 14 Tagen gesagt...das er ne Therapie machen soll und dabei auch mal an andere denken. Schliesslich belastet er die ja auch mit seiner Lethargie etc.
Wahrscheinlich war das der Auslöser!
Ich glaube er ist gerade mit allem überfordert - leider hat er sich auch von mir nicht zu einer Therapie überreden lassen. Er geht zur Arbeit, aber sonst macht er nichts mehr. Seine einzigen Kontakte hat er vergrault und mich jetzt auch. Lediglich seine Kind kommt jetzt noch regelmässig zu ihm.
Ich mache mir Sorgen, kann aber anscheinend nichts tun.
Ich vermisse ihn so sehr...

03.06.2019 15:45 • #8


AmirHH

AmirHH

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Mingo,
Ich kann verstehen, dass du dich nicht wohl fühlt und Ihn sehr vermisst. Dieses Gefühl ist komplett normal und zeigt ja nur, das er dir wichtig ist.
Dennoch glaube mir, Ihm geht es definitiv schlechter als dir. Depression täuschen einem ein schlechtes Leben, Einsamkeit, nicht verstanden und geliebt zu werden vor.
Ich selber habe letztes Silvester alleine verbracht, weil Ich dachte Ich müsste alleine sein, damit Ich meinen Freunden und meiner Ex nicht den Abend vermiese. Im Nachhinein ein recht dummer Gedanke, den beide Parteien wollte Silvester mit mir verbringen.
Leider muss in erster Linie ein Schlüssel Moment geschehen, damit er Versteht, dass es so nicht weiter geht und er sich Hilfe und unterstützen suchen muss und auch braucht. Da kannst du in erster Linie nicht helfen, da muss er selber drauf kommen.

ABER: Jeder Mensch ist anders und hat andere Erfahrung. Ich dir hier nur von meiner Erfahrung erzählen. Und Menschen mit starken Problemen die Anti-Depressiva zu sich nehmen, kommen da nicht ohne Hilfe so schnell raus. Vor allem dürfen die Tabletten nicht einfach abgesetzt werden, da die Wirkung immer erst nach ein Monaten eintrifft.

03.06.2019 16:03 • x 1 #9


Mingo79

Mingo79

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Ja Silvester hat er letztes Jahr auch alleine gefeiert. Ich kann halt überhaupt nicht verstehen...letztes Wochenende hat er noch gesagt...ich wäre seine engste Vetraute. Und als ich ihm durch die Haate gewuschelt habe und meinte, dass ich noch immer total verliebt wäre
Da sagte er...dass dieses sein großes Glück sei...weil ich ja sonst schon längst weg wäre! Und 7 Tage später macht er Schluss...das kann doch tatsächlich nur an seinem Zustand liegen.
Sein Arzt weiss nicht mal dass er die Tabletten kalt abgesetzt hatte.
Verdammter Mist!
Wie geht es Dir heute, nachdem Du Silvester alleine gefeiert hast? Was treibt Dich in dieses Forum?

03.06.2019 16:10 • #10


AmirHH

AmirHH

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Ich kann Ihn da gut verstehen. Ich habe aufgrund von Depression auch mit meiner Ex aus einer Kurzschluss Reaktion Schluss gemacht. Aber dazu gibt es viel mehr Faktoren, an denen Sie und Ich selbstverständlich auch dazu beigetragen habe. Es nicht alles so funktioniert wie es sollte, sodass Ich mich mit Depression quälen musste.

Ich habe einfach Zeit gebraucht, um mal runterzufahren, da Beziehungsprobleme stark an der eigenen Energie zerren, vor allem, wenn man den Menschen liebt.

Letztlich hat die Zeit und die Unterstützend meiner Ex (das Sie ein wenig Verständnis gezeigt hat) mich runterfahren lassen. Tabletten nehme Ich tatsächlich weiterhin, aber das liegt daran, dass Sie mich leider über eine lange Zeit betrogen hat.

Tabletten absetzen ist wirklich nicht gut und sollte unbedingt mit dem Arzt besprochen werden.

Aber sei dir eines Sicher, für Ihn da zu sein, obwohl es Ihm im Moment nicht gut geht, wird an deiner Energie und deinem Wohlergehen zerren. Dir wird es definitiv nicht damit gut gehen, da er keine Rücksicht auf dich nehmen kann. Dir wird es nicht gut gehen mit der Situation. Hier hilft eine Pause, damit beide Ihre Gedanken neusortieren und das alles in Ruhe besprechen können.

Das zumindest meine Empfehlung und meine Erfahrung.

03.06.2019 16:22 • x 1 #11


Bones

Grenz dich da bitte ab.Er übernimmt för sich und seine Erkrankung nicht ausreichend Eigenverantwortung.Das Problem mit deinen Kindern hat er, weil sie ihm in seinen Augen zu viel von deiner Aufmerksamkeit " klauen" .

03.06.2019 16:36 • x 1 #12


Mingo79

Mingo79

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Ja genau das hab ich ihm gesagt, er ist dafür verantwortlich und nur er kann sich helfen (lassen). Ich hab angeboten ihn zu begleiten, was erst auf Anklang stiess, aber 2 Stunden später war schon keine Rede mehr davon.
Ich hab 3 Tage geheult...aber so langsam begreife ich...das es nicht an mir liegt.
Dank euch aölen für Eure Kommentare.
Vor allem Dir Amir, aus Sicht eines Betroffenen stellt sich die Situation ganz anders da.
Ich werde ihm anbieten, für ihn da zu sein, wenn er eine Therapie machen will und ich werde ab und an mal hören wie es ihm so geht- ansonsten werde ich wohl erstmal mein Leben ohne ihn planen. Eine schreckliche Vorstellung aber anscheinend nötig!

03.06.2019 18:07 • #13


Dattel

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Ich finde Deine Geschichte sehr traurig, denn niemand kann ermessen, WAS jetzt genau der wahre Grund für seinen Rückzug ist. Es wird wohl eine bunte Mischung sein, eine echte Depression ist leider schwer zu packen und zu behandeln.
Vor langer Zeit hatte ich auch mal einen sehr depressiven "Pflegefall", ich habe jedes Bauchgefühl überhört, weil ich seine "Melancholie" sehr anziehend fand, ich interpretierte da leider Nachdenklichkeit und Tiefe rein, was vielleicht sogar stimmen mochte.
Schlussendlich verkam die gemeinsame Wohnung zu einer totenstillen Gruft, wenn er, um Ruhe bittend, monatelang im abgedunkelten Schlafzimmer lag und litt.
Hilfe lehnte er kategorisch (und erstaunlich energisch!) ab.
Das war eine düstere Zeit, es gab zwar einen Partner, der aber nur theoretisch existierte, da ich ständig alleine unterwegs war (Feste, Partys, Familienbesuche, Urlaube, Kino und Ausgehen, selbst Alltag und Einkauf musste ich alleine stemmen).
Als ich es satt hatte, für ihn und für mich für die Aussenwelt zu lügen, ich sogar bei seinem Chef vorstellig werden "musste", weil er einfach ohne Krankschrift wochenlang fehlte, zog ich die Reissleine.

Ich erzähle Dir das deshalb, weil Liebe zwar wunderschön ist, aber nicht allmächtig.
Eventuell bleibt Dir gerade auch viel Kummer erspart.

Denn wenn man drin hängt, wird es unglaublich schwer, den Absprung zu schaffen. Dann vermischt sich die ursprüngliche Liebe mit einer enormen Verantwortung. In einer langjährigen Beziehung mag man sehr lange Durststrecken überstehen, aber meine Beziehung war jung und frisch.
Und trotzdem war der Absprung nach drei Jahren unglaublich hart, schwer, sehr schmerzhaft und belastet von tiefen Schuldgefühlen.

03.06.2019 20:07 • x 1 #14


Mingo79

Mingo79

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Komisch...ich fühle mich auch absolut angezogen von etwas...ich hab es immer Ruhe genannt. Wenn er mich in der Arm genommen hat...hat es mich immer sehr entspannt. Kurios eigentlich- da er ja eher die Unruhe in sich hätte. Am Tisch sass und nervös mit dem Bein tickte oder auch extreme Einschlafstörungen hätte, die er mit homöopathischen Hilfsmitteln bekämpfte.
Trotzdem ist er jetzt komplett allein und hat niemanden mit dem er seinen Tag teilen kann. Mit wem tauscht er sich aus?
Wir haben täglich mind. 1 Stunde telefoniert, wenn wir uns nicht gesehen haben. Ich bin so traurig, da wir bis zum Zeitpunkt des Tiefpunkt eine so tolle Beziehung zueinander hatten. Er schrieb mir tolle Briefe/whatsapp...wur hatten Pläne....er war voller Tatendrang und wollte viel mit mir erleben! Im Februar hatten wir Urlaub gebucht...auch es ist doch alles zum Mäuse melken.
Ich hätte 3 grauenvolle Jahre in meiner Ehe...warum ist mir jetzt das bissel Glück auch nicht gegönnt!

04.06.2019 15:29 • #15




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