Depressiver Partner hat sich getrennt

Trauerweide252

Hallo an alle,

ich wurde am Donnerstag von meinem Partner verlassen. Wir wären im Dezember 4 Jahre zusammen gewesen. Er ist 21, ich 26. Ja, er war jünger. Und depressiv. Solange wir zusammen wohnten (immerhin 3 Jahre), war alles gut, wir sprachen über Hochzeit, Kinder, er schaute sogar nach Immobilienpreisen. Im Februar musste ich wegen des Referendariats zurück zu meinen Eltern, er hielt die Wohnung zunächst allein. Aber in dem Moment brach alles zusammen. Er hatte seine ganze Welt auf mich ausgerichtet. Ich stand auf einem Podest und natürlich genoss ich es, war dabei aber auch sehr egoistisch. Ich dachte, dass wir so viel Zeit wie möglich miteinander verbringen sollten, hab ihm daher emotional erpresst, wenn er eine Sprache lernen wollte oder einer Partei beitreten wollte. Ich selbst habe mir aber alle Freiheiten herausgenommen. Diese Dinge werfe ich mir wirklich vor. Er selbst meint, dass ich nichts hätte dagegen machen können, dass er mich auf ein Podest stellte, das hätte sonst nicht seiner Persönlichkeit entsprochen. Und das mag stimmen. Da gebe ich mir auch keine Schuld. Ich war seine erste richtige Freundin, ich habe es bei meinem ersten Partner damals nicht anders gemacht. Aber die letzten Monate waren ein reiner Kampf. Die Wochenenden waren von Streit geprägt, ich hatte viel Stress auf Arbeit und im Mai eröffnete er mir, er habe das Gefühl, mich nicht mehr glücklich machen zu können. Außerdem sei er erneut an Depressionen erkrankt. (Letzte Erkrankung mit 16) Die Welt brach zusammen. In seinen Armen zu liegen, ihn zu küssen und ihn anschließend sagen zu hören, dass er nichts fühle. Das war hart. Es war nicht mehr die Rede von Kindern, Hochzeit, Haus. Alles dahin. Wir schleppten uns durch die Monate, bis er mir im August mitteilte, dass er ins Studentenwohnheim gehen wolle und die Wohnung aufgebe. Vielleicht fällt es schwer, zu verstehen, was er mir damit antat. Die Wohnung war mein Rückzugsort, sie stellte meine Unabhängigkeit dar und ich liebte sie, weil wir darin so glücklich waren. Plötzlich war sie weg. Dennoch kämpfte ich wie eine Löwin um die Beziehung, obwohl er mir schon damals sagte, dass er keine Hoffnung mehr für uns habe und er mich nicht auch kaputt machen wolle. Aber genau das geschah: Ich wurde co-depressiv. Ich war nicht glücklich, er war nicht glücklich. Er berührte mich kaum, schlief nicht mehr mit mir, sagte mir zunehmend nicht mehr, dass er mich liebe. Er ist und war in Therapie und scheinbar hilft sie ihm ein wenig. Aber er sagt, er hätte keine Kraft für eine Paartherapie. Ich hätte es versucht. Aber er meinte, er will nicht mit 30 sagen müssen, dass er mind. 3 Therapien hatte und sich immer anpassen musste. Ich kann das auch verstehen. Ich weiß, dass er seine "Jugend" nie richtig ausleben konnte und nun hat er vermutlich Angst, etwas zu verpassen und im gewissen Maße hat er sich ja oft auch einfach angepasst, aber nicht an sich selbst gedacht. Und nun am Donnerstag hat er den endgültigen Schlussstrich gezogen. Wir haben vorher 5 Tage nur sehr sporadisch Kontakt gehabt, weil ich mit einer guten Freundin im Ausland war. Da merkte er, dass es ihm besser ohne mich ging. Und ich kann es ihm nicht verübeln. Ich war seit dem Ausbruch im Mai der totale Kontrollfreak. Wir hatten täglich Kontakt und haben jeden Abend telefoniert. Dabei habe ich ihn komplett ausgefragt. Aber ja, weil ich kein Vertrauen mehr so richtig hatte. Ich habe selbst in den letzten Monaten immer wieder über Trennung nachgedacht. Nun ist es also passiert, ich musste seine Entscheidung akzeptieren, weil er mir sehr viel bedeutet und ich will, dass es ihm gut geht. Ihr merkt vielleicht, dass ich vieles reflektiert habe. Ich weiß, wir haben beide Fehler gemacht. Er hat mich ganz bewusst aus allen Therapieangelegenheiten herausgehalten, was bei mir den Eindruck erweckte, dass er nichts gegen seine Krankheit tue. Er wollte sich vor mir aber nicht rechtfertigen. Ich denke, dass die Situation eine andere wäre, wenn ich nicht hätte gehen müssen, aber dann wäre vermutlich später die Welt zusammengebrochen, schlimmst möglich schon in einer Ehe mit Kindern. Ich wollte jetzt einfach irgendwann ankommen, wollte Sicherheit und Stabilität, er konnte mir dies aus verständlichen Gründen nicht bieten. Nun mussten noch die letzten Formalitäten wegen der Wohnung geklärt werden, deswegen haben wir heute kurz telefonieren müssen. Es war schwer, aber ich habe mich leidlich gut gehalten. Ich darf den Teil meiner Möbel, die bei seiner Mutter eingelagert sind, bis zum Ende des Schuljahres (Ende des Refs) dort lassen, dann muss ich eh sehen, wie und wo es weitergeht. Aber dementsprechend klappt der Kontaktabbruch noch nicht so gut. Es tut alles furchtbar weh. Mein Herz ist ein großes Loch. Ich mache mir verschiedene Gedanken: 1. Von täglichem Kontakt zu Kontaktabbruch ist es ein krasser Schritt. Wir sind beide im gleichen Orchester, die Weihnachtskonzerte stehen an, ihn aber dort, vermutlich fröhlich zu sehen, geht momentan in meinem Kopf überhaupt nicht. Sollte ich austreten oder einfach pausieren? Aber was ist mit all den gemeinsamen Freunden? 2. Er war in einigen Punkten mein Traummann. Finde ich erneut jemanden, der so gut zu mir passt? 3. Wenn ich jemanden finden würde, hätte ich dann wirklich Lust darauf, wieder alles neu zu entdecken? Und wie viel Zeit könnte ich uns geben? Ich will endlich ankommen, ich will etwas Stabiles und endlich das Gefühl haben, angekommen zu sein. 4. Was fehlt mir eigentlich? Wirklich er oder eher die Gewohnheit und die verlorene Zukunftsperspektive? Vermutlich eher letzteres. Ich bin nicht gut darin, allein zu sein. Mir graut vor dieser Nacht. In den letzten Tagen war immer jemand bei mir, heute muss ich allein schlafen.

Hat jemand einen Rat für mich? Und mag generell jemand etwas dazu sagen? Ich heiße jeden Austausch sehr willkommen.

Liebe Grüße
Trauerweide

01.11.2015 18:31 • #1


Teardrop_ine


Hallo Trauerweide,

ich versuche mal mich in deine Situation einzufühlen. Da ich auch in Therapie bin und eine Trennung hinter mir habe, sollte ich das hinkriegen;)

Was hast du denn für dich gemacht, wenn du schreibst, du wurdest co-depressiv? Hast du dir Hilfe geholt? Und warum hat es dir solche Schwierigkeiten bereitet, wenn er eine Sprache lernen wollte oder einer Partei beitreten wollte?
Das heisst doch nicht, dass er dich nicht liebt wenn er weniger Zeit mit dir verbringt..

Gerade Depressive brauchen Zeiten, in denen sie Kraft tanken können, etwas positives für sich tun können.
Hattest du solche Angst ihn zu verlieren? Du schreibst ja selbst, dass du der totale Kontrollfreak warst. Warum? Das ist die Frage. Er wollte sich denke ich zum einen nicht vor dir rechtfertigen und zum anderen dich auch nicht mit seiner Krankheit weiter runterziehen. Kein Mann gibt ausserdem gern sein innerstes Preis und zeigt Schwäche. Auch weil er weiterhin für die Partnerin attraktiv sein will.

Zu deinen Fragen:
Du musst wissen, ob du einen Kontakt aushalten kannst. Das heisst auch, dass du einschätzen musst, ob du ihn weiterhin bei eurer Musik sehen kannst? Und wieso sollte er da fröhlich sein? Ihm geht es sicher auch nicht gut....

Du bist 26 und schreibst, dass du vielleicht nie wieder jemanden findest, der so zu dir passt.
Aber du hattest doch auch ein Leben vor ihm. Also wirst du auch wieder eines danach haben. Ich weiß, der Gedanke schmerzt unendlich. Den wichtigsten Menschen im Leben zu verlieren.
Und man kann sich nicht vorstellen ohne diesen Menschen wieder glücklich zu werden.
Du scheinst sehr getrieben, von dem Gedanke "endlich anzukommen"...

Was dir fehlt, wirst du bestimmt die nächsten Monate rausfinden.
Wenn du den Schmerz und auch das Gefühl alleine zu sein, zulässt.
Versuche deine Gedanken zu ordnen, in dem du zum Beispiel Tagebuch schreibst oder hier im Forum schreibst.

Ich hoffe ich habe die richtigen Worte gefunden und dich nicht in deiner Trauer noch mehr durcheinander gewürfelt...aber weiter kommst du bestimmt, wenn du dir selbst Zeit nimmst ein paar Fragen zu beantworten und in dich hineinzufühlen.
Nicht wenn du den Schmerz betäubst, in dem du versuchst nicht alleine zu sein etc.Aber auch das kann ich verstehen. Alleine sein, wenn es einem nicht gut geht ist grausam!

01.11.2015 18:49 • #2



Hallo Trauerweide252,

Depressiver Partner hat sich getrennt

x 3#3


Trauerweide252


Liebe Teardrop_ine,

danke für deine Nachricht. Ich selbst war auf dem Kongress der deutschen Depressionshilfe, habe diverse Ratgeber gelesen und mir vor drei Wochen angefangen, therapeutische Hilfe zu suchen. Die werde ich auch in Anspruch nehmen, ich glaube, ich muss mein Leben selbst ordnen. Ich habe Angst vorm Verlassenwerden, ich bin recht eifersüchtig. Ich weiß nicht konkret, warum ich nicht wollte, dass er diese Dinge in Angriff nahm. Ich habe aber erkannt, dass allein der Aspekt "Zeit" wohl nicht der Grund war. Vielleicht war mir schon da bewusst, dass er sich mehr ausleben wollte und dabei vielleicht merken könnte, dass unser Leben zu stringent geplant war. Letzten Endes habe ich es wohl damit nur hinausgezögert und schlimmer gemacht. Das weiß ich jetzt und es tut mir leid. Das habe ich ihm auch schon gesagt und er meint, dass es in Ordnung sei.

Ja, ich weiß nicht, ob ich es aushalte, ihn bei Proben zu sehen. Das ist ja die Frage. Nächste Woche gehe ich nicht zur Probe, ich könnte ihn noch nicht sehen, ohne mit ihm wie früher hauptsächlich zu reden, zu lachen, Späße zu machen. Meine Kerngruppe aus der Zeit vor ihm ist fast komplett nicht mehr dabei. Und ich fände es entsetzlich, wenn er oder ich uns isoliert von unseren eigentlichen Freunden setzen würden. Deswegen warte ich zumindest diese Probe ab. Die nächste ist in drei Wochen, da ist die Situation vermutlich schon etwas anders. Naja, es geht ihm ohne mich besser, also sollte er vielleicht glücklicher aussehen. Aber ich vergesse vor lauter Selbstmitleid gern, dass er immer noch depressiv ist. Aber wer weiß, vielleicht geht auch diese Krankheit ohne mich schneller vorbei.

Deine Worte waren absolut in Ordnung. Meinst du das Getriebensein vom "Ankommen" negativ? Wenn ja, warum?

Hat jemand eigentlich einen Tipp gegen diese Appetitlosigkeit? Mir wird beim Gedanken an Essen richtig schlecht, ich esse zwar, aber sehr wenig und ich merke schon, wie ich immer schlapper werde. Aber ich komme an Essen gerade einfach nicht ran.

01.11.2015 19:26 • #3


Teardrop_ine


Hey Trauerweide, das ist doch schon mal super, dass du dich mit dem Thema auseinandersetzt und dass du nach dir schaust und dir Hilfe holst.
Diese krassen Verlustängste haben ja auch ihren Ursprung irgendwo.

Du hast dich bei ihm entschuldigt und deine Fehler eingesehen, mehr kannst du nicht tun. Auch er hätte ja mal auf den Tisch hauen können und sagen können, dass er sich so eingeengt fühlt etc.

Getriebensein vom Ankommen meine ich so: oft hat man einen Lebensplan. Bei mir beispielsweise war es, dass ich mit 30 auch bei einem Menschen angekommen sein wollte, fest im Beruf stehen und die Kinderplanung sollte dann starten. Am liebsten mit fester Beziehung/Heirat, gemeinsamer Wohnung und alles was dazu gehört. In meinem Freundeskreis sind nun 80% verheiratet und bekommen schon das 2. Kind und ich bin weit weg davon, meinen Lebensplan zu realisieren. Aber das Leben ist nun mal das was passiert während man eifrig Pläne macht (sorry für das platte Zitat, kennst du ja bestimmt).

Und Menschen mit Verlustängsten (oft kommt das ja aus einer Kindheit mit Trennungen etc.) wünschen sich natürlich, mal sicher anzukommen und einen Platz im Leben zu haben. Jeder Mensch wünscht sich das, aber jemand der Angst hat verlassen zu werden noch mehr.
Nur hilft es nichts, diesem Lebenstraum hinterher zujagen. Denn das führt dazu, dass man unfrei wird und das Leben nicht so annehmen kann, wie es ist...

Das mit dem wenigen Appetit ist wahrscheinlich irgendwo normal. Hab auch schon einige Kilos runter. Suppe und flüssiges hilft mir da sehr. Das geht leichter durch den Kloß durch als feste Nachrung:-(

01.11.2015 22:00 • #4


Trauerweide252


Hallo,

danke für den Tipp. Gestern habe ich sogar mit Appetit etwas gegessen. Ich war bei einer alten Schulfreundin und konnte relativ entspannt mit ihr über all die Dinge reden. Sie hatte für uns Auflauf gemacht und um sie nicht zu verletzen, aß ich und dann merkte ich, dass es schmeckt und habe meine Portion aufgegessen. Sie erzählte mir, dass auch eine andere Freundin gerade nach 4Jahren verlassen worden sei, ich weiß, es klingt böse, aber seitdem ging es mir etwas besser.
Und dann kam die Nacht. Ich träume bisher jede Nacht von ihm. Mal gut (gemeinsamer Ausflug), mal böse (er hat eine Neue, sei wieder genervt von mir etc). Beides tut weh und hindert mich am Weiterschlafen. So auch gerade jetzt. Bevor ich ihm aber schreibe, habe ich einem gemeinsamen Freund geschrieben und ihn gebeten, mir ehrlich zu sagen, ob er eine Neue hat. Ich weiß eigentlich, dass es nicht so ist. Damals musste viel Initiative von mir ausgehen und auch bei unserer Trennung am letzten Donnerstag deutete er an, dass er an etwas Neues im Moment nicht denke und es gar nicht sicher sei, ob er je wieder eine finde, weil er eben auch Züge eines Ar. hätte. Aber das heißt ja alles nichts. Ich meine, vielleicht spielt er wieder eine seiner Rollen und dabei passiert es dann. Keine Ahnung. Der Traum gerade war zu real, obwohl ich interessanter Weise nur eine Beobachterrolle hatte.
Ich für meinen Teil werde au jeden Fall in Therapie gehen. Neben der Trennung und dem Kampf gegen die Depression bei ihm habe ich selbst noch einige andere Probleme und muss mein Leben auf die Reihe bekommen und mich selbst wieder finden und lieben.

03.11.2015 05:00 • #5


Trauerweide252


Ich bin total genervt. Auf jeden guten Tag folgt unmittelbar ein schlechter. Die Träume machen mich fertig.Im Ernst, kann man dagegen etwas machen? Ich würde so gern traumlos schlafen, dann würde das Herz nicht morgens immer gleich so stark schmerzen. Immerhin kann ich mittlerweile die Träume stoppen, wenn ich merke, dass es mir weh tut. Aber im Ernst, die Nächte sind die Hölle. Hat bitte jemand einen Rat?

05.11.2015 06:19 • #6


Morgengast


Ich nenne die Tatsachen lieber beim Namen.
Du meinst du bist durch ihn depressiv geworden, ich denke, du bist eine verwöhnte Lady und hast mit deinem Verhalten ihn so trigiert, dass er sich wiederholt in Depressionen rutschte. Hätte er an seiner Seite eine liebe Partnerin, wäre das womöglich gar nicht passiert.
Du hast ihn wie Dreck behandelt, hast ihm alle Freiheiten und Wünsche genommen und da er schon vorbelastet war, waren seine Depressionen wieder da.
Dir geht es auch jetzt um DEINE Angst, um DEIN Gewinn und um DEIN Recht.

05.11.2015 07:34 • #7


Souleria

Souleria


43
1
15
Hallo liebe Trauerweide

Das mit den träumen und dem dazugehörigen Gedankenkreiseln kenne ich auch nur zu gut. Ich versuche vorm einschlafen an etwas anderes, schönes zu denken, auch wenn das oft nicht einfach ist. Genauso wie nachts wenn man aus dem Schlaf hochschreckt und die Gedanken sich dann nur um ihn drehen.
Ich habe da mal einen Vorschlag dazu gefunden, den ich seither ausprobiere und ich muss sagen, das funktioniert ganz gut
Wenn deine Gedanken zu sehr und intensiv zu ihm wandern, stelle dir ein überdimensionales großes rotes STOPP-Schild vor. Konzentriere dich ganz Doll darauf, jedesmal wenn du an ihn denkst oder von ihm geträumt hast. Das klingt vielleicht banal oder lächerlich, doch versuch es einfach mal, mir hat es sehr geholfen

Liebe grüße
Soul

05.11.2015 07:34 • #8




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag