Bibi1410
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ich möchte euch gerne meine Geschichte erzählen und eure Meinung dazu hören.
Ich (30) bin mittlerweile seit über sieben Jahren mit meinem Partner (38) zusammen. Seit zwei Jahren wohnen wir zusammen. Wir haben immer eine sehr schöne Zeit zusammen. Wir verstehen uns gut, haben ähnliche Ansichten, Verreisen beide gerne. Wir amüsieren uns immer gut.
Letztes Jahr ist mir David manchmal komisch vorgekommen. Er hatte als Berater in einem großen Wirtschaftsunternehmen gearbeitet, mit sehr harten Arbeitszeiten. Die Arbeitszeiten, der große Stress und fehlende Freizeit haben ihm sehr zu schaffen gemacht. Er war öfters launisch und ich habe ihm gut zugeredet, zu kündigen und sich eine Stelle mit angenehmeren Arbeitszeiten zu suchen. Was mir sehr aufgefallen ist, war, dass er oft abends etwas "mit Kollegen" machte oder "bei einem Kumpel" übernachtet. Tatsächlich musste er immer eine Stunde nach Berlin pendeln (wir wohnen in Potsdam), und er hat mehrere Freunde in Berlin. Er meinte, es sei dann einfach angenehm, zusätzlich zu den Arbeitszeiten nicht auch noch den Rückweg und morgens früh wieder den Hinweg zur Arbeit auf sich zu nehmen. Irgendwann habe ich in seinem privaten Notizbuch (ich weiß, es ehrt mich nicht, dass ich hierin gelesen habe) gesehen, dass es eine "T." gibt, die es ihm angetan hat. Er hat auch direkte Vergleiche angestellt, meine Vorzüge, T's Vorzüge. Ich habe ihn damit konfrontiert und er hat sich irgendwie herausgeredet. Er hat ernsthaft geschafft am Ende mir einzureden, eine T existiert überhaupt nicht (und bitte denkt nicht ich wäre doof oder super naiv - vielleicht ist da einfach jemand sehr manipulativ gewesen). Von da an war ich sehr misstrauisch. Auf der anderen Seite hatte ich kaum die Möglichkeit, mich ernsthaft damit auseinanderzusetzen, da mein Vater mit Krebs im Endstadium in der Onkologie lag und letztes Jahr im Sommer nach seiner sehr schweren Krankheit verstorben ist. Ich hatte einfach völlig andere Dinge um die Ohren und nicht die Kraft, mein Privatleben in Frage zu stellen oder irgendwelche Konsequenzen deutlich zu machen. Jedenfalls war ich weiterhin misstrauisch, habe ihn gebeten, mir ein Foto von ihm und seinem Kumpel zu schicken, wenn er abends in Berlin blieb. Teilweise kam dann auch etwas. Im Sommer hat er seine Stelle gekündigt. Mein komisches Gefühl blieb aber noch eine ganze Weile, ich schätze bis zum frühen Herbst. Danach hat sich alles eingerenkt für mich, ich habe getrauert um meinen Vater, aber versucht normal weiterzumachen. David und ich haben uns (meiner Meinung nach wie fast immer) gut verstanden. Wir haben einen größeren Urlaub gemacht, haben Tagesausflüge unternommen, standen uns nah. Lediglich an unserem Silvestertrip in London kam er mir komisch vor. Ich kann auch gar nicht richtig in Worte fassen inwiefern, er kam mir etwas launisch vor, ich konnte es ihm nicht recht machen, er war immer wieder unzufrieden. Seit dem war soweit aber wieder alles okay. Er hatte eine neue - entspanntere - Stelle angenommen und wirkte zufriedener. Gestern kam er mir wieder so nachdenklich und launisch vor. Als er die Wohnung verlassen hat, bin ich sofort in sein Zimmer zu seinem Notizbuch gegangen (ich weiß! Meine Selbstbeherrschung war ausgesetzt). Ich musste tatsächlich nicht lange suchen:
Auf der letzten Seite seines Kalenderbuches hat er in zwei Seiten offensichtlich Anfang diesen Jahres einen Rückblick auf das letzte Jahr verfasst. Darin konnte ich deutlich erkennen, dass es sehr wohl eine T gab. In Kürze: Er hatte mit dieser T in dem Wirtschaftsunternehmen zusammen gearbeitet, er hat sich wohl sehr gut mit ihr verstanden. Sie haben sich öfters mal auf ein B. im Frühsommer nach der Arbeit getroffen und waren Schwimmen. Über die Betriebsfahrt (eigentlich 3 Tage) schrieb er, er sei bereits am zweiten Tag abgereist, da es ihm wehtat, nicht "normal mit T abzuhängen". Zudem hat er von einem Trip nach Porto mit Kollegen, unter anderem mit T., geschrieben. Anmerkung: In seiner Version an mich hat er sich dort mit einem Freund aus München getroffen über das Wochenende. Außerdem habe er sie auf einer Hochzeit im November von einer anderen Kollegin getroffen. Ich wusste nicht einmal von der Hochzeit, geschweige denn, dass er micht gefragt hat, ob ich als Begleitung mitkomme, wie es jawohl absolut angemessen gewesen wäre. Ende des Jahres habe er sie zuletzt gesehen und ihr noch einen Brief gegeben. Im Dezember habe er sich schwer getan, mit seiner Entscheidung (sie zu verlassen/keinen Kontakt mehr zu haben) zurecht zu kommen, aber jetzt, 2019, sei er zufrieden mit seiner Entscheidung und bereit, dass es wieder schöne und gute Zeiten geben wird.
Das alles zu lesen hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich habe ihn abends sofort damit konfrontiert und quasi schon meine Tasche gepackt. Auf der anderen Seite habe ich mir von tiefem Herzen gewünscht, dass es irgendeine vernünftige und für mich hinnehmbare Erklärung gibt, die ein Ende unserer Beziehung vermeiden würde. David war fix und fertig, als ich meine Sachen gepackt habe und gesagt habe, dass es so keinen Sinn für mich macht. Er hat erklärt, dass er und T. sich gut verstanden hätten und unter anderen Umständen (beide single, tatsächlich sind beide vergeben) vielleicht mehr daraus hätte werden können. Er habe sie sehr gemocht und gerne mit ihr Zeit verbracht. Oft seien noch andere Kollegen dabei gewesen. Hätte er das weiter geführt, sei er sich sicher, er hätte Gefühle für sie aufgebracht. Auf der Arbeit haben sie so viel Zeit gebracht, die Arbeit hätte so einen großen Part in seinem Leben übernommen. Und er und T seien da irgendwie zwei "Kämpfer" als Team gewesen. Er hat zugegeben (musste er ja), dass er mich teilweise angelogen hatte. Aber am Ende sei alles darauf hinausgelaufen, dass er es beendet hat, weil er wusste es ginge nicht anders und er wolle es auch nicht anders, weil er sie nicht gegen mich "eintauschen" wollte. Seit November habe er auch keinen Kontakt mehr zu ihr gehabt. Und er beteuert immer wieder, dass sie weder geküsst, noch miteinander geschlafen hätten.
Ich weiß nicht, wie ich weiter vorgehen soll. Ich hänge sehr an ihm. Ich weiß nicht, was ich glauben soll. Und ob ich ihm überhaupt noch vertrauen kann. Ob es stimmt, dass zwischen ihnen nichts gelaufen ist. Ob ich, wenn zwischen ihnen was gelaufen ist, das verzeihen könnte. Ich spiele sogar mit dem kindischen Gedanken, Gleiches mit Gleichem zu vergelten und mir auch einen "guten Freund"/Affäre/was auch immer zu suchen. Um ihn spüren zu lassen, wie weh das tut. Ich weiß sicher, dass er mich sehr liebt. Und dass es schrecklich für ihn wäre, mich zu verlieren. Deswegen auch dieser Vergeltungsgedanke. In zwei Wochen wollten wir zwei Wochen nach Hawaii fliegen, Flüge und Hotels sind schon gebucht.
Wer hätte das gedacht - da hat man sein Leben wieder einigermaßen im Griff, und schon rollt die nächste Lawine über einen.
Alles Liebe und danke fürs Lesen
Eure Bianca