Zitat von WillyWichtig:„Früher war alles besser!“ Das höre ich aus Deinem und vielen anderen Beiträgen raus. Ist das wirklich so? Ich finde nicht! Wieviele Nächte habe ich mich früher in irgendwelchen Dissen rumgetrieben, Frauen angequatscht und mich teils zum Horst gemacht. Mit bescheidener Ausbeute! Und ghosten ist keine ...
Hmm, nun ja, ich empfand jedenfalls diese Online-Dates als durchweg sehr mühevoll. Ich hatte das Gefühl, dass ich das Gespräch beginne und auch dauerhaft führe, dass ich es am Laufen halten muss. Fragen zu meiner Person kamen umgekehrt kaum. Es hätte mich nicht gewundert, wenn die Dame am nächsten Tag meinen Namen noch mal hätte erfragen müssen. Teilweise unangenehme Stille, über Minuten, wenn ich nicht redete, während derer für mich die Gedanken kamen: Wie gern wäre ich jetzt einfach woanders statt hier. Und nicht selten "durfte" ich am Ende dann die Rechnung der Getränke zahlen. Ohne dass man sich je wieder sah oder schrieb. Ich würde lügen, wenn ich sage, dass mir das jetzt Spaß gemacht hätte. Das waren die typischen Dates über die Wisch und Weg Portale. Nicht selten kam es auch vor, dass ich die Frau sah und ehrlicherweise dachte "Hmm, ok, also im echten Leben hätten wir jetzt hier kein Date gehabt". Aber sagt man das dann sofort? Aus heutiger Sicht würde ich auch nicht all zu lange schreiben. Nur hatten viele auch entweder keine Zeit oder nur halbherziges Interesse an realen Treffen, vielfach hatte ich eher das Gefühl, dass man lieber nur unterhalten werden möchte, als tatsächlich auf der Suche nach "mehr" ist. Kann sein, dass ich einfach Pech hatte, aber es waren leider meine Erfahrungen.
Zugegeben, die Offline-Ansprachen waren bis letztes Jahr immer erfolgreich. Man traf sich einfach viel zwangsloser, meistens über gemeinsame Interessen oder Hobbys und ich hatte auch immer das Gefühl, dass die Dame Interesse an mir und meiner Person hatte und nicht ich der Interviewer allein war. Das hat sich seit letztem Jahr schlagartig geändert. Ich hatte im letzten Jahr bestimmt eine Handvoll Frauen angesprochen, bei denen ich vorher auch das Gefühl hatte, es war deutlich erkennbarer Blickkontakt da, teilweise wurde sogar die Nähe gesucht, doch dann scheiterten die Ansprachen, weil die Frau entweder dann doch einen Partner hatte (was ihr Verhalten nicht wirklich plausibel gemacht hatte) oder es war etwas anderes, was dann an mir abgelehnt wurde - ich weiß es nicht.
Die Sache mit dem Spiel fällt mir in letzter Zeit sehr schwer, vielleicht oder ganz bestimmt, liegt es aber auch am ausbleibenden Erfolg. Wenn ich im Sport bedenke, wenn ich nur verliere, scheitere, dann nehme ich mich erst mal raus aus dem Spiel um nachzudenken, über die Taktik oder meine Vorgehensweise. Denn anders macht es für mich keinen Spaß und das merkt mein Gegenüber natürlich auch - logisch. Wenn ich schon mit gesenktem Haupt in ein "Spiel" gehe, wird das nix.
Ich erinnere mich noch, wie ich Anfang des Jahres eine Frau (45) angesprochen hatte, vielmehr sie sogar eigentlich auf mich zukam. Handynummern wurden getauscht, nur irgendwie hatte sie entweder nie Zeit oder war mit "Kumpels" unterwegs, als ich mindestens drei Mal nachfragt, ob sie mal Lust hätte mit mir etwas zu machen. Irgendwann, also ich jedenfalls, lass es dann gut sein. Mag sein, dass es Frauen gibt, die einfach extrem darauf stehen, dass der Typ sich krumm verbiegt, aber ich halte das für keine gelungene Taktik. Jedenfalls zog ich mich dann raus aus diesem "Spiel", um in dieser Vokabel zu bleiben. Daraufhin kam dann ihrerseits ein Spontanvorschlag, .... vormittags...., ob ich Lust auf einen Spaziergang hätte. Da ich gerade arbeiten war, kam die sehr penetrante Aufforderung, ich könne ja früher Feierabend machen. Ähh - nein, das geht jetzt nicht, aber man kann sich auch einfach am Wochenende zu normalen zeiten treffen? Das wiederum war ihr dann zuviel "Absprache" und das Interesse sank daraufhin wieder. Das sind leider nicht völlig untypische Einzelfälle, die man so macht. Interessanterweise bei genau dieser Altersgruppe. Was dahintersteckt, weiß ich nicht. Aber in einem Gespräch, das wir Wochen später rein zufällig noch mal hatten, hörte ich so zwischen den Zeilen heraus, dass vorherige Enttäuschungen offenbar dazu geführt haben, dass man nur noch dann den Mann für den Richtigen empfindet, wenn der alles - wirklich alles - stehen und liegen lässt, um der Dame zu Füßen zu liegen. Weil man nur auf diesem Weg "echtes Interesse" interpretiere. Das ist eine sehr interesssante Darstellung, gerade für ein "erstes Date". Man kann es in meinen Augen auch übertreiben.