Die Liebe macht mir das Leben zur Hölle

Apolaskar

Hallo zusammen,

ich habe zurzeit leider mit einem ziemlich großes Problem zu kämpfen. Dieses Problem hat sich in der letzten Jahren bereits öfter bemerkbar gemacht und ist nun aufgrund der jüngsten Ereignisse nur wieder ausgebrochen, deshalb muss ich bei meiner Geschichte etwas weiter ausholen, da ich nicht nur ratlos in meiner aktuellen Lage, sondern allgemein bei diesem Problem an sich bin.

Da ich mich in meiner Schulzeit als Einzelgänger ziemlich zurückgezogen und die meiste Zeit im Internet verbracht habe, hatte ich bis jetzt noch nie eine „normale“ Beziehung, sondern nur zwei Fernbeziehung, die beide nicht so toll liefen. Ein großes Problem ist, dass für mich in einer Beziehung gemeinsame Interessen extrem wichtig sind, und da meine Interessen (Anime, Manga, Urbex, Geocaching, Wandern usw.) leider nicht von vielen Menschen geteilt werden (oder im Fall von Wandern nicht von vielen jungen Menschen), hat mir bis jetzt auch nur das Internet die Plattform geboten, Leute kennenzulernen, die meine Interessen teilen, da man sich hier eben auf solchen Seiten zusammenfindet und somit automatisch nur Gleichgesinnte kennenlernt.

Während meiner ersten Beziehung ist mir aufgefallen, dass ich dazu neige, in einer Partnerschaft alles andere zu vergessen und mein gesamtes Glück nur von dieser abhängig zu machen. Am Ende lief es darauf hinaus, dass wir uns nach fünf Monaten von einen Tag auf den anderen trennten, ohne uns je getroffen zu haben, und nach diesem ganzen Drame nahm ich mir eigentlich vor, keine Fernbeziehung mehr einzugehen und wenn es doch zu einer kommen sollte, würde ich dafür sorgen, dass wir uns sehr bald und auch regelmäßig treffen könnten, damit man sich nicht nur über das Internet kennt.

Ein Jahr später traf ich dann im Internet ein neues Mädchen und ich ließ mich schon wieder auf eine Fernbeziehung ein, die alles in allem, obwohl wir uns sofort trafen, absolut grauenhaft war – was allerdings gar nicht die Schuld meiner Ex-Freundin war. Ich musste damals feststellen, dass ich single viel glücklicher bin als in einer Partnerschaft, da ich mir in einer solchen rund um die Uhr nur noch die unnötigsten Sorgen machte und gar keine Zeit mehr hatte, überhaupt an irgendetwas Spaß zu haben. Das gleiche Problem hatte ich auch schon in meiner ersten Beziehung, allerdings nicht in diesem Ausmaß. Eine dieser unnötigen, dummen Sorgen ist zum Beispiel die, seinen Partner irgendwann zu gut zu kennen, sodass einem die Gesprächsthemen ausgehen. Wie dem auch sei, nachdem ich diese Beziehung dann nach nicht mal einem Monat beendet hatte, ging es mir plötzlich wieder viel besser. Im Nachhinein glaube ich, dass ich bei beiden dieser Beziehungen gar nicht richtig verliebt war – geschweige denn die Richtige gefunden hatte – sondern einfach nur glücklich war, nicht mehr einsam zu sein und die ganze Zuneigung genoss.

Ab diesem Moment an habe ich mir dann wohl eingeredet, dass ich generell überhaupt keine Beziehung haben möchte und ohne Liebe einfach glücklicher sei, doch schon ein halbes Jahr später – vor wenigen Tagen – sollte diese Einstellung komplett über den Haufen geworfen werden, als ich eine alte Internetbekanntschaft, die nun in meiner Nähe wohnt, (wir kennen uns seit 6 Jahren und haben seit ein paar Monaten nach zweijähriger Kontaktpause (nur ab und zu mal geschrieben) wieder jeden Tag Kontakt) zum ersten Mal im echten Leben getroffen habe.

Nachdem sie die letzten Jahre mehrmals den Wunsch geäußert hatte, sich mit mir zu treffen, bin ich vor einigen Monaten endlich darauf zurückgekommen und habe einen langen Wochenendausflug zu zweit für uns organisiert. Obwohl ich schon vor dem Treffen scherzhaft angedeutet hatte, dass es sich dabei um ein Date handeln würde, wusste ich zuerst einmal gar nicht, welche Erwartungen ich selbst überhaupt hatte. Zu diesem Zeitpunkt war ich – da ich eigentlich der Meinung war, keine Beziehung zu wollen – auf jeden Fall nicht auf der Suche nach einer solchen, wie ich es bei meinen ersten zwei Freundinnen war. Es war also nicht mehr der Fall, dass ich auf Biegen und Brechen unbedingt raus aus der Einsamkeit wollte, denn eigentlich war ich bis vor ein paar Tagen noch ziemlich zufrieden mit meinem Leben und hatte bereits Pläne für die nächsten Jahre gemacht, die gar nicht viel Zeit für eine Beziehung lassen würden.

Wie ihr euch nun sicher denken könnt – sonst hätte ich diesen Thread ja nicht erstellt – ist es wohl dazu gekommen, dass ich während unseres Treffens bereits anfing, Gefühle für sie zu entwickeln, die sie wohl leider nicht erwidert. Da ich sie schon immer sehr sympathisch sowie interessant fand und wir uns auf einer Wellenlänge befinden, (und es ist sehr ungewöhnlich, dass ich so lange Kontakt zu jemanden habe, da mir die meisten Leute leider nach einigen Jahren langweilig werden und der Kontakt mit der Zeit immer weniger wird) hat dieses Treffen wohl den letzten Anstoß dafür gegeben. Jedenfalls habe ich sie darauf angesprochen und gefragt, ob unsere Verabredung für sie denn nun ein Date oder ein Treffen sei, was sie mit Letzterem beantwortete.

Diese Antwort hat mich ehrlich gesagt erst mal ziemlich überrascht, da ICH mir vor dem Treffen eigentlich sogar schon fast Sorgen gemacht habe, dass SIE mehr für mich empfinden könnte als andersrum, da sie in der Vergangenheit bereits sehr viele Zeichen gegeben und ihre Zuneigung für mich ausgedrückt hatte, was ich oft als Andeutungen in diese Richtung verstanden hatte. Das ging sogar so weit, dass ich mich damals, als ich in meiner zweiten Beziehung Rat bei ihr suchte, da sie die Einzige war, der ich mich anvertrauen wollte, sogar schuldig gefühlt habe, mit ihr über meine aktuelle Freundin zu reden, da ich durch ihre Andeutungen das Gefühl bekam, sie selbst wäre gerne mit mir zusammen.

Ich bin im Moment wirklich durcheinander und weiß zum Teil gar nicht, was ich selbst fühle oder gefühlt habe, da ich mir sogar in diesem Text schon widersprochen habe und zum einen behaupte, vor dem Treffen keine Beziehung mit ihr gehabt haben zu wollen, allerdings auch erzähle, dass ich ihr gegenüber angedeutet habe, dass es sich bei dem Treffen um ein Date handeln sollte.

Jedenfalls hat sich nun herausgestellt, dass dem nicht so ist und wir im Moment wohl einfach „nur“ sehr gute Freunde sind. Ich weiß zumindest, dass ich ihr sehr wichtig bin – sie hat auch ständig Kontakt zu mir gesucht / sucht diesen immer noch / hat eigentlich täglich mit mir zu tun, wobei das alles meist von ihr ausgeht – und sie hat auch sofort gesagt, dass es nicht an mir liegen würde, sondern dass sie kurz nach der Trennung von ihrem Ex-Freund (ca. einen Monat her) nicht bereit für eine neue Beziehung ist und zurzeit einfach glücklicher als Single ist. Ich kann mir zwar vorstellen, dass sie damit die Wahrheit sagt, aber gleichzeitig – da ich es eben nicht sicher weiß – hat diese Absage ganz schön mein Selbstvertrauen verletzt.

Vor etwa drei Jahren, als ich sehr unzufrieden mit meinem Leben insgesamt war und so gut wie gar kein Selbstvertrauen hatte, nahm ich mir vor, mein Leben völlig umzukrempeln – und das tat ich auch. Ich nahm 30 Kilo ab, suchte mir endlich Freunde, mit denen ich mich auch im echten Leben treffen kann, fing mit mehreren neuen Hobbys an, schloss meine Ausbildung mit sehr guten Noten ab, lernte, besser mit Kritik umzugehen, und setzte mir Ziele für die Zukunft, die mich motivieren und denen ich immer noch nachgehe. All das hat dazu beigetragen, dass mein extrem schwaches Selbstvertrauen deutlich stärker wurde, doch ich muss gestehen, dass ich immer Zweifel hatte. Zweifel, die daher kamen, dass ich noch nie eine richtige Beziehung hatte. „Bin ich hässlich? Bin ich unmännlich? Bin ich es einfach nicht wert, geliebt zu werden?“ Das waren alles Fragen, die mir öfter durch den Kopf geisterten, die ich allerdings irgendwann einfach ignorierte, doch nun scheinen sie langsam zurückzukommen und ich habe das Gefühl, all das, was ich mir die letzten Jahre aufgebaut habe, dahinbröckeln zu sehen.

Es ist nicht so, als hätte ich mich Hals über Kopf in dieses Mädchen verliebt, ich habe lediglich Interesse an ihr, da wir gemeinsame Interessen teilen, auf derselben Wellenlänge sind, super miteinander klarkommen, ich sie oft zum Lachen bringen kann, und ich sie zudem auch attraktiv finde. Das sind für mich Voraussetzungen, um mir überhaupt eine Beziehung mit ihr vorstellen zu können – ich kann mir also vorstellen, dass ich mit ihr glücklich werden kann, aber ich bin nicht unbedingt verliebt, zumindest nicht so sehr, dass ich nicht innerhalb kurzer Zeit darüber hinwegkommen könnte. Die Absage an sich hat auch ehrlich gesagt gar nicht so sehr meine Gefühle an sich verletzt und ich habe weder geweint noch habe ich irgendwie das Bedürfnis dazu.

Das Problem ist eher, dass die ganze Sache meine Sicht der Dinge, in der ich überzeugt war, keine Beziehung in meinem Leben zu brauchen, vollkommen erschüttert hat und ich nun doch das Gefühl habe, etwas Wichtiges in meinem Leben zu vermissen. All die Ziele, von denen ich geschrieben habe, dass ich sie in den letzten Jahren erreicht habe, scheinen nun im Vergleich zum Glück in der Liebe vollkommen unbedeutend geworden zu sein und ich muss leider zugeben, dass ich im Moment wieder ziemlich lustlos bin und mir der Antrieb fehlt, das zu verwirklichen, was ich mir für meine Zukunft vorgenommen habe und woran ich bis vor wenigen Tagen noch voller Tatendrang gearbeitet habe.

Wie es mit uns beiden nun weitergehen soll, weiß ich leider auch nicht genau. Ich bin jedenfalls bemüht, ihr nach dem Treffen nicht mehr Beachtung zu schenken als davor, um sie damit nicht selbst zu einem größeren Teil meines Lebens zu machen, obwohl ich doch weiß, dass sie zurzeit nicht bereit für eine Beziehung ist, welche ich mir eben wünsche. Ich bin kein Mensch, der anderen nachrennt und dabei seine Würde auf der Strecke lässt, aber dennoch möchte ich nach sechs langen Jahren natürlich nicht den Kontakt zu ihr abbrechen und finde auch nach wie vor, dass wir sehr gut zusammenpassen würden – anders als in meinen bisherigen Beziehungen, in denen ich wohl nur Nähe gesucht habe, egal von wem sie kommt.

Abgesehen von dieser einen Sache lief unser Treffen eigentlich auch ganz gut – sowohl davor als auch danach. Neben dem, was man als normale Freunde eben macht, teilten wir uns mehrere Stunden einen Regenschirm, unter dem wir dicht zusammenrücken mussten, und auch sonst kam es oft von beiden Seiten aus zu Körperkontakt, den sie auch nie abwehrte. Da wir außerdem über mehrere Tage unterwegs waren, schliefen wir auch im selben Hotelbett und kuschelten nachts sogar miteinander. Das Kuscheln ging zuerst von mir aus, allerdings blockte sie nicht ab und fing später auch selbst an, sich ein paarmal an mich anzukuscheln.

Als sie mir sagte, dass sie zurzeit nicht bereit für eine Beziehung ist und fürs Erste lieber single sein möchte, meinte sie auch, dass sie damit nicht sagen möchte, dass sie sich auch in Zukunft absolut nichts mit mir vorstellen könnte. Ich habe allerdings nicht vor, mich nun an diese Hoffnung zu klammern und jeden Monat aufs Neue zu erproben, ob sie endlich bereit für etwas Neues ist. Ich möchte eher unser momentanes Verhältnis als sehr gute Freunde und den Zustand des Vertrauens und der gegenseitigen Zuneigung aufrechterhalten und sehen, was die Zukunft bringt, ohne stärkere Gefühle für sie zu entwickeln, die mich am Ende dazu zwingen könnten, den Kontakt zu ihr und damit auch unsere jahrelange Freundschaft zu beenden.

Die Frage dieses Threads ist also nicht nur, was ich nun in dieser Situation tun soll, sondern in erster Linie auch, was ich generell tun kann, um glücklicher zu sein, da ich das Gefühl habe, dass Liebe nichts anderes tut, als immer und immer wieder meine Welt zur Hölle zu machen, indem sie alles über den Haufen wirft, sobald sie in mein Leben tritt. Entweder ich vergesse und vernachlässige alles und jeden und mache mein Glück einzig und allein von meiner Freundin abhängig oder ich fange an, mir ständig unnötige Sorgen zu machen und verliere die Lust an einfach allem. Langsam habe ich wirklich Angst, ich werde niemals Glück in der Liebe finden, was für ältere Menschen aus dem Mund eines 20-Jährigen sicher lächerlich klingen mag, aber zum einen sind meine „Ansprüche“ (Interessen) sehr speziell und ich kann froh sein, wenn ich überhaupt jemanden finde, der MICH interessiert, und zum anderen muss dieser Jemand dann auch noch Interesse an mir haben und diese Gefühle erwidern, was in meinen Augen meine Chancen, überhaupt mein Glück zu finden, extrem niedrig macht.

Auch wenn es mit meiner besten Freundin, für die ich nun wohl doch mehr als Freundschaft empfinde, nichts werden sollte, ich über sie hinwegkomme und wir dennoch gute Freunde bleiben, so werde ich danach dennoch wie früher das Gefühl haben, dass mir in meinem Leben Liebe fehlt und ich eine Freundin brauche, die zur mir passt und die ich wohl nur sehr schwer finden werde. Ich würde viel lieber wieder mit dem Gefühl leben, glücklicher als Single zu sein und nichts zu verpassen, aber dieses Treffen hat mich wohl leider eines Schlechteren belehrt.

Danke an alle die, die sich diesen Text tatsächlich bis zum Ende durchgelesen haben. Ich hoffe, ich kann ein paar hilfreiche Antworten bekommen, und wenn nicht, hat mir das Verfassen des Textes zumindest ein wenig dabei geholfen, meine Gedanken zu ordnen.

23.12.2014 21:07 • #1


Alena-52


deine freundin hält dir deinen spiegel vor und will jetzt nur freundschaft und keine beziehung, zeigt dir so wie du sonst selbst auch unterwegs warst.
deine nach aussen gezeigte masken sind jetzt abgefallen und du bekommst die verdrängten gefühle wieder zu spüren :
Zitat:
All das hat dazu beigetragen, dass mein extrem schwaches Selbstvertrauen deutlich stärker wurde, doch ich muss gestehen, dass ich immer Zweifel hatte. Zweifel, die daher kamen, dass ich noch nie eine richtige Beziehung hatte.

„Bin ich hässlich?
Bin ich unmännlich?
Bin ich es einfach nicht wert, geliebt zu werden?“

Das waren alles Fragen, die mir öfter durch den Kopf geisterten, die ich allerdings irgendwann einfach ignorierte, doch nun scheinen sie langsam zurückzukommen und ich habe das Gefühl, all das, was ich mir die letzten Jahre aufgebaut habe, dahinbröckeln zu sehen.

dein geringes selbstwertgefühl hast du bisher versucht durch das äussere zu pushen, aber verinnerlichen konntest du es noch nicht.
und jetzt wirst du damit wieder konfrontiert, das ist deine chance da anzusetzen, dann läuft es auch mit freundinnen besser und deine angst sich wirklich auf beziehung einzulassen kann sich dadurch langsam auflösen. meiner einschätzung nach könntest du bindungsängste haben verknüpft mit dem gefühl nicht gut genug zu sein und deshalb verlassen zu werden.
überprüfe mal woher deine ängste herkommen könnten, das kann dir helfen diese langsam aufzulösen.

alles gute!

23.12.2014 23:19 • #2


Apolaskar


Hey, erst mal danke für deine Antwort. :v
Was genau meinst du damit, dass das meine Chance sein soll, mein Selbstvertrauen zu verinnerlichen?
Das ist ja höchstens ein Zeichen dafür, DASS ich es nötig hätte, mein Selbstvertrauen zu verinnerlichen, nur eine Lösung dafür fällt mir ja leider nicht einfach in den Schoß.

23.12.2014 23:40 • #3


Alena-52


Zitat von Apolaskar:
Das ist ja höchstens ein Zeichen dafür, DASS ich es nötig hätte, mein Selbstvertrauen zu verinnerlichen, nur eine Lösung dafür fällt mir ja leider nicht einfach in den Schoß.
du kannst anfangen deinen inneren kritiker zum schweigen zu bringen und ihn überzeugen, dass du völlig ok, einzigartig und liebenswert bist. deine stärken verstärken und deine schwächen anfangen zu mögen.

23.12.2014 23:45 • #4




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