Zitat von Vapiano2013: Mein Vater starb an Krebs, da war ich 16. meine Mutter fiel in ein Loch und meine Kindheit war beendet. Nichts war mehr wie vorher. Der übermäßige Wunsch nach einer eigenen Familie dominierte mich dann.
Du hast viel zu früh einen schweren Schicksalsschlag verkraften müssen. Der kann dich durchaus überfordert haben und es blieben Wunden zurück.
Erinnert mich an meine Mutter, die aus dem Sudetenland nach diesem verdammten Krieg nach Süddeutschland gespült wurde. Der Vater in russischer Kriegsgefangenschaft, Ungewissheit, ob er zurückkommen würde, der ältere Bruder in Rumänie gefallen und dann starb ihre Mutter an Darmkrebs, als sie 16 war.
Sie hatte Kriegstraumata zurückbehalten, die nie aufgearbeitet, ja nicht mal bekannt waren. Wer wusste damals was von Traumaerfahrungen, wo doch ganze Generationen kriegsbedingte seelische Defizite zurückbehielten.
Damit war die Kindheit vorbei und die Ungewissheit, dass das Leben nicht sicher ist, schlich sich ein. Und das trägst du dann ins Erwachsenenleben. Viele, die familiäre Konflikte oder eben auch Schicksalsschläge erfahren haben, tragen eine große Sehnsucht nach einem Familienleben, das Sicherheit und Geborgenheit vermittelt, in sich.
Ich habe da auch einiges abbekommen. Zum einen durch das oft unberechenbare Verhalten meiner Mutter, zum anderen durch ihre krankheitsbedingte oft längere Abwesenheit, als ich noch in der Grundschule war.
Ich spürte die Gefahr, die diese damals noch nicht diagnostizierte Erkrankung bedeutete.
Ich wählte später einen anderen Weg und ging lange Zeit engeren Bindungen systematisch aus dem Weg. Ich habe im Unterbewusstsein verinnerlicht, dass Bindungen nicht verlässlich sind, was sich dann auch in meiner Biografie zeigte. Aber das habe ich erst Jahre später begriffen. Heute kann ich sogar eine Ehe aushalten. ich weiß nicht ob das in jungen Jahren möglich gewesen wäre.
Die Beiträge von meerrettich und Ameise_78 erklären ja auch ganz anschaulich, was da abläuft.
Dein Vater war ein guter Vater, aber musste viel zu früh sterben. Das erklärt dann ja auch, warum es ein dominanter Partner war, der dich angezogen hat. Dominanz vermittelt Sicherheit, womöglich Verlässlichkeit und darauf springst Du dann, geleitet vom Unterbewusstsein, an.
Dominanz muss nicht per so schädlich sein, aber der Mann, an den du geraten bist, ist nicht nur dominant, sondern defizitär.
Dann bist du in eine emotionale Abhängigkeit gerutscht und da wieder raus zu kommen, ist alles andere als einfach. Denn der Partner wird bildlich gesprochen zu deinem Dro gendealer und allein er entscheidet darüber, was er dir zuteilt. Bekommst du den "Stoff", also liebevolle Zuwenung, Geborgenheit, fühlst du dich glücklich und leicht. Aber er entscheidet eben auch darüber, ob du deinen Stoff bekommst und wieviel davon. Nichts ist hier sicher, denn er hat dich praktisch in der Hand.
Die Glücksmomente werden zu deinem inneren Maßstab, den du immer wieder erreichen willst und sie erscheinen dir um so erstrebenswerter, eben weil sie nicht verlässlich sind.. Der Partner ist praktisch der Pilot, der das Flugzeug mehr schlecht als recht steuert und du bist der machtlose Copilot, der nur hofft, dass er das Flugzeug nicht gegen den nächsten Berg fliegt.
Du wirst in so einer Beziehung immer machtloser und auch willenloser und die sehr problematische Beziehung hält dich gedanklich und emotional auf Trab. Es ist das wichtigste Thema in deinem Leben und alles andere verliert dagegen an Bedeutung.
Wenn du merkst, dass du ständig an ihn und die verfahrene Situation denkst und alles, was dir früher wichtig war, dagegen in den Hintergrund gerät, bfindest du dich in einer emotionalen Gefangenschaft. Du spürst, dass da etwas gewaltig schief läuft, du spürst deine Machtlosigkeit, du spürst, dass du dich praktisch aufgegeben hast weil er die Zügel in der Hand hält, aber daraus lösen kannst du dich nicht. Und immer wieder spricht die Hoffnung ein Wort. Bleib dran, es kann sich alles ändern, ich werde so wie er mich vermeintlich haben will und alles wird gut - eines Tages. ich muss nur Geduld haben, Verständnis aufbringen, dann ....
Aber es wird nichts gut, weil mit einem destruktiven Menschen der nur seine Machtbestrebungen auslebt, eben nichts gut wird. Statt der gewünschen Sicherheit erlebst du Instabilität, statt Gewissheit Ungewissheit und Angst und statt Liebe nur Manipulation.
Zwei haben sich gefunden, die ihre Defizite aneinander ausleben und abarbeiten, aber glücklich wird keiner damit.
Wenn du merkst, dass du deine Orientierung verlierst, nicht mehr weißt was du tun sollst, dich verwirrt und ohnmächtig fühlst, solltest du gehen und dich vor noch mehr Verletzung schützen.