Margerite
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Zitat von Vapiano2013:Ich habe mich gedanklich wirklich permanent seit vielen Monaten schon mit der Beziehung beschäftigt, in einer ängstlichen verunsicherten Art und Weise
Das kenne ich allzu gut. Ich war auch so in einer früheren Beziehung, wo er über Nähe und Distanz bestimmte und ich in diesen Strudel von heiß und kalt katapultiert wurde.
Er erledigte dann die Trennung und ich war erst mal fertig. Wo ist meine Perspektive? Was sollte ich ohne diesen wunderbaren Menschen (nachträglich idealisiert man ihn dann noch anstatt eine Dankeskerze anzuzünden? Was hatte ich nicht alles getan für ihn? Wie oft hatte ich seine Zurückweisung ertragen und war gekuscht und hatte mich damit selbst verrraten? Wie oft über seine Unzulänglichkeiten hinweg gesehen und ihn entschuldigt mit seiner schwierigen Kindheit?
Ich kam mir ausgenützt und weggeworfen vor. Alles hatte ich versucht, um einen bindungsfähigen Menschen aus ihm zu machen, dabei war ich selbst nicht sehr bindungsfähig. ich war nur der passive Bindugungsvermeider, der sich an so einen Mann gehängt hatte, weil mein Unterbewusstsein wohl schon gleich am Anfang witterte, dass es mit ihm nichts wird.
Ich konnte mich ja "gefahrlos" nach ihm sehnen, mich an ihn hängen bzw. das zu versuchen, eben weil er immer der autarke Teil blieb, der selbst über sich und seine Pläne entschied. Mein Unterbewusstsei lehnte sich bequem zurück und sagte sich, soll sie ich ruhig an ihm abarbeiten, soll sie ruhig weinen und traurig sein, ständig an ihn denken und 1000 Ängste um ihn ausstehen. Das tut mir ja nichts, denn es gibt keine Bindung.
Auf der bewussten Ebene spürte ich nur den Schmerz, die Sehnsucht, den Drang ihm zu gefallen und ihm hinterher zu hoppeln. Es war so erbärmlich.
Was hatte ich mich klein gemacht, was war mir alles unwichtig geworden, weil es nur ein Thema für mich gab. Was juckten mich Freundinnen, wo ich doch diese einzigartigen Probleme hatte. Und was war ich innerlich arm geworden, weil mich nicht mehr viel interessierte.
Es dauerte da rauszukommen, aber wenn man sich Zeit lässt, gelingt das auch. Die Ablösungsphasen waren auch nicht schön, die kamen, als die Heulphase am Ablklingen war, aber es stellte sich Wut ein.
Und dann ging ich zu einem PT und vieles von dem, was er mir sagte, wusste ich, aber ich hatte es nicht in Verbindung zu mir gesehen. Und dann kam mit der Zeit eins ums andere. Ich erinnerte mich an meine Mutter, an die Ängste die ich damals schon ausgestanden hatte, an die innere Einsamkeit die ich oft verspürte. Die Ängste waren uralt, nur die Darsteller änderten sich.
Und dann merkte ich, dass ich ja nur einen geringen Selbstwert hatte und mich immer in Frage stellte. Und das behob ich dann mit Selbstpflege. ich lobte mich für manche Dinge und wenn die Kobolde mir wieder einflüstern wollten, dass ich ja doch nur ungenügend bin, schickte ich sie weg. ich wollte das nicht mehr denken. Das kann man richtig üben und das verfestigt sich dann auch.
Und er? Rückte mehr und mehr in den Hintergrund, Kontakt war abgestorben, ab und an sah ich ihn, aber immer nur dienstlich. Wir grüßen uns wenn wir uns sehen, nicht mehr und nicht weniger. Kein Bedarf mit ihm über irgendwas zu sprechen. Und ihm geht es wohl genauso. Er ist mir heute egal und das ist ein gutes Gefühl. Ich bin weg von ihm und das ist prima.
Mit der Zeit kam die Lebensfreude wieder und ich merkte, wie viel ich doch im Leben hatte und dass das alles wertvoll war. Ich lernte das Leben wieder zu leben und zu schätzen. Und heute geht es mir besser, viel besser als damals.
ich werde mich nie mehr einem Mann zuliebe aufgeben, das weiß ich. Ich bin auch realistischer geworden.
Kümmere Dich um Dich und dann ist dir geholfen.