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Drang Fremd zu gehen

Martin90

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Hallo zusammen

Bevor ich auf das eigentliche Thema komme, ich bin 24 und seit 2 ein halb Jahren mit meiner Freundin zusammen. Das ist meine erste richtige Beziehung die länger als nur 3 Wochen dauert und sie ist auch die erste Frau mit der ich je richtig S. hatte und habe. In der Beziehung ist eigentlich alles genau so wie ich es mir immer gewünscht habe. Wir passen wirklich sehr gut zusammen und ich liebe sie über alles.

Mein Problem ist nur, dass ich immer wieder Zeiten habe in denen ich mir vorstelle wie es mit einer Anderen wäre. Ich weiß nicht ob ich das Gefühl aus dem Grund habe, weil ich vor meiner jetzigen Freundin nie wirklich etwas mit einer anderen Frau hatte, oder ob das einen anderen Grund hat... Ich fühle mich immer unglaublich schuldig, wenn ich nur an so etwas denke, weil sie immer für mich da ist und ich es ihr so danke ... Aber ich kann einfach nicht anders, die Gedanken drängen sich einfach in den Vordergrund und das belastet mich extrem! Dazu kommt noch, dass meine Freundin eine unglaublich sensible und eher „melancholische“ Person ist. Wenn sie auch nur einen Bruchteil dieser Gedanken kennen würde, bin ich mir sicher, dass sie das extrem mitnehmen würde...
Das schlimmste daran ist aber eigentlich, dass das ganze immer schlimmer wird. Meine Freundin wird im Laufe des Jahres immer wieder für längere Zeit außerhalb Deutschlands sein und ich erwische mich wie ich teilweise jetzt schon darüber nachdenke wie ich diese Zeiten ausnutzen könnte um sie unbemerkt zu hintergehen ...
Das ganze gipfelt in der Tatsache, dass ich erst jetzt vor kurzem wieder in Kontakt mit einer „ehemaligen Bekannten“ (in die ich, in der Zeit kurz bevor ich meine jetzige Freundin kennengelernt habe, total verschossen war) gekommen bin und erfahren habe, dass seit kurzem wieder Single ist ... seither schreibe ich immer wieder mit dieser „Bekannten“ und erwische mich dabei, wie ich mit ihr flirte und versuche das zu erreichen, was ich damals nicht geschafft habe...

Ich weiß gar nicht mehr was ich machen soll, ich habe eine wahnsinnige Angst, dass ich den Fehler meines Lebens begehe und anschließend versuche mir das Ganze selbst irgendwie schön zu reden…Ich will meine Freundin nicht verlieren, ich will ihr nicht weh tun, weil sie einfach der beste und liebste Mensch ist und ich wohl kaum wieder jemanden finden würde der so gut zu mir passt . Bis vor dem Auffrischen der „Bekanntschaft“ konnte ich das Ganze noch irgendwie ignorieren, aber jetzt bin ich mit meinen Gedanken ständig bei dieser ehemalige Freundin...

Ich bin total verzweifelt und hab keine Ahnung wie ich mit der Situation umgehen soll ...

23.01.2014 12:20 • #1


Coke83


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ja, ich rate dir DRINGEND davon ab was dummes zu machen! Du hast für deine Freundin auch ein Stück Verantwortung und Fremdgehen kann den Partner zerstören!

Du solltest mal TIIIIEF in dich hineinschauen und dich fragen, woher das alles kommt und warum das so ist. Schau mal woher diese Bedürfnisse stammen und versuch dabei ehrlich zu dir zu sein. Liebst du deine Freundin, aus tiefstem Herzen?

Ich glaube, du versuchst dir selbst irgendwas zu beweisen oder zu zeigen...das kannst nur du rausfinden.

23.01.2014 12:30 • #2


Ben80


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Hey Martin,

ich schreibe dir aus der anderen Sichtweise.
In meiner Beziehung war ich der, der betrogen wurde.
Lass es sein!
Du kannst dir nicht vorstellen, was du ein einem Menschen zerstörst, wenn du ihn so hintergehst.

Coke hat recht.
Prüfe genau deine Gefühle.
In deinem Alter ist es ein Stück weit normal, dass man sich auch auf dem Gebiet erst mal ausleben möchte.
Bei mir war das nicht so. Meine Gefühle zu meiner Partnerin waren so stark, dass ich dazu keinerlei Bedürfnis hatte. Nicht einmal in Ansätzen.

Wenn du also deine Abenteuer suchst, dann beende die Beziehung vorher.

Oder sei mutig und spreche mit deiner Freundin offen darüber.
Es mag Menschen geben, die so etwas sogar akzeptieren können.

23.01.2014 12:46 • #3


Amilie

Amilie


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Du betrügst Deine Freundin doch schon jetzt - denn Betrug fängt im Kopf an.

Wie würdest DU Dich fühlen, wenn die Situation andersherum wäre ?

Dein beschriebener Drang kann zusammenhängen mit Selbstbestätigung, Anerkennung, weiss der Geier.

Wenn Du wirklich was drauf hast und Deine Freundin wirklich liebst, dann sagst Du ihr genau das, was Du hier in Deinem Thread geschrieben hast.

Denn DU hast ein Problem, damit auch sie, da Ihr zusammenseid.
Packt man ein Problem nicht an,, verlagert es sich und wird noch schlimmer.

Wenn Ihr Euch wirklich so liebt, werdet Ihr genau dieses Problem lösen, ggf, mittels Paartherapie.

Viele hier in diesem Forum, die betrogen wurdem hätten es sich sicher gewünscht, vom Partner diese Chance bekommen zu haben bez, eines ehrlichen Gesprächs, anstatt mittels Betrugs vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

23.01.2014 12:48 • #4


Gianna


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Hallo

als erstes möchte ich Dir sagen wie toll ich es finde das Du Dich mit diesen Gedanken und daraus resultierenden Ängsten auseinandersetzt. Und einfach zu sagen tu es nicht, ist glaube ich nicht Sinn und Zweck, denn darauf bist du ja schon selbst gekommen.
Ich wurde nun bereits das zweite Mal betrogen und ich muss Ben recht geben. Kein S. der Welt ist diesen Schmerz wert den Du deiner Partnerin mit diesem Verrat zufügst.
Ich denke eher Du solltest die Ursache dafür suchen. Vielleicht fehlt dir s.uell etwas....ein Reiz.....vielleicht gerade das Verbotene? Dann solltest Du aber Deiner Freundin die Chance geben das fehlende zu erfüllen.

Ich denk aber auch....und das vielleicht auch aus Selbstschutz, das es Menschen gibt die nicht für die Monogamie gemacht sind. Die zwar lieben wie jeder andere Mensch auch, aber s.uell nie monogam sein können. Dann solltest Du aber so fair sein ...und das gerade der Frau gegenüber die Du liebst und achtest....... eine Trennung in Betracht zu ziehen. Ob dieser Polygamiezwang heilbar ist? Ich denke nicht, da bei diesen Menschen die Liebe und der S. keine gleichwertige Stellung einnimmt.

Ich weiß nicht wie ich reagiert hätte wenn mein Partner mir solche Befürchtungen im Vorfeld gesagt hätte. In meinem Glauben hätte ich wahrscheinlich gedacht das ich ihn mit meiner Liebe schon zur Treue bringen könnte. Aber ich weiß auch das jegliche Bemühungen die man unternimmt sinnlos sind wenn sich diese Gedanken schon so manifestiert haben, das man kaum an etwas anderes denken kann.

Ich hoffe für Dich/euch das Du eine Entscheidung findest mit der ihr beide leben könnt. Denn eins kann ich Dir sagen Schmerzen werdet ihr beide haben egal für welche Richtung Du Dich entscheidest. Aber sei wenigstens so fair und geb ihr die Chance selber zu entscheiden wie Sie mit Deinen Zweifeln und Gedanken umgeht.

23.01.2014 13:11 • x 1 #5


Nippes

Nippes


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hmm....wenn es soviel liebe wäre, dann hättest du die gedanken nicht. deine freundin ist dir vertraut und sie gibt dir nähe, aber lieben ist was anderes. wer liebt, kann nicht fremdgehen. ist so. ich denke, du wirst dich trennen. früher oder später, denn im kopf bist du schon wech. du hast nur ein schlechtes gewissen, weil sie dich bestimmt liebt und alles für euch tut. ich mache dir übrigens keine vorwürfe, ich will dich nur zur ehrlichkeit zu dir selber animieren.

23.01.2014 13:27 • #6


Martin90


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Erstmal vielen Dank für die schnellen Antworten!

Bezüglich der Liebe zu meiner Freundin, kann ich definitiv sagen, dass ich sie nicht verlieren will. Das merke ich, wenn ich mir vorstelle wie es wäre nicht mehr mit ihr zusammen zu sein. Das kann ich mir nicht vorstellen... Ich kann mir nicht vorstellen sie zu verlieren

Ich habe gewisse Ahnungen warum mit das ganze so zu schaffen macht und zwar

1. denke ich, dass dieses "glauben etwas verpasst zu haben" auf mich zutrifft, da ich vor meiner Beziehung bezüglich dem S. keinerlei andere Erfahrung gesammelt habe.
Und
2. glaube ich, dass mir etwas fehlt. Meine Freundin hat Macken wie jeder andere Mensch auch und ich kann auch mit allen gut leben. Da diese Gedanken Im Zusammenhang mit dieser "Bekanntschaft" aber so viel schlimmer geworden sind glaube ich , dass diese melancholische Art meiner Freundin ein großes Problem für mich ist, da die "Bekanntschaft" in dem Bereich genau das absolute Gegenteil ist. Ich selber mache mir über alles immer sehr viele Gedanken (was dieses ganze Problem ja auch deutlich macht...) und ich glaube manchmal, dass ich mir jemanden wünsche der bei dieser "grüblerei" nicht wie meine Freundin mit macht, sondern die Welt einfach lockerer, gelassener und vorallem fröhlicher sieht... Aber ich hab keine Ahnung ob das auch wirklich der Grund ist....

Ich glaube zu wissen, dass ich nicht der Typ Mensch bin, der den Reiz und das Risiko sucht, aber ob ich einer dieser Menschen bin die nicht monogam leben können, weiß ich nicht... Aber ich hoffe dass das auf mich nicht zutrifft, weil meine Freundin damit niemals klar kommen würde...

23.01.2014 14:01 • #7


Raupe


Hallo Martin90,

im Prinzip hat Ben80 dir schon deine drei Hauptmöglichkeiten aufgezeigt: es sein lassen, dich vorher trennen oder versuchen gemeinsam mit deiner Freundin eine Lösung zu erarbeiten. Fremdgehen kannst du natürlich auch noch, das ist aber ethisch fragwürdig und in den meisten Fällen nicht zu empfehlen. Einzuschätzen, was das passende für dich ist, ist deine Aufgabe, die kann dir niemand abnehmen.

Getrost abhaken kannst du aber das Grübeln über die Frage, was mit dir nicht stimmt. Deine Wünsche nach neuen, anderen Erfahrungen sind lediglich ein Zeichen dafür, dass du ein normaler, atmender Organismus bist, der nach Lust und Leben verlangt. Das Ideal der Monogamie mochte ursprünglich mal dazu dienen, Erbfolgen zu sichern, inzwischen ist sie kulturell und religiös so tief in unserer Gesellschaft verankert, dass die meisten Menschen immer noch eher bereit sind, ihre fremdgehenden Mitmenschen als krank, liebesunfähig oder bösartig zu deklarieren, anstatt ihre Weltanschauung auf Funktionalität zu überprüfen.

Ja und dann ist da noch das Problem vieler Menschen, dass sie sich nicht aus sich selbst heraus wertvoll finden, sondern ihren Wert daran bemessen, dass jemand anders ausschließlich mit ihnen in die Laken steigt. Dieser Exklusivitätsanspruch, mit dem das Gefühl, geliebt zu werden, bei den meisten Menschen steht und fällt, ist die eigentliche und unerschöpfliche Quelle von maßlosem Leid auf allen Seiten.

Alles in allem eine ziemlich explosive Mischung, wenn man bedenkt, dass der Mensch biologisch auf möglichst starke Durchmischung und Verbreitung seiner Gene ausgerichtet ist und damit die Realität allzu oft mit dem Anspruch kollidiert. Bei den meisten Leuten schleicht sich früher oder später die Neugier auf neue Kontakte ein, je nach Naturell und moralischer Orientierung beim einen stärker, beim anderen geringer ausgeprägt. Einige gehen diesen Wünschen dann nach, andere verkneifen sie sich und hassen diejenigen, die ihnen nachgeben, noch mehr als sie sich selbst dafür hassen, es nicht zu tun. Da in unserer Kultur Liebe mit Romantik verknüpft wird, setzen viele Menschen zudem noch Liebe mit Lust gleich, obwohl dies sehr unterschiedliche Dinge sind die auch völlig unabhängig voneinander existieren können. Selbstverständlich ist es möglich, jemanden wahrhaftig und aufrichtig zu lieben, und sich trotzdem gleichzeitig für jemand anderen zu interessieren, genauso wie es möglich ist, mit jemandem intim zu werden, den man nicht liebt.

Fühl dich also nicht schlecht für etwas auf das du keinen Einfluss hast, sondern investiere die Energie lieber in eine saubere, faire und möglichst konstruktive Umgehensweise mit deinen Bedürfnissen. Und, wenn irgend möglich, geh nicht einfach fremd. Deine Freundin hat das gleiche Mitspracherecht wie du bei der Festlegung eure Beziehungsregeln, und es ist nicht in Ordnung, wenn du sie dabei einfach übergehst, oder dich über bereits vereinbarte Regeln hinwegsetzt.

23.01.2014 15:41 • x 2 #8


Mona Lisa

Mona Lisa


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Zitat von Martin90:
Bezüglich der Liebe zu meiner Freundin, kann ich definitiv sagen, dass ich sie nicht verlieren will. Das merke ich, wenn ich mir vorstelle wie es wäre nicht mehr mit ihr zusammen zu sein. Das kann ich mir nicht vorstellen... Ich kann mir nicht vorstellen sie zu verlieren


Hallo Martin,

in deinen Aussagen sind schon jede Menge Antworten enthalten, die du suchst. Man muss nur zwischen den Zeilen lesen...

Dass du deine Freundin nicht verlieren willst, glaube ich dir! Aber nicht weil du sie aus der Tiefe deines Herzen liebst, sondern weil sie dir Sicherheit gibt...du weißt was du an ihr hast und es ist besser oder zynisch ausgedrückt "bequemer" in einem sicheren Hafen zu ankern als in unbekannten Zonen. Du sagst, du bist ihr dankbar für vieles, aber Dankbarkeit ist die falsche Motivation eine Beziehung zu führen oder an ihr festzuhalten. Du möchtest gern Beides...die Sicherheit und die Beziehung zu deiner Freundin und den unbekannten s.uellen Reiz nachgeben...

Beides geht aber nicht, wenn du morgen noch in den Spiegel schauen möchtest!

Ich stimme meinen Vorrednern zu und bin der gleichen Ansicht, dass du deine WAHREN Gefühle zu deiner Freundin hinterfragen solltest und deine Beweggründe, warum du sie nicht verlieren willst.
Durch das ständige Schreiben mit deiner Bekannten, wo du auch Emotionen zulässt und herausforderst, stellst du deine Freundin bewusst oder unbewusst an den Pranger und "Macken" die dich vorher nicht sonderlich gestört haben, werden auf einmal zum Problem für dich. Damit rechtfertigst du unbewusst deinen "Betrug" ja jetzt schon, indem du Defizite benennst und nach einem Ausgleich suchst. In einer gut funktionierenden Beziehung macht man das mit dem Partner und nicht ausserhalb der Beziehung oder mit sich allein. So verwehrst du euch die Chance, eure Beziehung neu zu beleben oder ggf neu zu überdenken.

Du wirst in diesem Forum keine Zustimmung erhalten,welches dein "Vorhaben" relativiert. Was du machst bleibt letztendlich deine Entscheidung und auch mit den Konsequenzen musst DU leben!

Betrügen tust du sie jetzt schon, weil du es bereits darauf anlegst mit deiner Bekannten tiefere Emotionen auszutauschen. Ein Spiel mit dem Feuer!

23.01.2014 15:49 • #9


Pauke


Raupe, was für ein toller Text! Danke!

23.01.2014 19:37 • #10


Tia


Hallo Martin,
Ich gehe mal auf die zwei Punkte ein, die du als mögliche Ursachen siehst.
Du schreibst, du befürchtest, etwas verpasst zu haben. Es ist durchaus möglich, das andere Menschen mehr belanglose S.Erfahrungen gesammelt haben, als du. Aber weißt du, was die meisten Menschen im Gegensatz zu dir verpassen? Das sie zum ersten mal in eine richtige Beziehung stolpern, und es tatsächlich paßt! Meine Güte, das wäre doch ein 6er im Lotto!
Also sollte es wirklich so sein, dass du sie wirklich liebst und du nicht einfach aus Angst, sie zu verlieren, bei ihr bleibst, würde ich mir das an deiner Stelle sehr genau vor Augen führen, denn in dem Punkt könntest du vielen von uns etwas ganz entscheidendes voraus haben.
Mal ehrlich; glaubst du nicht, das viele sich genau das wünschen?

Du mußt da echt noch mal in dich gehen. Wenn sie dir im Endeffekt doch nicht soo wahnsinnig wichtig ist und du dich dafür entscheidest, dir lieber die Hörner abzustossen, so sag ihr das aber bitte. Wirklich, es ist ein richtiges Sch-Gefühl, betrogen zu werden. Es gibt kaum etwas demütigenderes, weil du damit wirklich jeden Tag der letzten 2,5 Jahre in Frage stellst und mit Füßen trittst.

Als zweiten Punkt hast du genannt, dass dich der Reiz des anderen lockt. Klar, ist ja auch spannend. Allerdings mußt du dir vor Augen führen, dass ihre Lockerheit nicht dauerhaft ansteckend ist. Du bist wie du bist, und jeder kann nur mit den Karten spielen, die er bekommt. Wenn du eine grüblerische Person bist, dann bist du halt so. Dann fühlst du dich vielleicht über die erste Verliebtheit hinweg auch etwas lockerer, aber was glaubst du, was einer grüblerischen Person danach blüht? Wenn sie sich vorwerfen muss, fremdgegangen zu sein? Wenn sie sich vorwerfen muss, die Person die sie liebt, betrogen, hintergangen und verletzt zu haben? Wenn sie sich vorwerfen muss, alles mit Füßen getreten zu haben?
Ich glaube, das wird mit Lockerheit nachher rein gar nichts mehr zu tun haben, eher im Gegenteil.
Ich glaube auch gar nicht, dass du die Lockerheit der anderen so spannend findest. Ich glaube, du steigst auf diese Lockerheit ein und geniesst sie an dir selbst, weil du dich neu entdeckst und dir die Seite an dir gefällt. Warum auch nicht, ist ne tolle Eigenschaft. Kann ich selbst nur beneiden. Aber dieser Charakterzug läßt sich nicht implantieren indem man sich mit solchen Leuten umgibt. Dazu mußt du selbst mal hier und da über deinen Schatten springen, Dinge tun, die du sonst nicht tun würdest (möglichst ohne jemanden dabei zu verletzen), einfach mal machen, statt vorher drüber nachgrübeln.

Du erwähnst noch, dass du dich schuldig fühlst, weil du an andere Frauen denkst. Ich finde, da darfst du mal die Kirche im Dorf lassen. Ich glaube, ich kenne niemanden, der sich nicht mal den S. mit einer anderen Person ausmalt. In dem Punkt hättest du dich gar nicht so ernst nehmen müssen.
Etwas anderes ist es dagegen, dich tatsächlich schon mit einer Frau in Verbindung zu setzen und auf den großen Showdown zuzuarbeiten. Ganz ehrlich: wäre ich deine Freundin und ich würde die SMS entdecken, du könntest direkt mal mit deinen Grübeleien beginnen, ich würde dir Stoff geben!
Ich will dir damit sagen, dass es jetzt Zeit ist, die Notbremse zu ziehen, nicht erst irgendwann in einer schwammigen Zukunft, wenn deine Freundin das Land verläßt.

Darf ich dir eine Hausaufgabe geben? Ich bin der Meinung, dass es zB in einem Chat oder per SMS ziemlich einfach ist, sich locker zu unterhalten. Lass doch mal für 1-2 Wochen die SMS an den potentiellen Seitensprung aus und schreib stattdessen an deine Freundin. Flirte sie leicht an, schau, wie sie reagiert. Vielleicht freut sie sich riesig und hat Spaß dran. Vielleicht findest du bei ihr dadurch etwas, was dir vorher -wenn auch unbewußt- gefehlt hat. Und vielleicht bekommt auch sie mehr Lockerheit, weil sie glücklich ist, von dir begehrt zu werden.
Aber, wie gesagt, mach das bitte nur, wenn du es ehrlich mit ihr meinst.

24.01.2014 00:24 • #11


Love_Hurts


Ein sehr guter Text Tia! Ich stimme dir da voll zu!

Aber das Problem wird sein, ob ein Mensch, der gewisse Erfahrungen noch nicht gemacht hat, es auch so spüren kann, wie du es geschrieben hast. Ich sehe heute auch vieles anders - eben auch durch die Erfahrungen. Treue und Aufrichtigkeit zum Partner empfinde ich als schwierig, wenn es nicht aus tiefster Überzeugung und Liebe geschieht und der "Drang" einem immer um den Kopf schwirrt.

Zitat von Raupe:
Alles in allem eine ziemlich explosive Mischung, wenn man bedenkt, dass der Mensch biologisch auf möglichst starke Durchmischung und Verbreitung seiner Gene ausgerichtet ist und damit die Realität allzu oft mit dem Anspruch kollidiert.


Alles auf die Gene zu schieben kann auch eine schöne Ausrede sein. Warum sind dann nicht alle Lebewesen so, wenn die "Natur" es doch so möchte? Es gibt viele Tierarten die monogam sind. Warum sind diese dann gegen die Natur? In der Natur gibt es alles. Und den wahren Sinn kann der Mensch nicht begreifen, auch wenn es viele Wissenschaftler gerne so verkaufen.

Vielleicht ist es auch ein Entwicklungsprozess in unserem Leben. Ab wann ist man überhaupt für eine monogame Beziehung fähig? Also in dem Sinne wie viele es hier verstehen. Ist es für junge Menschen vielleicht zuviel verlangt, sie in irgendein Korsett zu stecken? Jeder Mensch fängt irgendwie von Null an und soll am besten schon alle moralischen Vorstellungen leben können. Wie soll man feststellen was richtig für einen ist, wenn man seine eigenen Erfahrungen bremst? Es ist alles nicht so einfach.

Es kommt auf jeden selbst an, wie er sein Leben leben möchte. Aber ein Partner darf nicht verletzt werden. Es ist eine Gemeinschaft, die beide gewollt haben und die auch Verantwortung verlangt. Das Problem bei sehr vielen ist, dass über s.uelle Wünsche und persönliche Grenzen nicht offen und ehrlich gesprochen wird. Welchen Sinn macht dann die PARTNERSCHAFT, wenn nicht über sich und uns gesprochen werden kann? Da kann man einigen jungen Menschen auch erstmal keinen großen Vorwurf machen, weil sie es oft auch vorgelebt bekommen haben. Aber jeder hat die Chance aus diesem Muster auszubrechen. Also Martin überlege genau, was du möchtest. Betrug ist keine Lösung, damit wirst du deine jetzige Beziehung kaputt machen.

Martin... es kann auch Hilfreich sein, sich vor Augen zu halten, wie es für dich wäre, wenn deine Freundin die selben Gedanken hätte wie du jetzt. Wie würdest du dich dabei fühlen? Wäre es ok für dich, wenn sie mit einen ehemaligen Bekannten S. hätte, damit sie im Leben nur nichts "verpasst"? Würdest du die Beziehung mit deiner Freundin dann noch haben wollen? Wenn du es nicht möchtest, warum sollte deine Freundin dieses Leid dann ertragen müssen?

Partnerschaft = Ehrlichkeit und Vertrauen. Kannst du es nicht, dann macht es Sinn die Beziehung zu beenden und du kannst dein Leben leben, ohne was zu "verpassen".

24.01.2014 12:41 • #12


Raupe


Vielen Dank für die Rückmeldung, Pauke, das freut mich


Hallo Love_Hurts,

Zitat von Love_Hurts:
Alles auf die Gene zu schieben kann auch eine schöne Ausrede sein. Warum sind dann nicht alle Lebewesen so, wenn die "Natur" es doch so möchte? Es gibt viele Tierarten die monogam sind. Warum sind diese dann gegen die Natur?


Auch im Tierreich ist Monogamie eher selten, wenn handelt es sich meist um Tiere die auch nur für einen Zyklus von Fortpflanzung und Aufzucht der Jungen zusammenbleiben. Interessanterweise ist auch hier die Quote der "Fremdgeher" immens hoch. Lebenslang monogame Tiere gibt es auch, aber nur selten. Polyamore Tierarten sind übrigens auch eher selten, soweit ich weiß, aber promiske gibt es massenweise. Säugetierarten, zu denen bekanntlich biologisch gesehen auch der Mensch gehört, leben nur zu etwa 4% monogam. Das ist die Natur und keine Ausrede.

Ausreden für mieses Verhalten gibt es wie Sand am Meer. Leute, die sich mies verhalten, werden sich auch nicht zu schade sein, die Natur für ihre Zwecke zu verdrehen und zu missbrauchen. Nichtsdestotrotz bleiben diese Dinge dennoch real. Egal wie man moralisch darüber denkt, Fakt ist nun einmal, dass die Menschheit sich so gut wie nie an ihr eigenes Ideal eines einzigen Se.ualpartners im Leben hält; tatsächlich ist Fremdgehen bzw. serielle Monogamie in quasi allen aktuellen und vergangenen Kulturen ein weit verbreitetes Phänomen. Alles kranke A-löcher? Oder sind Menschen einfach so? Mir geht es nicht darum, das Fremdgehen als solches zu beschönigen, sondern vielmehr dieser grundlegenden Problematik Rechnung zu tragen. Die Alternative zum Fremdgehen kann meiner Meinung nach nicht das strengere Beschränken eigener Wünsche sein - ich präferiere das gemeinsame vertrauensvolle Erarbeiten individueller Partnerschaftsmodelle, um zwischen Liebenden den Handlungsspielraum auf mehr als die üblichen Lösungen "Verzicht" oder "Betrug" zu erweitern.

Zitat von Love_Hurts:
Es ist eine Gemeinschaft, die beide gewollt haben und die auch Verantwortung verlangt. Das Problem bei sehr vielen ist, dass über s.uelle Wünsche und persönliche Grenzen nicht offen und ehrlich gesprochen wird. Welchen Sinn macht dann die PARTNERSCHAFT, wenn nicht über sich und uns gesprochen werden kann?


Ja, da bin ich ganz bei dir. Aber versuch mal, in einer klassisch monogamen Beziehung über solche Wünsche zu sprechen, allein damit handeln sich die meisten schon eine handfeste Krise ein. Das Tabu ist einfach zu groß, und zwingt die Menschen in schreckliche Dilemmas.

Genug gepredigt. Martin, hast du für dich schon eine Tendenz herausgefunden, in welche Richtung du dich verhalten möchtest?

24.01.2014 21:22 • x 1 #13


Martin90


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Noch einmal vielen vielen Dank für eure ganzen Kommentare!

Über die Tage konnte ich leider nicht schreiben, da ich wie jedes Wochenende mit meiner Freundin zusammen war.

Zitat:
Darf ich dir eine Hausaufgabe geben?


Zu der Hausaufgabe kann ich sagen, dass ich den Kontakt zu der "Bekannten" komplett abgebrochen habe und in dieser Hinischt auch standhaft sein will. Gedanken kann man nicht so einfach abstellen, aber ich fühle mich jetzt trotzdem schon deutlich besser!
Zu den "Flirts" mit meiner Freundin kann ich nur sagen, dass ich das eigentlich schon immer mache, seit wir zusammen sind. Wenn sie nicht bei mir bzw. ich bei ihr bin (wir wohnen noch nicht zusammen), sind wir trotzdem immer im SMS-Kontakt und da schreiben wir uns auch öfter nicht nur alltägliche Dinge .

Wie ich schon gesagt habe hänge ich ganz arg an meiner Freundin und will sie auch nicht verlieren.
Im Moment beschäftigen und belasten mich viele Dinge die nichts mit der Beziehung zu tun habe (Arbeit, Studium, etc.) und ich kann mir vorstellen, dass es eventuell auch daran liegt, dass die ganze Geschichte so "eskaliert" ist.

Zitat:
Martin... es kann auch Hilfreich sein, sich vor Augen zu halten, wie es für dich wäre, wenn deine Freundin die selben Gedanken hätte wie du jetzt. Wie würdest du dich dabei fühlen? Wäre es ok für dich, wenn sie mit einen ehemaligen Bekannten S. hätte, damit sie im Leben nur nichts "verpasst"? Würdest du die Beziehung mit deiner Freundin dann noch haben wollen? Wenn du es nicht möchtest, warum sollte deine Freundin dieses Leid dann ertragen müssen?


Meistens, wie auch jetzt gerade, bin ich nicht von dem Gedanken an "S. mit einer anderen" "bessessen". In diesen Momenten kann ich es mir dann auch nicht vorstellen, dass das für mich auf lange Zeit funktionieren würde. Dass ich ihr weh tun würde ist mir klar und deswegen schreib ich das ganze hier ja auch, ich will ihr das auf gar keinen Fall antun.

Ich will versuchen, das ganze in den Hintergrund zu schieben und hoffen, dass es mit der Zeit besser wird und das nur eine art "Phase" ist, die eventuell auch mit anderen Dingen die aktuell in meinem Leben passieren zusammenhängt.
Mit ihr darüber reden kann beziehungsweise will ich nicht. Ich bin da Raupes Meinung, meine Freundin könnte "monogamer" nicht sein und ich bin mir sicher, dass eine Krise, wenn nicht schlimmeres, die Folge wäre. Ich weiß, dass ich sie nicht verlieren will und ich glaube, dass es aus diesem Grund und in diesem Fall nicht unbedingt das Beste wäre das ganze mit ihr zu besprechen. Es würde ihr doch nur unnötig Kummer bereiten und das will ich auf jedenfall vermeiden. Ich weiß nicht wie ihr das helfen würde...

27.01.2014 12:35 • #14


Love_Hurts


Hallo Matin, schön dass du nochmal ein gutes Statement hier abgegeben hast.

Zitat von Martin90:
Mit ihr darüber reden kann beziehungsweise will ich nicht. Ich bin da Raupes Meinung, meine Freundin könnte "monogamer" nicht sein und ich bin mir sicher, dass eine Krise, wenn nicht schlimmeres, die Folge wäre.

Wenn es auf mich bezogen war, dann möchte ich mein Statement richtig stellen.

Also diese Geschichte mit deiner Bekannten, würde ich deiner Freundin auch nicht erzählen. Ich wüsste auch nicht, was es bringen sollte. Es gibt wohl gewisse Dinge, die man mit sich selbst oder (wie hier) mit Außenstehenden bearbeiten sollte. Reden würde ich über Dinge, die dir vielleicht in der Beziehung fehlt. Und DAS meinte ich. Über Vorstellungen und Wünsche, damit du auch sehen kannst, dass du vieles nicht woanders zu suchen brauchst.

27.01.2014 12:48 • x 1 #15




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