Lena737800
Gast
Ich bin 39, habe eine langjährige Ehe hinter mir.
Ich bin Beziehungserfahren. Eine Frau, die mitten im Leben steht. Alles alleine meistert. Nach außen wirkt es, als würde ich niemanden brauchen. Aber das stimmt nicht.
Meine Hürden sind enorm und meine Kraft ist zu klein, um sie zu meistern. Aber ich meistere sie. Tag für Tag. Aber ich bin einsam. Ich bin traurig, ich bin leer.
Ich fühle mich wie innerlich tot.
Oft habe ich schon darüber nachgedacht einfach zu gehen. Es wäre so einfach und dann wäre der Schmerz weg.
Aber das geht nicht.
Ich trage Verantwortung und stelle mich dieser. Tag für Tag.
Ich werde gebraucht.
Ich muss funktionieren.
Und ich funktioniere.
Ich atme - und sollte dankbar dafür sein. Aber ich kann nicht.
Das Leben hat er es gut mit mir gemeint. Ich sehe passabel aus, bin gesund. Finanziell komme ich zurecht. Mir fehlt es an nichts.
Und doch.
Mit fehlt was.
Mir fehlt liebe.
Ich habe nie welche bekommen.
Die fehlende liebe wurde immer mit materiellem kompensiert.
Bis heute.
Ich habe nie gelernt etwas anzunehmen. Ich bin so aufgewachsen, nie etwas ohne schlechtem Gewissen zu bekommen.
Menschen die ich in mein Herz lasse, kann ich nicht mehr loslassen.
Das hat soweit geführt, dass ich Menschen einfach nicht mehr reinlasse.
Beruflich hatte ich Glück, aber irgendwie auch Pech.
Ich habe früh gelernt mir meine fehlende liebe im ausgehen und ONS zu suchen.
Die Schule hat natürlich darunter gelitten. Demnach habe ich weder Abitur noch ein Studium.
Meine Lehre habe ich gerade so geschafft. Nur um eine zu haben.
Als Quereinsteiger hatte ich Glück. Ich fand durch Zufall zu meiner Berufung.
Mein Selbstwertgefühl war schon immer klein, also tat ich das, was mein Umfeld von mir erwartete.
Ich wechselte innerhalb der Firma in einen bodenständigeren Job.
Weg von meiner Berufung.
Ich wurde erfolgreich.
Ohne Abi, ohne Studium.
Aber ich war unglücklich.
12 Jahre lang.
Irgendwann kam die Chance, zurück zu gehen.
Innerhalb der Firma.
Zurück zu meiner Berufung.
Ich konnte mein Glück greifen und tat es.
Verzichtete auf eine sehr hohe Abfindung, nur um zurück zu meinem Traumberuf zu kommen.
Zu der Zeit war ich der glücklichste Mensch der Welt.
Zeitgleich kamst du.
Meine Welt war perfekt.
Es war nur ein halbes Jahr.
Ein halbes Jahr zurück in meinem Job, ein halbes Jahr an deiner Seite.
Dann brach alles zusammen.
Eine Insolvenz zerstörte alles.
Du gingst auch.
Ich habe gelitten, gekämpft, geweint.
Monate lang.
Einen neuen Job habe ich.
Ich sollte dankbar sein und bin es auch. Ich habe in einer anderen Firma eine Chance bekommen und kann meine Rechnungen bezahlen.
Aber du bist weg.
In den Armen einer anderen Frau.
Ich habe es nie überwunden.
Ein Jahr habe ich dich nun nicht mehr gehört oder gesehen.
Ein Jahr lang.
Und dennoch bist du jeden Tag in meinen Gedanken.
Unsere Trennung war sehr unschön.
Du konntest einfach weiter machen und ich bin stehen geblieben.
Ich blicke zurück und frage mich immer und immer wieder.
Was hast du in mir angerichtet?
Wie hast du es geschafft mein Herz innerhalb kürzester Zeit so zu öffnen?
Du bist so ein toller Mann, du wärst es für mich gewesen.
Kein Mensch kann dir nur annähernd das Wasser reichen.
Ich war für dich nie auch nur annähernd das, wie du für mich.
Ich weiß es.
Ich habe es verstanden.
Und dennoch.
Du hast mich geöffnet um mich dann fallenzulassen.
Mein Umfeld motzt mit mir.
Sie sagen es sei nicht normal, so lange um einen Menschen zu trauern, an dessen Seite ich nur 6 Monate war.
Und sie haben recht.
Aber ich kann es nicht abstellen.
Kontakt ist null.
Du liebst sie, lebst mit ihr zusammen und bist glücklich.
Ich bleibe auf der Strecke.
Ich kämpfe.
Gehe aus.
Beim Tanzen merke ich, wie mir leise, stille Tränen über die Wangen laufen.
Aber ich tanze weiter.
Ich gebe nicht auf.
Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat. Jahr für Jahr.
Ich wünsche mir, dich nie wieder sehen zu müssen.
Ich meide nach wie vor Orte, wo es passieren könnte. Aber ich möchte so gerne da raus. Ich will frei sein. Frei von Schmerz.
Ich möchte lieben und geliebt werden.
So wie du sie liebst.
Aber das geht nicht.
So lange du mich nicht frei gibst.
Was kann ich tun, damit du mein Herz verlässt?
Es war doch nur ein halbes Jahr.
