21

Ehe zu Ende? Erst eine Affäre, jetzt Cybersex-Sucht

S

Speedy85
Mitglied

Beiträge:
3
Themen:
1
Danke erhalten:
6
Mitglied seit:
Hallo zusammen,
ich habe hier auch schon letztes Jahr viel mitgelesen und versucht, die gefundenen Ratschläge für Personen in einer ähnlichen Situation für mich zu adaptieren. Doch jetzt ist die Situation hier zu Hause unerträglich geworden und ich möchte nicht wieder „einknicken“, nicht wieder auf meinen Mann zugehen, weil ich es einfach nicht aushalte. Deshalb schreibe ich hier in der Hoffnung, dass Ihr mir helfen könnt, das Richtige zu tun.
Zu unserer Situation: wir sind seit zehn Jahren zusammen, seit vier Jahren verheiratet, und haben schulpflichtige Kinder. Vor circa zwei Jahren geriet unsere Ehe in eine spürbare Schieflage, wir haben uns beide nicht mehr genügend gewertschätzt und uns im Alltag mit Kindern, Jobs und Hausrenovierung immer mehr verloren. Leider ist mein Mann kein sonderlich emotionaler Mensch und er kann überhaupt nicht über Gefühle reden. Vielleicht ist er auch einfach nicht in der Lage, alle Gefühle in der Tiefe und Breite nachzuvollziehen. Jedenfalls habe ich immer wieder versucht, Gespräche mit ihm zu suchen, die jedoch nie auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Und während ich Anfang 2025 (auch berufsbedingt) immer weiter in Richtung Burnout gelaufen bin, hat mein Mann mit einer Arbeitskollegin eine Affäre angefangen. Das hätte ich ihm im Leben nicht zugetraut. Und so fiel ich aus allen Wolken, als die Affäre Ende Mai 2025 aufflog. Er entschied sich dann, dass er die Affäre beenden wolle und ich war glücklich, dass wir noch eine Chance hatten. Wir sprachen sehr offen über alles, was uns gefehlt hat und wie wir in die Situation kommen konnten. Doch die Hoffnung hielt nur wenige Wochen und dann eröffnete er mir, dass er sich nun doch für seine Affäre entscheidet, die inzwischen 250 km weit weg gezogen war. Ich fühlt mich, wie zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit von einer Dampfwalze überrollt. Ich drängte darauf, dass er dann aus unserem gemeinsamen Haus ausziehen sollte. Dank Homeoffice kann er ja auch von seiner Affäre aus arbeiten. Aus vorgeschobenen Gründen blieb er jedoch bei uns wohnen und weigerte sich zu gehen. An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass ich den Kindern noch nichts von der Trennung erzählt hatte. Ich wollte warten, bis wir Nägel mit Köpfen gemacht hatten. Doch die Nägel mit Köpfen kamen nicht. Den Kindern zu Liebe fuhren wir noch einmal gemeinsam in den Urlaub und ich machte die ganze Zeit gute Miene zum bösen Spiel. Nach dem Urlaub entschied sich mein Mann im Herbst letzten Jahres, dass er nun doch bei mir bleiben und um unsere Ehe kämpfen wollte. Seine Affäre würden ihm nichts mehr bedeuten. Ob ich das auch wollte, stand nicht zur Diskussion. Ehrlicherweise habe ich mich aber auch nicht wirklich gewährt gegen seinen Entschluss. Ich war der festen Überzeugung, dass wir zumindest eine Chance hätten, wenn wir an der Beziehung arbeiten würden und er sich richtig in Zeug legen würde, um sich mein Vertrauen zurückzuverdienen.
Was dann dieses Jahr passierte, fasse ich einfach mal zusammen, um diesen Beitrag nicht ewig lang zu machen: wir begannen eine Paartherapie, aber mein Mann ging allen Gesprächen über Gefühle und das Vergangene aus dem Weg. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich mit all dem seelischen Balast allein zurechtkommen müsste. Es stellte sich heraus, dass er das ganze Frühjahr immer wieder Kontakt zu seiner Affäre hatte (per WhatsApp oder Telefon). Angeblich nur, weil sie ihm so leid tat. Tatsächlich war er aber derjenige, der immer wieder den Kontakt gesucht hat, nicht sie. Zudem fand ich heraus, dass er sich auf irgendwelchen Seiten herum trieb, auf denen es eindeutig um den Austausch auf sexueller Ebene ging. Und jedes Mal wieder beteuerte er, wie leid ihm das alles tue und dass es nicht wieder vorkommen würde. Er werde das mit seiner Therapeutin besprechen und daran arbeiten. Ich habe das alles nicht verdient, und so weiter. Tatsächlich geht er seit einem Jahr zur Therapie. Allerdings scheinen sie dort nur über Oberflächliches zu sprechen.
Jedenfalls habe ich in dieser Woche wieder entdeckt, dass er sich neue Kommunikationswege zu anderen Frauen gesucht hat. Und nun fiel es mir endlich wie Schuppen von den Augen. Seine Lügen, all die anderen Frauen, das ist nichts, was erst mit seiner Affäre in unsere Beziehung kam. Und tatsächlich gab er es nun auch endlich zu: Sein ganzes Erwachsenenleben schon sucht er immer wieder Kontakt im Internet zu anderen Frauen, immer wenn es zu stressig ist oder der Druck auf ihn zu groß wird. Dann ist das sein Ventil. Das habe alles gar nichts mit mir zu tun.
Ich bin so verletzt, so traurig. Ich habe einen Mann geheiratet, den ich scheinbar gar nicht wirklich kannte. Er hat mich all die Jahre belogen und betrogen. Ich komme mir so dumm vor, dass ich es nicht gesehen habe, dass ich ihm immer wieder verzeihen wollte, dass ich immer wieder das Gespräch mit ihm gesucht habe.

• x 4 #1


A


Ehe zu Ende? Erst eine Affäre, jetzt Cybersex-Sucht

x 3


Luto
Zitat von Speedy85:
Sein ganzes Erwachsenenleben schon sucht er immer wieder Kontakt im Internet zu anderen Frauen, immer wenn es zu stressig ist oder der Druck auf ihn zu groß wird. Dann ist das sein Ventil. Das habe alles gar nichts mit mir zu tun.

Dann ist er eigentlich nicht so geeignet für monogame Beziehungen, was ja vorkommen kann, aber er ist wohl auch nicht so reflektiert oder ehrlich, so dass er es offen auf den Tisch legt ... vermutlich braucht er beides, die Geborgenheit einer Paarbeziehung, aber auch dann immer wieder den besonderen Kick...


Zitat von Speedy85:
Ich komme mir so dumm vor, dass ich es nicht gesehen habe

Du hättest es vermutlich sehen können ... aber schwierig, das so von außen einzuschätzen.

• x 1 #2


Ouabain
Zitat von Speedy85:
Ich komme mir so dumm vor, dass ich es nicht gesehen habe, dass ich ihm immer wieder verzeihen wollte, dass ich immer wieder das Gespräch mit ihm gesucht habe.

Mach Dir keine Vorwürfe. Ohne Vertrauen ist alles nichts in einer Beziehung. Es ist nicht Deine Schuld, wenn jemand das ausnutzt, um Dich zu betrügen.
Zitat von Speedy85:
ich möchte nicht wieder „einknicken“, nicht wieder auf meinen Mann zugehen, weil ich es einfach nicht aushalte.
Was ist jetzt Deine Idee? Hast Du erneut die Trennung ausgesprochen?

• x 2 #3


aequum
Zitat von Speedy85:
Er hat mich all die Jahre belogen und betrogen. Ich komme mir so dumm vor, dass ich es nicht gesehen habe,

Du bist auf einen Mann reingefallen der es perfekt beherrscht seine wahre Persönlichkeit nach außen zu verbergen. Entweder ist er ein Blender oder im krassensdem Fall ein Mensch mit zwei Persönlichkeiten, z.B. wie Jakyll and Hyde halt nur anders.

Egal ob es sich tatsächlich um eine Sexsucht oder um einen ungezügelten Sextrieb handelt. Beides ist, wenn überhaupt, nur schwer thrapierbar. Außerdem würde es wenn überhaupt Jahre brauchen, um einen echten Erfolg zu erzielen.

Also bitte sehe es möglichst realistisch. Dieser Mann ist definitiv nicht für eine monogame Beziehung geeignet.

• x 2 #4


B
Ui. Das ist hart. Du hast da wirklich schon viel durch. Ich glaube, wenn er das schon immer macht, als Ventil, zum kompensieren..was auch immer...Dann wird es schwer oder sogar unmöglich, ihm das "abzugewöhnen ". Und vor allem willst du das? Willst du mit so Jemanden zusammen sein? Der die Bestätigung immer und immer wieder braucht? Der dich anlügt und betrügt?

Es wird sich nichts ändern. Und so hart es klingt, zieh die Trennung durch. Verarbeite alles, gib dir ganz viel Zeit. Und irgendwann wird es dir besser gehen. Und du wirst bestimmt Jemanden finden, der sich schätzt und liebt, wie du es verdient hast.

• x 5 #5


Arnika
Oje, tut mir leid für dich. Eines der beiden könnte man wohl noch verzeihen, aber beides ist mE zu viel. Weil das ist kein „Ich hab mich verliebt“, was wohl jedem passieren kann, sondern ein „Stressbewältigungsmuster.“ Ich glaub ihm sogar, dass das für ihn gut funktioniert, aber damit könnt zumindest ich nicht leben. Dann gehts 1-2 Jahre gut, und dann fängt wegen irgendwelcher Herausforderungen das Spiel von neuem an.

Geh in dich und blicke in die Zukunft, willst du wirklich ein Leben mit ewigen Damoklesschwert führen? Da hast du besseres verdient. Alles Gute!

• x 2 #6


S
Hallo zusammen,
vielen Dank für Eure verständnisvollen Worte. Ich glaube, das ist genau die Art von Zuspruch, den ich im Moment brauche, um nicht wieder „rückfällig“ zu werden, um nicht wieder in diesen ewigen Kreislauf aus „es tut mir leid“ und dem Geben einer weiteren Chance hinein zu rutschen. Die Erkenntnis, dass er schon immer den Kontakt zu anderen Frauen gesucht hat, war ein echter Game Changer. Einerseits bringt es mir die Erklärung, warum er mir das wieder und wieder antut, obwohl er beteuert, wie sehr er mich liebt und keinesfalls unser gemeinsames Leben aufgeben möchte. Andererseits führt es mir die Ausweglosigkeit unserer Situation vor Augen. Wenn er es in einem Jahr persönlicher Therapie nicht schafft, sich diesem Thema zu stellen, und auch in der Paartherapie einfach nicht mit offenen Karten gespielt hat, dann gibt es wohl einfach keine Hoffnung. Es ist eben nicht nur eine Phase, sondern ein Teil seiner Persönlichkeit. Das zu akzeptieren fällt so schwer. Ich fühle mich so leer und traurig.
Die Trennung habe ich vor einer Woche ausgesprochen. Seither schlafen wir in getrennten Räumen und gehen uns bestmöglich aus dem Weg. Im letzten Jahr hat er mir versichert, dass er gehen würde, sollte er mir noch einmal so etwas antun, damit die Kinder ihr zuhause nicht verlieren. Ich bin gespannt, ob er es tut.

• x 1 #7


E
Ja, es ist ein Teil seiner Persönlichkeit, leider verdeckt und nicht ehrlich mitgeteilt. Würdest du so einen Mann nehmen?

Stünde jetzt ein Mann vor dir, der ansonsten zu dir passt und würde dir erzählen, dass er Kontakt zu anderen Frauen sucht, immer wenn es holprig wird, würdest du dich auf ihn einlassen?

Eine Beziehung ist nicht "gegeben", man kann hinterfragen, ob man es möchte, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern.

Und noch eine Ergänzung dazu, davon auszugehen, dass der andere an seine Problemen arbeitet und sie in den Griff kriegt, ist sehr riskant. Abgesehen davon, dass dein Ehemann es nicht mal möchte.

Nach der Offenlegung eines solchen Verhaltens wird das Fehlen von Konsequenzen als akzeptieren interpretiert. Du weißt es jetzt und wenn du dennoch in der Beziehung bleibst, bedeutet wahrscheinlich für dich, dass du das duldest.

• x 2 #8


S
Du hast so recht mit Deinen Worten, danke Ella!
So einen Mann würde ich nicht wählen, wenn ich es gewusst hätte. Das Gemeine ist, dass wir zu Beginn unserer Beziehung und auch vor der Hochzeit noch einmal unsere moralischen Standards miteinander abgeglichen haben. Ich hatte das Thema Untreue schon in der vorherigen Beziehung und mein Mann war so emphatisch, als wir darüber gesprochen haben und stimmte vollumfänglich zu, dass es ein No Go ist, selbst wenn es „nur“ Online-Kontakte sind.

• x 1 #9


Löwenzeh
Zitat von Speedy85:
Dann ist das sein Ventil. Das habe alles gar nichts mit mir zu tun.

Nun, selbst wenn es im Ursprung nichts mit dir zu tun hat:
Es betrifft dich.
Darum geht es, nicht darum, warum er sich scheize verhält.


Zitat von Speedy85:
An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass ich den Kindern noch nichts von der Trennung erzählt hatte. Ich wollte warten, bis wir Nägel mit Köpfen gemacht hatten.

Da ist der Weg.
Warte nicht auf die Nägel, schnapp dir einen Hammer.
Wenn's darauf ankommt, stehst du alleine da. War es je anders?

Ob drohender Burnout oder Trennung: wenn's hart auf hart kommt, ziehst du denn Karren aus dem Dreck.

Wenn du eh allein ziehst -
schubs den Ballast vom Beifahrersitz.

Übernimm die Verantwortung für dich selbst, deine Kinder brauchen dich noch ein Leben lang -
und zwar fit und glücklich.

Zeige ihnen, dass im Leben alles endlich ist; das ist nunmal so.
Zeige ihnen, wie man große Veränderungen angeht, um wieder glücklich zu werden.
Zeige ihnen, dass sich Menschen trennen können, wenn sie einander nicht gut tun.

Diese Lektionen sind allesamt soviel besser, als dass, was sie lernen, wenn du bleibst:
Lass dich schlecht behandeln.
Lass dich betrügen.
Belügen. Verar.s.chen.
Hauptsache verheiratet.

Wähle deine Abzweigung.

• x 1 #10


aequum
Zitat von Speedy85:
Es ist eben nicht nur eine Phase, sondern ein Teil seiner Persönlichkeit. Das zu akzeptieren fällt so schwer. Ich fühle mich so leer und traurig.

Ja, es ist wirklich schwer zu akzeptieren einfach weil es für einen selbst so unvorstellbar ist. Allein die Erkenntnis darüber das es ein großer Anteil seiner Persönlichkeit ist und man es nicht erkannt hat, muss extrem schmerzhaft sein.
Zitat von Speedy85:
Im letzten Jahr hat er mir versichert, dass er gehen würde, sollte er mir noch einmal so etwas antun, damit die Kinder ihr zuhause nicht verlieren. Ich bin gespannt, ob er es tut.

Verlassen dich nicht auf das was er dir sagt oder verbal verspricht, denn darauf wirst du dich nicht verlassen können.

Sichere alle Dokumente von Wichtigkeit, zumindest in Form von Kopien. Eigentum, Spareinlagen, seine Gehaltsnachweise, sowie seine Rentenpunkte.

Gehe mit diesen Unterlagen zu einen guten Fachanwalt für Familienrecht und lass dich rechtlich beraten.

Unterzeichne keine schriftlichen Vereinbarungen zwischen ihm und dir ohne dies vorab rechtlich prüfen zu lassen.

Bestehe auf alles das was dir und den Kindern rechtlich zusteht.

Ich wünsche dir viel Kraft um das alles in deinem Interesse für dich und für die Kinder durchstehen zu können.

• #11


B
Zitat von Speedy85:
Hallo zusammen, vielen Dank für Eure verständnisvollen Worte. Ich glaube, das ist genau die Art von Zuspruch, den ich im Moment brauche, um nicht ...

Ja. Es scheint wirklich nicht viel mit dir oder der Beziehung zu tun zu haben, mehr mit ihm.
Und wie du sagst, wenn er es nicht ändern kann oder will, dann ist das natürlich keine Rahmenbedingung mit der du leben magst, oder ?

• #12


A


x 4




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag