Zitat von Balu85: Ich persönlich bin ja der Ansicht
Ja klar. Deine persönliche Ansicht. In der Regel die Ansicht dessen, der zuvor nicht hauptbetreut hat.
Ich war auch zu Vollzeit gezwungen, während mein Ex nur zuverdient hat. Hab trotzdem meine Kinder bei mir im Residenzmodell. Weil ich schnell genug mein Leben kinderfreundlich umgebaut habe und zuvor jede einzelne Nacht gemacht habe.
Zitat von Balu85: In anderen europ. Ländern geht das ja auch
Andere Länder, andere Gesetze.
In Deutschland ist das WM noch nicht Standard.
Weil die Carearbeit in Deutschland immer noch ganz deutlich ungleich verteilt wird.
Andere Länder bieten eine andere Geschlechtergerechtigkeit.
Man kann ja nicht innerhalb der Ehe eine Rolle zuweisen/einnehmen und dann nach der Trennung so tun als sei alles ausgeglichen gewesen.
Das Wechselmodell ist bei uns noch nicht der Standard, weil geteilte Familienarbeit bzw. Übernahme der Carearbeit durch den Staat noch nicht Standard ist.
Den (meist) Müttern wird nach der Trennung erklärt, dass sie sich den Einkommensverlust ja selbst ausgesucht haben und keinerlei Anspruch auf nachehelichen Unterhalt haben, sondern eben von niedrigerer Position wieder beruflich neu aufbauen müssen.
Genauso kann man den (meist) Vätern sagen, dass sie sich die wenige Zeit mit den Kindern ja selbst ausgesucht haben und die Beziehung zu den Kindern erst langsam aufbauen müssen, bevor sie 50% bzw. "gleich viel" wie die Mutter haben können.
Am Ende geht es den Richtern aber tatsächlich ums Kind. Und wer selten präsent war, wird weniger vermisst als der, der den Alltag begleitet hat. Nach einer Trennung vermissen die Kinder vor allem, beide Eltern zusammen zu sehen. Da hilft aber das WM auch nichts.
Sonst könnten ja auch die Großeltern 50% fordern. Die werden auch vermisst, wenn sie mal im Haushalt gewohnt haben und dann ausgezogen sind.
Was mir bei vielen Vätern (nicht Atze!) auffällt, ist dass die Zeit mit den Kindern aktionsgetrieben angesehen wird. Zoo und Brettspiel toll, TV schlecht. Die Sichtweise der meisten Mütter (bei Atzes Ex sieht man jedoch wenig davon) ist eine ganz andere. Eine zugewandte, die emotionalen Bedürfnisse wahrnehmende und co-regulierende Haltung ist Qualitätszeit mit echter Erziehung und Betreuung, während das äußerliche Bespaßen nur Babysitting ist.
Ich finde es völlig richtig, dass die Personen, die sich schon vor der Trennung zeitlich mehr und inhaltlich intensiver mit den Kindern beschäftigt haben, diese auch nach der Trennung zeitlich mehr und emotional besser stützen können.
Wäre ich Richter, würde ich beim Termin die Eltern nach der aktuellen Schuhgröße der Kinder und dem Namen des aktuell besten Freunds fragen. Und danach die Residenz zuweisen oder das Wechselmodell.