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Eheversprechen gebrochen

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Karinchen
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Guten Abend,

ich habe mich vor einiger Zeit von meinem Mann getrennt, nach 19 Jahren Beziehung und 17 Jahren Ehe. Da sagte vor kurzem jemand zu mir, ich hätte mein Eheversprechen gebrochen. Das war keine Anklage, mehr eine Feststellung, was ja auch stimmt. Ich habe mein Versprechen gebrochen. Das lässt mir nun keine Ruhe mehr, und ich möchte hier mal meine Geschichte erzählen.

Früher war mein Mann ein ganz anderer Mensch. Ganz lieb und ein großes Herz. Mehr als jeder andere Mensch. Er hat nichts von mir gefordert. Mich so akzeptiert, wie ich bin. Ich konnte ihm alles anvertrauen. Er war für mich damals der sichere Hafen, und ich seiner. Eine Familie sein, dass war damals für uns das größte und wertvollste Geschenk, das wir uns gegenseitig machen konnten.

Er hatte auch seinen festen Platz in der Gesellschaft. Hat sich für die Kirche engagiert, Lesungen gehalten, sich um den Blumenschmuck gekümmert, war bei der Hausaufgabenhilfe für die Kinder der Gemeinde dabei, hat noch einmal angefangen, Klavier zu spielen, hat zwei Vereine gegründet und noch viel mehr getan, und das hat ihn alles sehr erfüllt.

Die standesamtliche und die kirchliche Trauung waren die beiden schönsten Tage meines Lebens. Wir hatten ein wunderschönes Hochzeitsfest, unsere Hochzeitsreise war wunderschön, und ich habe ganz lange Zeit noch davon gezehrt. Wir haben ein Kind zusammen bekommen. Ich war mir absolut sicher, das richtige zu tun.

Sein Job, den er hatte, und es war ein toller Job, wurde dann irgendwann auf einen Minijob reduziert, woraufhin er eine neue Arbeit angefangen hat, die ihn aber total überfordert hat. Schlechte Arbeitsbedingungen, schlechte Kollegen, er wurde zunehmend kraftloser und hat irgendwann alles hingeschmissen und Erwerbsminderungsrente beantragt.

Er hat eine Therapie begonnen, und seitdem war er nur noch in seiner schwierigen Vergangenheit unterwegs, hatte Alpträume, war ruhe- und rastlos, hat alle Lebensfreue verloren, ständig Konflikte mit anderen Menschen gehabt, und diese Unruhe brachte er immer wieder mit in die Familie. Die Therapie wurde irgendwann beendet, ohne dass es eine Besserung oder Heilung gab.

Irgendwann gab es nur noch ihn und die Menschen, mit denen er Probleme hatte. Er hat sich nur noch auf das Schlechte konzentriert, ständig geschimpft und Leute beschimpft und schlecht gemacht. Die ganze Welt um ihn herum war gefährlich. Es war, als ob er das Gute, also mich und unser Kind, unsere Familie, gar nicht mehr wahrnimmt und auch nicht mehr als wertvoll erachtet.

Er hat dann unsere Tochter immer mehr kontrolliert, war ständig präsent in der Kita und der Schule, wusste über alle Lehrer, Kinder und deren Elternhäuser Bescheid, und es war ihm nicht recht, dass unsere Tochter mit bestimmten Kindern befreundet war. Diese Kinder und auch deren Eltern wurden von ihm völlig zu unrecht in der Luft zerrissen. Das war für mich unerträglich.

Das war die Zeit, wo wir dann auch die ersten ernsthaften Konflikte miteinander bekamen. Ich habe mich dafür eingesetzt, dass unsere Tochter selbst entscheiden darf, mit wem sie befreundet sein möchte, und ihr auch den Kontakt ermöglicht, manchmal heimlich, manchmal offen gegen seinen Willen. Da hat er, glaube ich, einen ziemlichen inneren Groll auf mich bekommen.

Er bekam zusätzlich große gesundheitliche Probleme, und wurde immer unzufriedener und griesgrämiger. Hat sich nicht mehr engagiert, nichts mehr mit uns unternommen und saß den ganzen Tag mehr oder weniger im Sessel und hat auf sein Handy gestarrt. Er hat nicht mehr gegrüßt, sich nicht mehr gepflegt und immer mehr Verhaltensweisen an den Tag gelegt, die überhaupt nicht mehr mit meinen Werten übereinstimmten. Ich war richtig angewidert davon.

Es gab da schon längst keine Nähe mehr, auch keine körperliche Nähe. Das hat mich tief gedemütigt. Ich fühlte mich wie eine ungeliebte, wertlose und sehr hässlich Frau an seiner Seite. Alles war nur noch lieblos. Zum Geburtstag hat er nicht mal mehr gratuliert, an Weihnachten kam auch nichts mehr von ihm und an allen anderen 365 Tagen im Jahr sowieso nicht.

Den Haushalt habe ich zum großen Teil allein gemacht, obwohl war er den ganzen Tag zu Hause war und mich gut hätte unterstützen können. Ich habe so oft zu ihm gesagt, dass ich mich nur noch fühle wie sein Aschenputtel und dass ich irgendwann gehen werde, wenn ich die Nase voll habe. Daraufhin änderte er zwar sein Verhalten, aber immer war nach ein paar Tagen alles wieder beim Alten.

Jetzt komme ich zum Point of no Return: Unsere Tochter hatte auf der weiterführende Schule große Probleme und hat mit großen Ängsten darauf reagiert, die es ihr unmöglich gemacht haben, weiter zur Schule zu gehen. Und er war einfach nur unfassbar hart und hat darauf bestanden, dass sie weitermacht, ohne sie dabei im geringsten zu unterstützen. Damit hat er aber die Schulabstinenz und deren Folgen nur noch verschlimmert.

Wir haben dann richtig Ärger bekommen mit der Schule und dem Gesundheitsamt, waren auch bei der psychiatrischen Institutsambulanz, Ergotherapie, Jugendamt und mehreren Therapeuten, bzw. ich war alleine dort, und ich hatte richtig Angst, dass mein Kind in eine therapeutische Wohngruppe kommt. Es ging ihr verdammt schlecht. Mein Mann hat das alles nicht ernst genommen. Hat nichts getan, um zu helfen.

Für mich und auch alle Fachleute kam nur noch ein Schulwechsel in Frage, und auch meine Tochter hat den Wunsch geäußert. Also habe ich einen Schulwechsel veranlasst, gegen den Willen meines Mannes. Daraufhin hat er so asozial reagiert, dass ich die Trennung ausgesprochen habe. Er hat mich und mein Kind an unsere äußerste Grenze gebracht und nur an sich gedacht und sein Bedürfnis, dass sein Kind ein Elitegymnasium besucht.

Die Trennung hat er dann komplett ignoriert und so getan, als ob nichts wäre. Es gab auch keine Bemühungen, irgendetwas an der Situation bzw. der Trennung zu ändern. Ich habe mich dann eine Zeitlang voll und ganz auf meine Tochter konzentriert, damit der Schulwechsel gut läuft. Um mich selbst musste ich mich auch kümmern, weil während dieses ganzen Tohuwabohu auch noch meine Mutter starb.

Als ich an ihrem Sarg stand, ist mir eines klar geworden: Im Sarg bist du ganz allein. Da kommt niemand und sagt, wie toll von dir, dass du dein Eheversprechen gehalten hast. Du warst zwar jahrzehntelang unglücklich an der Seite deines Alk. Mannes und hast auf ein schönes Leben und die Erfüllung deiner Bedürfnisse, Wünsche und Träume verzichtet, aber hey, so ein Eheversprechen darf auf keinen Fall gebrochen werden.

Ich habe meine Mutter gesehen und gedacht: Dein halbes Leben war im Ar. wegen diesem Mann, der dir geschadet hat und den du nicht verlassen konntest, und du bekommst keine zweite Chance, zu leben. Da muss noch mehr sein, als unglücklich an der Seite eines Mannes auszuharren, der sich im Laufe der Zeit geändert hat, während du dich auch geändert hast und die Zeiten sich sowieso geändert haben und an all diesen Änderungen nichts mehr zu ändern ist.

Hätte ich damals gewusst, dass so etwas passieren kann, ich hätte nicht Ja gesagt.

Karinchen

x 7 #1


CanisaWuff
Jeder hat nur ein Leben und in diesem Leben hat auch jeder das Recht glücklich zu sein.

#2


A


Eheversprechen gebrochen

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Worrior
@Karinchen
Die trüben Gedanken bringen Dich nicht weiter.
Er war nicht mehr der Mann den du geheiratet hast, die Bedingungen haben sich geändert, du wurdest nicht gefragt.
Ja du hast nur dieses Leben und bevor es deiner Tochter genau so geht wie dir, am Sarg deiner Mutter, hast du eine Entscheidung getroffen, für Dich, für Deine Tochter.

Was interessiert es Dich was Andere dazu sagen?
Sie mussten nicht Deine Kämpfe überstehen, nicht die Demütigungen ertragen.
Die schlaflosen Nächte und der Morgen danach, wo Du trotzdem irgendwie weiter gemacht hast.
Sie wissen garnichts.
Bleibst Du, dann bist Du in ihren Augen schwach, gehst Du dann bist Du egoistisch.
Sie werden immer etwas finden.

Der alte Mann sagt Dir dass eine seiner größten Erkenntnisse war nicht mehr jedem zu erzählen was er macht, welche Ziele er noch hat.
Was sie nicht wissen können sie nicht schlecht reden, nicht beeinflussen, nicht berühren und somit auch nicht zerstören.

Sie haben kein Recht dazu über Dich zu urteilen und ihre Meinung hat nichts im Geringsten mit Deinem Wert zu tun.
Wofür brauchst Du ihr Urteil, es sind nur Worte, wo waren sie als Du gebrochen bist?

x 1 #3


F
Hallo,
naja, weißt Du, aber so wie Du das beschreibst hat er sich halt sehr verändert. Und wenn es dann so ist, dass Du auf der einen Seite deine Tochter begleiten und schützen möchtest und auf der anderen Seite das Eheversprechen ist, da wäre meine Entscheidung aber auch so was von klar.
Mein Mann hat sich auch sehr verändert. Als ich ihn kennenlernte, war ich mit einem Mann in einer offenen Beziehung. Für meinen Mann war das ein absolutes No-go. Hab mich für ihn entschieden und mich von dem anderen Mann getrennt.
Nun nach 26 Jahren Ehe hat er sich ne andere gefunden, wollte das nebenbei leben und für mich ändere sich nichts, meinte er. Also wir hatten uns auch (kirchlich) damals etwas anderes versprochen.
Und ich fühle mich jetzt auch nicht an mein Eheversprechen gebunden, so wie sich das entwickelt hat.
Man muss es halt auch leben können.
Wo hört das denn dann auf, dass man sich an ein Eheversprechen gebunden fühlen muss? Emotionale Gewalt...

nein, mach Dir kein schlechtes Gewissen, wenn es nicht mehr geht, dann geht es eben nicht. mehr.

x 1 #4


HappyMike
@Karinchen

Ich glaube, Du machst Dir das mit dem Satz „Ich habe mein Eheversprechen gebrochen“ unnötig schwer.

Ja, rein formal kann man das so sagen: Du hast versprochen, mit diesem Menschen Dein Leben zu verbringen, und irgendwann hast du entschieden, es nicht mehr zu tun.

Aber ein Eheversprechen ist doch kein einseitiger Vertrag darüber, unter allen denkbaren Umständen auszuharren, während sich der andere aus der gemeinsamen Beziehung immer weiter verabschiedet.
Denn zu diesem Versprechen gehörte nicht nur „bis dass der Tod uns scheidet“. Da gehörten auch Liebe, Achtung, Fürsorge, gegenseitige Verantwortung und ein gemeinsames Leben dazu. Und wenn ich Deine Geschichte lese, sehe ich nicht den einen Tag, an dem Du plötzlich beschlossen hast, Dein Versprechen zu brechen. Ich sehe einen jahrelangen Prozess, in dem von dem, was Ihr Euch einmal gegenseitig versprochen habt, immer weniger übrig geblieben ist.
Besonders entscheidend finde ich dabei Eure Tochter.

Spätestens wenn ein Kind ernsthafte Probleme entwickelt und mehrere Fachleute zu einer bestimmten Lösung raten, kann Loyalität gegenüber dem Ehepartner nicht bedeuten, gegen die eigenen Überzeugungen und gegen das Wohl des Kindes zu handeln, nur damit innerhalb der Ehe kein Konflikt entsteht. Du hattest nicht nur Verantwortung gegenüber Deinem Mann. Du hattest sie auch gegenüber Deiner Tochter – und gegenüber Dir selbst.

Was mich an Deiner Geschichte eigentlich am meisten berührt, ist etwas anderes: Du beschreibst den Mann, den Du geheiratet hast, ausgesprochen liebevoll. Du machst ihn rückblickend nicht zum Monster, um Deine Entscheidung zu rechtfertigen. Im Gegenteil. Man merkt, dass Dein damaliges "Ja" ehrlich gemeint war.

Und genau deshalb würde ich auch Deinen letzten Satz anders formulieren.
Du hast damals nicht den falschen Mann geheiratet. Du hast zu dem Menschen "Ja" gesagt, der er damals war, und zu dem gemeinsamen Leben, das Ihr damals tatsächlich hattet.
Niemand kann bei seiner Hochzeit wissen, wer beide Menschen 10, 15 oder 20 Jahre später sein werden. Ein Eheversprechen ist keine Hellseherei.

Vielleicht war deshalb die Erkenntnis am Sarg Deiner Mutter so wichtig. Nicht im Sinne von „Versprechen sind bedeutungslos“, sondern im Gegenteil: Das Leben ist endlich, und gerade deshalb sollten Versprechen einen Sinn haben. Sie dürfen aber nicht zu einer lebenslangen Verpflichtung werden, Leid lediglich deshalb fortzusetzen, weil man irgendwann einmal voller Liebe und Hoffnung "Ja" gesagt hat.

Vielleicht hast Du Dein Eheversprechen am Ende tatsächlich gebrochen.
Aber zwischen „Ich habe ein Versprechen gebrochen“ und „Ich habe deshalb moralisch falsch gehandelt“ liegt ein gewaltiger Unterschied.

Und nach Deiner Schilderung sehe ich vor allem eine Frau, die sehr lange geblieben ist, sehr lange versucht hat, ihre Familie zusammenzuhalten und irgendwann feststellen musste, dass Bleiben nicht mehr bedeutete, die Familie zu schützen.

Manchmal kann auch Gehen bedeuten, Verantwortung zu übernehmen.

so long, alles Gute!

#5


M
@Karinchen

Das Leben ändert sich, wie auch Menschen sich ändern.

Und keiner weiß, was die Zukunft so mit sich bringt.

Wenn man einen Menschen heiratet, er sich aber derart verändert, man in unterschiedliche Richtungen geht, dann ist das Eheversprechen doch nicht von Gewicht. Es zählt doch das Leben. Das man glücklich ist. Beide.

Und du hast es ja selber gesehen. Deine Mutter hat ihr halbes Leben anscheinend unglücklich verbracht, wie so viele Menschen.

Weil sie nicht für sich selber einstehen, einfach ihr Glück zu finden. In unglücklichen Beziehungen bleiben. Teils mit Gewalt und Demütigungen.

Denk nicht darüber nach, ob du ein Eheversprechen gebrochen hast.

Sondern lieber, dass es deiner Tochter besser geht und ihr ein glückliches Leben bekommt. Für Sie ist das ja auch kein Zustand gewesen!

x 1 #6


M
@Karinchen

Es gibt verschiedene Kapitel im Leben.

Ihr hattet auch schöne Zeiten zusammen. Die waren aber irgendwann vorbei.

Man kann die Zeit nicht zurück drehen.

Manchmal muss man ein neues Kapitel aufschlagen!

Alles Gute für Euch!

x 1 #7


Heffalump
Zitat von Karinchen:
Da sagte vor kurzem jemand zu mir, ich hätte mein Eheversprechen gebrochen. Das war keine Anklage, mehr eine Feststellung, was ja auch stimmt. Ich habe mein Versprechen gebrochen. Das lässt mir nun keine Ruhe mehr

Nicht du hast es gebrochen, er war das. Schon vor langer Zeit.

Alles was du schilderst, ist nicht auf deinem Mist gewachsen. Dein Mann hat euch verlassen, auch wenn er körperlich anwesend war.

Unsere Schuldgefühle plagen uns schlimmer als jede noch so verfahrene Situation. Lass los. Du kannst ihn nicht ändern, du kannst nur dich ändern, das Leben ändern für dich und dein Kind.

Alles was nicht gut tut, kann weg

#8