Zitat von Sitamun: aber er hat mich zweifeln lassen von wegen: Wir sind alle erwachsen, fürs Kind ist es gut.
Nee, das ist nur für Deinen Ex gut.
Ich schreib Dir mal aus der anderen Perspektive:
Ich war mit meinem Ex, Vater des großen Kindes (Kind 1), verheiratet. Die Ehe zerbrach in der Schwangerschaft und wir haben es noch jahrelang versucht (ich 2 Jahre, er wäre vermutlich nie gegangen, trotz Unerträglichkeit der Situation).
Als das jüngere Geschwister (mein Kind 2) geboren wurde, war Kind 1 knapp 7 Jahre alt. Zufällig war es zum Entbindungstermin bei seinem Vater im Urlaub.
Ich habe es meinem Ex hoch angerechnet, dass er bei Abholung von Kind 1 mir "toitoitoi" für die Entbindung gewünscht hat, obwohl wir bis heute nicht miteinander sprechen, nur texten.
Als Kind 1 zurück kam, hatte sein Vater dafür gesorgt (angeregt und dafür Geld gegeben), dass Kind 1 in einer Dro. ein kleines Kuscheltier für das neue Geschwister mitbringt. Das hätte er nicht tun müssen. Ich fand das hochanständig unserem Kind 1 gegenüber, ihm diesen Moment zu ermöglichen. Und auch sich während der Papazeit auf die neuen Umstände vorbereiten zu können. Beide Kinder wissen bis heute, welches Kuscheltier das ist und wie es "zur Familie" kam.
Da Kind 2 nun größer ist und einen großen Gerechtigkeitssinn hat und Kind 1 immer mal wieder für eine Woche zu "seinem" Papa gehen sieht, hat es großes Interesse an "Papa 1". Im Kleinkindalter sprach es davon, dass es auch mal zu "Papa 1" mitfahren wolle, weil Kind 1 ja auch mit "Papa 2" in den Urlaub mitfährt. Das hat etwas gedauert, ihm klar zu machen, dass das Verhältnis von Papa 2 zu Kind 1 ein ganz anderes ist, als Papa 1 zu Kind 2, weil Papa 2 sich Kind 1 ja aussuchen konnte und es daher auch lieb hat. Dass Papa 1 aber gar kein zweites Kind haben wollte und deshalb (ja, hier verschweigen wir die biologische Komponente) nicht mit zwei Kindern in Urlaub fährt.
Auf die Idee, dass Papa 1 sich Kind 2 als Baby gezielt ansehen kommen soll, sind wir, ehrlich gesagt, nie gekommen. Das halte ich auch für völlig unangebracht Papa 1 gegenüber. Der einzige Zweck, den das haben könnte, wäre Manipulation von Kind 1 und Arbeitserleichterung bei der Zusammenführung der Kinder. Nach dem Motto: Schau, die Mama 1 freut sich auch über Kind 2, also musst Du es auch akzeptieren.
Und das ist echt mies und nur auf Deinem Rücken, Sitamun.
Hier mal ein (möglicher) Ausblick in die Zukunft:
Papa 1 holt Kind 1 nur ein Mal im Jahr bei uns ab (alle anderen Mal wird es gebracht). Dabei trifft er natürlich auch auf Kind 2. Kind 2 ist unbekümmert und hat ja auch schon viel über Papa 1 gehört, ist neugierig und möchte ihn kennen lernen und einbeziehen (Kind 2 nennt z.B. auch Papa 1 als Teil der Familie, malt ihn auf Bildern usw., weil es ja der Papa vom großen Geschwister ist und auch "dazu gehört") und nutzt die jährliche Gelegenheit, auf Papa 1 zuzuspringen, ihn freudig zu begrüßen, alle möglichen Fragen zu stellen und zum spielen aufzufordern. Papa 1 reagiert darauf wie jemand, der von einem fremden Kind angesprochen und vereinnahmt wird, also höflich abweisend. Was ja auch richtig ist. Schließlich wollte Papa 1 keine weiteren Kinder und schon gar keins von einem anderen Mann und fühlt sich mit der ganzen Situation unwohl. Ich erkläre es dem Kind 2 damit, dass Papa 1 sein Kind 1 eben selten sieht und es sehr vermisst und auch daher auf Kind 1 konzentriert. Kind 2 findet das aber nach wie vor irgendwie "unfair" und reagiert eifersüchtig, dass es seinen Papa teilen muss und Kind 1 seinen Papa "für sich hat". Kann man aber gut auffangen, indem man abwägt, dass Kind 2 seinen Papa dafür ständig sehen kann und Kind 1 eben nicht.
Kind 1 liebt Kind 2 übrigens völlig unabhängig davon, wie die Erwachsenen zu Kind 1 oder 2 oder zu einander stehen. Das ergibt sich ganz natürlich, da auch Kinder sich dem Charme eines kleinen Zwergs, der einen mit großen Augen anschaut und die Arme nach oben reckt, nicht entziehen können.
Dass Papa 1 da nicht dazwischen gefahren ist und damit Kind 1 "erlaubt" hat, Kind 2 auf seine Weise zu lieben, ist das Maximum dessen, was ich erwarten konnte. Und das hat er offenbar gemacht und sich neutral zu Kind 2 verhalten - es also zur Kenntnis genommen, ohne es großartig zu thematisieren oder in seine Beziehungen zu Kind 1 einzubeziehen.
Zwing Dich also bitte bloß nicht zu irgendwas, was Du nicht aus Dir selbst heraus fühlst. Das bekommen die Zwerge ja ohnehin mit. Und es ist Aufgabe dessen, der die Situation geschaffen hat (also meine und die Deines Ex), die 2-Kind-Familie auf die richtigen Schienen zu setzen. Wenn Dein Ex dazu Deiner Hilfe bedarf, hat er nicht verstanden, was Scheidung bedeutet.