Zitat von Shedia111: Und die Tatsache, dass du es bisher tapfer verschweigst, um ihm nicht weh zu tun, sagt mir jedenfalls, dass du ihn eigentlich ja auch noch liebst. Dir fehlt halt nur etwas wichtiges in eurer Beziehung.
Verzeih, Shedia, aber ich halte das für Unsinn.
Ein schlechtes Gewissen zu haben und Fehler oder verletztendes Verhalten zu verschweigen bedeutet nicht, dass man den Partner noch liebt.
Es bedeutet lediglich, dass man weiß, dass man falsch handelt oder gehandelt hat. Nur Psychopathen genießen es, andere zu verletzen und haben kein schlechtes Gewissen dabei. Mit Liebe kann das etwas zu haben, muss es aber nicht.
Zitat von Shedia111: Die Psyche des Menschen ist leider meistens sehr egoistisch angelegt. Folglich geht es in Beziehungen eigentlich niemals um die Person des Gegenübers an sich, sondern stets um die eigene Bedürfnisbefriedigung
Auch das halte ich für falsch.
Es stimmt, dass viele Leute (vielleicht die meisten) so ticken. Und insofern sind die Beispiele, die du angeführt hast, auch alle nicht von der Hand zu weisen.
Etwas in uns allen ist wohl egoistisch und auf die eigene Bedürfnisbefriedigung angelegt. So weit richtig.
Aber in uns allen - oder zumindest in den meisten von uns - steckt daneben noch etwas völlig anderes. Davon bin ich überzeugt. Etwas, das sich nicht um Materialismus oder Ego oder Bedürfnisbefriedigung schert.
Und manchmal begegnet einem ein Mensch, der dieses andere in uns auszulösen vermag und uns zeigt, wie viel Liebe möglich sein kann.
Und nein, ich glaube nicht, dass dieser Mensch dann austauschbar ist oder bei ihm einfach nur die Hormone tanzen, wie es hier so oft behauptet wird. Es gibt einfach manchmal (sehr selten) Menschen, die das in uns wecken, was neben all dem Egoismus und Materialismus und dem Sicherheitsbedürfnis noch in uns schlummert.
Und oft wussten wir selbst nicht, was da in uns steckt, bis es jemand zu wecken vermag.
Ob das hier der Fall ist, weiß ich natürlich nicht.
Aber wenn einem so etwas passiert, dann gerät man selbstverständlich in die allergrößten Konflikte, wenn man bereits verheiratet ist und Kinder hat. Ganz zu schweigen von den sonstigen Problemen, die auftauchen können (Furcht vor gesellschaftlicher Ächtung, die beste Freundin, die neben dem Ehemann noch involviert ist, Verlust von Haus und Sicherheit usw.).
Man gerät umso mehr in Konflikte, wenn der eigene Partner sich im Grunde nichts hat zuschulden kommen lassen und die Ehe nach den üblichen Maßstäben gar nicht mal so schlecht lief und man sich nach rationalen Maßstäben nicht erklären kann, was der andere (der sogenannte Affärenpartner) in einem auslöst.
Wie gesagt: Nur Psychopathen verletzen mutwillig und ohne schlechtes Gewissen andere Menschen.
Aber ebenfalls gilt, dass nur seelische Krüppel das ignorieren können, was manchmal ein anderer Mensch in einem zu wecken vermag.
Wer würde da nicht in einem echten Dilemma stecken?
Aber selbst wenn das bei dir so sein sollte, liebe TE, musst du irgendwann handeln, um den Schaden (bei dir selbst und bei anderen) nicht weiter zu verschlimmern.
Meiner Meinung nach hilft da nur radikale Ehrlichkeit und zwar sowohl sich selbst als auch allen anderen gegenüber.
Aber das ist sicherlich natürlich auch der (zunächst) schwerste Weg.