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Emotionale Unabhängigkeit - oder Wie werde ich ich?

Cathlyn


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Zitat von miracle goodnight:
Ich bin dann abhängig, wenn ich beginne, mir über den anderen Gedanken zu machen, was er erwarten würde und was ich von der Situation erwarte. Ich fühle mich gerade beim Kennenlernen weniger selbst, sondern nur noch diese Situation. Ich verliere die Haftung zu meinem Alltag, weil ich es auch genieße, diesem und den Verpflichtungen des Alltags mal zu entfliehen.


Dann solltest du etwas ändern an deinem Alltag.
Wahrscheinlich ein Job, der dir keinen Spaß macht?! Oder unter/überforderung.

Ein Job sollte nicht nur dazu dienen, dass du ein Haufen Kohle anschaffst und im Falle einer Unter oder Überforderung heißt es, eine Veränderung anzustreben.
Das letzte Hemd hat keine Taschen.



Zitat von miracle goodnight:
Andere Menschen sind keine Fluchtmöglichkeit.



Das musste ich auch feststellen, mein Ex wohl aber auch.

24.10.2020 13:40 • #16


miracle goodnight

miracle goodnig.


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Zitat von Cathlyn:
Wahrscheinlich ein Job, der dir keinen Spaß macht?! Oder unter/überforderung.


Das könnte ich so weder direkt bejahen oder verneinen. Ich glaube nicht, dass ich mit einem anderen Job direkt glücklicher wäre.

24.10.2020 13:46 • #17



Emotionale Unabhängigkeit - oder Wie werde ich ich?

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Cathlyn


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Zitat von miracle goodnight:
Das könnte ich so weder direkt bejahen oder verneinen.


Ich mache das immer so: wenn ich nicht gleich ausm Bauch heraus JA schreie, ist es entweder nur eine Zwischenstation (wie beim mir, aber dass weiß ich und bin daher nicht wirklich unglücklich) oder nicht das richtige.

Ich finde, oft weiß man nicht, dass es eben ne Zwischenstation war bis man den Job wechselt und es als "Sprungbrett" sieht ...also Rückblickend.

Ich habe die ganze Situation jetzt einfach umgekehrt und damit geht es mir persönlich besser.


Zitat von miracle goodnight:
Ich glaube nicht



Da darf ich mal meine Mom zitieren (auch wenn ich den Spruch hasste früher):"glauben ist nicht wissen"

In dem Fall, weißt du ob noch etwas "besseres" da draußen ist, was dich glücklicher machen würde?! Das weißt du nur wenn du es ausprobierst

Aber dafür muss man erstmal die Komfortzone verlassen.

24.10.2020 14:05 • #18


jaqen_h_ghar

jaqen_h_ghar


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Zitat von miracle goodnight:
Ich frage mich jetzt, wie das gehen soll, diese Selbstwerdung. Wie stärke ich mich? Welche Hinweise können mir hier im Forum zum Beispiel besonders autonome Persönlichkeiten geben? Oder: Wem geht es wie mir und was hat geholfen? Muss ich mich überhaupt verändern? Oder bin das einfach ich?

Das stellst Du schon mal die richtige Frage.

Gleich mal eins vorweg: Ich würde mich selbst nicht als autonome Persönlichkeit bezeichnen. Bestefalls bin ich auf einem halbwegs passablen Weg dahin. Aber warum nicht andere, die es interessiert, ein bisschen dran teilhaben lassen.

Auch bei mir fing es vor 8 Jahren mit der Erkenntnis an, dass ich mich seit 40 Jahren irgendwie immer im Kreis gedreht habe. Immer gleiche Verhaltensmuster führten zu immer den gleichen Konflikten, egal ob beruflich oder privat. Dazu eine Ehe und mittlerweile 12 Beziehungen, die ich - rückwirkend betrachtet - alle aus nahezu identischen Gründen an die Wand gefahren habe. Der ausschlaggebende Punkt dafür war zunächst meine Therapieausbildung, in der es auch um Selbsterfahrung ging. Das habe ich für mich sehr ernst genommen und dann auch eine Menge davon profitiert.

Der nächste Schritt war, die einzelnen bis dahin gefundenen Mosaiksteinchen zusammenzusetzen, so dass sich daraus was integratives ergeben hat. Ich hatte Muster, ich hatte Symptome, ich hatte Fremdauskünfte - und dann auch einen Therapeuten, der das ganze zusammengesetzt und in die Form einer umfassenden Diagnose gebracht hat. Niederschmetternd aber auch erleichternd, weil das Kind einen Namen hatte.

Mal konkreter: Ich war nicht bzw. bin noch nicht ausreichend autonom, weil ich meinen Selbstwert teilweise immer noch zu stark von äußeren Einflüßen oder Personen abhängig mache. Früher war das vor allem Leistung: Schule, Bund, Studium, Doktorarbeit, verschiedene Arbeitsbereiche - ein Titel nach dem anderen, immer noch höher, schneller, weiter, niemals Rasten oder Ruhen. Zum anderen waren es Menschen: Aufgrund einer wenig bedürfnisorientierten Erziehung hat sich mein früher beinah symbiotisches Bindungsbedürfnis immer die jeweilige Partnerin projiiziert. Das konnte niemals gutgehen. Die Folgen waren immer Kränkung, Krise und Trennung. - Schuld waren immer die Frauen - wer sonst.

Als 2017 meine Ehe endgültig den Bach runterging und ich meine letzte Partnerrin kennenlernte, hatte ich schon vieles verstanden und war dabei eine Reihe von Fehlern nicht unbedingt nochmal zu machen. Das Problem war allerdings rückblickend, dass ich in diese Beziehung quasi nahtlos nach der Trennung vom meiner Exfrau reingeschlittert bin. Es fehlte einfach die Zeit, um für sich alleine zu sein und dadurch wieder ein Stück unabhängiger zu sein. Darum hab ich jetzt anlässlich der letzten Trennung Ende Mai erstmal beschlossen, mindestens 6 Monate allein zu bleiben. Wie es der Zufall so wollte, ist diese Frist so gut wie vorbei und letzte Woche ist mir eine Frau über den Weg gelaufen, die mich sehr berührt hat. Momentan ist noch alles offen, sie hat meine Frage nach einem Date noch nicht abschließend beantwortet. Fakt ist: Ich merke, dass es hier nicht um ein Must-have, sondern ein Nice-to-have geht. Ich finde diese Frau total süß, fühle mich zu ihr hingezogen - und das weiss sie auch. Habe aber nicht (mehr) das Gefühl, dass jetzt (wieder) mein Seelenheil alleine davon abhängt.

Der Weg zur Autonomie ist, wenn man Joachim Bauers Buch "Wie wir werden, wer wir sind" glauben darf, die wichtigste Entwicklung des Selbst-Systems im Leben. Sie erfordert ordentlich positive Resonanz aus dem Umfeld, wohlwollende Begleiter und Mentoren, die uns Bindung und Entwicklung spüren lassen und uns mehr eigene Möglichkeitsräume eröffnen können.
Zu viel negatives Gewicht im Selbst lässt es depressiv kollabieren. Zu starke Übernahme von Selbstanteilen anderer Menschen machen uns abhängig. Mechanismen wie Emotionaler Missbrauch und Traumatisierung kapern das Selbst und schaffen einen Feind im Innern. Zu große Leere im Selbst versuchen wir gerne mit Substanzmissbrauch oder nicht-stoffgebundenen Süchten auszufüllen. Ein diffuses, desorganisiert-zersplittertes Selbst bewegt sich oft nur zwischen Extremen, die nicht integriert werden können (Borderline-Struktur). Ein Selbst, dessen Grenzen sich auflösen und bei welchem die Trennungslinie zwischen Ich und den anderen anfängt zu verschwimmen, gleitet ab in die Psychose.

24.10.2020 14:42 • x 4 #19


Hansl

Hansl


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Zitat von miracle goodnight:
dass man sich emotional vom anderen abhängig macht und sich selbst ein ganzes Stückweit selbst aufgibt. Das führt dann zu starken Verliebtheitsgefühlen, einer intensivierten Nähe, zu einem Klammern und letztlich zum Vergraulen des Gegenübers, der dann das Weite sucht.


Reflektiere vielleicht mal diesen Satz.
Und wer da wirklich das weite sucht.

Das Leben ist oft einfacher, wie man es sich macht.

24.10.2020 14:49 • #20


miracle goodnight

miracle goodnig.


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jaqen_h_ghar, danke für diese ausführliche und inspirierende Antwort.

Kannst du das Buch von Joachim Bauer generell empfehlen? Hat es dir weitergeholfen? Du scheinst dich ja auf einem Weg in die Autonomie zu befinden.

Ich habe kürzlich in einem aufgenommenen Monolog meine letzten Kennenlernphasen reflektiert. Ich habe - bis auf den letzten - versucht, das andere Leben zu kapern, zu meinem Mittelpunkt zu machen. Nicht tatsächlich, aber als Ideologie. Ich fand das Leben anderer immer schon spannender. Die Personen, die ich gedatet habe, waren meist sehr autonom, haben einfach gemacht, was sie wollten. Das war nicht immer gut, aber extrem reizvoll für mich. Ich wollte nicht deren Leben leben, aber nah dran sein, mich symbiotisch von deren Leben und deren Autonomie nähren. Ich will mich einfühlen und ein Bestandteil des Lebens des anderen sein.

Es ist nicht so, dass ich alleine unzufrieden bin, nein, ich bin sogar recht zufrieden. Ich war auch nie ungerne Single. Wenn ich jemanden kennenlerne ist es so, als würde ich ein kleiner funktionierender Planet sein und auf ein schwarzes Loch treffen. Die Masse des Leben des anderen wirkt so viel reicher, dass sie mich verschluckt. Das heißt nicht, dass es nicht schön auf meinem Planeten ist oder dass es hier nicht lebenswert ist. Ich bin auch anfangs voll zufrieden und voll bei mir selbst. Doch ich bin meist der Masse des anderen erlegen.

24.10.2020 16:01 • #21


jaqen_h_ghar

jaqen_h_ghar


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Zitat von miracle goodnight:
jaqen_h_ghar, danke für diese ausführliche und inspirierende Antwort.

Da nich für!

Zitat von miracle goodnight:
Kannst du das Buch von Joachim Bauer generell empfehlen? Hat es dir weitergeholfen?

Ja - Resonanz ist ein hochspannendes Konzept und das Buch hat mir weitergeholfen, nicht nur die Resonanz-Prozesse zu verstehen, sondern auch andere Phänomene, die damit zusammenhängen wie transgenerationale Übertragung von z.B. Traumata, was bei mir auch ein Thema ist.

Zitat von miracle goodnight:
Ich fand das Leben anderer immer schon spannender.

Also fühlst Du Dich unattraktiv und minderwertig?

Zitat von miracle goodnight:
Die Personen, die ich gedatet habe, waren meist sehr autonom, haben einfach gemacht, was sie wollten. Das war nicht immer gut, aber extrem reizvoll für mich.

Das beruhte wahrscheinlich auf Gegenseitigkeit - oder?

Zitat von miracle goodnight:
mich symbiotisch von deren Leben und deren Autonomie nähren

Um zu viel Leere im eigenen Selbst damit zu füllen? - Gute Erkenntnis.

Zitat von miracle goodnight:
Ich will mich einfühlen und ein Bestandteil des Lebens des anderen sein.

Neben dem Wir muss es aber immer noch ein ausreichendes Ich geben, sonst geht das ganze den Bach runter.

Zitat von miracle goodnight:
Die Masse des Leben des anderen wirkt so viel reicher, dass sie mich verschluckt.

Naja, an der Gravitation hat sich auch schon Einstein fast die Zähne ausgebissen.

Zitat von miracle goodnight:
Doch ich bin meist der Masse des anderen erlegen.

Dann fehlt Dir tatsächlich Anti-Gravitation bzw. noch ein bisschen mehr Autonomie.

24.10.2020 16:12 • #22


miracle goodnight

miracle goodnig.


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Zitat von jaqen_h_ghar:
Also fühlst Du Dich unattraktiv und minderwertig?


Nein, nicht zwingend. Das ist das für mich irritierende. Körperlich klar, da gibt es besseres. Vielleicht brauche ich mal mehr Muskeln, das kann ich mal in Angriff nehmen, wenn ich Zeit habe. Aber ansonsten empfinde ich mich nicht als hässlich. Ich merke aber, dass ich nicht jedermanns Typ bin. Das berührt mich eher. Es ist das ewige Paradoxon, dass ich mich eigentlich gut finde, aber ich diese Befriedigung in niemand anderem finde. Eher immer wieder eine Bestätigung, dass ich mit meiner Selbstzufriedenheit sehr allein dastehe.

Zitat von jaqen_h_ghar:
Das beruhte wahrscheinlich auf Gegenseitigkeit - oder?


Anfangs bin ich immer sehr bemüht, auch autonom zu wirken. Das kann ich rhetorisch auch und äußerlich passt es auch ins Bild. Gebildet, jung schon recht weit auf der Karriereleiter. Aber irgendwann kippt es dann, weil ich die innere Leere (von der ich nicht weiß, wie ich sie füllen soll oder wo ich da ansetzen soll daher meine Posts hier) nicht ewig verbergen kann. Die Personen werden misstrauisch, nach wenigen Treffen kippt der Fokus ganz unbewusst. Und mein Leben wirkt für mich so künstlich, so fassadenhaft.

Zitat von jaqen_h_ghar:
Um zu viel Leere im eigenen Selbst damit zu füllen? - Gute Erkenntnis.


Absolut. Ich kann den Sinngedanken in meinem Leben nicht ganz füllen. Alles andere funktioniert, wenn ich denn Freunde finde und Hobbys. Auf der Oberfläche funktioniert alles. Aber dieses beinahe religiöse, tiefgründige, das fehlt mir. Ich mache andere zur Religion, weil ich diese grenzenlose Tiefe vermisse. Aber ich kann mit dieser Erkenntnis nicht richtig arbeiten.

Zitat von jaqen_h_ghar:
Neben dem Wir muss es aber immer noch ein ausreichendes Ich geben, sonst geht das ganze den Bach runter.


Logisch! Aber an der Stelle klemmt es dann bei mir. Klar, mehr ich. Aber wie? Nur drüber nachdenken bringt mich ja nicht weiter. Und einfach handeln bringt mich dazu, dass ich ein handelndes Ich bin - ohne Sinn - das nur funktioniert.

Zitat von jaqen_h_ghar:
Dann fehlt Dir tatsächlich Anti-Gravitation bzw. noch ein bisschen mehr Autonomie.


Jap. Mir fehlt die Masse, das Gewicht.

24.10.2020 16:25 • #23


E-Claire

E-Claire


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Schön eine Empfehlung für Joachim Bauer hier zu sehen. Sein "Schmerzgrenze" hat mir wirklich viel beigebracht.

Für die Selbstentwicklung zu empfehlen, könnte ich "vom Haben zum Sein" von Fromm (bitte nicht verwechseln mit "Haben und Sein" und Sylvester Walch "Vom Ego zum Selbst".

Wichtig ist aber auch, daß Du nicht vergisst, daß sich hin und wieder leer oder einsam zu fühlen, ein Teil der menschlichen Erfahrung ausmacht.

Gute Reise!

24.10.2020 16:34 • x 1 #24


MariaLaFleur

MariaLaFleur


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Hallo,
ich stelle gerade fest, dass mich dein Text ein bisschen berührt hat und ich dir antworten will, aber gerade vergessen habe, ob Du ein Mann oder eine Frau warst Aber das ist eigentlich auch egal, denn ich schreibe meist chromosomenunabhängig und geprägt durch eigene Erfahrungen. Dürfte also so oder so passen

Mein Tipp für Dich: Befasse Dich bitte mal unvoreingenommen mit Aspekten des Narzissmuss. Leider zum Totschlagargument unglücklicher (Ex)Eheleute verkommen, wird jedoch schnell vergessen dass jeder Mensch narzistische Anteile in sich trägt, manche mehr, andere weniger, manche gesund, manche toxisch für sich und andere. Ich finde nämlich, dass besonders der "verdeckte" oder "vulnerable" (manchmal auch "weibliche") Narzissmus auf gewisse Anteile und Muster deiner Selbstbeschreibung passt und vielleicht für gewisse Teile deines Problems ursächlich sein könnte.

Der Wille und der Mut zur Selbsterkenntnis ist immer der erste Schritt, denn wer Lösungen will muss erst das Problem verstehen. Dein Problem ist wohl dieser Sumpf der inneren Leere und dein völlig unpersönliches Dasein als jedem gefällige Spiegelpersönlichkeit, die wie ein Chamäleon nur die Lebensfarben der anderen trägt und dadurch nach Liebe und Wertschätzung von außen hungert. Du bist geprägt, nahezu zerissen von starken Gegensätzen zwischen der äußeren Fassade aus Fleiß und Souveränität und der inneren Dunkelheit aus Depression, Unsicherheit und dem Gefühl nicht gut genug zu sein.

Dieses sehr kontrastreiche System bröckelt leider hin und wieder, es wird durchlässig oder ist erfahreneren Mitmenschen durch eigene Erlebnisse bereits bekannt. Daher wirst du dann und wann vielleicht als unauthentisch und charakterschwach oder auch als unehrlich und nicht vertrauenswürdig empfunden, was dich dann sicher zusätzlich kränkt und dein Selbstbewusstsein noch weiter in Frage stellt. Das mag jetzt vielleicht sehr hart klingen, aber hör dringend auf dich zu bemitleiden, wenn Du es gerade tust. Du kannst nämlich daran sehr erfolgreich arbeiten und Dich aus diesem Ich-feindlichen Leben herauslösen!

Wichtig aber: Bei diesem vor Klischees und Stigmas nur so triefenden Thema brauchst Du vor allem objektive Informationen, detaillierte Fachinformationen und rationalen Austausch! Hier geht es um Spielarten bei den Ausprägungen gewisser Persönlichkeitsmerkmale und noch lange nicht um (patho-)psychiatrische Diagnosen.

Daher empfehle ich, meide zumindest Anfangs die üblichen emotional aufgeladenen Selbsthilfeseiten und -foren traumatisierter Coabhängiger/N-Opfer/Angehörigen. Nach meiner (bitte subjektiv zu bewertenden) Erfahrung mündet ihr intensives Leid allzu oft in Pauschalurteilen, totalitären Schuldzuweisungen und unwürdigen Klageserien, ähnlich wie auch in diesem Forum. Das ist für einen an den eigenen narzistischen Mustern interessierten Menschen schnell zu viel, denn es wird trotz aller Verständlichkeit leider schnell beleidigend und persönlich, was die Beschätigung mit diesem Thema sehr unangenehm und nervig macht und die Suche nach Lösungsansätzen behindern könnte

Ich war sogar selbst vor vielen Jahren mal ein vor Liebe blindes und zugleich völlig naives, finanziell leicht auszubeutendes N-Opfer auf der Suche nach Austausch und erlebte, dass sich dort neben den austauschbefähigten Betroffenen oftmals auch andere (verdeckte) Narzisten/innen tummeln. Leider oft solche, die keine Selbsschau wagen und sich als selbsternannte "Empathen" oder aufopferungsvolle "Hochsensible" in gemeinschaftlicher Pathologisierung und Abwertung ihrer dauer-bringschuldigen Umgebung in einer schaurig moralinsauren Blendersuppe aus Selbstmitleid und gekränkter Eitelkeit durch unerfüllbare und große Erwartungen köcheln lassen. Dort fand ich als zwar geschädigte aber durchaus auch selbst durch Muster des (offenen) Narzismus geprägte Frau weder Hilfe noch würdigen Austausch oder Erkenntnis.

Daher: Lieber erst professionelle Gesprächstherapie und psychologische/psychiatrische Fachlituratur nutzen, dann in den Selbsthilfeaustausch gehen. Ich bin übrigens eine manisch-depressiven Asperger Autistin mit ADHS und gelegentlichen Anflügen von narzistisch-grandiosem Größenwahn, die sich bewusst entschieden hat, NICHT toxisch zu sein und ihr Umfeld niemals mit dem Narzissengiftcocktail aus Schuld, Scham, Strafe, Selbstmitleid und Abhängigkeit zu belästigen.

Vielleicht konnte ich Dir ein bisschen Mut machen. Freue Dich auf dieses Abenteuer, dich selbst endlich kennenzulernen und zu erfahren! Welche spannenden Geheimnisse und aufregenden Erkenntnisse du entdecken wirst, wenn Du Dich traust!

Möge die Macht mit Dir sein, alles Liebe,
Maria

17.11.2020 00:30 • #25


MariaLaFleur

MariaLaFleur


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Zitat von DieFrau:
Das finde ich, entschuldige bitte, sehr unheimlich.

Kenne das sonst so nur von Narzissmus.

Der Unterschied hierzu ist, ein Narzisst würde etwas nie machen, weil er denkt es würde von ihm erwartet und damit er anderen bloß gefällt. Er sieht immer einen Vorteil in dem was er tut.


Eben doch, das ist ja der Vorteil dabei! Ich habe dazu im vorherigen Kommentar etwas mehr geschrieben, kurzfassung: Es ist typisch für eine weniger bekannte narzistische Ausprägung, die man als verdeckten, vulnerablen oder auch "weiblichen" Narzissmus bezeichnet, gleichwohl er bei allen Geschlechtern zu finden ist.

17.11.2020 08:03 • x 1 #26


Gemini

Gemini


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Ich denke, der erste Schritt ist sich einzugestehen, dass man garnicht unabhängig sein muss. Das ist nicht für jeden was, nicht jeder ist ein Individualitätstyp und nicht jedem ist es piepegal was andere von ihm halten.
Es wünscht sich zwar jeder so zu sein, weil es gesellschaftlich als erstrebenswert gilt, aber die meisten Leute tun auch nur so, als ob.

Wenn man sich darüber klar wird, dass man ein Mensch ist, der z.b nur in einer engen Beziehung glücklich ist, dann ist das garnicht verkehrt, dann muss man nur jemanden finden, der genauso ist. Und davon gibt es viele.

Zu sich selbst findet man, indem man seine schlechten Seiten akzeptiert.
Du schreibst, dass du anhänglich bist, klammerst, viel tust um anderen zu gefallen, aber du scheinst zu glauben, dass das eigentlich garnicht Du bist und dass du dich erst finden musst. Doch, das bist du. Es sind nur deine Anteile, die dir nicht gefallen und die du erstmal akzeptieren solltest. Der Rest kommt von allein.
Was ganz hilfreicht ist, sich vor jeder Aktion die Frage zu stellen "Will ich das wirklich tun?"

17.11.2020 12:57 • x 2 #27


Arjuni

Arjuni


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Zitat von miracle goodnight:
Ich empfinde mich insgesamt als unselbstständig, als ängstlich und suche und finde meistens nur in anderen Halt. Ich kann mit mir selbst nichts anfangen. Es gibt Hobbys, die ich gerne mache und die zu mir gehören. Aber das meiste im Alltag mache ich nur für andere, um anderen zu gefallen oder um die Erwartungen anderer zu erfüllen. Dazu können selbst banale Dinge wie Auto waschen, Staubsaugen oder anderes gehören. Ich mache das nie für mich, sondern nur für andere (für den Besuch, für jemandem, den ich beeindrucken möchte mit meiner Normkonformität).


Hier beschreibst Du ja die Symptome und nicht, woher das kommt.
Du erwähnst, dass Du Stefanie Stahl gelesen hast - hast Du auch die Übungen im Buch "Das Kind in Dir muss Heimat finden" gemacht? Welche sind denn dann bei Dir die hinter diesen Symptomen stehenden Kindheitsprägungen und Glaubenssätze? Musstest Du Dich als Kind ständig anpassen an Deine Eltern? Wurdest Du nur lieb gehabt, wenn Du keine eigenen Ideen hattest, sondern brav deren Erwartungen erfüllt hast? Durftest Du Dich loslösen, anders sein, rebellieren, pubertieren?
Wie wurde auf Dein Coming Out reagiert?

Die Analyse ist eine Sache. Sicher wichtig. Sich immer wieder klar machen, warum man gerade so oder so reagiert, auch schön. Aber dann kommt halt die Auflösung und Umprogrammierung.
Was mir persönlich wirklich geholfen hat sind Übungen, Übungen, Übungen.
Also z.B. konnte ich nicht um Hilfe bitten oder Hilfe annehmen. Glaubenssätze: "Du musst alles alleine schaffen." "Du nervst andere mit Deinen Bedürfnissen". "Geben ist seliger als nehmen." etc. und ich weiß ja auch, wo die herkommen. Und ich habe begriffen, dass andere Menschen gerne helfen und sich dadurch wichtig und wertvoll fühlen - dass ich ihnen sogar eine wichtige Erfahrung vorenthalte, wenn ich mir nicht helfen lasse. Dass Hilfe nicht anzunehmen im Grunde egozentrisch ist. Trotzdem natürlich immer wieder negative Gefühle bei mir... Also hab ich kontinuierlich geübt, täglich: den Nachbarn um Kleinigkeiten gebeten, die Kinder, die Kollegen, jemanden auf der Straße, Freunde, Hilfs-Angebote akzeptiert etc. etc.

Zitat von miracle goodnight:
banale Dinge wie Auto waschen, Staubsaugen

Da würde mir jetzt z.B. spontan einfallen: Lade jemanden ein und lass die Wohnung genau so, wie sie ist. Mache die Erfahrung, dass Du auch gemocht wirst, wenn die Wohnung dreckig ist. Dass die Leute sich womöglich noch wohler fühlen bei Dir - weil sie selber auch nicht immer bei sich aufgeräumt haben, vielleicht sogar nie.... weil es eine menschliche Seite von Dir zeigt und nicht jemanden, der durch und durch perfekt ist.

17.11.2020 13:59 • x 1 #28



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