miracle-goodnig.
Mitglied
- Beiträge:
- 55
- Themen:
- 4
- Danke erhalten:
- 45
- Mitglied seit:
es wird mal etwas abstrakter:
Ich lese hier in den letzten Wochen so viel mit, auch, um mich selbst zu bilden und um meine Persönlichkeit reifen zu lassen.
Ein Thema, was mich aktuell ständig beschäftigt, ist die emotionale Unabhängigkeit und die Selbstwerdung, also die Entwicklung der Persönlichkeit in Richtung einer starken Persönlichkeit mit nicht nur abhängigen, sondern auch autonomen Zügen.
Ich lese so viel, dass (wie vermutlich auch bei mir) viele Kennenlernphasen daran scheitern, dass man sich emotional vom anderen abhängig macht und sich selbst ein ganzes Stückweit selbst aufgibt. Das führt dann zu starken Verliebtheitsgefühlen, einer intensivierten Nähe, zu einem Klammern und letztlich zum Vergraulen des Gegenübers, der dann das Weite sucht.
Bei mir und bei einem guten Freund von mir sehe ich genau das: Wir machen uns schnell von potentiellen Partnern abhängig. Er ist über 50, ich Ende 20. Sein Leben ist nach seinen Erzählungen geprägt von Beziehungen mit unabhängigen, teils narzisstischen Persönlichkeitstypen. Er hatte viele Beziehungen, aber nie sein wahres Glück gefunden.
Vom Typus her sind wir beide ähnlich: Eher depressive Persönlichkeiten im Sinne Riemanns (siehe z.B. Grundformen der Angst bei Wikipedia). Riemann beschreibt eine der Grundängste des Menschen so: Die Angst vor der Ichwerdung / Selbstwerdung. Wer starke Ängste in diese Richtung hat, neigt zu einer depressiven Persönlichkeitsstruktur. Wichtig ist hier, dass die Bezeichnung depressiv nichts mit der Erkrankung zu tun hat.
Ich frage mich jetzt, wie das gehen soll, diese Selbstwerdung. Wie stärke ich mich? Welche Hinweise können mir hier im Forum zum Beispiel besonders autonome Persönlichkeiten geben? Oder: Wem geht es wie mir und was hat geholfen? Muss ich mich überhaupt verändern? Oder bin das einfach ich?
Ich neige eher dazu zu sagen: Etwas muss sich ändern. Den Ansatz, dass nun mal jeder so ist, wie er eben ist, damit kann ich wenig anfangen, weil er mich noch mehr in eine gewisse Passivität drückt.
Ich empfinde mich insgesamt als unselbstständig, als ängstlich und suche und finde meistens nur in anderen Halt. Ich kann mit mir selbst nichts anfangen. Es gibt Hobbys, die ich gerne mache und die zu mir gehören. Aber das meiste im Alltag mache ich nur für andere, um anderen zu gefallen oder um die Erwartungen anderer zu erfüllen. Dazu können selbst banale Dinge wie Auto waschen, Staubsaugen oder anderes gehören. Ich mache das nie für mich, sondern nur für andere (für den Besuch, für jemandem, den ich beeindrucken möchte mit meiner Normkonformität).
Sicher bin ich nicht ausschließlich abhängig oder unselbstständig. Aber ich befürchte, dass vor einem potentiellen Partner im Rahmen des Kennenlernens immer wieder mein Grundkonzept durchscheint und unattraktiv wirkt. Ich fange beim Kennenlernen viele Dinge an, um autonom zu wirken. Ich mache dann Sport, Musik und ähnliches. Sobald die Person aus meinem Leben verschwindet, höre ich damit wieder auf. Es ist, als würde mich das ganze Leben nur befriedigen im Zusammenspiel mit der Erwartung anderer, sei es der gedachten.
Soweit erstmal. Ich würde mich über eine rege Diskussion und viel Inspiration freuen.
Liebe Grüße
miracle (männlich, 28)