Grübel
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Ich schreibe hier meine Geschichte, um zu zeigen dass es man manchmal schneller in emotionalen Zwisckmühlen kommt, als einen lieb ist und dass es manchmal noch viel schwieriger ist, da wieder heraus zu kommen.
Ich bin eine Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht, von den Eltern eher wenig beachtet, immer um Liebe und Aufmerksamkeit gekämpft, teilweise sehr resolut und genau wissend, was sie will. Allerdings auch sehr geduldig im Umgang mit dem Macken der Mitmenschen, wenn ich diesen Menschen in mein Herz geschlossen habe. Habe eher einen Hang dazu, mich um die Probleme meiner Mitmenschen zu kümmer, man könnte es auch ein Helfersyndrom nennen. Meistens sehr misstrauisch den Menschen gegenüber und dadurch hinterfrage ich viel.
Wir alles begann: Vor 4 Jahren ging es mir seelisch sehr schlecht. Mein Partner und ich hatten ein trauriges Erlebnis und jeder verarbeitete dieses Ereignis auf seine Weise. Ich fühlte mich ungeliebt, falsch verstanden, nicht geachtet und auch nicht mehr begehrt. In dieser Zeit begann ich mit dem Chatten. Es sollte ein Austausch sein, um mich von den trüben Gedanken abzulenken. Es funktionierte recht gut und ich lernte auch Menschen dort kennen, die mit anderen Intentionen in den Chat gingen. Dort traf ich ihn. Ich genoss seine Worte, die schmeichelten und mich begehrten.
Aus den Austausch im Chat wurde sehr schnell ein täglicher Austausch per Email. Ein Spiel mit dem Feuer, was mich in den Bahn zog und faszinierte. Die gemeinsamen Fantasien sexueller Natur bewirkten so einiges. Langsam aber sicher verlor ich mich in diesem Spiel. Meine Gedanken gingen spazieren und mein innerer Schweinehund gierte nach mehr. Die ersten Monate gab er sich sehr zurückhaltend und gab nicht viel Privates von sich bekannt. Trotzdem war da eine Verbundenheit vom ersten Tag an, als wenn man sich schon eine Ewigkeit kennt.
Ich machte einen großen Fehler. Ich verlor die emotionale Distanz und band ihn immer mehr in meinen Alltag ein. Erzählte von alltäglichen Problemchen und vielen persönlichen Dingen. Er wurde so etwas wie ein bester Freund, ein Vertrauter für mich.
Da die sexuelle Anziehung immer noch stark war, bat ich ihn darum, dass wir das Thema CS ausklammern, was er auch ohne großes Murren machte. Wir schrieben weiter wie bisher.
Allerdings nahm die emotionale Bindung immer mehr zu. Es kam wie es kommen musste. Die Neugier siegte und ich wollte ihn persönlich sehen. Wollte sehen ob ich alle meine wünsche und Träume in ihn hineinprojiziert hätte. Dachte, dass die Realität mich einholt und ich wieder klar im Kopf werde.
Zunächst stimmte er einen Treffen zu, denn er dachte, dass ich alleine in seiner Heimatstadt sei. Als ich ihm dann schrieb,dass ich die Ferienwohnung teile, lehnte er ein Treffen plötzlich ab.
Ein paar Wochen später wollte er dann den Kontakt abbrechen mit einer eher fadenscheinigen Begründung. Es kam zu einen heftigen Streit, weil ich ihm sagte, dass er unehrlich sei. Infolge dessen kam heraus, dass er da schon mal fremdgegangen war. Dabei sprach er immer davon nie untreu gewesen zu sein. Nach der Aussprache beschlossen wir den Kontakt abzubrechen. Es dauerte allerdings nicht lange und ich suchte wieder den Kontakt. Nun schrieben wir und telefonierten auch. Wir lachten und weinten miteinander. Es war toll seine Stimme zu hören. Wir sprachen über alltägliche Dinge , dass was uns so belastete. Es kam eine Zeit, da schien für mich die Sonne und sein Himmel war schwarz voller Wolken. Trotzdem blieb der Kontakt.
Es kamen allerdings auch immer wieder Streitthemen auf den Tisch. Im Rahmen soeines Streits kam dann endgültig die Wahrheit ans Licht. Er hatte über längere Zeit eine Affäre, auch zu der Zeit in der er mich treffen wollte.
Immer wieder kam die Frage auf den Kontakt abzubrechen. Aber keiner von uns schafft es bislang.
Ich hänge irgendwie an ihm und verstehe nicht warum. Wenn es ihm schlecht geht, versuche ich zu helfen. Mache mir Sorgen um ihn. Er nimmt gerne meine aufmunternen Worte und Aufmerksamkeit an. Wenn es mir schlecht geht, kommen Pauschalaussagen. Er möchte immer mehr persönliches von mir erfahren, allerdings sperre ich mich etwas dagegen, da irgendwie das Vertrauen durch seine Lüge verloren gegangen ist.
Ich habe ihn schon ein paar mal ein Treffen vorgeschlagen, denn tief im meinen innersten hoffe ich, dass ich damit den Spuk beenden kann und endlich zu Besinnung komme. Den niemand kann wahrscheinlich verstehen, wie man emotional so an einem Menschen hängen kann, denn man nur vom Telefon kennt und von Bildern.
Er gibt mir keine Chance ihn zu treffen, ich denke, er weiß, was dann kommen könnte. Ich hatte ihn vor Jahren gesagt, dass ich das damalige Treffen haben wollte, um mich persönlich von ihm zu verabschieden. Zumal er auch zu Hause in Erklärungsnot käme.
Wenn ich die Uhr zurückdrehen könnte, würde ich es gerne tun. Denn diese Verbindung, wie man sie auch nennen mag, hat mich in schweren Zeiten gestützt aber in großen und ganzen emotional nur ausgehüllt und zieht mir sehr viel Energie.
Obwohl ich mir seine Fehler und seine Lüge immer wieder vor Augen geführt habe, empfinde ich trotzdem noch zu viel für ihn. Er zieht mich irgendwie magisch an und ich zweifel so langsam an meinen Verstand!
Wie kann ich nur den Absprung von ihm schaffen bevor es mich ganz zerfrisst und mein reales Leben letztendlich zerstört? Vielen Dank für Eure Denkimpulse!