Moin Sara,
ja, "moin" sagt man hier im Norden immer. Die wissen schon warum
Ja, ich weiß, ich habe einen absolut forenuntauglichen Schreibstil
Also
geschafft habe ich es noch nicht. Wahrscheinlich noch lange nicht. Das wird seine Zeit brauchen, bis ich wieder "beziehungsfähig" bin. Dafür sitzt der Schmerz auch bei mir noch zu tief. Aber ich habe mittlerweile gelernt, mit ihm umzugehen. Und dieses Umgehen läßt mich auch wieder obenauf schwimmen. Ich schätze mal, ein therapeutisches Phänomen.
Gut, das mag jetzt ein wenig brutal klingen. Ich war und bin trotzdem oder immer noch der Meinung, wenn einer in der Beziehung generell das Gefühl hat, eine gemeinsame Zukunft kommt nicht mehr weiter in Frage wegen zB zu unterschiedlicher Vorstellungen bzgl. der Beziehung, dann hat er/sie das Recht sich zu trennen.
Aber - und das ist das entscheidende - diese Entscheidung muss, vorallem nach einer so langen Beziehungszeit, am Ende eines gemeinsamen kommunikativen Prozesses stehen. Dies ist der eine, der diesen Gedanken hat, dem anderen einfach schuldig. Vorallem nach einer so langen Zeit. Ganz abgesehen davon, dass alles andere unehrlich und nicht vertrauensvoll wäre. Dies sind zB meine beiden obersten Prämissen einer guten Beziehung. Und beides war bei ihr nicht mehr vorhanden.
Das ist vollkommen richtig, dass in Deinem und in meinem Fall mit absolut unfairen Regeln gespielt wurde. Genau das hat mich auch am meisten beschäftigt und enttäuscht, garnicht mal die Trennung an sich.
Sie hat mir in der Trennung mitgeteilt, dass sie schon ein halbes Jahr über die Beziehung nachgedacht hat. Naja, und in ihrer Email hat sie mir dann geschrieben, dass sie seit 6 Wochen jemanden bei FB am Start hat.
Du und ich, wir hatten noch nicht mal die Chance bekommen, unseren Standpunkt darzulegen als Basis eines Gesprächs geschweige zu reagieren oder einen Kompromiß zu finden.
Ich finde die Begründung "Ich habe Dir viele Zaunpfähle gesetzt, Du hast mich aber nie verstanden" in diesem Zusammenhang äußerst dämlich, weil es eigentlich nur ihrer Beruhigung dient, mich doch gewarnt zu haben. Mir die Schuld zuzuschieben. So übrigens entschuldigen sich merkwürdigerweise viele Frauen in Foren, die sich getrennt haben. "Männer und Frauen ticken halt anders" so deren Meinung. Kann ich nur sagen, dass sie es sich hier ja äußerst leicht machen. Wenn es so ist und ein grundlegendes Gespräch ansteht, haben sie bitte auch die Sprache zu sprechen, die auch wir Männer verstehen. Ich habe keine hellseherischen Fähigkeiten, also hätte sie mit mir das Thema klar und direkt ansprechen sollen. Der einzige mit diesen Fähigkeiten hat seinerzeit auch 10 Gebote in Steintafeln gebrannt. Und das war ich nicht.
Gut, Du hast Deinem Ex keine Vorwürfe gemacht und Contenance bewahrt. Ich nicht. Und ich stehe auch heute dazu. Das war nebenbei erwähnt in meiner Wutphase.
Ich habe ihr in einem Telefonat - nachdem ich meine restlichen Sachen bei ihr wortlos abgeholt hatte - genau das an den Kopf geworfen, so traurig und wütend ich war. Sie hat mich ein halbes Jahr belogen, weil sie nicht mit mir gesprochen hatte sondern es immer für sich behalten hatte (auch wenn ich bei ihr war und wir zusammen waren, selbst da hat sie mir vorgespielt, alles sei in akzeptabler Ordnung). Und mit dem FB Typen hat sie mich beschissen (auch wenn noch "nichts" passiert war) Was sie übrigens bis zuletzt dementiert hat, mit ihm etwas gehabt zu haben. Aber warum schreibt sie es mir dann in der Email? Und wo fängt denn in einer 10 jährigen Fernbeziehung das Bescheißen an? Doch wohl schon vor "dem" ... Du weißt schon. Zumindest für mich fängt es schon davor an.
Fernbeziehungen unterliegen noch etwas anderen Voraussetzungen wie eine "Vor-Ort-Beziehung". Ist zumindest meine Meinung.
Sie hat in der Trennung betont, mit mir im Guten auseinander gehen zu wollen. Das war für mich Zynik pur. An dem Tag, wo ihre "Entscheidungsbestätigungsmail" kam, habe ich sofort einen Flieger gebucht und mich ins Taxi zum Flughafen gesetzt. Sie schickte mir eine SMS, ob ich "denn jetzt wirklich auf dem Weg zu ihr sei". Ich wollte das Gespräch quasi nun erzwingen, was ein halbes Jahr überfällig war. Aber das hätte ich mir eigentlich schenken können. Denn ich bin eigentlich nur zu ihr geflogen, um vor ihr einen Nervenzusammenbruch nach dem anderen zu haben. In dem Gespräch hat sie mir dann versucht, den Grund ihrer Entscheidung mitzuteilen, aber das war nicht wirklich plausibel, was da kam. Alles mehr oder weniger vorgeschobene Argumente. Im Nachhinein kann ich nur feststellen, dass dieses sich vor mir Verleugnen eine Respektlosigkeit par exellance war und ist.
Ich habe mir viele Stunden und Tage den Kopf zerbrochen, was denn bloß in sie gefahren ist. Ich habe viele Ergebnisse und Überlegungen zu Tage gebracht. Welcher Grund nun stimmt, das weiss ich bis heute nicht. Ist mir - ehrlich gesagt - mittlerweile auch egal.
Ja, der Text ist schon wieder etwas länger, aber Du siehst, die Grundtendenzen sind doch sehr ähnlich. Dein Ex und meine Ex wissen wahrscheinlich nicht, was sie wirklich wollen. So scheint es mir auf den Punkt zu passen.
Man darf auch eine Sache nicht verkennen, die Dich und mich betrifft. Gerade in jungen Jahren verändert man sich und entwickelt sich. Nach vorne oder zurück oder garnicht. Ich will jetzt garnicht näher darauf eingehen, in welche Richtung sich meine Ex entwickelt hat, aber mir scheint es im Nachhinein auch so zu sein, daß wir uns wohl gerade in dieser letzten Zeit voneinander entfernt hatten (was jetzt bitte nicht mit "Auseinanderleben" gleichzusetzen ist). Was ich meine ist, dass sich unsere Grundansichten geändert haben. Ich persönlich - da bin ich ehrlich - hatte zwar noch nicht die Familienplanung und Hochzeit konkret in der engeren Auswahl, aber es war das Fernziel. Sie übrigens auch nicht. Sie hat es zumindest nie ernsthaft erwähnt. Ich bin eh ein Mensch, der sich von Zwischenziel zu Zwischenziel durcharbeitet. Unser nächstes Zwischenziel war "Zusammenziehen" und schauen, wie wir uns dann vertragen. Das aber war auch von meinem Beruf abhängig, der den Umzug so lange hinzog. Im Grunde genommen konnte ich einfach nicht früher kommen. Wäre ich es, wäre es eine Harakiri-Aktion gewesen. Das hat sie aber nie verstanden. Sie hatte nur im Kopf "Er soll zu mir ziehen. Jetzt." War wohl aber dann doch nicht unser gemeinsames Ziel, denn die paar Wochen wollte/konnte sie nicht mehr warten.
Tja, wie habe ich die Trennung angefangen zu verarbeiten? Ich habe meine Gedanken (schon in der ersten Nacht nach der Trennung) alle in einen Text zusammengefasst. Sind immerhin 16 Seiten in Word entstanden. Ich habe alles aufgeschrieben was mir einfiel. Wie die Trennung verlaufen ist, die ganzen Widersprüche, meine Ansichten ihr gegenüber. Den Text habe ich nur für mich geschrieben, selbst gelesen und verändert, umgeändert, immer wieder je nach Verarbeitungsprozess. Ein paar Freunde kennen ihn, aber geschrieben habe ich ihn für mich selbst. Einfach nur, um mir meine Gedanken immer wieder vor Augen zu halten. Und zu merken, wie sie sich ändern, welche plötzlich wegfallen, welche hinzukommen, etc.
Auch bin ich sehr oft - und das mache ich heute noch - abends spazieren gegangen zum Nachdenken. Über alles nachdenken, was einem einfällt. Ich habe eine Pro und Contra Liste in Bezug auf eine evtl. Wiederaufnahme der Beziehung geführt (klingt bescheuert aber hilft), in der ich alles, was mir ein- und aufgefallen war, aufgeschrieben und abgewogen habe. Hier habe ich versucht, objektiv und fair zu sein. Da kam alles drauf, was ich an ihr schätzen würde und was mich abhalten könnte. Auch was ich an ihren negativen Eigenschaften immer hingenommen oder hintangestellt habe. Aus Respekt und Liebe zu ihr.
Jetzt kam alles auf eine Liste. Tja, ich war selbst erstaunt, aber bei mir wurde die Negativliste immer länger und länger. All die "Kleinigkeiten" haben unter dem Strich mich zur Erkenntnis gelangen lassen, dass ich so eine Beziehung eigentlich nie haben wollte (aus meinem aktuellen Entwicklungsstand heraus natürlich gesehen). Das war für mich auch der Punkt, an dem ich nicht mehr an ihr festgehalten habe. Es war der Schlüssel zu meiner Kopfentscheidung.
Wenn Du jetzt fragst, ob diese Liste legitim ist, dann sage ich mal "Ja". Denn so in der Art wird Dein Ex und meine Ex auch zu seiner bzw ihrer Entscheidung gelangt sein. Nur wird es sehr subjektiv und oberflächlich verlaufen sein, da er/sie ja das Ergebnis ja schon quasi selbst vorausgesetzt hatte.
Wie Du siehst, habe ich mich also selbst aktiv an die Analyse der Beziehung und das Ende begeben. Ich meine mal später in einem Psycho-Post gelesen zu haben, man tue sich leichter, wenn man die Beziehung im Nachhinein (für sich selbst) aktiv beendet. Könnte wirklich was wahres dran sein. Kannst auch mal nach "Oneitis" googeln. Auch interessant, was da steht. Irgendwie haben die Psychos doch alle irgendwie recht. Auch wieder ein Beweis, dass das alles wohl keine unbestimmte Zahl an Einzelfällen ist, sondern das Schema immer gleich.
Tja, diese Entscheidung noch dem Herz beizubringen ist schwer. Sehr schwer, denn es läßt sich nicht einfach zu irgendetwas überreden. Hier hilft einfach nur die Zeit. Und all die kleinen Helferlein, die Du auch von den anderen als Tipp bekommen hast. Absolute Kontakt- und Informationssperre, Förderung des eigenen Wohlbefindens, etc. Das machst Du ja größtenteils schon instinktiv richtig. Bei mir ist das Problem, dass ich den Fehler gemacht hatte, den gemeinsamen Freunden meine kleinen privaten und beruflichen Erfolge, die ich nach der Trennung hatte, immer zu berichten. Sie haben es alles brühwarm an meine Ex weitergeleitet. Das war nicht so gut, denn es bringt keine Ruhe in die Angelegenheit. Und parallel dazu habe ich erkannt, dass sich nach einer Trennung zusätzlich noch herausstellt, wer wirklich Dein Freund ist, oder wo Du nur als Anhängsel akzeptiert warst.
Hintenherum ist dann an mich herangetragen worden, wie sie auf die Informationen reagiert hatte. Nicht so gut. Also ist für alle Beteiligten die absolute Kontakt- und Informationssperre Pflicht. Es geht garnicht mal um sie (wie sie was verarbeitet interessiert mich auch nicht mehr), aber ich hatte gemerkt, dass es mir einen Magenhieb verpasste, als ich von ihr dann über Ecken hörte. Den Schlag habe ich nur meinem Herz zu verdanken.
Es wird sicherlich auch noch den ein oder anderen Hieb geben, wenn sie zB mit nem neuen mir über den Weg läuft. Aber auf der anderen Seite was interessiert es mich noch? Kommt für mich doch eh keine Beziehung mehr in Frage. Und das weiß ich, jeder fällt in seine gewöhnlichen Verhaltensweisen zurück. Soll sich doch der neue mit ihren auseinander setzen. Kann natürlich auch sein, dass das ein Typ ist, der auf genau diese Charakterzüge steht. Kann auch sein.
Fakt ist, für mich sind ihre aktuellen Züge nicht wirklich eine Basis, auf der ich noch eine solide Beziehung aufbauen möchte. Sie kann sich gerne bei mir "neu bewerben". Dann werde ich ihre Bewerbung prüfen. So einfach ist das. Und ich werde auch nicht das Gefühl haben, dass ihr neuer nun den Platz eingenommen hat, der mir zusteht. Auf diesen Platz erhebe ich ja garkeinen Anspruch mehr.
Du solltest auch Mittel und Wege finden, wie Du die Sache verarbeitest. Du hast Dir ein Tagebuch gekauft? Erinnere ich mich da richtig? Ist doch schonmal ein Weg. Jeder hat so seine eigenen Methoden, nur wichtig ist, dass man selbst aktiv wird.
Aber bis ich an diesem Punkt war, bedurfte es doch vieler Gespräche mit Freunden, Erkenntnisse aus Foren, Rückschlägen abends alleine auf der Bettkante und allem was sonst noch dazu gehört. Das wurde aber nach 6 Wochen besser. Immer besser.
Also, erwarte von Dir selbst nicht, dass Du von jetzt auf gleich wieder "die alte" bist und alles in bester Ordnung sei. Trauern gehört nunmal auch dazu. Wenn Du weinen möchtest, dann tue es. Wenn Du lachen möchtest, dann tue auch dieses. Erarbeite Dir aber die notwendige Distanz zu ihm, damit Du wieder selbst auf die Füße kommst. Hast Du das geschafft, dann machst Du wieder ein paar Schritte vorwärts. Die Schritte werden immer mehr und die Wege immer weiter. Und irgendwann betrachtest Du die Vergangenheit aus einem ganz eigenen Blickwinkel. Egal, wie er auch aussehen möge. Aber dann wirst Du die notwendige Distanz dazu haben.
Glaube mir, es geht wieder aufwärts. Aber Du wie ich mußt eine Menge dafür tun.
Alles gute
Flo