Zitat von Minusdioptrie:Vielleicht empfindest du Die Welt als zu bedrohlich. Wenn dein Freund sich nicht zur rechten Zeit meldet, glaubst du direkt an "schlimme" Ereignisse, andere würden annehmen, och, vermutlich Zeit vergessen in ausgelassener Stimmung unter Freunden.
Das ist richtig. Aber zu meiner "Verteidigung" möchte ich sagen, dass das tatsächlich nicht immer so war, sondern dass ein Ereignis im letzten Jahr meine generelle Verlustangst noch einmal hochgepeitscht hat.
Mein Ex war letztes Jahr schwer krank. Es fing relativ harmlos, wurde aber schnell schlimmer, so dass er (auf mein Drängen hin) zum Arzt gegangen ist.
Das Letzte, das ich von ihm gehört habe, war dass er jetzt mit Verdacht auf einen drohenden Darmdurchbruch ins Krankenhaus eingeliefert wird. Danach habe ich zwei Tage nichts von ihm gehört. Die Nachrichten blieben ungelesen, Anrufe unbeantwortet, irgendwann ging sofort die Mailbox an. Ich wusste nicht, in welches KH er eingewiesen wurde, wie es ihm geht, geschweige denn, ob er überhaupt noch lebt. Ich habe alle KH an seinem Wohnort abtelefoniert -nichts. Ich war schon drauf und dran, die Polizei anzurufen, ob die vielleicht etwas heraus finden können.
Nach zwei Tagen erhielt ich einen Anruf aus einem KH in der Nachbarstadt mit der Info, dass mein Freund hier auf der Intensivstation liege. Sie hatten ihn bei Ankunft direkt auf die Intensiv verlegt und medikamentös "ausgeknockt", deswegen konnte er sich auch nicht sofort melden. Besuchen durfte ich ihn nicht, wegen der hohen Corona-Ansteckungsgefahr. Mit ihm zu reden war nahezu unmöglich, da er zum Einen kaum Luft hatte und zum Anderen durch die Medikamente nur wirres Zeug geredet hat. Wie ich hinterher erfahren habe, stand es 5 vor 12 mit ihm. Hätte der Hausarzt ihn nicht ins KH einliefern lassen -zwar mit einer falschen Verdachtsdiagnose, aber immerhin- wäre er heute vermutlich tot.
Mein Freund hat mir danach einmal gestanden, dass er an einem Tag, an dem er etwas klarer im Kopf war, Todesangst hatte. Seither will er nicht mehr darüber reden. Verständlich. Er will es verdrängen. Ich hatte die Angst aber auch. Das kann er doch nicht so einfach wegwischen. Wenn ich auf das Thema zu sprechen komme, warum ich mir solche Sorgen mache, wenn er sich nicht wie verabredet meldet, sagt er nur lapidar: Ist doch alles gut gegangen.
Er will sich nicht damit auseinander setzen und zwingen kann ich ihn nicht.
Und ja, ein bisschen rücksichtslos finde ich es dennoch von ihm, dass er mich da so hängen lässt, obwohl er weiß, dass ich krank vor Sorge bin.