Zitat von Birkai: Kleines Beispiel: Wenn ich jetzt nach der Trennung meinen Kinder auf die Nachfrage, ob es mir gut geht immer die Wahrheit sagen würde, wüsste ich nicht wie sie es verkraften. Da lasse ich Sachen weg oder beschönige und das auch nicht mit schlechtem Gewissen. Es dient in diesem Fall dem Schutz und damit ist es für mich völlig berechtigt.
Ich würde das aber absolut nicht auf eine Stufe damit stellen, jemanden zu betrügen oder zu hintergehen. (Sexuell, geschäftlich, freundschaftlich usw.)
Allein die Intention macht einen Unterschied, und abgesehen davon stimmt es, dass man an Kindern nicht alles einfach ungefiltert rauslassen kann.
Mir geht da gerade noch ein anderes Beispiel durch den Kopf. Mal angenommen ich würde jemand krebskranken im Endstadium kennen, der/dem es sehr schlecht ginge. Und ich wüsste dass der Partner sie oder ihn lange betrogen hat, derjenige aber nicht.
Würde ich das sagen? Und den Schmerz und das Leid desjenigen im letzten Kampf noch massiv vergrößern? Ich denke, nein!
Ob das richtig oder falsch wäre - keine Ahnung. Ich denke aber trotzdem, dass "Lügen" oder gewisse Wahrheiten für sich zu behalten, um jemand anderen zu schützen etwas anderes ist, als um egoistische Interessen zu befriedigen. Wie eben wenn man seinen Partner jahrelang betrügt und ihm täglich fröhlich und zuckersüß ins Gesicht lügt.
Aber da es Leute gibt, die auch mit letzterem absolut kein Problem haben... ist halt größtenteils Erziehung und subjektives Empfinden. Generell wird lügen in der Gesellschaft als immer weniger schlimm und verzeihlich angesehen. Ist so die Entwicklung.
Was ich nur witzig finde - die meisten finden es absolut verzeihlich bis es ihnen selbst passiert und sie fies belogen werden. (Nicht einmal unbedingt vom Partner - auch von Freunden oder anderen Leuten... da gibt es auch heftige Geschichten...)
Ich denke an der alten Maxime "was du nicht willst, was man dir tu'..." ist viel dran.
Ich selbst habe auch schon gelogen, um andere zu schützen. Und wurde auch schon belogen, um geschützt zu werden. (So wurde mir z.B. zur Geburt meines zweiten Kindes der Tod meines Patenonkels eine Weile verschwiegen, weil die Geburt sehr schwierig und ich extrem geschwächt war. War geschockt als ich das später erfuhr... fand es zuerst schlimm... verstand es dann aber. Bin auch schon in anderen Dingen belogen worden - nicht um geschützt zu werden. Das fand ich weniger schön und hatte auch im Nachhinein kein Verständnis dafür...)